Karibik – Große Antillen

Wie auch in den letzten vier Jahren, ging mein Abenteuer weiter – neuer Skipper, neue Crew, altes Boot. Die Sea Change II war inzwischen ja schon wieder mein zu Hause geworden, ich kannte jeden Winkel und jedes Fall und das war auch gut so, denn so konnte der Eigner für ein paar Wochen beruhigt zurück nach Deutschland fliegen, sein Schiff in guten Händen wissend… so dachte er. Aber alles fing schon anders an als gedacht.

Nachdem wir mit der neuen Crew für die nächsten zwei Wochen verproviantiert hatten, denn die nächsten Inseln würden eher nicht das reichhaltige Angebot der französischen Inseln vorweisen können, sollten sich alle noch einmal eine warme Dusche gönnen, denn auch diese würde in den nächsten Tagen eher spartanische ausfallen. Gesagt getan, eine Stunde Zeit war angesagt, solange brauche ich niemals zum duschen, also noch schnell ein letztes mal ins Internet gucken. Und dann kam der große Schreck – keine Sea Change II weit und breit zu sehen! Erstauntes Smiley Es ein eigenartiges Gefühl, auf dem Steg zu stehen, vor einem leeren Liegeplatz. Ein Schelm der böses dabei denkt, nur war ich weder zu langsam, noch die Crew darauf bedacht mich loszuwerden. Der Skipper war schuld, denn ihm fiel etwas zu spät ein, dass die Brücke auf St. Marteen nur zu jeder vollen Stunde aufging und an Sonntagen nur bis 17:00Uhr. Also musste er eine schnelle Entscheidung treffen und legte ohne vollständige Crew ab. Allerdings bin ich ja, wie bekannt, eine Katze und finde den Weg nach Hause immer zurück, in diesem Fall half mir allerdings der Hafenmeister, der mich mit dem Dingi hinterher brachte.

Die nächsten Tage verliefen allerdings nicht weniger chaotisch. Der Skipper entschied gleich die erste Nacht durchzufahren, er kannte die neue Crew aus vergangenen Törns, nur vergaß er, dass die neue Crew das Boot nicht kannte. Er legte sich also schlafen und verließ sich ganz auf das Können seiner Mannschaft und wohl auch auf mich, denn ich wusste ja wie alles funktionierte. Meine Nacht war dementsprechend kurz. Der nächste nicht zu verachtende Fakt war, dass ich als Frau das Küken war und alle anderen gestandene, leider aber auch schon sehr alte Männer. Es waren also fortan 6 Skipper an Bord, die alle dank ihres Alters schwer hörten und auch in ihren Reaktionen etwas langsam waren. Dieser Umstand führte zwar zu witzigen Vorfällen, aber leider auch zu unschönen, denn wenn 6 Skipper an einem, vom letzten Hurrikan zerlegten, Steg anlegen wollen, muss es unweigerlich zu einer Kollision kommen. Auch hält ein Schäkel, der eigentlich zum halten der Dirk vorgesehen ist, nur bedingt einen Bullenstander davon ab, den Baum aufzufangen, ein Bolzen am Holepunkt nur kurzzeitig, wenn das Vorsegel dauerhaft schlägt und das Relais der Ankerwinsch eben gar nicht, wenn sie angeschaltet bleibt und die Fernbedienung dauerbetätigt wird, da sie zwischen den Winschkurbeln liegt. Wie schon beim Großeinkauf fühlte ich mich wie eine Kindergärtnerin, die den Kindern ständig die Spielzeuge aus der Hand reißen muss, weil man einfach Schäden begrenzen will, die durch unsachgemäße Behandlung zwangsläufig  entstehen müssen. Das ich dabei nicht ganz so gut wegkam, kann man sich vorstellen, denn der Skipper hat das letzte Wort und ich sah schon den Eigner die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Aber ich versuchte dennoch diese Reise zu genießen, denn schon die ersten Buchten auf den BVI´s waren einfach traumhaft. Auch wenn die drei Tage dort nicht annähernd ausreichten, wusste ich nun wo ich locker ein paar Wochen verbringen könnte. Denn auch wenn dort die Hurrikans in den letzten Jahren einige Schäden verursacht hatten, war es traumhaft schön, ich hatte die Barcardiinsel gefunden Smiley mit geöffnetem Mund Die nächsten Nächte, vorbei an Puerto Rico, hinüber zur Dominikanischen Republik waren dann weniger anstrengend wie die Erste mit neuer Crew, denn nun wusste jeder was zu tun war. Leider war die DomRep eine große Enttäuschung, nicht nur das wir allein für die Einklarierung 300,-$ hinblättern mussten, durften wir am ersten Abend die Marina nicht verlassen, weil die Immigration schon geschlossen war. So beschlossen wir noch eine Nacht dort zu verbringen, was mit 100,-$ Liegegebühren nicht gerade ein Schnäppchen war. Irgendwie sollte mir dieses Land generell kein Glück bringen, denn ich verknackste mir beim Tagesausflug nach Santo Domingo den rechten Fuss, der auch sofort anschwoll und konnte somit leider nichts mehr von der Stadt anschauen. Was ich allerdings sah, war Müll. Müll am Sraßenrand, Müll auf den Plätzen, Müll in der Stadt. Ob nun bei Arm oder Reich, wie es auf den eigenständigen Inseln ja gängig war, wo man hinschaute war Müll. Deshalb war es auch nicht ganz so schlimm, dass ich auch am Abend nicht am Strand von Bocaa Chica den Sonnenuntergang bei Mochito und Lobster verbringen konnte, da ich mit Eis am Fuß statt im Glas vorlieb nehmen musste, mein Portemonnaie hingegen freute sich. Zum Glück war nur ein Außenband gezerrt, so das ich die Überfahrt, vorbei an Haiti, hinüber nach Cuba nutzen konnte, um die Schwellung mit einem Kühlakku zu reduzieren.

CUBA Herz was für ein Land! Schon die Einfahrt nach Santiago war beeindruckend. Zu rechter Hand eine Festung, die majestätisch darüber wacht, wer die Bucht befuhrt, wie auch die kleinen bunten Häuser links und rechts. Genauso hatte ich mir Cuba vorgestellt und genauso sollte es sich mir auch in den nächsten Tagen und Wochen präsentieren. Die Menschen waren hinreißend, ich habe lange nicht mehr so oft die Hände geschüttelt bekommen und selbst die Immigrationbeamten begrüßten uns mit Küsschen. Allerdings waren die auch noch am selben Abend bis spät in die Nacht parat, so das wir sofort die Marina hätten wir verlassen können und für das ganze Schiff nur 55,-€/CUC Einklarierung plus 33,-€/CUC Liegegebühren bezahlen mussten. Auch das Visum war ganz unkompliziert ausgestellt, auch wenn es doppelt so teuer war, als wenn es Deutschland beantragt worden wäre. Natürlich half uns auch hier, das dargereichte Bier als Gastgeschenk, was dann später mit mitgebrachten Haarglätteisen, ausrangierten Kleidungsstücken und Seife ergänzt wurde. In Cuba wird allerdings nicht gebettelt, es wird getauscht. Und so bekamen wir alles was das Herz begehrte, wobei Pedro (chachi611206@nauta.cu), der mit seiner Frau Rosa gegenüber der Marina in einer grünen Holzhütte wohnt, maßgeblichen Anteil daran hatte. Ob nun Zigarren, Rum, Obst und Gemüse, Eier oder das schwer erhältliche Brot, er besorgte innerhalb kürzester Zeit alles was wir brauchten. Sicher verdiente er seinen Anteil daran, aber es sei ihm vergönnt, denn wir haben nicht nur einmal versucht auf eigene Faust das alles zu besorgen und schon allein für die Taxifahrt 20,-€/CUC bezahlt, für die wir bei Pedro ganze drei Tüten Lebensmittel bekommen hätten.

Die Fahrt hinein nach Santiago ist ein Erlebnis sondergleichen, wenn man  das Wassertaxi nimmt, das stündlich mit lautschallender Musik, ein paar Meter hinter der Marina, die übrigens nur aus zwei Stegen für insgesamt 8 Boote besteht, anlegt. Nach einer knappen halben Stunde erreicht man Santiago, das nicht nur wegen seiner großartigen alten Autos, sehenswert ist. Es gibt dort eben nicht diesen extremen Unterschied zwischen Arm und Reich, dort haben alle Bewohner eine Grundversorgung an Lebensmitteln, für die mit Marken gesorgt wird. Natürlich sind die Cubaner pfiffig und versuchen die Touristen z.B. für ein paar €/CUC mit Stadtführungen oder auch Internetkarten für den doppelten Preis zu versorgen, aber da es eh nur ausgewählte Wlan-Spots gibt, reichen die Karten für 2,-€/CUC pro Stunde ziemlich lange. Somit sieht man auch keine Handyzombies durch die Straßen laufen, die Menschen reden in den Restaurants noch miteinander, was auch für uns eine völlig neue Erfahrung war Zwinkerndes Smiley Auch das Nachtleben in Santiago ist unbedingt erwähnenswert, überall hört man Livemusik, ob nun in den Restaurants, den Salzaclubs oder einfach auf der Straße, egal an welchem Wochentag, Musik, Tanz und Lebensfreude wohin man schaute. Ob wir wollten oder nicht, wir wurden unweigerlich mitgerissen und verbrachten die eine oder andere Nacht engumschlungen tanzend, mit dafür extra bereitgestellten Eintänzern. Cuba Herz

Für mich zusätzlich sehr schön war, das uns Pedro und Rosa zum Essen einluden und wir somit auch einmal live erleben konnten, mit welchen einfachen Mittel ein sehr schmackhafter Schweinerücken sogar mit knuspriger Kruste und natürlich den üblichen Bohnen mit Reis gezaubert werden konnte. Schließlich hatten wir den Lobster in den Cubanischen Restaurants beinahe über, der als Alternative zum plattgeklopften Huhn angeboten wurde. Aber auch zu sehen wie, für unsere Verhältnisse, ärmlich aber dennoch glücklich die Leute dort lebten, war sehr beeindruckend. Und so gaben wir gerne wenn wir gefragt wurden, denn auch bei der Reparatur der Ankerwinsch und der Badplattform wurde uns hervorragend und schnellstens geholfen. Die Cubaner sind im allgemeinen ja sehr erfindungsreich, wenn es den Schäkel nicht zu kaufen gibt, wird er eben repariert, auch der über den Atlantik geschrottete Genacker, bekam eine neue Naht und das Steuerrad neue Schweißpunkte und das alles für einen Bruchteil dessen, was es woanders gekostet hätte. Dieses Land begann mein Herz zu erobern, war mir vieles doch aus meiner Jugend in der DDR vertraut.

Dahingegen war Jamaika eine Enttäuschung und ein Kulturschock schlechthin. Etwas über eine Woche verbrachten wir dort und schon Montego Bay, mit seinem englischen Yachtclub strotzte vor überquellendem Reichtum. Im Supermarkt gaben wir für einen vollen Einkaufskorb ganze 400,-$ aus, was bei den Preisen (5,-$ je Artikel) auch nicht weiter verwunderlich war. Das zog sich weiter an Jamaikas Küste entlang, Villen so weit das Auge reichte und erst in San Antonio bekamen wir dann das echte Jamaika live geboten. Nicht nur Junkies in der Nacht auch Mütter mit Kindern bettelten uns am Tag an, wo wir gingen oder standen. Alle Geschäfte, selbst die Bäckerei war vergittert, dabei waren die Preise dort recht verträglich und man bekam sogar wieder Streetfood für kleines Geld. Aber der Hunger war den Menschen echt anzusehen, so hatte ich mir Jamaika nicht vorgestellt. Da nutzte es auch nichts, das uns an jeder Ecke Bob Marley Zigaretten von hervorragender Qualität für kleines Geld angeboten wurden, die so offensichtliche Armut wirkte echt abstoßend und im Gegensatz zu den anderen karibischen Inseln, wirkten die Menschen hier trotz dessen so gar nicht glücklich.

Zurück auf Cuba mit neuer Crew und altem Skipper, sahen wir uns diesmal die sozialistischen Supermärkte an, die allerdings auch für die Cubanischen Einheimischen eher unerschwinglich waren. Die Produkte kamen fast ausschließlich aus Spanien und bei einem Monatseinkommen von 30,- bis 40,-€/CUC im Monat, war selbst WC-Papier für 3,-€/CUC Luxus. Auch gab es im Norden der Insel nun überhaupt kein Brot mehr zu kaufen, zum Glück hatten wir vorgesorgt und konnten an Bord backen. Landschaftlich ist der Süden Cubas von See aus dagegen wirklich schön anzusehen. Saftig grüne Palmenwälder, Buchten die tief ins Landesinnere gehen und von Mangroven eingegrenzt sind. Allerdings gibt kaum Buchten zum ankern und nur eine Handvoll Häfen bzw. Marinas, somit sind lange Schläge von 80-150sm erforderlich um in sogenannte Internationale Häfen zu kommen, die erforderlich sind um anlegen zu dürfen. Aber wir waren ja schlimmeres gewohnt und so tuckerten wird von Santiago nach Holguin, vorbei natürlich an Guantanamo, wo wir umgehend aus der 12 Meilen Zone herauskomplimentiert wurden, die wir nur haarscharf streiften Sarkastisches Smiley Meine Güte waren die Amis nervig, zumal die da eigentlich nix zu suchen hatten. Vielleicht war auch das der Grund warum wir in der Marina Puerto Vita so mit Argusaugen bewacht und kontrolliert wurden, die Cubaner sind unter den Dauerfittichen der Amis, ein heißes Pflaster. Dafür fanden wir auch dort wieder außerhalb der Marina unheimlich nette Gesellschaft, bei Juanna (alvarohl@nauta.cu)  z.B. konnten wir unsere Wäsche waschen lassen und direkt linkst vor der Marina, hinterm blauen Bauwagen, fanden wir ein ausgezeichnetes privates Restaurant von Karel und Lyssy, die uns mit Lobster verwöhnten und deren wunderbar erhaltener, vom Großvater geerbter Wagen, als Taxi zu mieten ist. Nach 5 Wochen Cuba nahmen wir dann Abschied und segelten vollgepackt mit Cubanischen Lebensmitteln und Herzlichkeit auf die Bahamas. Und sobald ich wieder uneingeschränktes Internet habe, kann auch diesen Eintrag hier veröffentlichen.

Die Bahamas werde ich erst ein wenig vom Wasser und dann 2-3 Monate über Land erkunden. Denn ich habe mich entschlossen nicht mit der Sea Change II wieder zurück nach Europa zu fahren, sondern auf den Bahamas eine Pause einzulegen. Auch wenn ich wirklich wunderbare Angebote von Eignern und Veranstaltern im Mittelmeer habe, werde ich in einem Hostel für Kost und Logis arbeiten, da mich der Hostelbetrieb schon seit einer Weile interessiert. Schließlich habe ich schon in so vielen Hostels übernachtet, der Charterbetrieb ist ja auch ähnlich und mir haben die Holzarbeiten an der VEGA sehr gut gefallen, so dass ich mir in ferner Zukunft gut vorstellen könnte ein Backpacker-Hostel, wie das Shantihome in Izmir, irgendwo auf dieser Welt auszubauen und zu führen. Aber bis dahin muss ich noch die Welt erkunden und meinen Lieblingsort finden und so geht es Ende Mai, diesmal mit einem Katamaran Hector, in Richtung Nordamerika, über Florida und Carolina bis nach Virginia und nach der Hurrikansaison wieder zurück in die Karibik. Ich werde berichten…

Karibik – Kleine Antillen

Da bin ich nun, angekommen in der Karibik. Was für Gegensätze! Gestrandet bin ich auf Barbados und wurde direkt hineingeworfen, ins laute, bunte Getümmel, nach 2 Wochen absoluter Ruhe, ein wahrer Kulturschock. Ich bin immer noch überwältigt, vom satten Grün der Landschaft und den Unterschieden der vielen Inseln. Von weitem erscheinen sie so ähnlich wie sie, beim näheren hinsehen, anders gar nicht sein könnten. Auf französischen Inseln, fühlt man sich beinahe wie zu Hause, alles wirkt europäisch kühl, gesittet, beinahe spießig. Ob nun die Häuser oder die Geschäfte, so auch die Menschen, ob schwarz oder weiß. Wohingegen die unabhängigen, recht amerikanisch oder auch englisch geprägten Inseln, laut und voller Leben, beinahe unbändig erscheinen. Aber gerade dort ist der Unterschied zwischen arm und reich doch am deutlichsten zu spüren und dennoch gefallen mir persönlich Diese am besten, da sie authentischer und lebenslustiger wirken.

Angekommen im Norden von Barbados, in einer Schicki-Micki-Marina mit Poolbar, bin ich, nach allen Einklarierungs-formalitäten, mit den einheimischen Vans, voll mit Menschen und lauter Reggaemusik, nach Bridgetown gefahren, vorbei an den kleinen bunten Häuschen, die sich als so typisch für die eigenständigen Inseln der Karibik erweisen sollten. Dort hatte ich ein AirBnB Zimmer für 2 Nächte, denn mein Flug nach St. Lucia sollte erst am 19.12. starten und so konnte ich wenigstens ein paar Eindrücke dieser Insel erhaschen. Leider gibt es zwischen den Inseln keine Fährverbindung und da sich meine letzte Mitsegelgelegenheit auf keinen Kompromiss einließ direkt nach St. Lucia zu fahren, musste ich in den sauren Apfel beißen und 155,-$ + 110,-$ Gepäck für 45 Minuten Flug hinlegen. Verwirrend war es erst einmal mit den verschiedenen Währungen klar zu kommen, denn 1 Ostkaribischer Dollar (EC-Dollar) = 0,37USD = 0,32Euro. Alle drei Währungen werden anerkannt, nur nicht auf allen Inseln angenommen und auch die Bancomaten spucken unterschiedliche Währungen aus. Man muss also höllisch aufpassen, was wieviel kostet. Man switcht ständig zwischen Europa, Amerika und England hin und her, genauso verhält es sich auch mit der Sprache, den Supermärkten und den Gepflogenheiten, wie dem Rechts- oder Linksverkehr.

Auf St. Lucia habe ich dann auf der Sea Change II eingecheckt und wurde herzlich begrüßt. Gleich am nächsten Tag ging es auch schon hinüber nach Martinique um den nächsten Gast an Bord zu nehmen und die jährliche Inspektion des Motors vornehmen zu lassen, der ein Jahr zuvor genau dort eingebaut wurde. Das ging auch recht schnell und unkompliziert vonstatten und so konnten wir nun zu dritt gleich am nächsten Tag weiterfahren. Da aber die Sea Change II einen Preis bei der ARC 2018 gewonnen hatte und die Preisverleihung am selben Abend stattfand, ging es retour nach St. Lucia, um ordentlich zu feiern. Alle waren stolz auf ihre Leistung, ob es nun der Erste oder Letzte oder der am Zeitnahsten, wie die Sea Change II, mit 22Sekunden Unterschied zu einem anderen Boot über die Ziellinie gegangen ist oder auch der den größten Fisch gefangen hatte, es gab für alles einen Preis und dazu gratis Fingerfood und RumPunch bis zum abwinken. Ein ausgelassener Abend, bei dem man auch schnellen Kontakt zu anderen Crews fand, die parallel über den Atlantik gefahren waren und die so einige Storys zum Besten gaben. Ob es nun um einen gebrochenen Mast ging oder auch um die Querelen innerhalb der Crews, da war ich echt glimpflich davongekommen mit meinen schweigsamen Schweizern. Und so wuchs unsere Crew auch prompt um ein Backpackerpärchen an, die nach St. Marteen wollten,da wir noch Platz genug hatten.

Zu viert starteten wir also am Morgen des 24. Dezembers, mit lautschallender Weihnachtsmusik, in Richtung Dominica, wo wir endlich einmal in Buchten ankern und baden wollten. Schon im Norden von Martinique konnten wir das erste mal mit Schildkröten und bunten Fischen schnorcheln und so waren wir gespannt auf die nächsten Strände, die es doch in jeder Werbung gab. Der erste Teil der Strecke war auch schön entspannt, wir konnten wunderbar segeln, bis wir in die Landabdeckung kamen und der Wind merklich abflaute. Plötzlich erstarb aber auch genauso abrupt unser zu Hilfe genommener Motor, sprang erst kurz wieder an und verweigerte unter qualmen und stinken den, eigentlich gerade jetzt so notwendigen, Dienst. Auch der fix zu Hilfe genommene Spinnaker half kaum dabei uns von Ort und Stelle zu bewegen, so dümpelten wir dahin. Bis wir irgendwann die fluchenden Männer aus dem Motorraum hervorholten, weil wir endlich aus der Abdeckung der Insel herauskamen und wieder Segel gesetzt werden konnten. Leider kamen wir aber dennoch erst im Dunkeln auf Höhe Portsmouth an und da es heiliger Abend war und auch auf Dominica wohl alle um den Weihnachtsbaum herumsaßen, antwortete uns über Funk niemand. Wir versuchten es eine ganze Stunde ergebnislos und entschieden uns dann die Nacht hindurch nach Guadeloupe weiter zu segeln, da der Wind gerade günstig stand.

Im Morgengrauen des ersten Feiertages, segelten wir dann auch direkt in die Marina von Pointe-à-Pitre hinein, so das wir nur das kleine Stück in die Box geschupst werden mussten und somit wohlbehalten ankamen. Was für ein Glück ein Segelboot und kein Motorboot zu fahren. Und wieder hatten wir das Glück im Unglück, denn in der Nacht hatte sich eine Leine von der Reling gelöst und so musste diese aus der Schraube befreit werden. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch den Auslöser unseres Motorenproblems entdecken, denn unter dem Filter der Seewasserpumpe hing ein riesiger Klumpen des überall herumschwimmenden Seegrases Sargassum. Dieser Klumpen hatte verhindert, das Seewasser in die Kühlkreislauf gelangte und somit der Motor überhitze und ausging, nun musste nur noch herausgefunden werden, warum er trotz Befreiung vom Seegras und Reinigung des Filters nicht mehr ansprang. Doch erst einmal ging das Running auf die Reparaturwerkstätten los und das genau während der Feiertage. Nachdem wir natürlich erst einmal recht erfolglos waren, kam uns dann doch eine kleine Werkstatt zu Hilfe, die das Problem auch schnell erkannte, dass der Anlasser durch die wiederholten Startversuche kaputt ging und nun ausgetauscht werden musste. Leider war die Ersatzteilbeschaffung genauso schwierig und somit verbrachten wir Silvester eben auf Guadeloupe, statt wie geplant auf Antigua. Allerdings ist ja nun doch eine Bar wie die andere und so hatten wir einen ausgelassenen Jahreswechsel und die Tage zwischen den Feiertagen, verbrachten wir, außer mit ausgedehnten Stadtbummeln, mit Fahrten in den Regenwald zu Wasserfällen und an die Nordküste zu den Mangrovenbewachsenen Küsten des Atlantiks.

Das neue Jahr begann mit einem ausgetauschten Anlasser und somit einem laufenden Motor, so dass wir endlich wieder auslaufen konnten. Zwar immer noch zu viert, da ein Backpacker von Bord ging aber wir dafür eine Hitchhinkerin dazu bekamen, die auch mit nach St. Marteen wollte. Gut gelaunt ging es also weiter um endlich wieder in einer Bucht im Norden vor Guadeloupe zu ankern, doch so wirklich freuten wir uns auf die so hochgepriesenen Strände von Antigua. Dort angekommen, ließen wir es uns natürlich auch nicht nehmen, endlich einmal wirkliche Karibikstrände zu sehen und auch nach den vorherigen europäisch geprägten Inseln, wieder das ausgelassene Feeling der eigenständigen Inseln zu erleben, in denen schon alleine die Busfahrten ein Erlebnis sind. Dann ging unser Inselhopping weiter, über eine Ankernacht vor Nevis, mit den Schönen und Reichen, erlebten wir dann auf der nächsten Insel St.Kitts wieder das andere Extrem, zu den künstlich erschaffenen Duty Free Shops für die Kreuzfahrtschiffe und den Streetfoodständen der Einheimischen, in denen es super leckeren Lopster für 15,-$ und Hähnchen für 3,-$ frisch vom Grill gab. Leider war es dort auch sehr laut, da die Marina direkt neben einer Diskothek liegt und Samstagabend natürlich Halli-Galli angesagt war, zu einer Strandparty hätten wir uns hingegen ja glatt überreden lassen Zwinkerndes Smiley

Die nächste Insel St. Marteen war wiederum ganz anders, geprägt vom Hurrikan Irma, der im September 2017 hier wütete, sind in der Marina immer noch die meisten Steganlagen defekt bzw. fehlen gänzlich. Auch das Lebensgefühl ist gänzlich anders, so eine Mischung zwischen all den Inseln die ich bisher gesehen habe. Ich bin gespannt auf die Erkundung dieser Insel, auf der wir nun bis zum Ende der Woche liegen werden, da erst am Freitag die nächste Crew und ein neuer Skipper kommt. Sicher gibt es noch einige schöne Ecken als die wir bisher gesehen haben, aber kann man das in dieser kurzen Zeit wirklich? Zumal ja jedem etwas anderes gefällt. Insgesamt finde ich die Karibik echt überraschend, anders als gedacht aber dennoch nicht weniger reizvoll. Ich bin erstaunt wie grün hier alles ist, über die ständigen Regenfälle, die sturzbachartig herniederprasseln und ihr übriges tun und die für eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit sorgen. Man taut ohne etwas zu tun und kann leider auch nicht die Fenster ungestraft offen lassen, deshalb schlafe ich partiell im Cockpit, da es mir unter Deck einfach zu heiß ist. Am nächsten WE geht es dann weiter auf die BVI´s, Puerto Rico, die DomRep und Jamaika, auf die ich mich persönlich am meisten freue. Danach geht´s dann nach Cuba, wo wir ein paar Wochen bleiben werden. Ich bin gespannt und sooo glücklich das alles erleben zu dürfen 😀

Atlantiküberquerung

Blau, überall blau, hellblau, dunkelblau, türkisblau, fifty shades of blau. Die meisten Menschen stellen sich eine Atlantiküberquerung super spannend und gefahrenreich vor, dabei ist das eigentlich spannende, das Zwischenmenschliche und nicht der Atlantik. Denn so ein Törn ist  tatsächlich eher langweilig, am ersten Tag werden die Segel auf den Passatwind eingestellt, der konstant zwischen 10 und 25 Knoten weht. Manchmal kommt er etwas nördlich dann wieder nordöstlich, so das man maximal zwischen ausgebaumtem Schmetterling und Raumschotkurs-Beseglung wechselt, bei Schwachwind kann man sich noch auf den Genaker einigen, aber das war´s dann schon. Ab und an wird man von einer Delfinschule besucht, wenn man Glück hat auch von Walen, in jedem Fall aber von fliegenden Fischen, die oft in Scharen auf dem Deck landen und den Weg nicht wieder ins Wasser finden. Die kleinen Scheißerchen stinken widerlich nach Fisch, so das man sie Nachts nicht nur hört sondern auch riecht. Sehr angenehm wieder, waren die langgezogenen Atlantikwellen, die von hinten auf das Boot zurollen, es anheben und unter ihm durchrollen. Kurz vor Ende schwammen dann immer größer werdende Teppiche von Algen an uns vorbei, die mittlerweile der Fluch der Karibik geworden sind. Tja, und mehr passiert nicht auf so einer Atlantiküberquerung und im Großen und ganzen war es eine angenehme Zeit. Auch das Boot, eine Ovni 455C von Alubat, war sehr gut in Schuss und es ist auch nichts gravierendes kaputt gegangen. Natürlich scheuerte sich mal die eine oder andere Schot durch, auch der Generator muckerte, zum Glück erst kurz vor der Ankunft und die Angelschnur verhedderte sich in der Leine vom Schleppgenerator. Doch das waren im Vergleich zu anderen, bisher erlebten Törns, eher kleinere Zwischenfälle und wurden vom Eigner recht unkompliziert gelöst.

Zum Glück habe ich immer genug zu lesen dabei und somit habe ich auf 2000 Seemeilen ganze 2000 Seiten vertilgt, Ken Follet musste herhalten, damit ich mit dem Schweizer Ehepaar, dass mich auf Sal aufgegabelt hatte und ihn auch gerade lasen, ein paar gemeinsame Gesprächsthemen hatte. Leider sprachen beide aber nicht sehr viel, jedenfalls nicht mit mir sondern eher miteinander auf schwitzer Deutsch, was aber dank Ken Follet nicht ganz so schlimm war. Da wir zu dritt waren, hatte jeder je 2 Stunden Einzelwache, so konnte jeder 4 Stunden schlafen und man hatte Zeit zum lesen, schlafen oder vor sich hinsinnieren. Klar hätte ich mir eine lustige, abwechslungsreiche Crew lieber gewünscht, mit der man Spiele spielen und tolle Gespräche führen kann. Aber man kann halt nicht alles haben und so beruhigte mich die Tatsache, dass so ziemlich alle anderen Schiffe die parallel gefahren sind, sogar Streß untereinander hatten. Denn nachdem ich von meiner Anlandeinsel Barbados nach St. Lucia geflogen war, dort wieder auf der Sea Change II eingecheckt hatte und wir gemeinsam an der ARC Abschiedsparty teilnahmen, kam ich in Kontakt mit so manchen Crewresten, die sich schon lange vor der Party aufgelöst hatten. Schade sowas Trauriges Smiley denn man sollte doch stolz auf das Geschaffte und glücklich über das Erlebte sein, ich bin es jedenfalls!

Was mich allerdings wirklich zum grübeln anregte und auch nachhaltig bewegt, ist dass ich erstmals etwas für Törns bezahlt habe und bei beiden malen einen ganz blöden Nachgeschmack habe. Vier Jahre lang bin ich bei Menschen mitgefahren, die sehr froh um meine Hilfe waren, die meine Arbeit anerkannten und sogar mehrmals darum baten, sie zu unterstützen. Ganz vorne dabei natürlich Markus von der Sea Change II, oder die liebe Lore und ihr Hubert von der Dwarslöper, nicht zu vergessen Axel von der VEGA, aber auch David damals von der Mary Fisher, Micha von der Sioned uva. haben mich gern und auch lange Zeit an Bord gehabt und keinen Cent dafür verlangt. Auch sehr bemerkenswert das mir Firmen ihre Charterboote anvertrauten, sogar Gäste durch die Gegend zu fahren um meine Reisekasse aufzufüllen. Das ich aber 1000,-€ oder 1500,-€ für einen Törn bezahle und jeder einzelne Tag abgezählt oder im nachhinein noch auf die Bordkasse aufgeschlagen wird, von mir sogar verlangt wird nur für 10,-€ extra mein Gepäck an Land zu transportieren oder mehrfach erwähnt wird, mir überhaupt mit dem Gepäck geholfen zu haben, ist echt befremdlich. Denn so etwas gehört doch wohl zum Service, auch mich wie einen Gast und nicht wie ein Hand-gegen-Koje Crewmitglied zu behandeln, setze ich voraus, wenn ich für einen Törn bezahle. Denn wenn man sich so ein Boot nicht leisten kann, sollte man es erst gar nicht kaufen und nicht erwarten, dass Fremde es einem finanzieren oder in Schuss halten und nicht mal annähernd das Wort Service kennen. Das wird mir jedenfalls nicht mehr so oft passieren, auch wenn es mir echt leid tut, für die die mich unterstützt haben und nicht das Geld bekommen haben.

Jetzt geht es aber erst einmal ganz entspannt weiter mit der Sea Change II, von Saint Lucia über Martinique, Dominica, Guadeloupe und zum Silvester feiern nach Antigua. Danach dann über St. Martin Richtung Cuba und die Bahamas, wo ich dann höchstwahrscheinlich das Schiff wechsel um die Hurrikansaison im Norden von Carolina Boot zu sitten. Aber jetzt genieße ich erst einmal die entspannte und spaßige Zeit mit Markus und seinen Gästen.

Kapverden

Anders habe ich sie mir vorgestellt, die Kapverden. Grüner und bevölkerter. Aber fast alle Inseln gleichen einer Mondlandschaft – Felsen, Krater, Einöde und einige sind sogar unbewohnt. Dafür gibt es endlos lange weiße oder auch schwarze Sandstrände, mit türkisem Wasser. Irgendwie sind die Farben einfach intensiver. Wenn man die geschichtliche Entwicklung verfolgt, sind die Kapverden erst ziemlich spät (1445) von den Portugiesen entdeckt und besiedelt worden. Diese haben sich dann Schwarzafrikaner als Sklaven hergeholt und genauso auch erst etwas grünes mitgebracht. Die Inseln San Antao und San Nicolao sind die Einzigen, die durch ihre Höhe etwas Feuchtigkeit von den Wolken abbekommen und oben im Gebirge auch saftig grün sind. Dort sieht es tatsächlich so aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Die unglaublich freundliche Bevölkerung ist zu 90% karamellig, da die Portugiesen 1975 endgültig vertrieben wurden und die Kapverden nun eine unabhängige Inselgruppe sind.

Leider haben sich die Touristen das Preis/Leistungsgefüge selbst zerstört, in dem über die Gebühr Trinkgelder gegeben wurden. Vor 10 Jahren wurde man wohl noch aus lauter Freundlichkeit von den Fischern an Land gebracht und den Familien vorgestellt, die dann für ein paar Euro ein Menü mit frischem Fisch servierten. Heute verlangen sie schon 2,- bis 4,-€ für diesen Service und man wird in ein Restaurant geführt, was man allerdings als Entwicklungshilfe verbuchen sollte. Auch kann es passieren, dass der Reservekanister im Dingi am Abend leer ist oder das Dingi am Strand plötzlich von Jungs bewacht wird, das eigentlich am Boot vor Anker befestigt war, angeblich hatte es sich losgerissen und so wollten sie doch glatt 10.000,-Escudos also 100,-€ Finderlohn haben. Man fühlt sich also schon als Geldbeschaffungsmaschine und ziemlich abgezockt, wenn man bedenkt dass der Monatslohn hier selten mehr als 500,-€ beträgt. Dafür ist die Kriminalität aber sehr gering, jedenfalls ist uns nichts zu Ohren gekommen.

Aber nun zu meinen Reiseplänen – ich bin ja mit der MARLIN als erstes auf Sal gelandet, dort haben wir einklariert und zwei Nächte verbracht. Das Örtchen Palmeira ist wirklich hübsch und touristisch noch nicht so überlaufen, wohingegen Santa Maria im Süden komplett aus Hotelburgen besteht. Dort blieben wir auch nur eine Nacht, da es sehr schwellig und ungemütlich war. Leider teilte mir dort der Eigner der MARLIN auch mit, dass der Reserveplatz für die Atlantiküberquerung, der für mich vorgesehen war, an ein vollzahlendes (4000,-€) Crewmitglied vergeben wurde. Aber es gibt offensichtlich keine Zufälle, denn noch in Sal lernte ich ein schweizer Pärchen kennen, dass mir dort schon erzählte, das ihnen eine Freundin die mit über den Atlantik fahren wollte, abgesprungen ist. Wir hatten unsere Nummern ausgetauscht und Kontakt gehalten und so bot ich nun an, den Platz der Freundin zu übernehmen, so dass die Beiden nicht zu zweit die vielen Meilen zurücklegen mussten. Auf Boa Vista trafen wir uns dann wieder und vereinbarten eine Probewoche ab Mindelo um zu schauen, wie es miteinander klappen könnte.

Und so suchte ich mir zwischenzeitlich eine Pension als Unterschlupf, denn selbst der Aufenthalt vor Anker auf der MARLIN ist nichts für Minimalisten, den muss man sich auch leisten können. Das sich das alles als sehr richtig herausstellte, war ein angenehmer Nebeneffekt, denn ich hatte mir Montezumas Rache eingefangen und konnte so in Ruhe vor mich hinleiden. Die MARLIN hingegen schaukelte in irrsinnigem Schwell vor sich hin und hätte mich wohl komplett ausgeknockt. Zum Glück ist auch Boa Vista nicht wirklich sehenswert, so dass ich nicht viel verpasste und am Ende der Woche dann einigermaßen erholt mit der MARLIN nach Mindelo übersetzen konnte. Dort wartete die Shiva schon auf mich, so dass ich nur die Schiffe zu wechseln brauchte und schon am nächsten Tag gleich weiter nach San Antao mitfahren konnte. Diese Insel ist tatsächlich eine Augenweide, im Hochgebirge grüne Berge und terrassenartige Felder so weit das Auge reicht, so auch in der Caldeira des ruhenden Vulkans der Insel. Es war ein wahrer hochgenuß für die Augen, endlich wieder grünes zu sehen und aufzutanken, denn für die nächsten Wochen wird es nur blau zu sehen geben.

Denn am Montag den 03.12.2018 geht es los über den großen Teich! Von Mindelo soll es nach Barbados in die Karibik gehen, 2100sm Wasser liegen vor uns. Geplant sind 14 Tage, bei gutem Wind eventuell auch nur 12 Tage, die wir uns nun in 2 Stunden Wachschichten einteilen, so kann jeder 2 x 4 Stunden schlafen. Natürlich hab ich Schiss Zwinkerndes Smiley aber ich freu mich auch auf diese Zeit, denn schon die letzten längeren Schläge fühlten sich nach mehr an. Wie es danach weitergeht? Ich werde wohl von Barbados nach St. Lucia fliegen, sofern ich keine Mitsegelgelegenheit finde und dort dann kurz vor Weihnachten wieder auf der Sea Change II einchecken. Denn dort bin ich ja nur beurlaubt worden und kann über Martinique, St. Martin mit nach Kuba und den Bahamas auf HgK Basis mitsegeln. Ob ich dann wieder zurück ins Mittelmeer fahre oder nach Norden/Süden/Westen vor der Hurrikanesaison fliehe, wird sich dann zeigen, erste Anfragen gibt es schon. Aber ich bleibe wie immer meinem Motto treu – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Kanaren –> Kapverden

In La Palma mit der Fähre angekommen, sah ich die MARLIN schon von weitem leuchten, majestätisch lag sie da, die Lady in Red. Die Marina in Santa Cruz ist eine der schwelligsten Häfen, die ich je erlebt habe. Alle Boote tanzten, aber die 30 Tonnen schwere MARLIN wiegte sich nur behäbig hin und her. Ein schönes Schiff, sehr geräumig und heimelig eingerichtet, man fühlt sich sofort zu Hause. Und so richtete sich Crew 48 auch umgehend ein und brach auf um wieder einmal Bergeweise Lebensmittel einzukaufen. Denn wenn schon mal ein Auto gemietet ist und der Lidl direkt im Ort, kann man auch die eine oder andere Flasche Wein mehr ordern. Platz ist ja auf der MARLIN und auf den Kapverden eher weniger Möglichkeiten die Backskisten zu füllen.

Am Samstag den 3.11. ging es dann also auch schon los, auf zu den Kapverden. Um 17:00Uhr lösten wir die Leinen, tankten noch einmal voll und setzten noch im Hafenbereich die Segel. Und das war gut so, denn kaum herum ums Eck blies es uns schon mit 25 – 30Kt weg von der Insel, so dass der Autopilot in den Böen ausstieg. Leider hatten wir alle ja noch nicht die nötige Erfahrung mit diesem Schiff, so dass der Skipper beinahe 4 Stunden selbst in die Nacht hinein steuern musste, so ein Langkieler ist eben schon eine Hausnummer. Vielleicht wäre es doch besser gewesen, noch eine Nacht zu warten, aber zwei der Crewmitglieder waren schon eine Woche vorher angereist, obwohl klar war, das der neue Generator erst geliefert werden würde und wir mit einer Woche Verspätung loskommen. Entsprechend ungeduldig waren sie nun und scharrten mit den Hufen, so ganz begeistert war der Skipper nicht davon. Aber nun war es so, die Entscheidung war gefallen und wir hofften alle, bald aus der Düse der Inseln hinaus zu sein.

Die erste Nacht ist bekanntlich eh die schlimmste und so waren bald nicht mehr viele übrig, die sich auch unter Deck ohne Probleme aufhalten konnten. Ganz sicher wird es auch mal eine Welle geben, die mich erwischt, aber bisher kann ich behaupten über und unter Deck seefest zu sein. Ich kann kochen und somit die restliche Crew bei Laune halten, was leider dieses mal nicht ganz so glückte. Denn wie sich wieder einmal herausstellte, ist das Schwierigste bei einer solchen Überfahrt, die soziale und psychische Komponente, die den Meisten Probleme bereitet. Man darf es einfach nicht unterschätzen, dass man 24/7 mit meist fremden Menschen auf engstem Raum zusammen ist, unter extremem Schlafmangel leidet, im schlimmsten Fall Seekrank wird vom dauerhaften schaukeln und nicht vor all dem einfach so fliehen kann. Und so kam es wie es kommen musste, der Anker war gerade gefallen und noch beim einklarieren, erklärten zwei der Crewmitglieder sich sofort nach einem Hotel umzusehen und das Schiff zu verlassen. Da half auch kein gut zureden, die Beiden hatten einfach genug.

Für mich war es hingegen eine rauschende Überfahrt, ein wunderbares Erlebnis. Danke an die MARLIN und ihrem Skipper, der mich sogar auf seinem Blog bloggen ließ und ich nun auch dort eine Fußspur hinterlassen habe. Ich genoss das Rauschen des Meeres, bestaunte die phosphoreszierenden Schaumkronen in der Nacht und die langgezogenen Wellenberge des Atlantiks bei Tag. Die Wachschichten machten mir nur wenig aus, einzig der Moment des gewecktwerdens, ist eine Überwindung. Aber interessante Gespräche mit dem Wachpartner oder auch ein gutes Buch, lassen die Zeit schnell verfliegen, bis man wieder in seine warme Koje kriechen darf. Nach gerade mal 5,5 Tagen für diese 780sm trafen wir also auf der Insel Sal ein und ankern nun vor Palmeira und werden also zu zweit die nächste Woche ein wenig relaxen und über Santa Maria noch nach Boa Vista fahren.

Auf die Kapverden bin ich echt gespannt. Nun bin ich raus aus Europa, es fühlt sich fremd an und ich mich wie ein Eindringling in eine andere Welt. Afrika für Einsteiger nennt es mein Skipper. Flache bunte Häuschen, Frauen in Wickelröcken und Korb auf dem Kopf, kleine schwarze Kinder die noch auf der Straße Fußball spielen. Aber man muss sich auch aufraffen, denn eigentlich braucht man gar nicht vom Boot zu gehen, Denis der Ankerbuchtwart, der mit seinem kleinen Holzboot vor einem herfährt und den Platz zuweist, den Müll mitnimmt oder Wassertaxi spielt, besorgt auch Gas und begleitet einen zur Policia, für ein paar Euro. Entwicklungshilfe, nennt man das wohl, dafür passt er auf, das niemand fremdes aufs Boot kommt, oder das Schiff nicht abtreibt während man im Ort unterwegs ist. Mal schauen wie es auf den anderen Inseln ist, ich freu mich drauf!

Wie es danach weitergeht weiß ich wieder einmal nicht so genau. Ich werde wohl am Skippertraining auf der MARLIN teilnehmen und würde natürlich auch gern mit in die Karibik hinüber fahren. Aber die Teilnehmer stehen Schlange und so hoffe ich den letzten freien Platz zu ergattern. Als Alternative könnte ich mir vorstellen, zu den Kanaren zurück zu fliegen und dort HgK anzuheuern oder auch den Winter über zu Skippern. Aber man kommt hier auch leicht mit anderen Fahrtenseglern in Kontakt und es könnte sich ja ev. eine andere Mitsegelgelegenheit in die Karibik ergeben, wer weiß…