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Ent-täuscht

Tja, wie erklärt man etwas Trauriges ohne es traurig klingen zu lassen?! Das Projekt VEGA ist vorerst auf Eis gelegt. Für mich, für den Skipper, für die ganze Crew und für das neue Katzenbaby.

Anzeichen waren da, es gibt keine Projekte, die Restaurierung und die Reparaturen haben ziemlich viel Geld verschluckt und unsere anderen Bemühungen, wie im letzten Blog beschrieben, sind leider auch alle im Sande verlaufen. Nun bleibt die VEGA also in Griechenland liegen, die Cocco wird verkauft und die Crew verteilt sich in alle Winde. Und da der Kapitän als letzter das Schiff verlässt, wird der VEGA Skipper wohl den Sommer allein auf der Schönen verbringen. Und da höre ich sie schon, die weisen alten Männer, die jetzt mit dem Finger zeigen können – ich hab´s Dir doch gleich gesagt. Aber wenn man keine Träume hat, wird man sie auch nie leben können. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass ich meinen Traum gelebt habe und auch weiter lebe. Ich weiß nicht was jetzt aus der VEGA wird. Ob sie verkauft werden kann, oder hier im Hafen einfach ihr Dasein fristet. Ich werde vielleicht ab und an nach ihr schauen, wenn ich in der Gegend bin.

Natürlich bin ich ent-täuscht, aber daran habe ich zu 50% selbst Schuld. Denn ich habe mir tatsächlich eingebildet, die VEGA wirklich unterstützen zu können. Ihr das zurück zu geben, was sie mir gegeben hat. Und auch wenn ich nur hauptsächlich auf ihr gewohnt und gearbeitet habe, ist es toll gewesen sie zu verschönern. Fast 6 Monate habe ich jeden verdammten Tag 5-6 Stunden an ihr herumgeschliffen und gestrichen, habe viel gelernt und unheimliche Freude an dieser Holzarbeit für mich entdeckt. Ich werde vielleicht irgendwann mal, wenn ich genug vom reisen habe, in einer kleinen Werkstatt sitzen und alte Möbel restaurieren. Auch hatte ich eine sehr entspannte Zeit mit dem VEGA Skipper, wir haben tolle Gespräche geführt und Ideen entwickelt, auch wenn sie nicht gefruchtet haben. Trauriges Smiley Aber ich hatte eine zweite Chance, die mir damals vor fast 4 Jahren verwehrt geblieben ist.

Nun muss ich also wieder einmal Abschied von der Schönen nehmen. Ich liebe Dich Du wundervolle alte Lady. Du hast mehr Seele als so mancher Mensch!

Aber ich muss jetzt auch einmal an mich denken!

Denn wie schrieb jemand so schön Genderfreundlich unter meinen letzten Blogeintrag- “Wenn Man/Frau merkt, dass Mann/Frau ein totes Pferd reitet, sollte Mann/Frau absteigen!” Eigentlich kannte ich diese alte Indianerweisheit.

Wie geht´s nun weiter für mich- nach einer letzten Woche auf der Cocco, die ich mit meinem Sohn und meiner Schwiegertochter verbringen werde, werde ich mit dem Bus nach Athen fahren und von dort mit der Fähre nach Kos übersetzen. Dort erwartet mich eine fast genauso alte Lady, allerdings in menschlicher Form, eine alte Seebärin, von der ich sicher noch so einiges lernen werde. Ich werde also von Kos aus, für 3 Wochen mit einer Sun Odyssee 44 die Ägäis erkunden. Ich bin echt gespannt auf diese sagenumwobenen Inseln, die vorausgesagte raue Witterung und die türkisen Buchten die man so oft auf Werbeplakaten sieht. Danach werde ich wohl Inselhopping mit Fähren und AirBnB machen, aber ich habe auch verschiedene Segelangebote, sowohl als Skipperin, als auch nur Hand gegen Koje, was mir sogar noch vielmehr recht ist. Denn ich bin zu lange heraus aus dem Hamsterrad und kann mich schwer in die Urlaubsstimmung der Touristen, die Kojen chartern, hineinversetzen. Ich bin wohl schon eine eingefleischte Langfahrerin geworden, die lieber die Einsamkeit und Ruhe sucht, statt langer Abende voller Smalltalk oder Party.

Ich bin gespannt wo mich meine Reise nun hinführt, aber die Karten werden nun wieder neu gemischt. Der grobe Plan ist immernoch, diesen Sommer in Griechenland zu verbringen. Den Winter dann wahlweise auf Sizilien, natürlich in Licata zu verbringen ODER auf den Kanaren ODER sogar in der Karibik. Aber bis dahin ist noch etwas hin und wie schnell sich Pläne ändern können, habe ich ja wieder einmal direkt erfahren. Ihr seht also, es bleibt immer spannend Zwinkerndes Smiley

Pralinenschachtel VEGA

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie was man kriegt.“ Forrest Gump

Ich weiß es jetzt!

Ein großartiges Projekt wurde ins Leben gerufen und endlich darf ich diesem wunderschönen Schiff all meine Kraft und Aufmerksamkeit widmen und mich daran beteiligen, dass sie wieder zu ihrer alten Schönheit auflebt.

Der Eigner der VEGA stellt mir sein zweites Schiff, die Cocco, zur Verfügung und ich darf mit ihr auf die Kanaren fahren um dort den Winter zu verbringen. Im Frühjahr geht es dann wieder zurück nach Griechenland, so das ich dort die Inselwelt erkunden darf. Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn sich Menschen daran beteiligen, die mich und meinen Blog verfolgen und mich bei meinem Vorhaben unterstützen. Ich denke es wird eine tolle Sache, es wäre doch gelacht wenn wir da nicht gemeinsam etwas bewegen können Smiley mit geöffnetem Mund

 

Griechenland

Ich hab es geschafft! Smiley mit geöffnetem Mund Ich habe mein selbstgestecktes Ziel für dieses Jahr erreicht – Griechenland!!! Mein Weg führte von Mallorca über Sardinien, Süditalien, Kroatien bis nach Griechenland, wo die VEGA den Sommer verbracht hat. Nach 4 Monaten und 1972 Seemeilen bin ich also wieder auf der Schönen die in Preveza liegt. Man könnte glatt meinen ich wäre, wie das neue Crewmitglied, eine Katze, die man aussetzen kann wo man will und die den Weg immer wieder nach Hause findet. Aber ein Freund aus Facebook hat mein Verhältnis zur VEGA sehr treffend beschrieben: “Ein Boot mit besonderen Charaktereigenschaften, Landeplatz und Startbahn zu neuen Ufern, Zwischenstopp zum Ausruhen und zum gediegenen Segeln sowieso!” Und genau das ist sie wohl für mich, deshalb habe ich auch alle anderen Angebote ausgeschlagen und habe mich auf den Weg zu ihr gemacht, als ich vom Skipper um Hilfe gebeten wurde. Der Sommer war sehr aufregend, ich habe viele tolle Törns gehabt, nette Leute kennengelernt und wunderschöne Landschaften gesehen. Habe in traumhaften Buchten geankert, bin durch altertümliche Städte getigert, habe schmackhaftes Essen genossen, bin überrascht worden von Gegenden die vom Wasser aus ansprechender sind als von Land und bin echt viel herumgekommen. Was für ein Leben!

Ich kann gar nicht mal sagen, welches Revier mir dabei am besten gefallen hat, jedes einzelne hatte seine besonderen Reize. Mallorca – mit seinen glasklaren Buchten, die sich dicht an dicht wie Perlen an der Ostküste hinaufschlängeln. Sardinien – mit seinen schroffen Felsen, weißen Sandstränden und türkisfarbenen Buchte, ein tolles Segelrevier, das durch seine vielen Inseln im Maddalena-Archipel ständig wechselnde Winde bereithält und das durch seine Nähe zu Korsika als Höhepunkt den Sprung hinüber nach Bonifacio ermöglicht. Die Amalfiküste – mit seinen landschaftlich traumhaften Bergdörfern, eingebettet in saftigem Grün und die malerischen Inseln Capri und Ischia, wie auch der, sich ehrfürchtig über Neapel erhebende, Vulkan Vesuv. Dalmatien – mit seinen zig kleinen Inseln und Grotten, oder auch auf den Spuren Winnetous im Nationalpark bei den Krka Wasserfällen. Die Städte Split und Dubrovnik – die an Kultur und Geschichte dem alten Rom in nichts nachstehen. Und zuletzt die Ionian Islands – die irgendwie alle bisher genannten Reviere vereint, das Städtchen Parga, dass an Amalfi erinnert, die glasklaren Buchten wie auf Mallorca, die um die Inseln wechselnden Winde wie auf Sardinien, das saftige Grün der Krka Wasserfälle und natürlich die Gastfreundschaft, die in allen südlichen Ländern so wohltuend ist. Griechenland macht neugierig auf mehr und ich werde es im nächsten Sommer noch intensiv erforschen, bevor ich dann Europa verlasse.

Auch gefällt mir das skippern sehr! Abgesehen davon, das ich man sich als Langfahrer wohl einige Häfen die ich angelaufen bin, gar nicht leisten könnte, geht es mir dabei gar nicht mal um die, wenn auch willkommene, zusätzliche Einnahmequelle, sondern darum unabhängig die Welt bereisen zu können und dabei immer im Kontakt zu anderen Menschen zu sein. Denn wenn ich eins in der Zeit, zu zweit unterwegs, gelernt habe, ich brauche soziale Kontakte und da reicht es mir nicht ab und an mal einen anderen Langfahrer zu treffen, sondern die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen und um mich zu haben. Ob das nun reine Mädelscrews sind, oder Gemischte- bzw. Familiencrews, aber auch, wie zuletzt auf der Jason, reine Männercrews, sie alle haben Spaß gemacht und es sind tatsächlich Freundschaften entstanden, so das ich fürs nächste Jahr schon bei einigen wieder gebucht bin. Allerdings muss ich auch zugeben, das mir Flottillentörns genauso wenig liegen, wie Mädelscrews mit nur einem oder zwei Kerlen, denn eigenartiger weise verfallen die Mädels dann automatisch in den Weibchenmodus oder werden gar zu launischen Prinzessinen. Aber aus Erfahrungen lernt man und auch wenn ich mich jetzt schon vor Aufträgen kaum retten kann und einige sogar ablehnen musste, möchte ich mir im nächsten Jahr den Status erarbeiten, mir gezielt Törns aussuchen zu können. Deshalb werde ich den Winter, den ich auf den Kanaren verbringen möchte, nutzen um meinen SKS zu machen um einen Level höher zu steigen. Denn auch wenn ich in dieser Saison viel dazu gelernt habe und schon den einen oder anderen Applaus beim einparken bekommen habe, möchte ich noch einige Skippertrainings absolvieren. Auch kann es nicht schaden die schon erlernte Theorie nochmal aufzufrischen und zu vertiefen, zumal man ja nie auslernt. Aber das alles wird mir ganz sicher nicht schaden, denn nächsten Herbst soll es ja dann endlich auch weiter weg gehen.

Denn auch wenn das Mittelmeer wundervolle Möglichkeiten bietet und ich bei weitem noch nicht alles gesehen habe, ist mein Fernweh noch lange nicht gestillt. Die weite Welt, fremde Kulturen, ferne Städte und die unendliche Weiter der Ozeane warten auf mich. Aber ich werde natürlich wie bisher in kleinen Schritten weitermachen, als nächstes werde ich Anfang Oktober mithelfen die VEGA nach Sizilien zu überführen, dort wird dann entschieden ob sie in der Werft etwas aufgepeppt wird oder ob es gleich weiter geht auf die Kanaren. Je nach dem werde ich entweder auf ihr oder auch auf dem Zweitschiff des VEGA-Skippers, der Cocco, oder aber mit meinem ersten Auftraggeber auf der ITA auf die Kanaren fahren. Dort werde ich dann schauen wo ich unterkomme, ob nun auf der VEGA, der Cocco oder in einem Airbnb Zimmer, oder eben skippernder Weise auf verschiedenen Charterschiffen wird sich zeigen, auch einem Abstecher auf die Kap Verden wäre ich nicht abgeneigt. Ich habe also wieder mehrere Pläne in petto, wobei natürlich mein absoluter Favorit die geplante Kommune auf der VEGA ist. Zwinkerndes Smiley Denn das wäre tatsächlich das Beste für dieses tolle Schiff, eine feste Crew, die dauerhaft auf ihr lebt und die zusätzlich von Mitreisenden unterstützt wird, aber wie war das – “alles kommt im richtigen Moment zu Dir, sei geduldig!”

VEGA

VEGA_2015Ich glaube ich brauche nicht zu erwähnen wie sehr ich dieses Schiff liebe. Schon vor 2,5 Jahren hat es mich infiziert und seit dem habe ich immer Ausschau nach ihr oder einer ähnlichen Lady gehalten. Sie ist einfach etwas ganz besonderes und ich fühle mich auf ihr jedes mal wie zu Hause. Sie hat eine Seele und man spürt auf ihr die vergangenen Jahre und weiß das sie einem all die Sicherheit gibt, die man braucht um sich auf einem Schiff rundum wohl zu fühlen. Um so erfreuter war ich natürlich, als ich sie in Almerimar wiedersah und beim betreten feststellte, das auch sie mich nicht vergessen hat und all meine Mitbringsel von damals immer noch an Ort und Stelle waren. Und auch dieses mal habe ich das eine oder andere da gelassen, die Welt ist einfach zu klein um sich dauerhaft aus dem Weg zu gehen Zwinkerndes Smiley

17795756_1449746148380045_8873340462772355970_nDie VEGA und ich habe eh ein ganz besonderes Verhältnis zueinander- ich habe nun 2 x 2 Monate auf ihr gewohnt, habe sie geputzt und gewienert, geschliffen und gestrichen, habe den Skipper und die Crew bei Laune gehalten und kulinarisch verwöhnt und was bekomme ich von der feinen Lady dafür zurück? Von 7 Tagen die ich bisher mit ihr je fahren durfte, bekam ich EINEN Tag unter Segel und das sogar als Geburtstagsgeschenk! Und dennoch bin ich ihr dafür sehr dankbar, denn es war immer ein kleiner heimlicher Traum von mir und sie hat mich damit sehr glücklich gemacht. Es ist so ein anderes Gefühl als auf kleineren Booten, alles ist martialisch und handfest, schon allein um eine Wende zu machen braucht man 2-3 Mann, geschweige denn die Segel zu setzen und zu bergen. Auch das man ungehindert auf dem Schiff herumlaufen oder sich sonnen kann, immer irgendwo ein Plätzchen findet um trotz vieler Menschen allein zu sein.

17499310_1439420186079308_2028950747002886118_nIch lasse mich auch weiterhin nicht beirren, ich habe sie sehr sehr gerne verschönert und ein ganz klein wenig dazu beigetragen, dass sie vielleicht noch weitere 90 Jahre auf den Meeren herumfährt. Auch wenn ich sie wiedermal nur eine kurze Strecke begleiten durfte, denn so sehr ich es mir auch gewünscht habe nicht nur bis Griechenland mitsegeln zu dürfen, so wenig verstehen andere wie wichtig für das Projekt VEGA Menschen sind die ihr ganzes Herzblut hinzugeben bereit sind. Ihr Skipper hat in den letzten zwei Jahren wirklich sehr viel Energie, Zeit und Geld hineingesteckt. 17626177_1448940761793917_6820802876469272490_nEr hat den Motor, das komplette Rigg, eine Rollfockanlage und das Unterwasserschiff erneuert, hat die Masten, die Reling und das Schanzkleid refitet und will im nächsten Winter den Wassermacher und einen Autopilot einbauen lassen. Auch hat der Skipper vor, eine feste Crew von Langfahrern aufzubauen und hat mir nach dem Törn Almerimar – Griechenland angeboten auf der VEGA zu wohnen, auf sie aufzupassen und als Co-Skipperin zu fungieren. Ich habe natürlich das Für und Wider abgewogen, denn so muss ich mich in eine größere Gruppe eingliedern, kann nicht selbst entscheiden wo es hingeht und wie lange ich wo bleiben möchte. Aber ich habe ihm dennoch zugesagt und er hat sich sehr darüber gefreut, da wir super als Team zusammen gearbeitet haben. Es ist nur sehr schade, das es dennoch immerwieder Menschen gibt, die ihre persönlichen Interessen vor das Wohl der Allgemeinheit stellen und die wegbeißen, die diesem schönen Schiff gutes tun wollen. Kleingeistige Eifersüchteleien und Machtspielchen sind eben so gar nicht mein Ding, deshalb werde ich also schweren Herzens von Bord gehen.

17861924_1455474737807186_8672685980220892892_nDie Fahrt bisher war kurz und schmerzlos, wir hatten wenig Wind, bis auf eben diesen einen Tag und sind die ersten knapp 350sm quasi in einem Rutsch durchgefahren. Das Schiff war fast komplett ausgebucht und so waren die Nachtfahrten gut in 3 Stunden Rhythmen einzuteilen. Es schläft sich eben nur immer sehr unruhig wenn man unter Motor fährt, auch wenn wir Glück hatten und nicht so ein starker Schwell vorhanden war. Die spanische Küste habe ich also nur von weitem gesehen, zum Glück kenn ich ja Cartagena und Calpe schon, auf Formentera haben wir eine Nacht gestoppt, Ibiza habe ich dann verschlafen und auf Mallorca habe ich noch zwei Tage genossen in einer Bucht zu ankern, während die Crew auf Landgang war bevor es weiterging. Mal schauen wann ich dann das nächste mal auf einem Schiff sein darf. Ich bin ja ein Planungsmensch und da ich bei meinem Lebensstil sogar mehrere Pläne haben muss, habe ich mich ja auch anderweitig umgesehen und mich bei Charterfirmen beworben. Nun werde ich also vorerst bei einem Freund in Palma wohnen und mal ausprobieren, wie es sich anfühlt als Skipperin Fremde durch die Gegend zu schippern. Ansonsten hätte ich schon einige Angebote, von der Code de´Azur über Korsika, Sardinien, Sizilien nach Griechenland mitzusegeln. Auch in Griechenland hätte der eine oder andere eine Gästekoje frei, aber ich muss gerade erst einmal den vergangenen Stress abschütteln, zur Ruhe kommen und mich darauf besinnen was ICH will!

In jedem Fall bin ich sehr glücklich, dass in diesem Jahr somit schon zwei Träume wahr geworden sind- ich durfte auf der VEGA segeln und nun auch in Palma, meiner heimlichen Wahlheimatstadt, wohnen! Smiley mit geöffnetem Mund

Alles hat eben seine Zeit!

Nachtrag – und hier ein Bericht eines Mitseglers:

Mit der Vega auf Überführung

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Back to the roots

Screenshot_2017-03-09-12-07-59-1-1Gehen sie zurück auf Start und ziehen sie keine fünfhundert Euro ein. Oder, man sollte wissen wann man aufhört, auch wenn es nicht am Schönsten ist. Almerimar scheint für mich dafür prädestiniert zu sein Erstauntes Smiley

Ich bin aufgebrochen um die Welt zu entdecken, mich frei zu machen von den Zwängen des Alltags, zu leben und glücklich zu sein. Fast ein Jahr bin ich allein unterwegs gewesen, von Boot zu Boot und auch über Land gereist. Vor 1,5 Jahren nun habe ich auf der Gorch Fock einklariert, bin dafür nach Holland geflogen und hab dort den Winter verbracht. Wir wollten von nun an gemeinsam die Welt umsegeln und so habe ich all meine bisher gesammelten Erfahrungen und Ideen in dieses Projekt gesteckt. Ich habe geholfen das Boot langfahrtauglich zu machen und beim Nestbau mitgewirkt. Gemeinsam haben wir die Route zusammengestellt und die Strecken abgesteckt. Ich habe von Holland, Belgien, Frankreich über die Biskaya, nach Portugal und Spanien, die gesamte Strecke ohne Autopilot gesteuert. Meine Lieblingsstrecke war das nicht, es war eine sehr spannende aber auch anspruchsvolle Tour, mit traumhaften aber auch nicht so schönen Ecken. Ich habe viel gesehen und gelernt und meine Lust aufs Segeln und auf ein Leben auf dem Boot ist keinen Moment geschmälert. Ich bin immer noch wildentschlossen, so viel wie möglich von der Welt zu sehen und gerne bereit deshalb auf vieles andere zu verzichten.

20170205_183558Für viele ist dieses Leben ein absoluter Traum! Die wenigsten erfüllen ihn sich und die, die den Absprung schaffen, sind oft überrascht wie sehr noch die Erwartungen übertroffen werden. Man ist plötzlich frei von allen Verpflichtungen, hat die ganze Welt vor Augen, kann sehen, hören und riechen wie vielfältig das Leben außerhalb Deutschlands ist. Wie offen und unbändig die Menschen anderorts leben, wie anders und fremdartig die Gewohnheiten sind. Auch hat man alle Möglichkeiten die man sich vorstellen kann, die Welt steht einem offen und man kann hin wohin man möchte. Man ist berauscht, saugt alles auf und kann gar nicht genug bekommen von diesem Leben. Und es gibt noch so vieles zu sehen und zu entdecken, der Neugier sind keine Grenzen gesetzt. Zu dieser Sorte ´Aussteiger` gehöre ich.

Aber es ist ein Unterschied, einen Traum zu haben oder ihn dann auch zu leben.

Screenshot_2017-03-03-11-22-11-1-1-1Denn es gibt auch die, die es sich wohl anders vorgestellt haben, die mit diesem Leben hadern und sich heimlich zurückwünschen, zu ihren Freunden und der Familie daheim. Das Leben auf dem Boot ist nun mal sehr einsam, soziale Kontakte sehr flüchtig und von kurzer Dauer. Dafür ist man zu zweit 24/7 miteinander zusammen, hat kaum Privatsphäre und muss den Partner ertragen wie er ist, muss Kompromisse schließen. Das ist nicht einfach und etwas ganz anderes als eine Beziehung zu Hause. Nun ist es aber schwer, sich das selbst einzugestehen und dann noch vor den Freunden daheim zuzugeben, denn welch Blöße würde man sich geben. Schließlich käme es einer Bankrotterklärung gleich, wenn man herausfindet, dass man vor sich selbst gar nicht weglaufen kann und das man die Freunde daheim braucht um Bestätigung zu kommen. Selbstreflexion und klare Worte sind leider selten Männersache und so ist es einfacher zu nörgeln und zu meckern, an allem und jedem und seine schlechte Laune am Nächstbesten auszulassen und negative Energien in alle Richtungen zu versprühen. Am Boot will/kann man dann auch nicht so viel reparieren, morgen ist ja auch noch ein Tag. Und so lebt man in den Tag hinein, es vergehen untätige Wochen und Monate. Zu dieser Sorte Mensch gehört leider der Seebär.

fb_img_1475670601182Und genau deshalb ist meine Zeit auf der Gorch Fock nun zu Ende. Die Dipsomanie und Dämonisierung ist zu weit fortgeschritten, um sie noch länger zu ertragen oder ihr noch entgegen zu wirken. Ich bin einfach ein zu positiver Mensch und bin der Meinung- man lebt nur 1x und mein Leben ist zu kurz und die Grafik einfach zu genial, um sie mir zu vernebeln, oder mich herunterziehen bzw. ärgern zu lassen. Leider sieht er das wohl anders und erzählt überall herum, dass ich ihm Geld unterschlagen hätte, was natürlich Blödsinn ist, zum Glück habe ich alle Kontoauszüge. Wir hatten eine klare Abmachung- solange ich an Bord bin, trage monatlich 500,-€ in Form von Lebensmitteln zur Bordkasse bei und er übernimmt den Rest, ist ja auch sein Boot. Das hat auch all die Monate super funktioniert. Plötzlich will er aber rückwirkend meinen Anteil auf 1:1 erhöhen und droht mit einer Strafanzeige, wenn ich diese Differenz nicht ausgleiche. Mir bleibt also wieder einmal nichts erspart. Trauriges Smiley Sehr schade, dass Menschen die sich mal gern hatten, so miteinander umgehen müssen!

10566223_10152285277797263_1333105683_n.jpgWohin aber nun mit mir? Nun wie das Leben so spielt, passieren Dinge die man nie für möglich gehalten hätte, oder soll es einfach so sein? Seit Anfang Oktober liegt nämlich die VEGA auch hier im Hafen. Drei Monate haben der Skipper und ich, es tatsächlich geschafft einen großen Bogen umeinander zu machen, dann aber trafen wir doch aufeinander. Und so haben wir in einem Gespräch festgestellt, das damals vor über zwei Jahren vieles unausgesprochen geblieben ist, aber dennoch nicht anders zu regeln ging. Es war besser, genau wie auch jetzt von der Gorch Fock, voneinander Abschied zu nehmen, bevor etwas eskaliert, das nicht rückgängig zu machen geht. Wir sind uns also nicht böse, es fühlt sich vertraut an und so gehen wir als gute Freunde miteinander um. Es war nicht schwer zu erraten, dass ich mich sehr unwohl fühle, deshalb haben mir der Skipper der Vega und seine Bordfrau Asyl angeboten. So wird also doch noch ein kleiner jahrelang gehegter Traum wahr und ich darf ab April mit der VEGA mitfahren. Ihr Ziel ist über die Balearen, nach Sardinien und Sizilien nach Griechenland zu fahren, aber ich muss natürlich schauen wie sich das für mich anfühlt mit so großer Crew. So peile ich erst einmal Mallorca an, um mir dort ein Zimmer zu nehmen, oder schaue eben wie lange ich die Besatzung der Vega unterstützen kann bzw. es miteinander gut geht. Denn in Griechenland muss ich mir ja auch erst wieder einen Platz bzw. Boot suchen, um die Schönheit des ionischen Meeres und der Ägäis kennenzulernen.

Screenshot_2017-03-04-10-00-36-1Deshalb nimmt auch eine andere Variante gerade Formen in meinem Kopf an. Denn will ich wirklich auf Dauer immer abhängig von den Launen und der Gnade der Skipper sein, die mir für Hand-gegen-Koje Obdach gewähren? Will ich immer bitten und betteln müssen, mich mitzunehmen, als Gegenleistung profitieren die von meinen Erfahrungen und wissen das nicht einmal zu schätzen? Ich könnte mir deshalb auch gut vorstellen, mich auf Mallorca für länger nieder zu lassen, zeitnah den SKS-Schein zu machen und dann als Skipperin zu arbeiten. Firmen die mich mit Kusshand nehmen gibt es einige, denn SkipperINNEN sind doch recht rar und Frauentörns dafür um so gefragter. Zusagen hätte ich sogar schon.

Und noch eine Idee manifestiert sich gerade. Für ein eigenes Boot fehlen mir derzeit leider die finanziellen Mittel, aber eine Frau zu finden die ein eigenes Boot hat, wäre noch denkbar. Wenn das vielleicht auch sehr selten ist und selbst da ist es fraglich ob es miteinander klappt. Aber einen Versuch wäre es wert, mit Frauenpower durch die Welt zu segeln. Also Mädels, meldet Euch!

So traurig und unvorhergesehen diese Entwicklung nun ist, bin ich dankbar für die schöne Zeit, die wir doch gemeinsam hatten und schaue offen in die Zukunft Smiley mit geöffnetem Mund

Ich lass mir jedenfalls meinen Traum nicht kaputt machen!!!