Marokko

Marokko ist in jedem Fall eine Reise wert. Ich glaube es ist auch egal, ob man organisiert oder wie ich auf eigene Faust reist, beides hat seine Vorteile und sicher ist es in jedem Fall, auch für alleinreisende Frauen! Ich habe mich zu jeder Zeit wohl gefühlt, bin Abends allein durch die Straßen gegangen, bin mit Localbussen gefahren und habe aber immer ein Tuch parat gehabt, das mich vor Blicken geschützt hätte. Ich hätte gerne dieses mal eine organisierte Reise gemacht, aber für diese 3 Wochen 1300,-€ trotz Bus und Bahn auszugeben, waren mir einfach nicht möglich und somit habe ich mir meine Unterkünfte wieder über Airbnb alleine gesucht. Man findet da echt günstige und wirklich schöne Unterkünfte, Riads aus 1001 Nacht, mit wirklich netten Gastgebern, für 10,-€ incl. Frühstück. Ich hatte nur 1x in Casablanca Pech, da wohnte ich bei einer Familie mit zwei kleinen Kindern und schlief in deren Schlafzimmer, während sie im Wohnzimmer auf dem Fußboden schliefen, kein schönes Gefühl.

Aber das war zum Glück nach meinem ersten Aufenthalt in Marrakesch, der eine wirklich schöne Erfahrung war. Marrakesch eine quirlige Stadt, mit einem riesigen Souk, der sich fast durch die gesamte Medina schlängelt. Natürlich habe ich mich dort verlaufen und wurde mehrfach von Kids angesprochen, ob sie mir helfen können. Da leider das GPS in den engen Gassen nicht funktioniert, musste ich irgendwann deren Angebot annehmen und mich aus dem Labyrinth führen lassen. Und natürlich wurde danach die Hand aufgehalten, aber nicht um übrige Münzen entgegen zu nehmen, neinnein, sie wollten Scheine, sehr dreist wie ich finde. Der Marokkaner ist ein sehr einnehmendes Wesen und nicht nur die Erwachsenen lassen sich für jede Kleinigkeit und nicht gewollte Hilfe bezahlen, sie dressieren schon ihre Kinder dazu. Trotzdem genoss ich den Aufenthalt in Marrakesch sehr, sah mir eine Gerberei an und ließ mich durch die schmalen Gassen treiben. Nicht so schön sind dort die, durch die schmalen Gänge, rasenden Motorräder, Fahrräder und auch Eselskarren, wenn man sich nicht ganz rechts an den Ständen entlang schlängelt, läuft man Gefahr überfahren zu werden. Abends erholte ich mich in meinem traumhaften Riad Sijane bei Shisha und arabischem Tee.

Nach drei Tagen ging´s dann weiter nach Casablanca. Von dieser Stadt hatte ich eine ganz andere Vorstellung, sie ist modern und groß und sauber. Sie hat nichts von “Schau mir in die Augen Kleines”, auch wenn es dieses Café dort tatsächlich gibt. Das einzig schöne dort ist die riesige Moschee, die aufs Meer hinausragt und die wirklich beeindruckend ist. Aber ein Tag hätte völlig ausgereicht, selbst ein paar Stunden wären genug gewesen. Aber dafür reist man ja, um die Vorstellung mit der Realität abzugleichen. Zum Glück konnte ich meine Reisetaschen im Hostel in Marrakesch unterstellen und reiste nun nur mit meinem Rucksack, was für eine Erleichterung, so will ich in Zukunft nur noch reisen.

Meine nächste Station war Rabat. Ein schöne alte Stadt am Meer, mit wiedereinmal einer Medina mit Souk, aber auch einer wirklich schönen Kasbah am Meer, in der die Häuser genauso blau/weiß angemalt sind wir in Chefchaouen. Auch war das Hostel wieder ein wirklich schönes Riad, das diesmal sehr junge Gäste hatte, da es ein Surfhostel war. Dennoch wurde auch ich sehr herzlich aufgenommen und willkommen geheißen. Am letzten Tag regnete es sogar und so kochten wir alle zusammen und hatten einen wirklich schönen Tag. Ansonsten ernährte ich mich hauptsächlich von Sandwiches, die es für umgerechnet 1,-€ an jeder Ecke gab und unheimlich sättigte. Ich mag ja diese Hostelcommunitys, Menschen aus aller Herren Länder treffen aufeinander, es werden die verschiedensten Sprachen gesprochen und dennoch versteht man sich. Es werden Reisetipps und Erfahrungen ausgetauscht und viel gelacht und gefeiert.

Die nächste Stadt Meknes, war dann nicht so schön. Sowohl die Stadt, als auch das sehr kalte und regnerische Wetter, als auch die Unterkunft waren nicht so berauschend. Ich hatte zwar mein eigenes Appartement, aber die Pension ansich war sehr steril und kalt. Auch hier hätte wieder nur eine Nacht oder gar nur ein paar Stunden gereicht, um zu sehen was es zu sehen gab. Mittlerweile hatte ich vier Souks in vier Medinas gesehen und eine ähnelte der anderen. Es gab nichts typisches, worin sich diese von den anderen unterschied. In den Königspalast konnte man nicht hinein, klar da wohnte ja der König und die Gassen waren dunkel und schmutzig wie überall. Also freute ich mich wieder einmal auf die Zugfahrt nach Fes. Für 4,- bis max. 12,-€ kann man ganz hervorragend, mit einem sehr modernen Zug, von Ort zu Ort fahren und in den meisten Fällen liegt der Bahnhof recht zentral, zur Not kann man mit dem Sammeltaxi für ein paar Dirham in die Medina fahren, wenn man das nicht mag auch mit dem Taxi ganz alleine für 5,- bis 10,-€.

In Fes angekommen, fuhr ich dieses mal mit dem Taxi und wurde sogar am Medinaeingang abgeholt, da die Medina von Fes einem wahren Labyrinth gleicht. Auch dieses Riad war wirklich schön, in maurischem Stil mit Lichthof von dem die einzelnen Zimmer abgingen. Alles gefliest und dann mit weichen Teppichen ausgelegt. Sehr angenehm auch die Sitte, als erstes einen Tee zu reichen um erst einmal anzukommen. Fes ansich ist eine wunderschöne Stadt, man fühlt sich zurückversetzt ins Mittelalter, kann den Handwerkern beim handwerken zusehen und kann als Highlight auf den daneben liegenden Berg hinauf und die Stadt von oben besichtigen. Aber auch ein Abendessen auf einer der zahlreichen Terrassen über den Dächern der Stadt ist schon besonders schön, bei Sonnenuntergang und dem Ruf des Muezzin. In Fes verging die Zeit wie im Fluge und ich hätte durchaus noch 1-2 Tage bleiben können, aber die Zeit drängte langsam, ich wollte ja noch in die Wüste.

Und so zwängte ich mich über Nacht in einen Überlandbus, um nichts vom Land zu sehen und halb steif nach 10 Stunden Fahrt, am frühen morgen in Rissani anzukommen. Nie wieder! Bitte erinnert mich daran! Da ich, wie anfangs erwähnt, ja auf eigene Faust unterwegs war, wurde ich natürlich auch nicht abgeholt und da Rissani ein wirkliches Dorf ist, gab es auch kein Taxi am Busbahnhof. Ich zwängte mich also mit zwei anderen Frauen auf die Ladefläche eines Motorradtucktucks und wurde durch die staubigen Straßen geschaukelt. Wieder sah ich nichts von der Landschaft, die doch wirklich beeindruckend ist. Palmen so weit das Auge reichte, wuchsen in Lehmboden, zwischen halbverfallenen Lehmhäusern, ein wirklich skurriler Anblick. Rissani ansich muss man nicht gesehen haben, es sei dann man interessiert sich für das ganz einfache und ursprüngliche Leben der Marokkaner. Auch der Besuch in einem Hamam war eher enttäuschend, denn das hat dort so gar nichts mit den türkischen Badehäusern gemein. Es sind einfach nur geflieste Räume die unterschiedlich beheizten sind, auf dessen Boden die Frauen sitzen und sich mit heißem Wasser waschen. An kalten Tagen vielleicht ganz angenehm und man kann den Staub der Straßen mal so richtig abschrubbeln..

Und dann ging es endlich weiter in die Wüste! Schon die Fahrt dorthin, war ein echtes Erlebnis, in einem Pickup über Stock und Stein, Straßen Fehlanzeige. Eigentlich wollte ich ja zwei Nächte im Hotel Lahmada bleiben, einfach mal runter fahren, mit Blick auf die Wüste. Aber kaum dort angekommen, wurde ich gefragt ob ich nicht mit den beiden Mädels, mit denen ich aus Rissani ankam, zwei Tage in der Wüste verbringen wollte. Der Preis unterschied sich nicht sonderlich vom Hotelzimmer, zumal noch Essen und der Kamelritt mit dabei war. Was für ein Angebot! Schon der Blick auf die Wüste war mehr als beeindruckend, ja fast atemberaubend. Im ersten Moment, den ich auf dem Kamel verbrachte, dachte ich- das muss ein Scherz sein. Es war so eine wackelige Angelegenheit, so dass ich jeden Moment Angst hatte herunter zu fallen. Es war sehr anstrengend, nicht nur das auf und absitzen, sondern der gesamte Ritt, ich glaube nicht dass ich das noch einmal machen muss. Dafür entschädigte der Anblick der Wüste, die Farben, die Schatten, die Kamele der anderen Gäste, es war unheimlich ergreifend.

Die Nacht im Berberzelt verging eigentlich recht gut und auch wenn wir auf hartem, mit Decken ausgelegten, Boden schliefen, war uns doch nicht wirklich kalt, obwohl es kaum 5°C hatte. Auch das Essen aus der Tajine und der gute arabische Tee taten ihr übriges. Am nächsten Morgen besuchten wir das, sehr einfache Berberhaus und sattelten nach einem leckeren Frühstück mit den typischen Crepes, Weißbrot und Honig, unsere Kamele und weiter ging´s wiederum 2 Stunden quer durch die Wüste. In einer Oase, die mal ein Camp war, rasteten wir und unser Kamelführer bereitete uns ein leckeres Berberomelette auf offenem Feuer zu. Nach entspannten 3 Stunden Pause, in denen ich die unglaubliche Weite und minütliche Veränderung der Farben und Schattierungen bewundern konnte, fingen wir unsere Kamele wieder ein und zogen weiter. Nach weiteren zwei Stunden hielten wir ein letztes mal, um den Sonnenuntergang zu genießen. Ein atemberaubender Anblick! Danach ging es es im Galopp ins Wüstencamp, wo wir mit Trommeln und einem reichlichen Dinner aus der Tajine erwartet wurden. Es war ein wirklich schöner Ort, mit exotisch ausgestatteten Zelten und einem Lagerfeuer in der Mitte des Camps. Der Abend war wirklich kurzweilig und angenehm, allerdings auch nicht sehr lang, da wir sehr müde von dem doch anstrengenden Tag waren.

Am nächsten Tag ging es gleich weiter nach Tinghir, einer alten Stadt im Atlasgebirge. Ich hatte dort, im Tal des Flusses Todgha Gorges, wieder ein schönes Hostel gefunden, dessen Terasse direkt auf das Tal hinaus zeigte. Vom Minibus, nahm mich dieses mal ein anderer Hotelbesitzer mit, das wirklich einzige mal, dass ich für einen Transport oder eine Hilfe nichts bezahlen musste. Mein Hostel war an diesem Abend komplett leer, ich kam mir beinahe vor wie Schneewittchen im Haus der sieben Zwergen. Aber ich genoss die Ruhe ausgiebig und ließ die ganz bisherige Reise Revue passieren. So viele Städte und wirklich einmalige Orte hatte ich in dieser kurzen Zeit gesehen, Eindrücke die ich ganz sicher nie vergessen werde. Auch werde ich ganz sicher zurückkommen und mir so eine Tajine zulegen, die ein tolles Kochutensil ist, das ich unbedingt haben muss. Aber auch die Edelstahlkannen, in denen man den Tee direkt auf dem Gasherd zubereiten kann, oder die tollen Lampen, Tücher, Teppiche Smiley mit geöffnetem Mund Sollte ich wirklich mal ein Hostel haben, wird es ein Zimmer im Maurischen Stil geben.

Mein letzter Stopp in diesem unglaublichen Land, war Ouarzazate, die Filmstadt. Dort wurden viele Filme wie Starwars, Ali Baba oder die Mumie gedreht. Eine Landschaft wie auf einem anderen Planeten umgab mich auf der gesamten Fahrt dorthin, die man weder fotografieren noch beschreiben kann, man muss sie erleben. In dem kleinen Vorort der Filmstadt, wohnte ich standesgemäß im Hostel Cinema, mit Blick auf den Palmenhain, der sich im Flussbett durch die Stadt schlängelte. Am nächsten Morgen ging´s dann wieder zurück nach Marrakesch, wo meine beiden Reisetaschen auf mich warteten. Vorbei waren die drei Wochen, die ich mir Zeit genommen hatte, Zeit die viel zu knapp bemessen war, für dieses große Land. Ein paar Städte hätte ich auslassen können, dafür länger die Natur genießen wollen, die doch sehr einmalig ist. Aber im großen und ganzen war es perfekt ausgesucht, erst die Städte, dann die Landschaft zum erholen. Schön wars! Und im übrigen, ich habe insgesamt sogar mit allen Malzeiten knapp 600,-€ ausgegeben 😉

Weiter ging es dann von Marrakesch aus, für eine Übernachtung nach London, um dann von dort direkt nach Antigua zu fliegen. Ein diesmal sehr kurzweiliges Vergnügen. Und nun bin ich also auf dem HECTOR und freue mich auf die kommenden Wochen im Paradies, das mein Sohn mich ein paar Wochen begleiten wird, macht es natürlich noch zusätzlich perfekt 😀

Korfu–Sizilien

Da war ich also wieder, auf meiner geliebten VEGA. Das hatte ich mir nach 9 Wochen skippern aber auch verdient. Der neue Eigner hieß mich auch gleich herzlich willkommen und holte mich mit dem Dingi von Land ab. Zwei Tage später kam sein Kumpel und wir machten in den folgenden 4 Tagen einen kleinen Abstecher von Korfu aus, durch das ionische Meer, in Richtung Festland. Was für ein Genuss mit der Schönen endlich wieder segeln zu können. Aber der eigentliche Plan war ja, die VEGA wieder nach Licata auf Sizilien zu bringen, um sie dort den Winter über wieder in der Werft verschönern zu lassen. Das Unterwasserschiff war nun inzwischen fertig, aber das Überwasserschiff benötigte noch einige Pflege und auch der Innenausbau stand noch bevor.

Am Wochenende darauf kam dann also der Rest der Crew, zwei weitere Freunde des Eigners, so das wir nach einem umfangreichen Lidl Einkauf auch in Richtung Italien starten konnten. Die Windvorhersage war mehr als günstig und so fuhren wir gleich Dienstag Morgen, nach einer kurzen Übernachtung vor Anker an der Nordküste Korfus, gutgelaunt los. Bei halbem Wind kamen wir mit 6-7kt gut voran und freuten uns auf eine entspannte Nachtfahrt. Die Nachtwachen waren eingeteilt und so kuschelte ich mich abends wie gewohnt mit meiner Nachtfahrmusik in meine Koje um wenigstens zu ruhen, denn vorschlafen kann ich in der ersten Nacht nie. Das sanfte schauckeln der sich in den Wellen wiegenden VEGA reichte aber schon, um wenigstens ein wenig zu ruhen und abzuschalten. So merkte ich auch nicht, das der Wind gedreht hatte und wir nun am Wind segelten. Das ist das schöne bei diesem Schiff, die 40 Tonnen gleichen auch die größten Wellen aus und da sie ein Langkieler ist, liegt sie auch bei Amwind Kursen, selbst bei ordentlich Welle, schön ruhig im Wasser.

Die VEGA wäre aber auch nicht die VEGA, wenn nicht irgendwelche Problemchen auftreten würden. So wurde ich geweckt vom lauten Fluchen des Eigners, denn er hatte es gewagt in die Bilge zu gucken und einen massiven Wassereinbruch bemerkt. Wir folgten also der Spur des schnell nachfließenden Wassers bis in den Bug und stellten fest, das irgendetwas im Ankerkasten undicht sein musste. Und so war es auch, eine Dichtung des Ankerbleches war durch das stampfen in die Wellen, herausgefetzt und so sprudelte das Wasser fröhlich in die VEGA. Ein altes Tshirt, das in die Fuge hineingeschlagen wurde und gekonntes Fluchen halfen aber um dem Wasserfall Einhalt zu gebieten. Das alles während der Fahrt, mitten in der Nacht und Welle gegenan, schlauchte ganz schön, so das der Eigner stehenden Fußes einfach umfiel und einschlief. Da ich auch noch keine Wache hatte, kuschelte ich mich auch wieder ein. Als ich dann zu meiner Schicht geweckt wurde, traf mich der Schlag, beim aufstehen rutschte ich beinahe aus, der ganz Boden war unter Wasser, die Bilgenpumpe hatte es nicht geschafft mit den Fluten fertig zu werden. Aus der noch offenen Bilgenluke, plätscherte das Wasser und in ihm schwamm der Inhalt des Faches unter meinem Bett. Zum Glück waren es nicht meine Sachen, die blieben wohlweislich schön Wasserdicht verpackt in ihrer Reisetasche. Ich fischte also einiges Malerzeug aus der Bilge und rief nach dem Eigner, der noch verschlafen schon mit einer zusätzlichen Bilgenpumpe ankam und das Malheur beseitigte.

Die restliche Nacht und auch die darauffolgende gestaltete sich dann zum Glück ruhiger. Wir segelten fast ausschließlich nachts und machten nur tagsüber ein paar Stunden Pause, da der Wind dann wegblieb und kamen nach nur 76 Stunden und 270sm in Syrakus an. Dort legten wir uns vor Anker und schliefen erst einmal aus. Abends machten wir dann die Stadt unsicher und genossen die erste richtige Pizza und den original Italienischen Aperol Spritz. Syrakus ist ja eine wirklich tolle Stadt und so erkundeten wir sie auch am nächsten Tag noch, bevor der angesagte Starkwind einsetzte. Der Anker der VEGA ist ja wirklich überdimensional und hat bisher auch allen Winden getrotzt, aber bei fast 50kt slipte er nun doch. Und das nicht nur 1 oder 2x sondern gleich 4x Erstauntes Smiley Es mussten also tatsächlich Ankerwachen eingeteilt werden, die auch berechtigt waren, denn auch Nachts bließ der Wind ohne unterlass, so das wir umankern mussten. Am nächsten Tag gings weiter, sogar die Coast Guard musste zweimal ausrücken. Zum Glück nicht wegen uns, aber ein Katamaran wurde abgerieben und landete an, so das er aus dem flachen Wasser geschubst werden musste und ein Segler wurde in die Bucht geleitet und zwei Mann der Coast Guard stiegen auf das schwankende Schiff über. Wir erfuhren aber nicht, was deren Problem war.

Am nächsten Morgen hatte sich dann alles einigermaßen beruhigt und wir konnten endlich weiter Richtung Licata. Die Ausfahrt aus der Bucht vor Syrakus war eine echte Herausforderung, wir hatten die, sich in den letzten Tagen aufgebaute, Welle genau gegenan und stampften unter Motor bis ans nächste Kap. Dort wartete auch schon der Wind auf uns, so dass wir im 2. Reff und gereffter Genua, mit erst achterlichem und dann halben Wind bis zur Südspitze Siziliens segeln konnten. Und dann passierte wieder das, was uns auf der gesamten Fahrt mehrfach passiert ist, der Wind lies immer mehr nach und flaute dann ganz ab. Die ersten beiden male, refften wir die Genua aus und warteten ab, da aber meist ein kompletter Winddreher danach folgte und uns plötzlich mit bis zu 30kt aus einer ganz anderen Richtung kam, waren wir dieses mal schlauer und holten die Genua ganz ein. Nun hatten wir das Groß im zweiten Reff und nur noch Sturmfock draußen und das erwies sich als absolut richtig, denn plötzlich kam wie aus dem nichts ein Squal der uns beinahe herumwirbelte wie einen Spielball. Da es dauerhaft bewölkt und inzwischen wieder finstere Nacht war, sahen wir ihn nicht kommen. Genauso schnell wie er da war, war er aber auch wieder verschwunden und wir warteten ab, aus welcher Richtung nun der Wind kommen würde. Und da war er der angekündigte Nordost, der uns fortan mit schönem halben Wind in Richtung Licata schob. Wir waren beinahe zu schnell, denn wir wollten ja nicht im dunklen in der Marina ankommen. Also refften wir wieder um mit 4kt schön in Ruhe durch die Nacht zu gleiten.

Genau zum Sonnenaufgang waren wir auch vor der Hafeneinfahrt. Aber um die Marineros bei Laune zu halten ankerten wir erst einmal am Strand von Marianello und schliefen uns erst einmal aus. Gegen Mittag fuhren wir dann in die Marina und legten mit einem fastperfekten Anlegemanöver an unserem alten Stammplatz an. Da war ich also wieder in “meinem” Licata, was hatte ich dort für schöne Zeiten erlebt. Und genauso setzte es sich auch in den folgenden Tagen fort. Ich wurde sofort wieder auf und angenommen in die Community Smiley mit geöffnetem Mund Wir begannen mit einem Tag am Strand bei gegrillter Salsiccia und Aperol und es folgte ein Tanzabend dem nächsten, mit Pizza und dem guten sizilianischen Wein. Alle sizilianischen Freunde rissen sich um mich und wollten genau wissen wo ich in den letzten Monaten überall war. Es fühlte sich so unheimlich gut und heimisch an und nach ein paar Tagen war es, als wenn ich nie weggewesen wäre.

Zum Glück hatte ich nur 14 Tage geplant, die mir aber wie Wochen vorkamen, soviel erlebte ich, denn wäre ich länger geblieben, wäre ich wohl gleich dageblieben. Aber warum auch nicht? In mir reift immer mehr der Gedanke langfristig auf Sizilien meine Homebase aufzubauen, um nicht immer mit all meinem Hab und Gut durch die Welt reisen zu müssen. Ein zu Hause von dem ich immer wieder starten und landen kann. Die Hostelgeschichte lässt mich auch nicht mehr los, also warum nicht hier. Auch hier gibt es Hostels in denen ich erst einmal den Sommer über arbeiten könnte. Aber auch Häuser in bester Lage sind hier wirklich günstig zu haben, das Klima ist hervorragend, das Essen und der Wein sowieso, von den Menschen mal ganz abgesehen. Und ich könnte wieder regelmäßig Tango tanzen und endlich richtig führen lernen, denn die Sizilianer haben eine sehr ausgeprägte Tanzkultur. Es ist wirklich eigenartig, da habe ich in die große weite Welt hineingeschnuppert, habe Länder und Inseln gesehen, die ein Traum waren, aber nirgendwo habe ich mich so wohl wie auf Sizilien gefühlt. Abgesehen davon, hat man es als Europäer auch schwer zb. in Mittelamerika Fuß zu fassen – die Visabestimmungen, die Arbeitsgenehmigungen, Aufenthaltserlaubnisse, die Lebenserhaltungskosten sind unheimlich hoch, dafür die Arbeitsmoral um so geringer. Es tut sich also was in mir… aber nun geht es erst einmal weiter, erst für knapp 3 Wochen nach Marokko und dann wieder bis Mai in die Karibik von Antigua hinunter nach Grenada oder sogar Trinidad/Tobago Smiley Ich bin gespannt wie das alles wird und wie ich in einem halben Jahr über all dies hier denke.

Ionisches Meer – Saronischer Golf

Die eine Urlaubswoche auf meiner geliebten VEGA war natürlich viel zu kurz, aber dennoch nicht weniger erholsam. Dafür war die Fahrt nach Lefkas, wo mein nächster Törn starten sollte, um so abenteuerlicher. Die Strecke Zakynthos – Lefkas ist mit 250km eigentlich keine große Enfernung, aber es gibt tatsächlich keine direkte Fährverbindung zwischen den beiden Inseln und Samstags ist in Griechenland alles anders als sonst, Busse die sonst über Land große Strecken zurück legen, fahren einfach nicht. So erreichte ich Lefkas nach sage und schreibe 8 Stunden, 1 Fähre und 4 Bussen später. Obwohl alles ein und das selbe Busunternehmen ist, kann man nicht die komplette Strecke auf einmal buchen, selbst die Bushaltestellen sind oft an einem ganz anderen Ort. Ich kam also schwer gebeutelt bei meinem nächsten Chartertörn an.

Oft werde ich übrigens gefragt, wie ich an diese Törns komme. Nun 2016 hatte ich mich, nachdem mich der VEGA-Skipper überzeugt hatte, dass ich doch locker selbst Skippern könnte, bei diversen Vercharteragenturen beworben und konnte mich plötzlich nicht retten vor Aufträgen. Anscheinend haben meine Scheine und meine Tausende von Meilen, die ich mir ja immer artig in meinem Meilenbuch bestätigen ließ, ausgereicht. Auch werden wohl vermehrt Frauen engagiert, da sie eher behutsam mit allem umgehen und nicht wie die Herren der Schöpfung, das letzte aus den Booten herausholen 😉 Ich habe also in den letzten 3 Jahren immermal freiberuflich für einige der Agenturen gearbeitet und bin nun bei denen gelistet. Anfragen bekomme ich also ständig und kann mir mittlerweile sogar das Revier aussuchen, hingegen ich mir die Boote nicht aussuchen kann. Einige werden von privaten Eignern den Charterfirmen überlassen, andere gehören den Firmen, der Zustand der Boote ist eher dürftig und leider sind sie sehr spartanisch ausgestattet. Im Gegensatz zu den Eignerbooten, auf denen die Eigner selbst leben, muss beim Charterboot jede Crew sich selbst so grundsätzliche Dinge, wie Salz, Pfeffer, Toilettenpapier oder Spülmittel kaufen, dabei wäre es so einfach und serviceorientiert, all das bereitzustellen, denn die Gäste zahlen ja einiges um mal eine Woche Urlaub darauf zu verbringen. Der Vorteil ist wiederum, dass die Boote von den Charterern vor Ort betreut werden und wenn etwas kaputt geht, wird es meist umgehend repariert. Auch stehen meistens Helferlein an der Pier, die beim an- und ablegen helfen, sofern es nicht die Eigner selbst machen wollen. Ich muss also nehmen, was ich bekomme und mich jede Woche auf ein neues Boot einstellen. Das ist manchmal ärgerlich, oft aber eher belustigend, wie man aus meinen Beiträgen ja hoffentlich herauslesen kann.

Diesmal wartete meine neue Crew also geduldig auf mich und so nahmen sie mich, mit schon gefülltem Kühlschrank und fertig übernommenem Boot, auf der Ms Boss in Empfang. Es war das seit langem kleinste Boot das ich gefahren bin, was meine Crew sehr erstaunte, denn für sie war es das bisher Größte. Dieses mal hatte ich erfahrene Segler, die schon mehrfach gemeinsam unterwegs waren und wußten wie der Hase läuft. Wir hatten demzufolge auch eine super entspannte Zeit und haben etliche Meile zurückgelegt, weil alle nicht genug bekommen konnten. Das Beste aber war, das wir es tatsächlich bis Zakynthos hinunter geschafft haben und ganz früh am Morgen die Shipswreckbeach fast für uns alleine hatten. Überhaupt ist das Revier sehr schön und abwechslungsreich, auch wenn wir oft beinahe zu wenig Wind hatten, was wir durch ausschweifende Badestops kompensieren mussten. Ein Highlight dieser Woche war dann noch, George von Georges Taverne auf Kevalonia, der allen Booten die keinen Platz mehr im kleinen Stadthafen bekamen, einen Ankerplatz zuwies und die Crews mit seinem Dingi von den Booten abholte und auch wieder zurück brachte, sehr geschäftstüchtig der Mann. Allerdings erfuhren wir erst davon, als wir mit unserem Dingi hinüber gepaddelt waren, denn mal wieder streikte der Außenborder. Auf dem Rückweg dann durften wir bei George mitfahren und ich sah das erste mal, das auch Dingis fliegen können, als er es in Schlepp nahm und Gas gab 😀 die Paddel sammelten wir dann später wieder ein.

Die Fahrt zurück nach Athen ging dann ganz unkompliziert, der Bus fuhr durch und mein Taxifahrer Ramos erwartete mich bereits, um mich nach Lavrio zu kutschieren. Dort übernahm ich den bisher größten Katamaran Lady Suzana, den ich je gefahren bin, mit seinen 42 Fuß ein wahres Raumwunder. Da eine Familie abgesagt hatte, bezog ich sogar meine eigene Luxussuite, mit extra Dusche und eigenem WC. Dieses mal wollte ich nun endlich die Kykladen erkunden und wieder machte mir der Meltemi einen Strich durch die Rechnung. Wir schafften es gerade mal bis zur Insel Kea und mussten dann wieder den Schlenker in den saronischen Golf machen. Zum Glück ist das ein tolles und im Gegensatz zu den Kykladen ein sehr grünes Segelrevier, so dass wir auf Poros, Ephidauros auf dem Pelepones und natürlich Aegina ein wunderschöne Woche verbrachten. Das erste mal auf einem Törn, streikte mal nicht der Außenborder, was sicher daran lag, dass es ein 9,5PS Viertakter war. Warum nicht immer diese leistungsstarken Motoren verwendet werden, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Das nutzten wir dann auch gnadenlos aus und ankerten die ganze Woche und fuhren mit dem Dingi in die Städtchen. So verpassten wir auf Poros um knapp 5 Minuten einen Hubschrauberabsturz fast genau vor Mikes Taverne Oasis, vor der wir sonst immer lagen. Auch im nachhinein war wohl nicht klar, ob der Hubschrauber beim Anflug der Insel einen Motorschaden hatte und dann in die Landstromverbindung der Insel stürzte oder ob er direkt hineinflog, auf jeden Fall lag daraufhin ganz Poros im dunkeln. Wir hatten jedenfalls Glück und blieben unbehelligt. Auf der Überfahrt von Aegina zur Athener Festlandseite, riß uns dann auch noch die Genuaschot, die leider schon sehr morsch war, aber die Charterfirma erwartete uns schon in unserer geplanten Ankerbucht und wechselte sie uns binnen 5 Minuten, das nenn ich mal Service. Der Weg zurück in die Marina war dann noch ein wenig abenteuerlich, denn bei 35kt gegenan, ist mit einem Katamaran leider nichts zu machen, so das ich unter Motor gegen Wind und Welle gegenan stampfen musste und selbst die Taucherbrille nicht die Sturzfluten abhielt, die sich in den Steuerstand ergossen.

Neue Woche, neue Crew, neues Glück. Dieses mal ging es wieder von der Athener Marina Alimnos los, mit einem Lagoon 3900 Lion, der einer Griechin gehört, die wirklich sehr speziell und beinahe schon karikaturistisch wirkte. Ich wurde von Kolleginnen schon informiert, dass die Eignerin sich ohne erkennbare Segelkenntnisse diesen Katamaran gekauft hatte, um ihn zu verchartern. Solange man an Land bleibt und nicht aktiv ins Geschehen eingreift, ist das ja auch kein Thema, ausserdem haben wir ja alle mal angefangen und was noch nicht ist, kann ja noch werden 😉 Demzufolge gehörten aber liebevolle Spitzentischdeckchen und zu Schnecken gerollte Leinen, sowie eine dreistündige Einweisung der Crew in alle Details der Pflege und Sorgfalt des Bootes zur Übernahme, hingegen technische Details eher nebensächlich behandelt wurden. Ein Highlight war die Bemerkung, dass die Travelerschiene der Genua auf keinen Fall benutzt werden darf, weil sonst der Lack abgehen würde. Demzufolge trauten wir uns die ganze Fahrt lang kaum etwas zu benutzen, geschweige denn die auf hochglanzpolierten Edelstahlsäulen anzufassen 😀 Sachen gibts, die gibts gar nicht. Nichts desto trotz wurde es vielleicht auch gerade deshalb, eine sehr lustige und unbeschwerte Woche im saronischen Golf. Dieses mal machte ich einen Zwischenstop in Korfos kurz unter dem Kanal von Korinth, wo wir sogar Schildkröten im Wasser sahen. Diese Woche blieb also ohne weitere Zwischenfälle, auch wenn ich wieder einmal mit Taucherbrille am Steuerstand, dieses mal sogar gegen 39kt Wind und Welle gegenan in die Marina motoren musste. Sehr zum Schrecken der Eignerin, die nun ein völlig versalzenes Boot zurückbekam und vielleicht deshalb die Leinen wieder zurück warf 😉 und mir unbedingt die Mooring entgegen geben wollte, bei immernoch 6bft im Hafen, kein wirkliches Vergnügen. Als verantwortliche Skipperin und um ihr Eigentum zu schützen, musste ich ihr den Sinn der Heckleinen erst kurz und deutlich erklären, dann klappte es wenigstens beim dritten mal und wir lagen fest und sicher.

Auch in meiner letzten Woche als Skipperin, durfte ich wieder den, liebevoll gepflegten, Katamaran Lion fahren. Dieses mal waren wir nur zu viert, da wieder einmal eine komplette Familie abgesagt hatte. Dafür hatte ich aber genug Zeit für meinen Sohn, der mir eine Woche seiner knapp bemessenen Zeit mitten in seiner Bachelorarbeit schenkte. Jetzt konnte ich ihm endlich auch all die schönen Orte im saronischen Golf zeigen, die ich in den Wochen zuvor erkundet hatte – wir besuchten Mike von der Taverne Oasis im schönen Poros, Natassia die Besitzerin des Babis in Aegina, wo man bei Sonnenuntergang mit Füßen im Sand zu Abend essen kann oder die versunkene Stadt in Ephidauros, die man völlig untouristisch erschnorcheln kann. So lernte er auch mal das segeln auf einem Katamaran kennen und es gefiel auch ihm ausgesprochen gut, denn nicht nur der Platz und der Luxus, sondern auch das wir allein entscheiden konnten wann und wo wir hinfuhren, war schon etwas besonderes. Viel zu schnell war diese schöne Woche dann vorbei. Nach 9 Wochen unfallfreiem skippern, passierte mir dann doch genau das, was jeder so beim einparken befürchtet. Meine Leinen wurden bei der Einfahrt in die Box nicht ordentlich angenommen, so das ich bei seitlichen Winden abtrieb und mir eine der zahlreichen Mooringleinen, die sich wohl jeder Boxenbesitzer selbst angebracht hatte, in die Schraube zog, was für ein Dilemma. Zum Glück kam der Taucher recht schnell und befreite die arme Schraube und zum Glück hatten wir eine Kautionsversicherung.

Die beiden darauf folgenden Wochen, verbringe ich nun fast ausschließlich in meinem Athener AirBnB Zimmer. Nach Sightseeing ist mir so gar nicht und so erhole ich mich von der doch auch anstrengenden Zeit als Skipperin und genieße es, mal nicht reden zu müssen. Aber ich freu mich natürlich auch auf die mir nun bevorstehenden Wochen, denn *Trommelwirbel* es geht wieder auf die VEGA Herz und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, werde ich mit ihr von Korfu nach Licata auf Sizilien fahren *freufreufreu*. Dort werde ich noch 2 Wochen bleiben, um alte Freunde zu treffen und den Zahnarzt meines Vertrauens aufzusuchen. Danach gehts dann wieder Richtung Westen um endlich meinen schon lange geplanten 2-3 wöchigen Besuch in Marokko einzulegen. Das ich am 15. November aber in Antigua landen werde, um dort für die nächste Wintersaison endlich auf dem Hector einzuchecken, steht ja schon lange fest, der Flug ist schon gebucht. Langweilig wirds also bei mir immer noch nicht, freut euch also schon jetzt auf meine nächsten Berichte!

Griechenland – Saronischer Golf

Mein erster Törn von der Athener Marina Alimos, begann gleich mit drei Hafentagen, es herrschte Meltemi. Ganz so schlimm fand ich das allerdings nicht, denn so konnte ich mich in Ruhe mit meinem allerersten Katamaran Tortilla in Ruhe vertraut machen und auch die Crew kennenlernen. Auch wenn es für sie zu Beginn schwer zu verstehen war, merkten sie recht schnell, was für Gewalten dieser Starkwind hatte, denn selbst im Hafen herrschten gute 32 Knoten Wind und das eine oder andere Polster begann durchs Cockpit zu fliegen und Gläser und Teller vom Tisch zu fegen. Nachdem dieser Spuk vorbei war, begann eine ganz wunderbare Woche auf dem Lagoon 3900. Die Stimmung war ausgelassen, wir konnten trotz recht unerfahrener Crew gut segeln und entdeckten wirklich schöne Buchten und Städtchen in diesem tollen Segelrevier. Eine Segelfreundin hatte mir vorher schon ein paar Tipps gegeben und so war ich nicht ganz unvorbereitet.

Die zweite Woche begann mit besserem Wetter und so konnte ich mit neuem Schiff, diesmal einem Lagoon 3800 und diesmal deutlich reduzierter Crew, wieder die Inseln Aegina, Poros und auch Hydra ansteuern. Wir schnorchelten über der versunkene Stadt von Episdauros und wurden auch dieses mal vom Wirt der Taverne Oasis auf Poros freudig begrüßt, ich brauchte ihn nur vorher anzurufen und er reservierte mir einen Platz für die Chrysa. Besonders bemerkenswert, war der sportliche Einsatz meiner Crew beim lösen der Landleinen in einer nördlichen Bucht von Poros, die allen einiges abverlagte, bei dem Schwell der herrschte. Mittlerweile begann ich die Fahrt mit einem Katamaran zu genießen, auch wenn es sich beim Segeln völlig anders anfühlt, entschädigt doch der Luxus den man durch die Geräumigkeit hatte. Dieser Katamaran war auch recht spritzig und so segelten wir nicht selten mit 7-8 Knoten bei nur 15 Knoten Wind. Es war also auch dieses mal eine sehr entspannte und lustige Woche.

Selber Katamarantyp, allerdings mit neuem Namen ThunderCat und neuer Crew, erwartete mich in der dritten Woche. Auch wenn ich anfangs etwas Manschetten hatte, da 4 Kinder zwischen 5 und 10 Jahren dabei waren, wurden meine Befürchtungen nicht bestätigt. Alle vier waren sehr interessiert und gelehrig, waren bei allem schön vorsichtig und trugen brav ihre Schwimmwesten. Bei An und Ablegemanövern warteten sie artig im Salon und beschäftigten sich wunderbar auf längeren Strecken mit ihren Malbüchern. Aber natürlich durften sie auch alle steuern und beim Leinen aufschießen helfen, besonders Spaß machten ihnen aber selbstredent die vielen Badepausen die ich einlegte. Überhaupt fuhren wir nur kurze Strecken von maximal 15 Meilen pro Tag, damit den Kidis nicht langweilig wurde. Und so endete auch diese Woche bei einem leckeren Abendessen, mit Sonnenuntergang und Füssen im Sand, am Strand der Pistazien Insel Aegina. Mein mittlerweile persönlicher Taxifahrer, fuhr mich im anschluß in die nächste Marina. Ich war sehr froh ihn vermittelt bekommen zu haben, denn nach dem letzten Desater mit Athener Taxifahrern, kann ich Ramos nur empfehlen.

Die nächste Woche wurde dann echt anstrengend, zwei Familien von denen fast alle schon mal segeln waren und deren Ansprüche schon vom ersten Tag enorm hoch waren. Die Väter wollten unbedingt schon am Anreisetag auslaufen und das obwohl für die gesamte Woche Meltemi angesagt war. Diesmal ging es von Lavrio los und sollte in die Kykladen gehen und so waren Enttäuschungen vorprogrammiert. Um dem Ganzen aber entgegen zu kommen, entschied ich mich dann doch gegen 19:00Uhr noch auszulaufen, da dann nur noch 4 Bft Wind war und der Hafen offen genug war, um unbeschadet mit der Bavaria 51 auszulaufen. Wir hatten auch tollen achterlichen Wind, so das wir geradewegs zum Sonnenuntergang in der Ankerbucht unter dem Tempel des Poseidon den Anker fallen lassen konnten. Doch leider hielt er nicht! Und auch beim zweiten und dritten mal war nichts zu machen. Beim fünften mal kam endlich Ruhe ins Schiff, aber da keine Kennzeichnung an der Ankerkette war, vermutete ich, das zu wenig Kette draußen war und ließ noch einmal 30m nachlaufen. Ich hatte dennoch ein ungutes Gefühl und verordnete Ankerwache. Die Crew war hellauf begeistert und so wachten je zwei Crewmitglieder für zwei Stunden und beobachteten ob sich auch nichts rührte.

Um 5:00Uhr morgens dann, bestätigte sich mein ungutes Gefühl und ich wurde geweckt, weil die Position der Anemone sich merklich verändert hatte. Ich versuchte noch einmal ein Ankermanöver und als der Anker wieder nicht hielt, bestimmte ich diese unsägliche Bucht zu verlassen und den langen Schlag nach Poros anzugehen. Diese Entscheidung war goldrichtig, denn die vorhergesagten 7-8 Bft in den Kykladen bestätigte sich, so das die Charterfirmen anordneten die Marina Lavrio nicht zu verlassen, sofern man den Sprung in den Saronischen Golf nicht schon geschafft hätte. Und dennoch gab es wieder Diskussionen in der Crew, weil man natürlich im geschützten Golf von Poros davon nichts merkte. Ich kannte aber das Revier inzwischen gut genug und ließ mich lediglich dazu hinreißen am nächsten Abend in einer Bucht vor Poros zu ankern. Nachtrag: der Anker hielt in besagter Nacht übrigens nicht, weil wir ihn zielsicher auf eine, auf dem Grund liegende, alte Luftmatratze plaziert hatten, die dann an unserem Anker hing.

Der Rest der Woche wurde dann noch sehr schön, wir hatten moderaten Wind und sowohl die versunkene Stadt vor Epidauros, als auch wie gewünscht eine ruhige Bucht mit Ankern mit Landleinen beruhigte die erhitzten Gemüter. Nur die Überfahrt auf die Athener Seite des saronischen Golfes, brachte wieder Diskussionen, die Väter wollten hoch, höher, am höchsten segeln, es ging gar nicht schräg genug, bis die Mütter finalen Einspruch einlegten. Genug war genug und die Männer mussten klein beigeben, schließlich wollten sie ja auch in Zukunft wieder mit Familie segeln. Angekommen in der Bucht von Palaia Fokaia stellte sich dann auch heraus, dass man vielleicht doch auf meinen Rat, lieber etwas mehr Wasser und Lebensmittel mitzunehmen, gehört hätte. Denn ein Anlanden war, auf Grund der sich in der Meltemi Woche aufgebauten Welle, eines verloren gegangenen Paddels, einem nur ab und an anspringenden Außenborders und auch einiger Fallwinde, nicht möglich. Somit erübrigte sich aber auch die anstehende Diskussion, unbedingt erst Samstag Morgen wieder in die Marina zurück zu kehren. Ich habe keine Ahnung warum sich manche Menschen selbst im Urlaub so unter Druck setzen.

Die letzte meiner fünf Charter-Wochen lief dann deutlich entspannter an. Endlich konnte ich einen kurzen Abstecher in die Kykladen machen, wo wir auf der Insel Kea eine tolle Ankerbucht entdeckten, an deren Ufer gleich zwei alte Tempel und ein Amphietheater standen. Ich hatte wieder einen Lagoon 3900, der für 9 Personen wirklich sehr geräumig ist. Die Crew war wieder gut zusammen gestellt, so das die Kids von 12-17 auch Ansprechpartner in ihrem Alter hatten. Und auch wenn einer von ihnen immer aus der Rolle fallen musste und sich am letzten Tag sogar beim unerlaubten Sprung in das Fenster einer Kajüte einen Schneidezahn abbrach, war ich dennoch froh, das er nicht auf dem Solarpanel gelandet war, über das er regelmäßig ins Wasser sprang. Ich stehe in solchen Situationen immer zwischen Verantwortung für das Wohl der Gäste und dem sich heraushalten aus Erziehungsmethoden. Zum Glück ist aber nichts schlimmeres passiert, der Zahn konnte später repariert werden und ich denke allen Mitreisenden hat dieser Törn mit der Dan Ladie I, durch das mir inzwischen gut bekannte Revier, sehr gefallen, mir inclusive.

Die dann folgende Pause hatte ich mir also verdient und so genieße ich gerade eine Woche auf meiner heißgeliebten VEGA.Herz Sie liegt in der Bucht vor Zakynthos und ich habe mal wieder keine Kost und Mühen gescheut zu ihr zu kommen. Sie wurde letzten November ja verkauft und so konnte ich dem neuen Eigner mit einigen Tipps weiterhelfen und sie in dieser Woche wieder einmal ein wenig betreuen und begutachten. Meine Arbeiten im Winter 2017/18 hatten sich echt bezahlt gemacht, die Holzarbeiten sind immernoch tiptop. Das wirklich schöne aber ist, es ist egal wem sie gehört, es ist wie nach Hause kommen. Es stellt sich sofort ein Wohlgefühl ein, dass nun auch nicht mehr von Wehmut begleitet ist da ich ja weiß, dass ich auf ihr immer willkommen bin. Sie wird immer mein Traumschiff bleiben und ich bin dem alten und auch dem neuen Eigner sehr dankbar, dass sie so gut für sie sorgen und sie in der Werft von Licata jeden Winter weiter restaurieren lassen.

Am Ende der Woche geht es dann weiter mit dem auffüllen der Reisekasse und ich werde mit neuem Boot und neuer Crew von Lefkas starten. Das ich dabei der VEGA wieder über den Weg segeln werde, ist natürlich rein zufällig Zwinkerndes Smiley

Zurück in Europa – Ägäis die II

Am 31.Mai landete ich nun von Cuba aus auf Kos, es war ein langer Flug, mit Zwischenlandung in Milano, ganze 30 Stunden war ich unterwegs. Zum Glück hatte ich aber ein kleines Hotelzimmer auf Kos, so dass ich mich erstmal ausschlafen konnte, bevor es am nächsten Mittag mit der Fähre weiter nach Leros ging. Dort wartete schon die Eignerin des Dwarslöper, mit dem Auto, auf mich. Als erstes fiel mir natürlich auf, wie kalt es doch in Europa im Gegensatz zur Karibik war. Besonders abends war ich froh meine Jacke, nicht ganz so weit weg, verstaut zu haben und nachts schlief ich erstmals wieder mit meiner Fließdecke. Tagsüber hingegen war es angenehm warm und nicht so schweißtreibend, wie auf den Bahamas.

Angekommen auf dem Dwarslöper, ging es auch zwei Tage später schon los Richtung Norden, ein moderater Südwind trieb uns hinauf nach Patmos. Dort blieben wir zwei Tage und erkundeten mit dem Mietwagen die Insel, fuhren hinauf zur Cora, einem alten griechischen Kloster und in eine schöne Bucht, die statt Sand viele bunte Steine hatte, die in der Sonne die Farbe wechselten. Dann gings weiter Richtung Samos, der wahrscheinlich einzigen grünen Insel der Ägäis. Die Eignerin des Dwarslöper segelt seit 30 Jahren durch die Ägäis und kennt jede Ecke dort, aber mit ihren 83 Jahren, war ihr nicht mehr nach Speedsegeln zu mute und so warteten wir drei Tage bei 6-7 Bft ab und erkundeten diese wirklich schöne Insel. Egal ob im Norden, der beinahe der Toskana glich, als auch der Süden mit seinen niedlichen Bergdörfern, war eine wohltat für meine Augen. Aber schon ging es weiter und eine karge Insel folgte der nächsten. Ob nun Astypalea, Lipsi, Arki oder Leros, alle waren kahl und bis auf paar hübsche Buchten, mit Tavernen und ein paar Häuschen, hauptsächlich von Ziegen bewohnt. Aber die alte Dame und ihr wunderbarer 75 jähriger Begleiter, liebten diese Inseln und so half ich ihr tatkräftig, noch einmal alle Orte ihrer Jugend abzufahren.

Es ist bewundernswert und erschreckend zugleich, denn nur 25 Jahre trennen mich von einem Status, der körperlichen Schwäche, die einen im Alter unüberwindlich befällt. Man möchte doch noch so gerne, aber der Körper spielt nicht mehr mit. Ich finde es sehr verständlich und bewunderswert, wenn man dann noch nicht aufgeben möchte und sich statt dessen jüngere Hilfe sucht. Aber ich kann auch verstehen, wenn man dann mal ungeduldig wird, weil eben nicht alles so schnell wie früher geht. Auch im Alter muss man eben noch lernen, auch wenn es nur `Geduld´ ist. Ich brauche also dringend in spätestens 25 Jahren eine tatkräftige Begleitung oder wahlweise auch Geld, um mir jemanden leisten zu können, der mir sprichwörtlich unter die Arme greift und auch mal springt, wenn es heißt- “ WIR müssten jetzt mal” Zwinkerndes Smiley Falls jemand Interesse hätte, bitte melden.

Nach diesen, doch recht anstrengenden, 4 Wochen, ging es für mich dann mit der Fähre weiter nach Athen. Ich leistete mir dieses mal eine Koje, um am nächsten Morgen wenigstens etwas erholt und  ausgeschlafen meine neue Crew in Empfang zu nehmen, die mich über die Agentur www.toern.de in der Marina Alimos erwartete. Leider wurde ich auf dem Weg von der Fähre, das erste mal, seit ich nicht mehr arbeite, gelinkt und das wo ich jahrelang zig Währungen in den Händen hatte:

Für den Weg von der Fähre zur Marina hatte ich mir mal ein Taxi gegönnt. Vorher vereinbart waren 25,-€. Unterwegs hielt der Taxifahrer freundlicher Weise bei einem ATM, ich hatte erst an 40,-€ gedacht, zog dann aber doch 50,-€ LEIDER! Am Ankunftsort, nahm der Fahrer dann meine 50,-€ entgegen, er hatte 25,-€ Wechselgeld passend, reichte sie mir nach hinten und ich steckte sie ein. Plötzlich hielt er mir einen 10,-€ Schein hin und sagte das ich ihm 50,-€ geben müsse, nicht 10,-€ 🙄 Ich schaute sofort völlig perplex in mein Portomonaie, hatte aber nur noch einen 10,-€ schein + die 25,-€ von ihm. Das alles ging in Sekundenschnelle. Völlig verwirrt überlegte ich ernsthaft ob der Automat mir einenen falschen Schein ausgespuckt hatte, was natürlich Blödsinn ist. Da ich keinen Zeugen hatte und auch nicht beweisen konnte ihm tatsächlich 50,-€ gegeben zu haben, musste ich ihm die 25,-€ zurück geben und natürlich noch wenigstens die beiden Zehner, da ich nicht mehr hatte 😫 Aber das eigentliche Ärgernis ist nicht das Geld, sondern, dass MIR das passiert ist. Da reist man um die halbe Welt und erwartet es überall und wo passierts in Europa.

Fazit ist also – die Ägäis, speziell Dodeskanes, ist immer noch nicht mein Fall, aber vielleicht entschädigt mich der saronische Golf und die Kykladen etwas, ich bin gespannt.