Mallorca

18198769_1489090924445567_6996472964246753157_nNun lebe ich also auf Mallorca. Es ist tatsächlich eigenartig wieder vier feste Wände um mich herum zu haben. Es schaukelt nichts, man hat viel Platz, kann duschen wann man will und Wäsche waschen so oft man möchte. Aber es fühlt sich unwirklich an. Ich bin natürlich sehr froh hier bei einem Bekannten unter gekommen zu sein, hab ein Zimmer, einen Schrank, kann meine Sachen hier deponieren und hab ein Bett in dem ich schlafen kann. Die Wohnung ist relativ zentral gelegen, der Mercadona direkt um die Ecke und die Altstadt fußläufig zu erreichen. Und seit neustem gibt es auch eine liebe Mitbewohnerin, mit der ich mich wirklich gut verstehe. Ich könnte hier tatsächlich bleiben, aber…

18010842_1470438919644101_4370807291919148890_nMein Sohn hat mich besucht und wir haben die letzten Tage die Gelegenheit genutzt um uns die Insel anzuschauen. Was für ein wunderschönes Fleckchen Erde. Mittlerweile verstehe ich, dass so viele Deutsche sich hier wohl fühlen. Das Klima ist warm, die Bäume ganzjährig grün, das Wasser blau. Ich mag es sehr hier. Wir sind über Landstraße mit dem Auto nach Sant Elm und haben, bei einem Eis, hinüber zur Isla Dragonera geschaut. Sind mit der alten Holzeisenbahn nach Soller, von dort zu Fuß nach Port de Soller gelaufen und haben uns dort ein leckres Stück Kuchen gegönnt. 18221540_1489104537777539_5478279391021295433_nWieder über Land gings an einem anderen Tag nach Cala d´Or und in den Naturpark Mondrago, zu wunderschönen Buchten die ich vor zwei Jahren schon einmal vom Wasser aus gesehen habe. Mein Sohn ist an einem Tag mit dem Rad, mit einem Fahrrad-Guide über die Insel gefahren. Wir waren am Strand, haben die Füße in den Sand gesteckt und er war sogar baden. Wir haben uns den Balermann in El Arenal angeschaut, der viel harmloser ist, als vorgestellt. Natürlich habe ich den Cementerio nicht ausgelassen, der aber leider nicht so beeindruckend war wie die italienischen Cimiteros. Und wir haben auf dem Castell de Belver erlebt wie die Katalanen ihre Menschentürme bauen und zu fadoähnlicher Musik tanzen. Ich bin ganz sicher das ich auf dieser schönen Insel noch ganz viel entdecken und erleben kann, aber…

18222683_1489090791112247_4665339001570590726_nDie Altstadt von Palma hat es mir natürlich besonders angetan. Man kann stundenlang hindurchstreifen, sich auf kleinen Plätzen niederlassen, dargebotener Musik lauschen, Sangria oder Tinto Verano trinken und Tapas essen. Ich bin zwar so gar keine Shoppingqueen, aber selbst das macht mir hier Spaß, auch wenn ich mir ja aus Platzgründen nichts kaufen kann. Aber es schlendert sich so schön durch die Gassen, die vielen kleinen Geschäfte bieten teilweise so liebevolle Dinge an, so dass man sich gern die Nase plattdrückt. Ein Highlight war natürlich die “Palma Super Yacht Show”, wo Schiffe anzusehen waren, die eigentlich verboten werden sollten, bei so viel Armut auf der Welt. Zum Glück ist der Hafen offen und man kann auch sonst Boote gucken gehen, auch wenn dort mehr Charteryachten als Langfahrer liegen. Es gibt also immer wieder was zu sehen und sei es mal wieder ein Fest, denn die Spanier wissen wie man feiert, aber…

DSC_1104…ich bin ja losgezogen, die Welt unter Segeln zu entdecken. Ich habe mich ja nun nach Charterfirmen umgesehen und diverse Erkundigungen eingeholt, welche Qualifikationen ich benötige. Es kursieren da die unterschiedlichsten Varianten, die Einen wollen den SKS (SportKüstenSchifferschein) die Anderen sogar den SSS (SportSeeSchifferschein) und wieder Anderen genügen ausreichend Meilen und vor allem Erfahrung um mit dem SBF See (Sportbootführerschein) eine Yacht zu führen. Natürlich benötigt man eine Skipperhaftpflicht und auch gibt es Crewverträge, Kaskoversicherungen fürs Boot und die Unfallhaftpflicht. Wichtig ist in jedem Fall, ob man es sich zutrauen würde ein Schiff selbstständig zu führen und die Verantwortung für andere zu übernehmen. DSC_1461Ich möchte genau das herausfinden und werde deshalb am Samstag nach Sardinien fliegen Smiley dort erst einmal eine Woche unter Anleitung mit Skippertraining und danach zwei Wochen selbstständig eine Yacht, zwischen Sardinien und Korsika, führen. Es wird eine ganz neue und sicher sehr spannende Erfahrung werden. Und so passiert in diesem Jahr schon das dritte Highlight – ich sehe Bonifacio wieder, diese wunderschöne Stadt auf Korsika. Sollte meine Qualifizierung nicht ausreichen oder ich mich nicht sicher genug fühlen, kann ich ja jederzeit noch den SKS oder auch SSS nachholen. Für den Fall das es gut geht und sich für mich richtig anfühlt, werde ich dann diesen Sommer damit verbringen im Mittelmeer herumzujetten und Charteryachten spazieren fahren.

Ansonsten gibt´s natürlich wieder einen Plan B und C, denn ich habe hier auf dieser wundervollen Insel ein Bett und einen Schrank oder könnte auch wahlweise immer noch nach Griechenland fliegen, wo der eine oder andere Skipper eine Gästekoje für mich frei hätte Zwinkerndes Smiley

VEGA

VEGA_2015Ich glaube ich brauche nicht zu erwähnen wie sehr ich dieses Schiff liebe. Schon vor 2,5 Jahren hat es mich infiziert und seit dem habe ich immer Ausschau nach ihr oder einer ähnlichen Lady gehalten. Sie ist einfach etwas ganz besonderes und ich fühle mich auf ihr jedes mal wie zu Hause. Sie hat eine Seele und man spürt auf ihr die vergangenen Jahre und weiß das sie einem all die Sicherheit gibt, die man braucht um sich auf einem Schiff rundum wohl zu fühlen. Um so erfreuter war ich natürlich, als ich sie in Almerimar wiedersah und beim betreten feststellte, das auch sie mich nicht vergessen hat und all meine Mitbringsel von damals immer noch an Ort und Stelle waren. Und auch dieses mal habe ich das eine oder andere da gelassen, die Welt ist einfach zu klein um sich dauerhaft aus dem Weg zu gehen Zwinkerndes Smiley

17795756_1449746148380045_8873340462772355970_nDie VEGA und ich habe eh ein ganz besonderes Verhältnis zueinander- ich habe nun 2 x 2 Monate auf ihr gewohnt, habe sie geputzt und gewienert, geschliffen und gestrichen, habe den Skipper und die Crew bei Laune gehalten und kulinarisch verwöhnt und was bekomme ich von der feinen Lady dafür zurück? Von 7 Tagen die ich bisher mit ihr je fahren durfte, bekam ich EINEN Tag unter Segel und das sogar als Geburtstagsgeschenk! Und dennoch bin ich ihr dafür sehr dankbar, denn es war immer ein kleiner heimlicher Traum von mir und sie hat mich damit sehr glücklich gemacht. Es ist so ein anderes Gefühl als auf kleineren Booten, alles ist martialisch und handfest, schon allein um eine Wende zu machen braucht man 2-3 Mann, geschweige denn die Segel zu setzen und zu bergen. Auch das man ungehindert auf dem Schiff herumlaufen oder sich sonnen kann, immer irgendwo ein Plätzchen findet um trotz vieler Menschen allein zu sein.

17499310_1439420186079308_2028950747002886118_nIch lasse mich auch weiterhin nicht beirren, ich habe sie sehr sehr gerne verschönert und ein ganz klein wenig dazu beigetragen, dass sie vielleicht noch weitere 90 Jahre auf den Meeren herumfährt. Auch wenn ich sie wiedermal nur eine kurze Strecke begleiten durfte, denn so sehr ich es mir auch gewünscht habe nicht nur bis Griechenland mitsegeln zu dürfen, so wenig verstehen andere wie wichtig für das Projekt VEGA Menschen sind die ihr ganzes Herzblut hinzugeben bereit sind. Ihr Skipper hat in den letzten zwei Jahren wirklich sehr viel Energie, Zeit und Geld hineingesteckt. 17626177_1448940761793917_6820802876469272490_nEr hat den Motor, das komplette Rigg, eine Rollfockanlage und das Unterwasserschiff erneuert, hat die Masten, die Reling und das Schanzkleid refitet und will im nächsten Winter den Wassermacher und einen Autopilot einbauen lassen. Auch hat der Skipper vor, eine feste Crew von Langfahrern aufzubauen und hat mir nach dem Törn Almerimar – Griechenland angeboten auf der VEGA zu wohnen, auf sie aufzupassen und als Co-Skipperin zu fungieren. Ich habe natürlich das Für und Wider abgewogen, denn so muss ich mich in eine größere Gruppe eingliedern, kann nicht selbst entscheiden wo es hingeht und wie lange ich wo bleiben möchte. Aber ich habe ihm dennoch zugesagt und er hat sich sehr darüber gefreut, da wir super als Team zusammen gearbeitet haben. Es ist nur sehr schade, das es dennoch immerwieder Menschen gibt, die ihre persönlichen Interessen vor das Wohl der Allgemeinheit stellen und die wegbeißen, die diesem schönen Schiff gutes tun wollen. Kleingeistige Eifersüchteleien und Machtspielchen sind eben so gar nicht mein Ding, deshalb werde ich also schweren Herzens von Bord gehen.

17861924_1455474737807186_8672685980220892892_nDie Fahrt bisher war kurz und schmerzlos, wir hatten wenig Wind, bis auf eben diesen einen Tag und sind die ersten knapp 350sm quasi in einem Rutsch durchgefahren. Das Schiff war fast komplett ausgebucht und so waren die Nachtfahrten gut in 3 Stunden Rhythmen einzuteilen. Es schläft sich eben nur immer sehr unruhig wenn man unter Motor fährt, auch wenn wir Glück hatten und nicht so ein starker Schwell vorhanden war. Die spanische Küste habe ich also nur von weitem gesehen, zum Glück kenn ich ja Cartagena und Calpe schon, auf Formentera haben wir eine Nacht gestoppt, Ibiza habe ich dann verschlafen und auf Mallorca habe ich noch zwei Tage genossen in einer Bucht zu ankern, während die Crew auf Landgang war bevor es weiterging. Mal schauen wann ich dann das nächste mal auf einem Schiff sein darf. Ich bin ja ein Planungsmensch und da ich bei meinem Lebensstil sogar mehrere Pläne haben muss, habe ich mich ja auch anderweitig umgesehen und mich bei Charterfirmen beworben. Nun werde ich also vorerst bei einem Freund in Palma wohnen und mal ausprobieren, wie es sich anfühlt als Skipperin Fremde durch die Gegend zu schippern. Ansonsten hätte ich schon einige Angebote, von der Code de´Azur über Korsika, Sardinien, Sizilien nach Griechenland mitzusegeln. Auch in Griechenland hätte der eine oder andere eine Gästekoje frei, aber ich muss gerade erst einmal den vergangenen Stress abschütteln, zur Ruhe kommen und mich darauf besinnen was ICH will!

In jedem Fall bin ich sehr glücklich, dass in diesem Jahr somit schon zwei Träume wahr geworden sind- ich durfte auf der VEGA segeln und nun auch in Palma, meiner heimlichen Wahlheimatstadt, wohnen! Smiley mit geöffnetem Mund

Alles hat eben seine Zeit!

Nachtrag – und hier ein Bericht eines Mitseglers:

Mit der Vega auf Überführung

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Back to the roots

Screenshot_2017-03-09-12-07-59-1-1Gehen sie zurück auf Start und ziehen sie keine fünfhundert Euro ein. Oder, man sollte wissen wann man aufhört, auch wenn es nicht am Schönsten ist. Almerimar scheint für mich dafür prädestiniert zu sein Erstauntes Smiley

Ich bin aufgebrochen um die Welt zu entdecken, mich frei zu machen von den Zwängen des Alltags, zu leben und glücklich zu sein. Fast ein Jahr bin ich allein unterwegs gewesen, von Boot zu Boot und auch über Land gereist. Vor 1,5 Jahren nun habe ich auf der Gorch Fock einklariert, bin dafür nach Holland geflogen und hab dort den Winter verbracht. Wir wollten von nun an gemeinsam die Welt umsegeln und so habe ich all meine bisher gesammelten Erfahrungen und Ideen in dieses Projekt gesteckt. Ich habe geholfen das Boot langfahrtauglich zu machen und beim Nestbau mitgewirkt. Gemeinsam haben wir die Route zusammengestellt und die Strecken abgesteckt. Ich habe von Holland, Belgien, Frankreich über die Biskaya, nach Portugal und Spanien, die gesamte Strecke ohne Autopilot gesteuert. Meine Lieblingsstrecke war das nicht, es war eine sehr spannende aber auch anspruchsvolle Tour, mit traumhaften aber auch nicht so schönen Ecken. Ich habe viel gesehen und gelernt und meine Lust aufs Segeln und auf ein Leben auf dem Boot ist keinen Moment geschmälert. Ich bin immer noch wildentschlossen, so viel wie möglich von der Welt zu sehen und gerne bereit deshalb auf vieles andere zu verzichten.

20170205_183558Für viele ist dieses Leben ein absoluter Traum! Die wenigsten erfüllen ihn sich und die, die den Absprung schaffen, sind oft überrascht wie sehr noch die Erwartungen übertroffen werden. Man ist plötzlich frei von allen Verpflichtungen, hat die ganze Welt vor Augen, kann sehen, hören und riechen wie vielfältig das Leben außerhalb Deutschlands ist. Wie offen und unbändig die Menschen anderorts leben, wie anders und fremdartig die Gewohnheiten sind. Auch hat man alle Möglichkeiten die man sich vorstellen kann, die Welt steht einem offen und man kann hin wohin man möchte. Man ist berauscht, saugt alles auf und kann gar nicht genug bekommen von diesem Leben. Und es gibt noch so vieles zu sehen und zu entdecken, der Neugier sind keine Grenzen gesetzt. Zu dieser Sorte ´Aussteiger` gehöre ich.

Aber es ist ein Unterschied, einen Traum zu haben oder ihn dann auch zu leben.

Screenshot_2017-03-03-11-22-11-1-1-1Denn es gibt auch die, die es sich wohl anders vorgestellt haben, die mit diesem Leben hadern und sich heimlich zurückwünschen, zu ihren Freunden und der Familie daheim. Das Leben auf dem Boot ist nun mal sehr einsam, soziale Kontakte sehr flüchtig und von kurzer Dauer. Dafür ist man zu zweit 24/7 miteinander zusammen, hat kaum Privatsphäre und muss den Partner ertragen wie er ist, muss Kompromisse schließen. Das ist nicht einfach und etwas ganz anderes als eine Beziehung zu Hause. Nun ist es aber schwer, sich das selbst einzugestehen und dann noch vor den Freunden daheim zuzugeben, denn welch Blöße würde man sich geben. Schließlich käme es einer Bankrotterklärung gleich, wenn man herausfindet, dass man vor sich selbst gar nicht weglaufen kann und das man die Freunde daheim braucht um Bestätigung zu kommen. Selbstreflexion und klare Worte sind leider selten Männersache und so ist es einfacher zu nörgeln und zu meckern, an allem und jedem und seine schlechte Laune am Nächstbesten auszulassen und negative Energien in alle Richtungen zu versprühen. Am Boot will/kann man dann auch nicht so viel reparieren, morgen ist ja auch noch ein Tag. Und so lebt man in den Tag hinein, es vergehen untätige Wochen und Monate. Zu dieser Sorte Mensch gehört leider der Seebär.

fb_img_1475670601182Und genau deshalb ist meine Zeit auf der Gorch Fock nun zu Ende. Die Dipsomanie und Dämonisierung ist zu weit fortgeschritten, um sie noch länger zu ertragen oder ihr noch entgegen zu wirken. Ich bin einfach ein zu positiver Mensch und bin der Meinung- man lebt nur 1x und mein Leben ist zu kurz und die Grafik einfach zu genial, um sie mir zu vernebeln, oder mich herunterziehen bzw. ärgern zu lassen. Leider sieht er das wohl anders und erzählt überall herum, dass ich ihm Geld unterschlagen hätte, was natürlich Blödsinn ist, zum Glück habe ich alle Kontoauszüge. Wir hatten eine klare Abmachung- solange ich an Bord bin, trage monatlich 500,-€ in Form von Lebensmitteln zur Bordkasse bei und er übernimmt den Rest, ist ja auch sein Boot. Das hat auch all die Monate super funktioniert. Plötzlich will er aber rückwirkend meinen Anteil auf 1:1 erhöhen und droht mit einer Strafanzeige, wenn ich diese Differenz nicht ausgleiche. Mir bleibt also wieder einmal nichts erspart. Trauriges Smiley Sehr schade, dass Menschen die sich mal gern hatten, so miteinander umgehen müssen!

10566223_10152285277797263_1333105683_n.jpgWohin aber nun mit mir? Nun wie das Leben so spielt, passieren Dinge die man nie für möglich gehalten hätte, oder soll es einfach so sein? Seit Anfang Oktober liegt nämlich die VEGA auch hier im Hafen. Drei Monate haben der Skipper und ich, es tatsächlich geschafft einen großen Bogen umeinander zu machen, dann aber trafen wir doch aufeinander. Und so haben wir in einem Gespräch festgestellt, das damals vor über zwei Jahren vieles unausgesprochen geblieben ist, aber dennoch nicht anders zu regeln ging. Es war besser, genau wie auch jetzt von der Gorch Fock, voneinander Abschied zu nehmen, bevor etwas eskaliert, das nicht rückgängig zu machen geht. Wir sind uns also nicht böse, es fühlt sich vertraut an und so gehen wir als gute Freunde miteinander um. Es war nicht schwer zu erraten, dass ich mich sehr unwohl fühle, deshalb haben mir der Skipper der Vega und seine Bordfrau Asyl angeboten. So wird also doch noch ein kleiner jahrelang gehegter Traum wahr und ich darf ab April mit der VEGA mitfahren. Ihr Ziel ist über die Balearen, nach Sardinien und Sizilien nach Griechenland zu fahren, aber ich muss natürlich schauen wie sich das für mich anfühlt mit so großer Crew. So peile ich erst einmal Mallorca an, um mir dort ein Zimmer zu nehmen, oder schaue eben wie lange ich die Besatzung der Vega unterstützen kann bzw. es miteinander gut geht. Denn in Griechenland muss ich mir ja auch erst wieder einen Platz bzw. Boot suchen, um die Schönheit des ionischen Meeres und der Ägäis kennenzulernen.

Screenshot_2017-03-04-10-00-36-1Deshalb nimmt auch eine andere Variante gerade Formen in meinem Kopf an. Denn will ich wirklich auf Dauer immer abhängig von den Launen und der Gnade der Skipper sein, die mir für Hand-gegen-Koje Obdach gewähren? Will ich immer bitten und betteln müssen, mich mitzunehmen, als Gegenleistung profitieren die von meinen Erfahrungen und wissen das nicht einmal zu schätzen? Ich könnte mir deshalb auch gut vorstellen, mich auf Mallorca für länger nieder zu lassen, zeitnah den SKS-Schein zu machen und dann als Skipperin zu arbeiten. Firmen die mich mit Kusshand nehmen gibt es einige, denn SkipperINNEN sind doch recht rar und Frauentörns dafür um so gefragter. Zusagen hätte ich sogar schon.

Und noch eine Idee manifestiert sich gerade. Für ein eigenes Boot fehlen mir derzeit leider die finanziellen Mittel, aber eine Frau zu finden die ein eigenes Boot hat, wäre noch denkbar. Wenn das vielleicht auch sehr selten ist und selbst da ist es fraglich ob es miteinander klappt. Aber einen Versuch wäre es wert, mit Frauenpower durch die Welt zu segeln. Also Mädels, meldet Euch!

So traurig und unvorhergesehen diese Entwicklung nun ist, bin ich dankbar für die schöne Zeit, die wir doch gemeinsam hatten und schaue offen in die Zukunft Smiley mit geöffnetem Mund

Ich lass mir jedenfalls meinen Traum nicht kaputt machen!!!

Winterruhe

15977342_1369652116389449_6104233906900729319_nIch wurde von einigen gefragt, wieso wir den Winter im Winterlager verbringen und nicht einfach weiter fahren?! Wie ich ja schon im letzten Beitrag geschrieben habe, muss zum einen einiges am Boot repariert werden, schließlich ist es 40 Jahre alt und braucht genauso Pflege wie ein Auto. Zumal wir uns eine Marina ausgesucht haben, wo viele deutsche Handwerker sind, man muss also nicht mit Händen und Füßen erklären was gemacht werden muss. Dann ist dort die Alex mit ihrer Wäscherei, die auch Pakete entgegen nimmt, wir können uns also Dinge aus der Heimat schicken lassen, die es in Spanien nicht gibt. Der hauptsächliche Grund ist aber, das wir fünf Monate fast non-stopp durch gefahren sind und nun auch mal die Ruhe genießen, mal etwas länger an einem Ort zu sein. Außerdem erlaubt die Nähe zu Malaga, dank Ryanair, den recht unkomplizierten und sehr preiswerten Flug nach Deutschland. Denn eines fehlt uns, seit dem wir unterwegs sind, sehr: soziale Kontakte. Sicher man lernt unterwegs viele Menschen kennen, aber diese Treffen sind sehr oberflächlich da man sich oft eh nicht wieder sieht. So können Freundschaften kaum entstehen, zumal ja da auch noch mehr dazu gehört.

15697862_1345985885422739_7507020147440099350_nIch habe, bevor ich vor nun schon über zwei Jahren los bin, viele Langfahrer gefragt was ihnen am meisten fehlt und habe nur Antworten wie “Salami” oder “Sauerkraut” bekommen. Mir fehlen mittlerweile tatsächlich meine Freunde… was für ein Luxus, sich einfach mal mit einer Freundin auf einen Plausch zu treffen. Deshalb haben wir beide auch die Feiertage genutzt um mal wieder unsere Familie gemeinsam und unsere Freunde in der Heimat unabhängig voneinander zu besuchen und uns Zeit für sie zu nehmen. Ich war endlich mal wieder im Konzert im Schauspielhaus, hab mir den Auftritt meiner Schwiegertochter bei den Bluesbrothers angesehen, war ausgiebig saunieren und wellnessen, Tango tanzen, Shisha rauchen und asiatisch, indisch und Sushi essen. Alles Dinge die man unterwegs kaum bis selten findet und deshalb als Ausgleich dann in Deutschland mit den Freunden macht. Denn so erstaunlich es ist, das wir beiden eingefleischten Singles tatsächlich nun schon über acht Monate 24/7 miteinander verbringen, brauchen wir genau deshalb den Austausch mit anderen Menschen. Darum werden wir 2017 auch verstärkt versuchen nicht nur Freunde, sondern auch Fremden die Möglichkeit geben, ihren Urlaub bei uns zu verbringen. Sicher wird auch das eine Herausforderung, aber es wird auch eine Bereicherung, da bin ich mir sicher.

WarschauerDie Zeit in Berlin habe ich jedenfalls sehr genossen! Berlin ist einfach eine großartige Stadt und je mehr ich in der Welt unterwegs bin und Menschen kennenlerne die das auch tun, je mehr merke ich dass die tatsächliche Weltoffenheit in Berlin zu finden ist. So sehr auch der Berliner Humor, die Direktheit und die große Klappe oft missverstanden wird, ist es einzigartig und für mich einfach ein Genuss. Ich hatte selbst mit Fremden in der Bahn tolle Begegnungen, die man wohl nur in Berlin findet… ich fuhr Silvester zu einer Freundin und die Bahn blieb plötzlich zwischen zwei Bahnhöfen stehen. Eine Durchsage, dass der Bahnhof Friedrichstraße wegen eines Polizeieinsatzes gesperrt ist und ein wenig später bekannt wurde, dass wegen eines ungefährlichen Gepäckstückes der direkte Zugang zu Brandenburger Tor nicht möglich ist, erboste den männlichen Part eines mir gegenübersitzenden Pärchens sehr. Seine Begleitung versuchte ihn zu beruhigen, dass es doch noch früh wäre und sie alle Zeit der Welt hätten, entspannte ihn auch nicht. Erst als ich anmerkte, dass er ja wenigstens Alkohol hätte und auf die in seiner Hand befindliche Bierflasche wies, ließ ihn plötzlich schmunzeln. Daraufhin durchsuchte er seinen Rucksack, nahm eine Bierflasche heraus und reichte sie mir mit der Bemerkung und einem Zwinkerndes Smiley “na Du ja jetzt auch”. Berlin – Berlin! Anderer Bahnhof, andere Nacht… ich wollte heim und wartete auf meine Bahn, auf der Anzeige stand 19 min. und das bei -5°C. Ich drehte also ein paar Runden um die Bänke und mir fiel ein, in sich zusammengesunkener, Mann auf, der sich offensichtlich übergeben hatte. Plötzlich wurde ich, durch zwei auf mich zu torkelnde sehr skurril gekleideten Männer abgelenkt, von denen einer Sträflingskleidung trug. Dieser entschuldigte sich auch gleich lautstark bei mir, dass ihr Outfit darauf zurückzuführen sei, dass seine kleine Nichte anlässlich ihres 18ten Geburtstages zu einer Mottoparty eingeladen hätte, er aber ganz harmlos sei und sein Bruder, als Polizist verkleidet, ihn nur zum Bahnhof begleiten sollte. Ich nahm die Entschuldigung schmunzelnd an und machte die beiden aber auf den einzelnen Herrn aufmerksam, da ich befürchtete das der trotz oder gerade wegen seines offensichtlichen Alkoholpegels dort erfrieren könne, schließlich wisse man ja nicht wie lange der da schon sitzt. Der Sträfling zögerte auch nicht lange und sprach ihn an, wohin er denn wolle und es stellte sich heraus, das beide in die gleiche Richtung mussten. So hakten sie sich ein und torkelten gemeinsam in die nächste Bahn, nicht ohne das mich der Sträfling noch umarmte und eine gute Heimreise wünschte. Der Polizist wich mir aber auch danach nicht von der Seite, als ich ihn fragte wo er den hinmüsste, meinte er- er könne mich doch hier nicht alleine stehen lassen und würde deshalb warten bis meine Bahn käme, womit nun wiederum er sich eine Umarmung verdient hatte. Berlin – Berlin! Eine letzte Begegnung dieser Art hatte ich dann noch in einem Bus, der als Schienenersatz fungierte, da die S-Bahn zwischen Friedrichstraße und Alexander Platz nicht fuhr. Nachts sind in Berlin die Bahnen meist voller als tagsüber und so stand ich eng an eng neben zwei Kumpels, von denen der eine den anderen bei mir entschuldigte, dass der nicht aus Berlin wäre und er doch tatsächlich gerade drauf und dran gewesen wäre ein Taxi zu nehmen, wo das doch schließlich in Berlin nun wirklich nicht nötig wäre. Auch ich bestätigte, dass er doch eine Berliner Sightseeingtour nicht preiswerter bekommen könne, wo wir doch gerade Unter den Linden Richtung Staatsoper, Museumsinsel und am Berlin Dom fuhren. Als wir am Alex ankamen, ergänzte der Berliner meine Ausführungen mit- “ach guck und da unten war ich früher öfter zum Party machen, da hieß das noch “Zungenkuss”.” Ich bestätigte- “stimmt, da drüben wo das Fischrestaurant ist”. Plötzlich schaute der mich verschmitzt an und meinte- “kennen wir uns vielleicht?” Berlin – Berlin!

15941342_1369652063056121_5793822709768303797_nVielleicht muss man einfach nur mal länger weg sein um genießen zu können, was man hatte und worüber man sich so oft geärgert hat. Aber noch bin ich lange nicht so weit den Verlockungen dieser wunderbaren Stadt, meinen Freunden und natürlich meiner Familie nachzugeben, ich muss noch ganz viel von der Welt sehen und scharre schon mit den Hufen, dass es endlich bald weitergeht Smiley Wohin? Die grobe Richtung ist ab 1. April Richtung Balearen, dann die spanische Küste entlang zur Code d`Azur ev. sogar bis Italien, rüber nach Korsika, Sardinien, Sizilien, so dass wir im Herbst in Griechenland sind. Dort gibt es dann ja über 3000 Inseln, die sicher genug Möglichkeiten zum Buchtenbummeln und Kulturbesichtigungen geben werden, worauf ich sehr gespannt bin, da ich dort noch nie war.

Winterlager

fb_img_1475670454502Nun sind also auch wir angekommen im Winterlager. Von Gibraltar aus, haben wir noch einen kurzen Stopp in Malaga eingelegt, um dort noch 2 Tage mit den Kindern, die aus Marokko wiederkamen, zu verbringen. Die Berichte waren bunt und voll des Lobes, so dass wir uns jetzt schon darauf freuen uns davon selbst zu überzeugen, auch wenn das noch ein paar Jahre warten muss. Malaga ansich ist auch eine schöne Stadt, sehr gepflegt und sauber, mit einer netten Altstadt und einer irren Burganlage “Alcazaba” aus dem achten Jahrhundert. fb_img_1475670504511Wie ein Labyrinth schlängelt sie sich den Berg hinauf und erinnert immernoch an einen maurischen Palast, in dem man quasi noch die Töpfe klappern hört. Leider wollten wir nicht länger bleiben, denn auch wir hatten nun die Mittelmeerpreise erreicht und bei 50,-€ pro Nacht, vergehen einem die Sightseeingtouren. Im Winter werden wir aber sicher noch öfter dort sein, die Burg alleine lohnt schon einen nochmaligen Besuch! Ansonsten ankerten wir noch ein paar mal und genossen einfach die Landschaft und die verbleibenden Badebuchten, nur in Motril mussten wir ein paar Tage einen Starkwind abwettern um dann schnurstracks nach Almerimar durchzufahren.

fb_img_1475670639860Almerimar ist eine künstlich angelegte “Luxusurbanisation”, wahrscheinlich mit EU Geldern gefördert, denn die Häuser stehen Großteils leer und auch die Marina ist nicht ausgelastet. Schade eigentlich, denn es ist ein wirklich nettes Örtchen, mit super moderaten Preisen. Wir haben hier alles was man braucht- von Restaurants, Geschäften über einen Supermarkt, sogar eine Fitnessstrecke am Meer entlang, ein Schwimmbad in einem Hotel und ein Golfplatz ist nebenan. Am sympathischsten ist aber die hiesige TO-Stützpunktleiterin, die uns gleich am Tag unserer fb_img_1475670619167Ankunft willkommen geheißen hat. Unabhängig von ihrer Herzlichkeit, gibt es nichts was sie nicht besorgen oder organisieren kann und somit werden unsere geplanten Arbeiten schnell Fortschritte nehmen und da gibt es einiges zu tun! Als erstes wollen wir die Batterien aufstocken, wo bisher 200Ah als Verbraucher vorhanden waren, wollen wir zusätzlich zur Starter-, Ankerwinsch/Bugstrahlruderbatterie noch 4 x 100Ah als Verbraucher nachrüsten. Sollte das nicht reichen bzw. die Ladekapazität der Solarpanelle nicht ausreichen, werden die auch noch aufgestockt. Des weiteren wollen wir den viel zu kleinen Einstieg am Heck vergrößern und gleich eine Badeplattform incl. Leiter anbringen. fb_img_1475670582878Dann müssen die Dichtungen des WCs erneuert und ev. die Auslässe versetzt bzw. die Seeventile erneuert werden. Die Hydraulik der Steueranlage muss überprüft werden und wir denken über einen Pinnenpilot für unser Notruder nach. Lazyjacks fürs Groß wären noch toll, das Dingi muss endlich dauerhaft geflickt werden, ein neuer Außenborder muss her und das Deck soll komplett abgeschliffen und versiegelt werden. Uns wird also ganz sicher nicht langweilig über Winter Smiley mit herausgestreckter Zunge

fb_img_1475670601182Wir wurden oft gefragt warum wir nicht gleich in die Karibik weitersegeln und wir haben viele Gründe das noch nicht zu tun. Nach knapp 2500sm haben wir genug Erfahrung gesammelt um einschätzen zu können, dass noch eine Menge am Schiff optimiert werden muss. Wir wollen einfach sicher gehen, dass wir auch dort drüben ankommen. Abgesehen davon ist das Mittelmeer einfach viel zu schön um es auszulassen, denn wer weiß ob wir je wiederkommen wenn wir einmal den Duft der großen weiten Welt geschnuppert haben. Außerdem sind unsere Kinder noch in einem Alter, wo sie schnell nochmal Rat und Tat benötigen oder einfach nur Sehnsucht nach uns haben, sfb_img_1475670558047o dass ein Flug mal eben schnell und kostengünstig zu bewerkstelligen ist. Auch bekommt man hier noch relativ unkompliziert alle Ersatzteile oder kann sie sich aus Deutschland schicken lassen, da drüben ist das dann nicht mehr so einfach. Wir müssen ja nicht hetzen, schließlich haben wir Zeit und wenn wir in 1-2 Jahren über den großen Teich aufbrechen, auch genug Erfahrung um uns dieser Herausforderung zu stellen.

fb_img_1475670626469Jetzt noch ein paar Zahlen für die Neugierigen… wir sind, wie oben schon vermerkt, genau 2460sm in 5 Monaten, also 152 Tagen, durch 6 Länder gesegelt. Wir haben 2936,68€, also im Schnitt 587,34€ im Monat/19,32€ pro Tag, allein für Liegegebühren ausgegeben. Für den Winter zahlen wir nur 1267,-€ fürs halbe Jahr, das ist moderat und für die anstehenden Optimierungsarbeiten unabdingbar. Im nächsten Jahr muss/wird sich das aber gravierend ändern, wir werden versuchen viel mehr zu ankern und autark zu leben. Mit den geplanten Lebens- und Genussmitteln hingegen sind wir gut ausgekommen, mit 3036,74€ also ungefähr 600,-€ im Monat für zwei, zeitweilig auch drei oder zuletzt sogar vier Personen incl. Essen gegen, ist das völlig okay. Für Diesel haben wir, dank der widrigen Wetterbedingungen im Atlantik, insgesamt 1161,93€ ausgegeben, das ist mit 232,39€ im Monat schon recht viel, aber im nächsten Jahr müssen wir dann ja nicht mehr irgendwo ankommen, haben kaum Herbststürme und schwierige Strecken zu bewältigen, so dass wir versuchen werden vorrangig zu segeln. dsc_0786Der Posten Internet/Telefon, Wäsche und Seekarten, mit 572,18€ also 114,44€ im Monat, wird hingegen bleiben bzw. hier in Almerimar wohl sogar teurer werden, da wir die Wäsche ins Waschzentrum geben müssen und kein bzw. nur sehr teuren WLAN hier haben, also über SIM-Karte ins Internet gehen müssen. Bei Seekarten schwört der Seebär auf Papier, deshalb wird auch das sich nicht ändern, aber wir versuchen sie gebraucht wieder zu verkaufen, wer also Interesse hat: ebay. Ersatzteile, Zubehör und Versicherungen lassen sich wohl auch in Zukunft schwer minimieren, so das wir mit den bisherigen 2371,70€ wohl auch in Zukunft werden leben müssen. Wir werden also ab diesen Monat hoffentlich nicht mehr um die 1900,-€ ausgeben müssen, da sich sowohl die Liegegebühren als auch der Diesel verringern werden. Ziel ist es auf insgesamt 1000,-€ im Monat zu kommen, mal schauen ob wir das bis Ende nächsten Jahres hinbekommen Zwinkerndes Smiley ich bin dank meine Mittelmeererfahrungen aus dem letzten Jahr ganz zuversichtlich!

20161005_124128-11Zum Schluss noch ein paar Worte über all die lieben Leute die wir unterwegs kennenlernen durften- es ist schon ein ganz besonderer Schlag Mensch. Die Einen die nur ein paar Monate auf ihrem Schiff verbringen, andere wiederum leben ganzjährig darauf und bereisen die Welt, oder auch immer wieder mal. Oft kommen die Frauen nur zeitweilig hinzu, weil das Haus/Kinder/Tiere noch versorgt werden müssen, meist aber ist es der Traum der Männer, den die Frauen mit unterstützen. In jedem Fall sind sie rastlos, von Fernweh gebeutelt und spontan. Allein die deutsche Flagge reicht aus, um sich auf ein Bier einzuladen und die bisherigen Erlebnisse, Tipps und Tricks auszutauschen. Sehr spannende Gespräche haben wir geführt und wir freuen uns sehr auf noch viele weitere!

Algarve -> Andalucia

14211994_1227053957315933_7834813252041929658_nDie Algarve begrüßte uns stürmisch und unvergessen und das im wahrsten Sinne des Wortes. Kaum waren wir ums Eck, da brieste es von angenehmen 4Bft aus West auf reißerische 7-8Bft auf. Wir refften sofort was das Zeug hielt, aber die Gorch Fock ist eben keine Rennziege, sie lässt sich bei Starkwind nicht mehr steuern, so dass wir die Segel bergen mussten. Also Motor an und die letzten 2sm schnell in die angezielte Ankerbucht motoren. Soweit der Plan.. natürlich verhakte sich die Rückholleine der Genua mal wieder, dafür sprang der Motor aber artig an, nur qualmte es aus dem Motorraum so, dass ich beinahe den Feuerlöscher aktivieren wollte. Außerdem konnte ich nicht mehr Gas geben, der Hebel lag aber komplett auf dem Tisch. Ich sah uns schon die Seenotrettung anrufen, als der Seebär rußgeschwärzt und fluchend aus dem Motorraum kam und Entwarnung rief. Es war mal wieder eine Verkettung widriger Umstände, dass der Luftfilter total verstopft war und zudem noch der Abgasschlauch einen Riss bekommen hatte. 14225412_1226124420742220_1089302892159806152_nSobald also der Filter abgeschraubt und die Schlauchschelle nachgezogen war, konnte ich wieder Gas geben und es qualmte auch nicht mehr. Dennoch konnten wir nur mit 1-2ktn in die Bucht schleichen, da der Capeffekt voll zuschlug und wir Wind und Strömung mit voller Wucht von vorne bekamen. Auch in den nächsten Tagen flaute es nicht ab, so das wir ersteinmal abwettern mussten. Dafür wurden wir durch den wunderschönen Anblick der Höhlen und Felsformationen der Algarve belohnt, als wir Richtung Albufeira schipperten. Was für eine Wohltat, nach der doch recht langweiligen portugiesischen Atlantikküste.

In Albufeira nahmen wir dann auch die Kinder an Bord, ab jetzt konnten wir es auch langsamer angehen und kürzere Strecken fahren. Waren bisher 30-40sm unsere normale Tagestrecke, so planten wir nur noch mit 15-25sm damit wir uns ein wenig die tolle Landschaft genauer ansehen konnten. Die erste Lagune bei Faro in Olhao war auch schon so herrlich, das wir das erste mal vom Boot ins Wasser sprangen. Bisher war das Wasser, mit seinen 12-14°C immer zu kalt, so dass ich in Albufeira das erste mal überhaupt auf unserer Reise am Strand baden war. Allerdings kam so nun wieder ein neuer Punkt auf unserer Winterlagerliste hinzu – unsere Badeleiter taugt nicht wirklich etwas. Bei knapp einem Meter Schiffshöhe müssen wir ev. am Heck eine Badeplattform anbringen, sonst ist es alles andere als ein Badespaß. Allerdings ließen wir uns nicht davon abhalten in Sancti Petri wiederholt einen ausgedehnten Badestop einzulegen, der aufkommende 14330103_1234356903252305_8608179319712471374_nStarkwind beruhigte dann unser schlechtes Gewissen auch schnell Zwinkerndes Smiley Die kleinen, wirklich schönen, Orte an denen wir zwischendurch übernachteten, verblasten als wir dann Cadiz sahen. Was für eine zauberhafte Stadt! Allein das sie auf eine Halbinsel vorgelagert ins Meer ragt und von einem wundervollen Parkähnlichen Mauerstreifen umgeben ist, macht die wirklich gut erhaltene Altstadt noch bezaubernder. Die beiden Tage die wir dort verbrachten, waren bei weitem zu kurz um tatsächlich alles zu sehen. Aber sie kommt auf meine persönliche Lieblingsstadtliste gleich hinter Porto!

14199247_1231032440251418_3431317299416564688_nNun hatten wir in Chipiona, kurz vor Cadiz meine Freundin an Bord genommen, die für 8 Tage mit uns mitreisen wollte. Die Kinder wollten noch einen Abstecher nach Marokko machen und wir vor den Herbststürmen um Gibraltar herum sein, also Leinen los und weiter. Bis nach Barbate waren es dann auch nur noch ein paar Meilen, nur leider nach Tangier schafften wir es nicht, dabei hätte ich doch gern ein wenig Nordafrikafeeling mitgenommen. So machten sich also die Kinder per Bus auf zur Fähre und verbrachten die nächsten 8 Tage damit Marokko zu erkunden. Wir hingegen fuhren weiter Richtung Osten. Eigentlich wollten wir in Tarifa zwischenstoppen, aber der Wind aus West und die Strömung von achtern schoben uns quasi mit 8-9Bft durch die Straße von Gibraltar. 14344362_1241026645918664_5108589038871184223_nSo schnell waren wir noch nie – 38sm in 5,5h Erstauntes Smiley Nachdem wir dann meine Freundin in Algeciras zum Bus gebracht hatten, waren die 5sm nach Gibraltar hinüber also quasi ein Katzensprung, so das wir nur durch die dort ankernden Frachter Slalom fahren mussten und dort tatsächlich von einer Schule Delfine begrüßt wurden. Die mussten bei all dem Lärm der Frachter, Fähren, Motorboote und Jetskis völlig durchdrehen, wieso leben die da freiwillig?

14368712_1239954972692498_6504126405434507501_nGibraltar ist tatsächlich beeindruckend, nicht nur der Fels ansich, sondern auch die Mischung aus very old british und spanisch. Wir bestiegen the Rock natürlich, wurden uns doch im vorhinein Affen angekündigt. Leider fanden wir aber keinen Bergführer und machten uns allein auf den Weg. Die Futterstellen fanden wir dann auch, nur von Affen war weit und breit nichts zu sehen. Das einzig wirklich Schöne war der Ausblick von dort oben über die Bucht von Gibraltar. Wir stiegen also bei 40°C im Schatten unverrichteter Ding hinab und belohnten uns mit Fish & Ships und “Magners”, einem englischen Cidre mit Beerengeschmack. Von der Altstadt waren wir einigermaßen enttäuscht, so waren bis auf die protzige Hauptstraße, die Häuser recht verfallen. Wir verabschiedeten uns also bald vom südlichsten Zipfel Europas und fuhren endlich ins Mittelmeer hinein, das Ziel ist Almerimar, wo wir den Winter über verbringen wollen.

Aber nun etwas in eigener Sache:

wohnzimmer-panorama

Ich suche ab sofort einen neuen Mieter für meine Wohnung in Berlin. Sie liegt im Nordosten im grünen Gürtel und ist dennoch nicht weit entfernt vom Zentrum. Es ist eine 3 Zimmer Maisonette Wohnung, 100qm, mit Balkon, einem geräumigen Bad mit Eckbadewanne, in einer Vorstadtvilla, hat also Gartennutzung, einen Fahrradkeller und unbegrenzte Parkmöglichkeiten vor der Tür. Wer also ernsthaftes Interesse hat, der bekommt genauere Angaben gern per Email.

Portugal

20160829_200928125 Tage = 4 Monate, 5 Länder und 2042 Seemeilen haben wir nun schon hinter uns gelassen. Kaum zu glauben, dass man in so kurzer Zeit so weit kommt und dennoch fast jedes Städtchen besichtigt. Im Vergleich zu anderen sind wir sogar gekrochen, viele die wir unterwegs kennengelernt haben, haben uns längst überholt. Aber mehr als 30-40sm pro Tag macht uns keinen Spaß, denn die Gorch Fock ist ja eher ein Wohnmobil und keine Rennziege, so dass wir nicht schneller als 4-5 Knoten fahren können/wollen. Wenn man hört wie es in ihr knarzt und knirscht, wie die Töpfe klappern und man weiß das die Weinflaschen in der Backskiste hin und her rollen, mag man es eigentlich noch langsamer haben. Natürlich haben wir alles gut verstaut und es liegt ja auch sicher, aber es ist wie beim ankern – man weiß das der Anker hält, aber dennoch schläft man unruhiger als im Hafen. Wobei wir uns daran auch erst gewöhnen müssen, denn bisher gab es dafür ja leider kaum Gelegenheit. Und schon sind wir beim Thema:

20160806_134536Portugal ist ein Land voller Gegensätze. Die Sprache klingt sehr slawisch, liest sich aber wie spanisch. Die Menschen sind zurückhaltend freundlich, also lange nicht so offen und überschwänglich wie die Spanier. Die portugiesische Küste ist sehr unspektakulär, im Norden endlos lange Sandstrände, im Süden endlos lange Steilküste und genau aus diesen Gründen gibt es keine Ankerbuchten. Man kann zwar hinter der Hafenmole oft ankern, muss dann aber mit dem Dingi in die Stadt. Da aber unser Ersatz-Außenborder in der Maas versenkt ist und unser Haupt-Außenborder inzwischen innen komplett verrostet und nicht mehr reparabel ist, müssten wir paddeln :/ oder einen neuen kaufen. Da wir aber in diesem Jahr auch ohne auskommen, verschieben wir diese Investition erstmal, andere Sachen sind da wichtiger. Aber zurück zum Land… ich fand die Vielfalt der Städte sehr schön, angefangen oben in Viana do Castello, das tatsächlich wie im Spreewald aussieht, über Porto die meines Erachtens viertschönste Stadt die ich bisher gesehen habe. Ich liebe diese Altstädte, die Gassen in denen man beinahe herumirrt und dann doch wieder weiß wo man auskommt, die kleinen Geschäfte, die Häuser die mal renoviert und mal ursprünglich sind, der Geruch und die Geräusche, eben die ganze Atmosphäre. Wir sind leider nur zwei Tage in Porto geblieben, aber wir sind gelaufen bis die Füße weh taten, haben Portwein und Sangria getrunken und natürlich Shisha geraucht. Diese Stadt wird mir jedenfalls sehr lebhaft in Erinnerung bleiben. 20160816_171454Lissabon hingegen fand ich wiederum zu groß und touristisch überlaufen. Auch wurde sie uns vorher schon so schmackhaft angepriesen, dass wir nur enttäuscht sein konnten. Natürlich ist die Altstadt Alfama toll, aber man wird von anderen Touri´s durch die Gassen geschoben und in die Fado-Restaurants beinahe hineingezerrt. Auch ist es ein Muß und wirklich toll, mit der legendären Electrico 28E zu fahren, die so ziemlich an allen bekannten Sehenswürdigkeiten hält. Der Friedhof erinnert stark an italienischen Cimiteros und die Parks und Kathedralen sind wunderschön. Man muss es mal gesehen und erlebt haben, aber mein Herz ist in Porto geblieben.

20160809_121439An andere Städte kann ich mich nur schemenhaft erinnern, mal eine schöne Markthalle in Figueira da Foz oder ein leckerer Sangria für 1,50€ in Peniche und ein gesichteter Hai in der Hafeneinfahrt von Sesimbra, zum Glück kann man auf Facebook ja die Timeline nachverfolgen Zwinkerndes Smiley Im Großen und ganzen aber alles sehr unspektakulär. Was uns ein wenig geärgert hat, sind die Marinas, die in der Regel sehr lieblos sind und dennoch genauso viel kosten wie in Spanien. Die sanitären Anlagen sind meist dürftig, dafür gibt´s dann auch keine Prozente und nicht selten muss man ewig lange in die Stadt laufen oder liegt am Steiger der Fischer mit dran, von fehlendem Wlan mal ganz zu schweigen. Überzeugt hat uns Portugal bisher leider nicht, aber mal schauen was die Algarve zu bieten hat und in nicht all zu langer Zeit sind wir ja auch endlich wieder in Spanien!

Galizien

13606888_1183715048316491_1707473814321116120_nViva España! Hach was war das schön dort. Schon als wir in Gijon ankamen, erwartete uns endlich strahlender Sonnenschein, fröhliche Menschen, bunte Häuser und lange Sandstrände. Selbst das Wasser hatte eine andere Farbe und wenn die Leinen mal hineinfielen, waren sie warm 😉 Ich fühlte mich wie zu Hause angekommen, der Sprachunterricht bei Babbel.com hatte doch etwas bewirkt, ich verstand so einiges und konnte mich auch verständig machen. Gijon ist eine wirklich schöne Stadt, mit einem alten Stadtkern, verwinkelten Gassen und einer langen Uferpromenade, an der das Wasser bei Flut nur so hochspritze. 13600240_1187887717899224_4400387215268113182_nNachdem wir uns, nach der Biskaya-Überquerung ausgeschlafen hatten, unsere Vorräte wieder aufgefüllt waren und wir uns die Stadt angesehen hatten, fuhren wir weiter nach Luarca, wo wir nur eine Nacht, an einer rostigen Muringboje verbrachten. Ribadea, Viveiro und Cedeira waren dann um einiges hübscher, die Architektur einzigartig und die Menschen in Feierlaune. Überhaupt wurden wir die ganze Strecke bis La Coruna nicht nur von Delfinen begleitet, sondern auch von allen möglichen Festen. Die Spanier nutzen wohl jeden Tag um irgendetwas zu feiern?! Erwähnte ich schon, dass ich diese Mentalität sehr mag?! 😉

13718499_1191836334171029_8176616078085888413_nIn La Coruna nahmen wir dann unsere ersten Gäste auf. Des Seebären Töchterlein und ein Freundin, waren bis Porto geflogen und mit dem Bus zu uns gefahren. Segler zu besuchen ist ja nicht immer ganz so einfach, solange die Flüge noch günstig sind, weiß man noch nicht genau wo man die Gäste dann letztendlich an Bord nehmen kann, aber zum Glück gibt es günstige Überlandbusse, die einen schnell von A nach B bringen, ich hab das ja im letzten Jahr in Italien fast nur so gemacht. 13716075_1192154124139250_6679196885053625187_nLa Coruna ist wirklich schön und natürlich gab es wieder ein Fest, diesmal auf dem Schiffsweg. Somit wurden die Gäste gleich gebührend in Empfang genommen, in den Schiffsalltag eingewiesen und eine Sicherheitseinweisung durchgeführt. Nun hofften wir nur noch, das der Seegang nicht genauso enorm war, wie bei unserer Einfahrt in La Coruna, denn diese 10m Wellen würden sie sonst wohl gleich zu Anfang mehr als abschrecken. Aber alles ging gut, im Gegenteil es folgten Tage ohne jeglichen Wind und kaum Welle und dennoch mussten sich beide mit Tabletten gegen Seekrankheit über Wasser halten. Die erste Nacht am Anker in Corme, war unseren Gästen wohl doch nicht so geheuer, so das beschlossen wurde, lieber in Marinas zu übernachten, eigentlich sehr schade, wo Galizien doch so vor Ankerbuchten strotzte. 13716024_1196704790350850_5545028865020767914_nDafür pulsierte dann in Camarinas und Sanxenxo das Leben, erst fanden wir uns neben einer Kirmes wieder und dann am Ballerman, nuja den Mädels gefiel es. Als Ausgleich war es dann in Portosin und San Vicente schön ruhig und erholsam. Natürlich gab es auch wieder ein paar Highlights, die Mädels sahen Walschwanzflossen und können nun bestätigen, dass es tatsächlich so viele Delfine hier gibt. In Vigo angekommen mussten wir uns auch schon wieder verabschieden, obwohl die 14 Tage ausreichend waren, sowohl für die Gäste als auch für unseren gewohnten Bordalltag. Wenn 4 Menschen auf so engem Raum miteinander verbringen müssen, prallen unterschiedliche Interessen aufeinander, jeder hat eben andere Vorstellungen und die müssen irgendwie abgestimmt werden. 13769497_1194765847211411_5845587065256591478_nDer Seebär hatte es besonders schwer – mit 3 Frauen an Bord Smiley mit herausgestreckter Zunge Hinzu kommt auch noch die Hitze, mir macht es ja nichts aus, aber wenn man aus dem kalten Deutschland eingeflogen kommt, ist das schon eine Umstellung. Zumal es ja auch unterschiedliche Wärmeemfinden gibt, der Seebär kämpft immernoch damit. Aber wir hatten die ganze Strecke über herrlichstes Wetter und auch ein paar schöne Segeltage, so dass wir gut voran kamen. Auch der Sangria und die leckeren Tapas werden uns allen gut in Erinnerung bleiben.

Isla CiesDas Ankern, in einer wirklich schönen Ankerbucht an der Isla Cies, haben wir dann nachgeholt. Aber erst dort fanden wir heraus, das wir hätten eh nirgendwo ins Wasser hätten springen können, denn bei 13Grad Wassertemperatur verschlägt es einem doch den Atem. Aber wir kommen nun ja immer weiter südlich und schon an der Algarve werden wir sicher wärmeres Wasser haben. Deshalb sagten wir nach fast genau einem Monat – Adios España und Bom dia Portugal Smiley

Biskaya

biskayaMeine Güte, was hatte ich für einen Respekt vor der Biskaya und das natürlich auch zu Recht! Es ist nicht nur ein Mythos, es ist die Unberechenbarkeit, die unvorhersehbare Wetterlage, die Gezeitenströme, plötzlich auftretende Stürme und der daraus hervorgehende Seegang. Die Keilform, die Spanien und Frankreich bilden und die gravierende Änderung der Wassertiefe durch die, in der Bucht befindliche, europäische Kontinentalplatte, lässt plötzlich Kreuzseen und Wellenberge bis hin zu 10m Höhe entstehen. Deshalb empfiehlt es sich, ganz genau auf die Wettervorhersagen zu achten und kein Risiko einzugehen. Sicher gibt es immer wieder Seehelden, die bei 6-7Bft lossegeln müssen, um möglichst schnell anzukommen, aber wir hatten ja Zeit und wollten eine schöne Überfahrt und keine Chaotische.

13528699_1181729448515051_8930187153858929970_nWir hatten ja sogar vor, andere Segler mitzunehmen, die uns bei der Überfahrt unterstützen. Nur leider war den meisten die Anfahrt entweder zu weit (per Zug oder Bus) oder eben zu teuer (per Flug), schon eigenartig, wenn man bedenkt, dass der Törn rein Hand-gegen-Koje war. Deshalb hatten wir beinahe überlegt, bis La Rochelle tief in die Biskaya hineinzufahren und den absolut kürzesten Weg nach Santander (200sm) zu nehmen. Nur hatten wir zum einen genug, vom englischen Schmuddelwetter und zum anderen verstärkt sich der Wind meist, je tiefer man in die Biskaya hineinkommt. Abgesehen davon, unterscheidet sich die Meilenanzahl zu dem von uns nun gewählten Weg kaum, denn von Benodet nach Gijon waren es dann auch nur 266sm. Auch wenn es landschaftlich nun endlich wirklich zauberhaft wurde und die Bretagne nun auch ihre schönen Seiten, in Städtchen wie Audierne und Benodet, zeigte, wollten wir ab in den Süden.

UnbenanntWir bereiteten uns gut vor, tankten voll, zurrten noch einmal alles, auf und unter Deck befindliche, gut fest und hatten Kartoffel- und Nudelsalat, Hühnchen und Buletten, für eventuelle Hungerattacken bereit, um nur nicht kochen zu müssen. Im Salon klappten wir die Sitzbank aus, so dass man egal auf welcher Seite gut schlafen konnte, denn wir wollten sofort parat sein, wenn der andere Hilfe brauchte. Die einzige Sorge die wir hatten war- hielt das Tablet durch?! Denn kurz vor der Überfahrt, war unser Plotter nun total kaputt gegangen, ging an und aus wann er wollte, sprang dann Tagelang nicht mehr an und ließ sich zuletzt auch nicht mehr hinein- oder herauszoomen. Somit hatte ich also Navionics aufs Tablet geladen und hoffte nun, das es den Dauerbetrieb über mehrere Tage überstehen würde.

13599994_1183612058326790_1779536046553089355_nSo, begann der Tag also nach letztmaligem ausschlafen bis um 9:00Uhr, einem guten Frühstück und entspanntem Ablegemanöver im Hafen von Benodet/ Fr. Der Wind war mit 3-4Bft aus West vorausgesagt und sollte uns so gemächlich nach Gijon/ Es bringen. Natürlich kam es anders als geplant und der Wind kam mit nur 2-3Bft aus SW, so dass wir anfangs sogar noch unter Motor sehr hoch am Wind fahren mussten. Erst gegen 17:00Uhr briste es auf, so dass wir die ersten beiden Tage unter Segel mit 4-6kt Richtung Spanien düsten. In der Nacht steigerte sich der Wind dann noch, so dass wir die Genua etwas reffen mussten um auf Kurs bleiben zu können. Mehr hätte es tatsächlich nicht werden müssen! Nachts spielten wir Katz und Maus mit den Hochseefischerbooten und versuchten nicht in ihre Schleppnetze zu geraten, leider haben die Burschen ja keine Positionsleuchten, so das man schwer einschätzen konnte, in welche Richtung sie fuhren und schnell mal zusammenzuckten, wenn sie aus der Schwärze der Nacht, plötzlich dicht vor einem auftauchten.

13537535_1183520551669274_1088323192161678079_nAnfänglich wollten wir im zwei Stunden Rythmus Wachwechseln, aber irgendwie pendelte es sich schon gleich nach der ersten Wache auf 5 Stunden ein. So schlief man entweder, oder saß allein am Steuer, denn einen Autopiloten oder Windsteuerenlage haben wir nicht. Man hatte also viel Zeit die Wellen und natürlich auch Delfine zu beobachten, sogar 2 Orkas sprangen in einiger Entfernung durch die Wellen. Allerdings schlief man nie wirklich, weil man zum einen hin und her rollte und die Gedärme einen zum stündlichen Wasserlassen zwangen und zum anderen, weil man ja immer parat sein wollte. Wir waren also abwechselnd 12 Stunden am Tag halb schlafen und 12 Stunden halb wach Zwinkerndes Smiley

13566977_1183520491669280_1307777674450426162_nDie Nordbiskaya verabschiedete uns mit einem spektakulären Sonnenuntergang und entließ uns in eine sternenklare Nacht. Der dritte Tag war dann genauso schön und wolkenlos, nur leider auch mit immer mehr abnehmendem Wind. So mussten wir die letzten 80 Meilen nun doch unter Motor fahren, da nützt der beste Westwind auch nix. Aber der Sonnenaufgang auf dem Wasser, bei strahlend blauem Himmel, entschädigt auch für die unruhigste Nacht und ließ mich tatsächlich nach meiner 0:00 bis 5:00Uhr Schicht wachbleiben. Im Großen und Ganzen war die Überfahrt also ganz okay, mir fehlte dieses Gefühl immer weiter fahren zu wollen, das ich bei den Überführungen letztes Jahr hatte. Aber das ist wohl eine Begleiterscheinung, des Respekts den ich vor der Biskaya hatte, so dass es eher Erleichterung und unbändiger Stolz ist, DAS geschafft zu haben!

13606523_1183767521644577_8015943391557082791_nSpanien, wir waren endlich wieder in Spanien! Espania ist sooo bunt, so prall voller Leben, ich liebe dieses Land, diese Mentalität und das Klima sowieso! Natürlich konnte ich dann nicht einfach schlafen gehen, ich musste mir die Stadt ansehen und wurde wiederum mit tollen Eindrücken belohnt. Zwei Tage blieben wir in Gijon, schliefen aus, füllten unsere Vorräte auf und genossen die spanische Gastfreundschaft. Dann ging es weiter über Luarca, Ribadeo, Viveiro nach La Coruna. Dort sollte unser erster Besuch eintreffen, mit dem wir Richtung Portugal fahren würden.

Achja, das Tablet hielt artig durch und somit werden wir vorerst auf einen neuen Plotter, der immerhin 800,- bis 1000,-€ kostet, verzichten. Sicher sind die qualitativ besser, absolut wasserdicht und auch die Software um einiges genauer, aber der Erfolg rechtfertigt nunmal die Mittel.

Englischer Kanal

13450170_1170880009599995_7492857931266397833_nEndlich fängt es an Landschaftlich schön zu werden. Denn bisher war an den Küsten nur Flachland zu sehen, die Marinas lagen in Industriehäfen und die Städte luden selten ein zu verweilen. Die Bretagne ist saftig grün, mit Bergen an Land und vielen Felsen im Wasser, die kleinen Städtchen, wie Saint Malo, Treguier und Roscoff sind wie aus dem Märchen und dank der Fußball-EM meist Menschenleer. Man könnte meinen ins Mittelalter versetzt worden zu sein, es macht großen Spaß jeden Ort zu entdecken und jede längere Flussfahrt ins Landesinnere zwischen den Hügeln entlang ist den Umweg wert. Dafür sind diese Felsen im Wasser sogar nicht spaßig, bei Hochwasser lauern sie unter Wasser und bei Niedrigwasser ragen sie oft Meterhoch erschreckend vor einem auf. Somit gesellen sich also zur Tide von 12m und 3-4 Bft Wind gegenan, nun auch noch Untiefen die man oft weiträumig umfahren muss. 13434685_1174501149237881_4216612068673731262-_nAn vielen Häfen muss man erst vorbei fahren, um sich dann von hinten links durch ein Labyrinth von Felsen zu schlängeln. Unsere Taktik, oft erst Spätabends in die Marinas einzulaufen, um eine Übernachtungsgebühr zu sparen, geht in den meisten Fällen auf, ist allerdings nur möglich, weil es so lange hell ist. Leider ist das Wetter hier sehr unbeständig, fährt man morgens bei herrlichstem Sonnenschein los, heißt das noch lange nicht, dass man nicht unterwegs wenigstens einmal in einen Regenschauer gerät, von dichtem Nebel überrascht wird, oder der Wind plötzlich von 2 auf 5 Bft aufbrist, natürlich aus genau der falschen Richtung. Der Englische Kanal ist also kein schönes Segelrevier, auch wenn die Kanalinseln toll sein sollen, konnten wir sie uns nicht wirklich ansehen. In unserem Revierführer, Reeds Nautical Almanac, stand für St.-Peter-Port zwar 4,5m Wassertiefe im Hafen, aber bei Niedrigwasser schaukelte unser Schiff plötzlich nicht mehr, wir saßen auf. 13466393_1173198542701475_9145935393177557364_nIn solchen Situationen lässt Du Dein Zuhause nicht gern länger allein, da muss dann eine kurze Stadtbesichtigung ausreichen. Und wieder konnten wir dank der Tide den Hafen erst um 17:00Uhr verlassen. Auf Jersey kamen wir erst gar nicht in den Hafen bzw. hätten wir nach 9 Stunden Fahrt und einer Ankunft nachts um 2:00Uhr, unseren Schlaf am Warteponton nach nur 3 Stunden unterbrechen müssen um zum auflaufenden Wasser in den Hafen zu können. Es sind dort Stufen (Sill) in die Hafeneinfahrt eingelassen, so dass die Marina auch bei Niedrigwasser genug Wasser behält, man aber nur 2-/2+h Hochwasser dort einlaufen kann. Da der Hafen schon wieder im Industriegebiet lag und kaum zum längeren Aufenthalt einlud, zogen wir es also vor, bis 9:00Uhr auszuschlafen und dann nach Saint Malo weiterzufahren. Sicher verpasst man so sehr viel, aber man kann sich nicht alles ansehen. Das musste ich mir in Saint Malo dann auch immer wied13442323_1174367219251274_7424243412562082781_-ner sagen, denn wir konnten trotz längerem Aufenthalt nicht auf einen Abstecher nach Saint Michel, dieser wunderschönen alten Kathedralinsel, fahren. Mit dem Schiff ist es, da trockenfallend, unmöglich und ein Mietwagen ist in Frankreich unter 85,-€ nicht erhältlich. Dieses Geld steckten wir dann lieber zum wiederholten mal in die Reparatur unserer Seewasserpumpe, die seit einiger Zeit Salzwasser in unsere Bilge und nicht zur Kühlung in den Motor pumpte. Aber irgendwas ist ja immer und es wäre ja auch langweilig wenn immer alles reibungslos ablaufen würde. So tasten wir uns eben langsam die französische Küste entlang, ab und an begleitet von Delfinen, die neugierig schauen wer wir sind. Ein Stück wollen wir noch in die Biskaya hineinfahren, um dann von Lorient aus nach Gijon in Spanien zu fahren. Wenn alles klappt, werden wir zu viert sein um diese 270sm zu meistern, aber zur Not fahren wir das auch alleine, schließlich müssen wir uns auch an solche Törns gewöhnen.

13417553_1172230232798306_6788490362686823993_nWir wurden nun schon oft nach den Kosten gefragt. Im letzten Monat lagen wir tatsächlich bei 2200,-€  das teilt sich auf in ca. 600,-€ Liegegebühren, 400,-€ Grundnahrungsmittel, 200,-€ Diesel, 200,-€ Wäschewaschen/ Telefongebühren/ Restaurants. Der größte Posten sind tatsächlich die Reparaturen 800,-€ für das Masten legen/stellen, neue Wantenspanner und vor allem die Reparatur der Seewasserpumpe. Wenn man also wenigstens an den Liegegebühren sparen kann und die Reparaturen sich nicht mehr so häufen, wird es überschaubarer. Aber vielleicht ist es auch illusorisch, denn unser Kartenplotter spinnt seit ein paar Tagen, erst ging er einfach mal zwischendurch aus und nicht mehr an und seit neuestem reagieren keine Tasten mehr, auch nicht die Zoomtaste, so dass man zwar in 500-1000m noch alles sehen, aber nicht weiter rauszoomen kann. Also habe ich mir Navionics auch fürs Tablett heruntergeladen, 13407133_1169655426389120_2315662457430239629_naber da das nun alles andere als Wetterfest ist, wird das zu den Papierkarten keine Dauerlösung sein und ein neuer Plotter her müssen. Na mal schauen wann sich dieser größere Posten in unsere Kosten einschleicht. ^^ Diesen Monat werden die Liegegebühren z.B. noch höher sein, dafür aber die Reparaturkosten geringer, hoffentlich. Auch werden wir in Zukunft an Diesel sparen, denn im Moment überlegen wir nicht lange, dann doch lieber bei ungünstigem Wind einen Tag zu motoren, statt noch eine Nacht in der Marina zu liegen um dann festzustellen, dass der Wind doch nicht gedreht hat. Wir wollen schließlich vorwärtskommen, weg vom kalten Grau in den warmen Süden, ich hab selten einen so kalten und nassen Sommer erlebt und vor allem weg von diesen teuren Marinagebühren und/oder endlich in Buchten ankern. Also heißt es Zähne zusammenbeißen und durch Smiley