Cuba die ll

Nach drei wunderbaren Monaten bin ich also schweren Herzens von Nassau nach Havanna geflogen. Ich wurde von allen, mir inzwischen lieb gewonnen, Freunden dort herzlich verabschiedet und zum wiederkommen eingeladen. Es fiel mir wiedereinmal sehr schwer zu gehen. Aber leider war ja mein 3 monatiges Touristenvisum abgelaufen und um ein erneutes Visum zu erhalten, musste ich eh ausreisen. Außerdem hätte die Beantragung einer Arbeitserlaubnis, um offiziell im Hostel arbeiten zu können, 3-6 Monate gedauert und meine Reisekasse lauerte auf Auffüllung. Ich hatte auf Nassau auch inzwischen fast alles gesehen und mich gut erholt, somit hießes vernünftig sein und neues zu erleben.

Nur eine Insel weiter und alles ist anders. Cuba ist laut und bunt und quirlig und Havanna das alles mal drei. Ich wurde also hineingeschleudert ins pralle Leben. Auf den Straßen fahren, bis auf diese wundervollen Oldtimer, kaum Autos und es gibt überall Bürgersteige und demzufolge findet das Leben draußen statt. Dafür ist alles viel preiswerter, einfacher, bodenständige, irgendwie scheint die Zeit auf Cuba stehen geblieben zu sein. Dennoch war ich enttäuscht. Denn eigentlich hatte ich mich gefreut, auf diesen unfreiwilligen Zwischenstop, aber Havanna eröffnete sich mir so ganz anders, als es Santiago damals tat. Übervölkert von Touristen, die dort wie auch in Nassau auf Kreuzfahrtschiffen angeschwemmt werden, wird das ursprüngliche Cuba nach und nach verdrängt. Selbst der Sightseeingbus hält an mehr Hotels und Centre Comercials als an Sehenswürdigkeiten.

Havanna ist ein riesiges Labyrinth. Ich meine behaupten zu können, mich gut orientieren zu können, aber schon nach kurzer Zeit, kapitulierte ich und musste Google maps zu hilfe nehmen. Irgendwie sah jede Ecke gleich aus  so dass ich einmal gesehene Geschäfte einfach nicht wieder fand. Selbst nach 5 Tagen verlief ich mich noch. Ein sehr eigenartiges Gefühl für mich.

Ein Vorteil ist, das in der Hauptstadt, fast alles erhältlich ist und es sogar westlich angehauchte Geschäfte und Restaurants gibt. Leider sind die Locals deshalb auch nur darauf aus, an Dollar, Euro oder CUC zu kommen. Es fehlt die unvoreingenomme Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mich in Santiago so begeistert hat. Die Menschen wirken weniger glücklich, obwohl oder gerade weil sie am offensichtlichen Reichtum der Touristen teilhaben dürfen. In jeder noch so kleinen Wohnung hängen Flachbildschirme, es laufen Soaps und moderne spanische Musik. Nachts ist kaum die typische Salsa Musik zu hören und eine Salsabar eher schwer zu finden.

Zum Glück war meine, sehr noble Unterkunft, für nur 12,-CUC pro Nacht, außerhalb der touristischen Altstadt, so dass ich wenigstens ein wenig vom eigentlichen Leben der Stadt mitbekam. Den ganzen Tag über liefen fliegende Händler laut pfeifend oder schreiend durch die Straßen, an jeder Ecke gab es Bokadillos und das typische Essen – Reis mit Bohnen und plattgeklopftem Pollo, für gerade mal 1,50CUC. Kinder spielten Fußball auf der Straße, das Leben findet quasi komplett auf der Straße statt.

Meine Vermieterin war ganz rührend um mich besorgt, bereitete mir täglich ein sehr schmackhaftes Frühstück, aus Obst Brot, Eiern und frischgepresstem Mangosaft und natürlich dem leckeren cubanischen Kaffee. Auch ließ sie nicht locker, mich zu sich nach Hause einzuladem, um mit ihrem Mann Salsa zu üben, um mich in einer Salsabar nicht zu blamieren. Allerdings war auch hier immer der Hintergedanke, das ich das Bier und den Rum bezahlte, leider sehr fordergründig.

Mein Fazit also, wenn man das ursprüngliche Cuba erleben will, sollte man Santiago und eher ländliche Gegenden besuchen.

Nach fünf Tagen Havanna, ging es dann auch schon weiter über Milano nach Griechenland. Dort werde ich einen Monat lang, bei lieben Menschen, auf der Dwarslöper bleiben und mir die Ägäis noch einmal ansehen. Ich bin gespannt wie sich das nach 7 Monaten Karibik anfühlt.

Nun ist guter Rat teuer

So da sitze ich also und überlege was ich nun weiter mache. Die USA ist passé und auch hier auf den Bahamas läuft meine Zeit Ende Mai ab. Zumal hier die Hurrikansaison beginnt und alle Segler wohlweislich das Weite suchen.

Welche Alternativen bleiben mir also?

1. Centralamerika über Land, mit Sack und Pack von Hostel zu Hostel, zu reisen bis all mein Erspartes aufgebraucht ist? Denn auf meine Anfragen als Volunteer bekam ich bisher nur Absagen, da auch dort die Regenzeit beginnt und Touristen eher ausbleiben. Und was mach ich danach? Denn selbst wenn ich weiter in der Karibik bleibe, brauche ich mehr Geld, als meine 500,-€ pro Monat.

2. Nach Europa zurück zu gehen? Denn in Griechenland/Ägäis hätte ich ein umwerfendes Angebot von der Eignerin der Dwarslöper, die mich liebend gern für den Juni als Unterstützung dahaben möchte. Es wäre ein tatsächliches HgK Angebot und sogar mein Flug wäre inclusive. Auch danach könnte ich auf dem Boot wohnen, sofern ich keine Skipperaufträge bekommen würde.

3. Auch wiederum in Europa als Skipperin zu arbeiten, um meine, inzwischen sehr geschrumpfte, Reisekasse wieder aufzubessern, Angebote hätte ich einige. Die Karibik war einfach sehr teuer und meine monatlichen Mieteinnahmen haben nur auf Nassau ausgereicht, weil ich für meine Arbeit Kost und Logis frei hatte.

4. Im Herbst wieder zurück in die Karibik zu fliegen und dann dort einen zweiten Anlauf auf dem Hector zu nehmen. Mit dem Eigner bleibe ich natürlich in Kontakt und würde sehr gern die kleinen Antillen südwärts besegeln.

Ich bin tatsächlich hin und hergerissen und tue mich sehr schwer damit, wieder zurück nach Europa zu gehen, wo ich doch nun schon so weit gekommen bin. Auch der irrsinnig lange Flug über Cuba, Madrid und Athen nach Kos schreckt mich echt ab. Aber die griechischen Inseln sind natürlich auch nicht zu verachten, auch das Essen wäre verlockend und ich könnte dann natürlich auch viel einfacher meinen Sohn wiedersehen, die Flüge in Europa sind ja um einiges unkomplizierter und kürzer.

Vielleicht ist es tatsächlich nur um Anlauf, für einen weiteren Sprung, zu nehmen?!

Endstation Bahamas

Nun bin ich schon fast 2 Monate auf den Bahamas, einem wirklich umwerfenden Fleckchen Erde. Schweren Herzens nahm ich Abschied von Cuba und wir segelten mit der Sea Change II hinüber nach RumCay Island, es war eine gemütliche Überfahrt und da waren sie wieder, die endlos weißen Sandstrände und das türkisfarbene Wasser in allen Schattierungen. Was für ein Augenschmaus, ich kann mich daran nicht sattsehen!

Vorbei an Long Island klarierten wir dann in der Emerald Marina ein und waren nun endgültig auf den Bahamas angekommen, denn die Preise waren unglaublich. Für 300,-$ für das 55ft Boot und 50,-$ für uns 5 Personen durften wir nun ganz offiziell Bahamienboden betreten Erstauntes Smiley Auch die Liegeplätze hatten es insich, für 120,-$ pro Nacht plus ca. 150,-$ Strom und Wasser, wurde unsere Bordkasse mit knapp 500,-$ für 2 Nächte nochmal schwer gebeutelt. Kleiner Tipp am Rande- lieber vor George Town ankern und mit dem Dingi in die kleine Stadt fahren, dort gibt es extra Anlegestellen und Einkaufsmöglichkeiten. Auch die Taxifahrt nach George Town war alles andere als preiswert, es ist wirklich empfehlenswert vorher die Preise auszuhandeln! Aber alles hat eben seinen Preis und so sollten wir uns auch in den Supermärkten und Streetfoodständen bald an die überteuerten Lebensmittel gewöhnen müssen. Dafür bekamen wir aber die Schokoladenseiten der Exumas zu sehen, luxuriöse Villen an puderweisen Stränden und Fifty Shades of blue. Vorsichtig sollte man an wilden Stränden sein, die zu keinem Resort gehören, denn dort wimmelt es von Sandflöhen, die man leider während des Aufenthalts nicht bemerkt, aber an deren Flohbissen man Wochenlang seine “Freude” hat.

Natürlich machten wir auch auf Staniel Cay halt um die swimming pigs, auch flaoting Bacon genannt, Zwinkerndes Smiley zu sehen. Allerdings steht kein Schwein so früh auf wie wir, so das wir morgens um 8:00Uhr unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten, auch wenn die Idee vor den Tourimassen dort zu sein, vielleicht nicht schlecht war. Die Crew machte sich dann später nochmal auf den Weg, mit einem Zwischenstop an der sagenumwobenen Thunderball Grotto aus dem James Bond Movie “Casino Royal”, in die man sogar hineintauchen kann. Ich war schwer beeindruckt von den Ammenhaien, die sowohl ums Boot, als auch an den Stegen auf Futter lauerten. Sie sollen ungefährlich sein, aber ich habe unheimlichen Respekt vor diesen riesen Viechern und so ging ich fortan nur noch sehr ungern vom Boot aus ins Wasser, denn wer weiß welche Haiarten sich noch hinzugesellen wenn´s denn mal Futter gibt. Nachdem wir ausgiebig zwei Tage lang dieses paradiesische Island inspiziert hatten, ging es die Exumas weiter hinauf in Richtung Nassau. In den Buchten versammelten sich immer wieder die Haie, so das ich es vorzog weiterhin nicht baden zu gehen und auch der Umstand, dass fast alle Inseln in Privatbesitz sind verhinderte ein Verlassen des Bootes. Der Wind vertrieb uns dann noch in Richtung Great Exuma, wo wir aber nicht einmal in die Bucht hineinkamen, da die Strömung den Meeresgrund so versandet hatte, dass wir mit unserem Tiefgang sogar aufliefen. Es hat also wenig Sinn mit einem Einrümpfer auf die Bahamas zu fahren, ein Katamaran hat da entschieden mehr Vorteile. Also motorten wir in einer Nacht und Nebelaktion hinauf nach Nassau und legten uns mitten in der Nacht in irgendeine Box der Marina. Leider hatte das den Nachteil, das wir auch diese Nacht bezahlen mussten, vor der Marina zu ankern ist da die bessere Wahl.

Ich muss zugeben, dass ich sehr froh darüber war, schon am nächsten Morgen das Schiff verlassen zu können. Natürlich war es eine tolle Zeit und unvergleichliche Erfahrung, aber ich war auch etwas segelmüde geworden. Abgesehen davon, dass ich die Karibik quasi im Schnelldurchlauf erkundet hatte, war ich seit August letzten Jahres fast ausschließlich auf See, so das mir sowohl die Enge, die Schaukelei, die schlaflosen Nächte und auch die soziale Komponente ziemlich zu schaffen machte. Ich bin eigentlich ziemlich gern allein und habe meinen eigenen Rhythmus, der auf einem Boot dauerhaft zusammen mit 3-8 Menschen doch einer bestimmten Abstimmung bedarf und so freute ich mich sehr auf die drei Monate an Land. Endlich wieder aufstehen, essen und meinen Tag gestalten wie und wann ich wollte. Für mich nach dieser langen Zeit ein unermesslicher Luxus. Auch gingen mir die ständigen Reparaturen auf den Geist, immer geht etwas kaputt am Boot und die Beschaffung der Ersatzteile oder der Monteure ist schwierig und zeitaufwendig. Zumal die zusätzlichen Liegezeiten in den Marinas, meine Reisekasse ganz schön gebeutelt hatten. Die Karibik ist einfach irre teuer und den Skipper interessiert das relativ wenig, denn schließlich zahlt er nicht in die Bordkasse mit ein. Auch sind Karibikurlauber ein ganz anderer Schlag Menschen, da sitzt das Geld locker und im Urlaub wird eben lieber essen gegangen als selbst zu kochen. Ich brauchte wohl auch einfach mal Urlaub… vom segeln.

Und so packte ich also mein Hab und Gut zusammen und verließ die Sea Change II nur mit einer kleinen Träne im Auge und machte mich auf den Weg zum Hostel HumesHouse. Dort wurde ich sofort mit offenen Armen empfangen, denn der Manager des Hostels brauchte wirklich dringend Unterstützung. Es stellte sich nämlich heraus, dass er noch einen anderen Job in einer Bank hatte und somit tagsüber das Hostel quasi sich selbst überlassen war. Ich schlüpfte also in die Rolle der Dorm-Mom und kümmerte mich um die Gäste, beantwortete ihre Fragen und half beim täglichen Reinigen. Das HumesHouse ist ein wirklich angenehmer Ort, eine alte Villa, die sehr passend Retro eingerichtet ist und mit ihren luftigen Terrassen und großem Gemeinschaftsbereich zum verweilen einlädt. Viele Gäste verlängerten ihren eigentlich geplanten Kurzurlaub spontan oder quartierten ihre Freunde aus anderen Hostels hierher um. Aber auch hier stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, das man es niemals allen Gästen recht machen kann. Genauso wie auf einem Charterschiff, ist es dem einen Gast zu laut weil gerade Abends eine geschäftige Atmosphäre herrscht, jeder möchte natürlich von seinen Tageserlebnissen berichten, der nächste findet gerade diese Gemeinschaftlichkeit toll, dafür ist ihm aber das gratis Frühstück, mit Kaffee, Tee, Beagles, Marmelade und Früchten, nicht ausreichend genug. Sehr schade ist auch, dass oft nur die unzufriedenen Gäste ein Feedback hinterlassen, sollte ich jemals ein eigenes Hostel eröffnen, muss ich mir noch ein ganz schön dickes Fell wachsen lassen.

Mit dem Manager verstand ich mich ganz großartig, so das wir an den Wochenenden viel gemeinsam auch mit anderen Gästen unternahmen, ich hatte lange nicht so viel Spaß! Besonders die Abende in Localbars mit rhythmischer Soca-Music und das Local-Streetfood, unbedingt zu empfehlen ist das typische Bahamienfood CONCH fried, hatte es mir angetan. Tagsüber genoß ich die Ruhe im Hostel, da ja alle ausgeflogen waren, denn natürlich waren auch hier die Strände großartig, aber auch die Ausflüge auf das nahegelegene Paradise Island, einer grandiosen Park und Poollandschaft, genoß ich sehr. Aber ein ganz besonderes Highlight war natürlich meinen 50sten Geburtstag tatsächlich auf dieser wundervollen Karibischen Insel zu feiern, der als krönenden Abschluss noch ein außergewöhnliches Geburtstagspräsent von meinem Sohn beinhaltete – einen Schnuppertauchkurs. Wir starteten in einem Pool und erhielten dort die erste Einweisung, danach durften wir uns noch eine Stunde an die Atemgeräte gewöhnen und nach einer Pause ging es dann auch schon hinaus auf See zu einen Riff. Was für ein Erlebnis! Nicht nur die bunten Fische unter Wasser, sondern vor allem das Gefühl fast schwerelos die Schnorchler und Boote von unten zu betrachten. Ich hatte Blut geleckt und es würde nicht das letzte mal sein, dass ich tauchen gehen würde, das stand fest 😉

Und so flogen die Wochen dahin, aber eigentlich war ich ja dort um mein US-Visum zu beantragen, da ich länger als 3 Monate in den USA verbringen wollte, reichte das ESTA nicht aus, so das ich online das B1/B2 Visum für 6 Monate beantragen musste und dann bei der ortansässigen US-Botschaft ein Interviewtermin brauchte. Das ging leider beim ersten Versuch gehörig schief, der Beamte befand mich nicht würdig die USA zu bereisen, wahrscheinlich hatte er Angst, dass ich das Land nicht wieder verlassen würde, da ich ja keinen Rückflug vorweisen konnte. Denn der Plan war, mit dem Katamaran Hector nach Virginia zu fahren und dann dort die Hurrikansaison abzuwarten, um dann Anfang November wieder zurück in die Karibik zu segeln. Also beantragte ich dann doch das ESTA Visum und wollte in kauf nehmen nach 3 Monaten wieder auszureisen, aber auch das wurde ohne Begründung abgelehnt. Ich hatte mich schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, meinen Aufenthalt auf unbestimmte Zeit auf den Bahamas zu verlängern, denn auch der Hostelmanager machte mir ein unmoralisches Angebot, mich fest einzustellen, da er so sehr zufrieden mit mir war. Doch der Eigner des Katamarans gab nicht auf und griff mir finanziell unter die Arme, so dass ich noch einmal das B1/B2 Visum für 300,-$ beantragte und nun beim nächsten Interview beweisen musste, dass er finanziell für mich bügen würde und auch dafür garantiert, dass ich mit ihm das Land wieder verlasse. Und dann wurde mir doch auch tatsächlich dieses Visum wiederum abgelehnt.

So und nun weiß ich gerade nicht weiter. Ich kann weder irgendwo hin weiterfliegen, da alle Flüge immer über die USA gehen, noch auf den Bahamas bleiben, da meine Aufenthaltsgenehmigung nur noch bis 30.April gilt und auch wenn ich hier im Hostel länger arbeiten wollte, muss alles erst beantragt werden und das kann auch wieder dauern. Die einzige Möglichkeit ist also per Schiff auszureisen, wenn also jemand in Richtung Cuba, Mexiko oder andere Länder südlich von den Bahmas fährt und noch Unterstützung braucht, bitte sofort melden.

Karibik – Große Antillen

Wie auch in den letzten vier Jahren, ging mein Abenteuer weiter – neuer Skipper, neue Crew, altes Boot. Die Sea Change II war inzwischen ja schon wieder mein zu Hause geworden, ich kannte jeden Winkel und jedes Fall und das war auch gut so, denn so konnte der Eigner für ein paar Wochen beruhigt zurück nach Deutschland fliegen, sein Schiff in guten Händen wissend… so dachte er. Aber alles fing schon anders an als gedacht.

Nachdem wir mit der neuen Crew für die nächsten zwei Wochen verproviantiert hatten, denn die nächsten Inseln würden eher nicht das reichhaltige Angebot der französischen Inseln vorweisen können, sollten sich alle noch einmal eine warme Dusche gönnen, denn auch diese würde in den nächsten Tagen eher spartanische ausfallen. Gesagt getan, eine Stunde Zeit war angesagt, solange brauche ich niemals zum duschen, also noch schnell ein letztes mal ins Internet gucken. Und dann kam der große Schreck – keine Sea Change II weit und breit zu sehen! Erstauntes Smiley Es ein eigenartiges Gefühl, auf dem Steg zu stehen, vor einem leeren Liegeplatz. Ein Schelm der böses dabei denkt, nur war ich weder zu langsam, noch die Crew darauf bedacht mich loszuwerden. Der Skipper war schuld, denn ihm fiel etwas zu spät ein, dass die Brücke auf St. Marteen nur zu jeder vollen Stunde aufging und an Sonntagen nur bis 17:00Uhr. Also musste er eine schnelle Entscheidung treffen und legte ohne vollständige Crew ab. Allerdings bin ich ja, wie bekannt, eine Katze und finde den Weg nach Hause immer zurück, in diesem Fall half mir allerdings der Hafenmeister, der mich mit dem Dingi hinterher brachte.

Die nächsten Tage verliefen allerdings nicht weniger chaotisch. Der Skipper entschied gleich die erste Nacht durchzufahren, er kannte die neue Crew aus vergangenen Törns, nur vergaß er, dass die neue Crew das Boot nicht kannte. Er legte sich also schlafen und verließ sich ganz auf das Können seiner Mannschaft und wohl auch auf mich, denn ich wusste ja wie alles funktionierte. Meine Nacht war dementsprechend kurz. Der nächste nicht zu verachtende Fakt war, dass ich als Frau das Küken war und alle anderen gestandene, leider aber auch schon sehr alte Männer. Es waren also fortan 6 Skipper an Bord, die alle dank ihres Alters schwer hörten und auch in ihren Reaktionen etwas langsam waren. Dieser Umstand führte zwar zu witzigen Vorfällen, aber leider auch zu unschönen, denn wenn 6 Skipper an einem, vom letzten Hurrikan zerlegten, Steg anlegen wollen, muss es unweigerlich zu einer Kollision kommen. Auch hält ein Schäkel, der eigentlich zum halten der Dirk vorgesehen ist, nur bedingt einen Bullenstander davon ab, den Baum aufzufangen, ein Bolzen am Holepunkt nur kurzzeitig, wenn das Vorsegel dauerhaft schlägt und das Relais der Ankerwinsch eben gar nicht, wenn sie angeschaltet bleibt und die Fernbedienung dauerbetätigt wird, da sie zwischen den Winschkurbeln liegt. Wie schon beim Großeinkauf fühlte ich mich wie eine Kindergärtnerin, die den Kindern ständig die Spielzeuge aus der Hand reißen muss, weil man einfach Schäden begrenzen will, die durch unsachgemäße Behandlung zwangsläufig  entstehen müssen. Das ich dabei nicht ganz so gut wegkam, kann man sich vorstellen, denn der Skipper hat das letzte Wort und ich sah schon den Eigner die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Aber ich versuchte dennoch diese Reise zu genießen, denn schon die ersten Buchten auf den BVI´s waren einfach traumhaft. Auch wenn die drei Tage dort nicht annähernd ausreichten, wusste ich nun wo ich locker ein paar Wochen verbringen könnte. Denn auch wenn dort die Hurrikans in den letzten Jahren einige Schäden verursacht hatten, war es traumhaft schön, ich hatte die Barcardiinsel gefunden Smiley mit geöffnetem Mund Die nächsten Nächte, vorbei an Puerto Rico, hinüber zur Dominikanischen Republik waren dann weniger anstrengend wie die Erste mit neuer Crew, denn nun wusste jeder was zu tun war. Leider war die DomRep eine große Enttäuschung, nicht nur das wir allein für die Einklarierung 300,-$ hinblättern mussten, durften wir am ersten Abend die Marina nicht verlassen, weil die Immigration schon geschlossen war. So beschlossen wir noch eine Nacht dort zu verbringen, was mit 100,-$ Liegegebühren nicht gerade ein Schnäppchen war. Irgendwie sollte mir dieses Land generell kein Glück bringen, denn ich verknackste mir beim Tagesausflug nach Santo Domingo den rechten Fuss, der auch sofort anschwoll und konnte somit leider nichts mehr von der Stadt anschauen. Was ich allerdings sah, war Müll. Müll am Sraßenrand, Müll auf den Plätzen, Müll in der Stadt. Ob nun bei Arm oder Reich, wie es auf den eigenständigen Inseln ja gängig war, wo man hinschaute war Müll. Deshalb war es auch nicht ganz so schlimm, dass ich auch am Abend nicht am Strand von Bocaa Chica den Sonnenuntergang bei Mochito und Lobster verbringen konnte, da ich mit Eis am Fuß statt im Glas vorlieb nehmen musste, mein Portemonnaie hingegen freute sich. Zum Glück war nur ein Außenband gezerrt, so das ich die Überfahrt, vorbei an Haiti, hinüber nach Cuba nutzen konnte, um die Schwellung mit einem Kühlakku zu reduzieren.

CUBA Herz was für ein Land! Schon die Einfahrt nach Santiago war beeindruckend. Zu rechter Hand eine Festung, die majestätisch darüber wacht, wer die Bucht befuhrt, wie auch die kleinen bunten Häuser links und rechts. Genauso hatte ich mir Cuba vorgestellt und genauso sollte es sich mir auch in den nächsten Tagen und Wochen präsentieren. Die Menschen waren hinreißend, ich habe lange nicht mehr so oft die Hände geschüttelt bekommen und selbst die Immigrationbeamten begrüßten uns mit Küsschen. Allerdings waren die auch noch am selben Abend bis spät in die Nacht parat, so das wir sofort die Marina hätten wir verlassen können und für das ganze Schiff nur 55,-€/CUC Einklarierung plus 33,-€/CUC Liegegebühren bezahlen mussten. Auch das Visum war ganz unkompliziert ausgestellt, auch wenn es doppelt so teuer war, als wenn es Deutschland beantragt worden wäre. Natürlich half uns auch hier, das dargereichte Bier als Gastgeschenk, was dann später mit mitgebrachten Haarglätteisen, ausrangierten Kleidungsstücken und Seife ergänzt wurde. In Cuba wird allerdings nicht gebettelt, es wird getauscht. Und so bekamen wir alles was das Herz begehrte, wobei Pedro (chachi611206@nauta.cu), der mit seiner Frau Rosa gegenüber der Marina in einer grünen Holzhütte wohnt, maßgeblichen Anteil daran hatte. Ob nun Zigarren, Rum, Obst und Gemüse, Eier oder das schwer erhältliche Brot, er besorgte innerhalb kürzester Zeit alles was wir brauchten. Sicher verdiente er seinen Anteil daran, aber es sei ihm vergönnt, denn wir haben nicht nur einmal versucht auf eigene Faust das alles zu besorgen und schon allein für die Taxifahrt 20,-€/CUC bezahlt, für die wir bei Pedro ganze drei Tüten Lebensmittel bekommen hätten.

Die Fahrt hinein nach Santiago ist ein Erlebnis sondergleichen, wenn man  das Wassertaxi nimmt, das stündlich mit lautschallender Musik, ein paar Meter hinter der Marina, die übrigens nur aus zwei Stegen für insgesamt 8 Boote besteht, anlegt. Nach einer knappen halben Stunde erreicht man Santiago, das nicht nur wegen seiner großartigen alten Autos, sehenswert ist. Es gibt dort eben nicht diesen extremen Unterschied zwischen Arm und Reich, dort haben alle Bewohner eine Grundversorgung an Lebensmitteln, für die mit Marken gesorgt wird. Natürlich sind die Cubaner pfiffig und versuchen die Touristen z.B. für ein paar €/CUC mit Stadtführungen oder auch Internetkarten für den doppelten Preis zu versorgen, aber da es eh nur ausgewählte Wlan-Spots gibt, reichen die Karten für 2,-€/CUC pro Stunde ziemlich lange. Somit sieht man auch keine Handyzombies durch die Straßen laufen, die Menschen reden in den Restaurants noch miteinander, was auch für uns eine völlig neue Erfahrung war Zwinkerndes Smiley Auch das Nachtleben in Santiago ist unbedingt erwähnenswert, überall hört man Livemusik, ob nun in den Restaurants, den Salzaclubs oder einfach auf der Straße, egal an welchem Wochentag, Musik, Tanz und Lebensfreude wohin man schaute. Ob wir wollten oder nicht, wir wurden unweigerlich mitgerissen und verbrachten die eine oder andere Nacht engumschlungen tanzend, mit dafür extra bereitgestellten Eintänzern. Cuba Herz

Für mich zusätzlich sehr schön war, das uns Pedro und Rosa zum Essen einluden und wir somit auch einmal live erleben konnten, mit welchen einfachen Mittel ein sehr schmackhafter Schweinerücken sogar mit knuspriger Kruste und natürlich den üblichen Bohnen mit Reis gezaubert werden konnte. Schließlich hatten wir den Lobster in den Cubanischen Restaurants beinahe über, der als Alternative zum plattgeklopften Huhn angeboten wurde. Aber auch zu sehen wie, für unsere Verhältnisse, ärmlich aber dennoch glücklich die Leute dort lebten, war sehr beeindruckend. Und so gaben wir gerne wenn wir gefragt wurden, denn auch bei der Reparatur der Ankerwinsch und der Badplattform wurde uns hervorragend und schnellstens geholfen. Die Cubaner sind im allgemeinen ja sehr erfindungsreich, wenn es den Schäkel nicht zu kaufen gibt, wird er eben repariert, auch der über den Atlantik geschrottete Genacker, bekam eine neue Naht und das Steuerrad neue Schweißpunkte und das alles für einen Bruchteil dessen, was es woanders gekostet hätte. Dieses Land begann mein Herz zu erobern, war mir vieles doch aus meiner Jugend in der DDR vertraut.

Dahingegen war Jamaika eine Enttäuschung und ein Kulturschock schlechthin. Etwas über eine Woche verbrachten wir dort und schon Montego Bay, mit seinem englischen Yachtclub strotzte vor überquellendem Reichtum. Im Supermarkt gaben wir für einen vollen Einkaufskorb ganze 400,-$ aus, was bei den Preisen (5,-$ je Artikel) auch nicht weiter verwunderlich war. Das zog sich weiter an Jamaikas Küste entlang, Villen so weit das Auge reichte und erst in San Antonio bekamen wir dann das echte Jamaika live geboten. Nicht nur Junkies in der Nacht auch Mütter mit Kindern bettelten uns am Tag an, wo wir gingen oder standen. Alle Geschäfte, selbst die Bäckerei war vergittert, dabei waren die Preise dort recht verträglich und man bekam sogar wieder Streetfood für kleines Geld. Aber der Hunger war den Menschen echt anzusehen, so hatte ich mir Jamaika nicht vorgestellt. Da nutzte es auch nichts, das uns an jeder Ecke Bob Marley Zigaretten von hervorragender Qualität für kleines Geld angeboten wurden, die so offensichtliche Armut wirkte echt abstoßend und im Gegensatz zu den anderen karibischen Inseln, wirkten die Menschen hier trotz dessen so gar nicht glücklich.

Zurück auf Cuba mit neuer Crew und altem Skipper, sahen wir uns diesmal die sozialistischen Supermärkte an, die allerdings auch für die Cubanischen Einheimischen eher unerschwinglich waren. Die Produkte kamen fast ausschließlich aus Spanien und bei einem Monatseinkommen von 30,- bis 40,-€/CUC im Monat, war selbst WC-Papier für 3,-€/CUC Luxus. Auch gab es im Norden der Insel nun überhaupt kein Brot mehr zu kaufen, zum Glück hatten wir vorgesorgt und konnten an Bord backen. Landschaftlich ist der Süden Cubas von See aus dagegen wirklich schön anzusehen. Saftig grüne Palmenwälder, Buchten die tief ins Landesinnere gehen und von Mangroven eingegrenzt sind. Allerdings gibt kaum Buchten zum ankern und nur eine Handvoll Häfen bzw. Marinas, somit sind lange Schläge von 80-150sm erforderlich um in sogenannte Internationale Häfen zu kommen, die erforderlich sind um anlegen zu dürfen. Aber wir waren ja schlimmeres gewohnt und so tuckerten wird von Santiago nach Holguin, vorbei natürlich an Guantanamo, wo wir umgehend aus der 12 Meilen Zone herauskomplimentiert wurden, die wir nur haarscharf streiften Sarkastisches Smiley Meine Güte waren die Amis nervig, zumal die da eigentlich nix zu suchen hatten. Vielleicht war auch das der Grund warum wir in der Marina Puerto Vita so mit Argusaugen bewacht und kontrolliert wurden, die Cubaner sind unter den Dauerfittichen der Amis, ein heißes Pflaster. Dafür fanden wir auch dort wieder außerhalb der Marina unheimlich nette Gesellschaft, bei Juanna (alvarohl@nauta.cu)  z.B. konnten wir unsere Wäsche waschen lassen und direkt linkst vor der Marina, hinterm blauen Bauwagen, fanden wir ein ausgezeichnetes privates Restaurant von Karel und Lyssy, die uns mit Lobster verwöhnten und deren wunderbar erhaltener, vom Großvater geerbter Wagen, als Taxi zu mieten ist. Nach 5 Wochen Cuba nahmen wir dann Abschied und segelten vollgepackt mit Cubanischen Lebensmitteln und Herzlichkeit auf die Bahamas. Und sobald ich wieder uneingeschränktes Internet habe, kann auch diesen Eintrag hier veröffentlichen.

Die Bahamas werde ich erst ein wenig vom Wasser und dann 2-3 Monate über Land erkunden. Denn ich habe mich entschlossen nicht mit der Sea Change II wieder zurück nach Europa zu fahren, sondern auf den Bahamas eine Pause einzulegen. Auch wenn ich wirklich wunderbare Angebote von Eignern und Veranstaltern im Mittelmeer habe, werde ich in einem Hostel für Kost und Logis arbeiten, da mich der Hostelbetrieb schon seit einer Weile interessiert. Schließlich habe ich schon in so vielen Hostels übernachtet, der Charterbetrieb ist ja auch ähnlich und mir haben die Holzarbeiten an der VEGA sehr gut gefallen, so dass ich mir in ferner Zukunft gut vorstellen könnte ein Backpacker-Hostel, wie das Shantihome in Izmir, irgendwo auf dieser Welt auszubauen und zu führen. Aber bis dahin muss ich noch die Welt erkunden und meinen Lieblingsort finden und so geht es Ende Mai, diesmal mit einem Katamaran Hector, in Richtung Nordamerika, über Florida und Carolina bis nach Virginia und nach der Hurrikansaison wieder zurück in die Karibik. Ich werde berichten…

Karibik – Kleine Antillen

Da bin ich nun, angekommen in der Karibik. Was für Gegensätze! Gestrandet bin ich auf Barbados und wurde direkt hineingeworfen, ins laute, bunte Getümmel, nach 2 Wochen absoluter Ruhe, ein wahrer Kulturschock. Ich bin immer noch überwältigt, vom satten Grün der Landschaft und den Unterschieden der vielen Inseln. Von weitem erscheinen sie so ähnlich wie sie, beim näheren hinsehen, anders gar nicht sein könnten. Auf französischen Inseln, fühlt man sich beinahe wie zu Hause, alles wirkt europäisch kühl, gesittet, beinahe spießig. Ob nun die Häuser oder die Geschäfte, so auch die Menschen, ob schwarz oder weiß. Wohingegen die unabhängigen, recht amerikanisch oder auch englisch geprägten Inseln, laut und voller Leben, beinahe unbändig erscheinen. Aber gerade dort ist der Unterschied zwischen arm und reich doch am deutlichsten zu spüren und dennoch gefallen mir persönlich Diese am besten, da sie authentischer und lebenslustiger wirken.

Angekommen im Norden von Barbados, in einer Schicki-Micki-Marina mit Poolbar, bin ich, nach allen Einklarierungs-formalitäten, mit den einheimischen Vans, voll mit Menschen und lauter Reggaemusik, nach Bridgetown gefahren, vorbei an den kleinen bunten Häuschen, die sich als so typisch für die eigenständigen Inseln der Karibik erweisen sollten. Dort hatte ich ein AirBnB Zimmer für 2 Nächte, denn mein Flug nach St. Lucia sollte erst am 19.12. starten und so konnte ich wenigstens ein paar Eindrücke dieser Insel erhaschen. Leider gibt es zwischen den Inseln keine Fährverbindung und da sich meine letzte Mitsegelgelegenheit auf keinen Kompromiss einließ direkt nach St. Lucia zu fahren, musste ich in den sauren Apfel beißen und 155,-$ + 110,-$ Gepäck für 45 Minuten Flug hinlegen. Verwirrend war es erst einmal mit den verschiedenen Währungen klar zu kommen, denn 1 Ostkaribischer Dollar (EC-Dollar) = 0,37USD = 0,32Euro. Alle drei Währungen werden anerkannt, nur nicht auf allen Inseln angenommen und auch die Bancomaten spucken unterschiedliche Währungen aus. Man muss also höllisch aufpassen, was wieviel kostet. Man switcht ständig zwischen Europa, Amerika und England hin und her, genauso verhält es sich auch mit der Sprache, den Supermärkten und den Gepflogenheiten, wie dem Rechts- oder Linksverkehr.

Auf St. Lucia habe ich dann auf der Sea Change II eingecheckt und wurde herzlich begrüßt. Gleich am nächsten Tag ging es auch schon hinüber nach Martinique um den nächsten Gast an Bord zu nehmen und die jährliche Inspektion des Motors vornehmen zu lassen, der ein Jahr zuvor genau dort eingebaut wurde. Das ging auch recht schnell und unkompliziert vonstatten und so konnten wir nun zu dritt gleich am nächsten Tag weiterfahren. Da aber die Sea Change II einen Preis bei der ARC 2018 gewonnen hatte und die Preisverleihung am selben Abend stattfand, ging es retour nach St. Lucia, um ordentlich zu feiern. Alle waren stolz auf ihre Leistung, ob es nun der Erste oder Letzte oder der am Zeitnahsten, wie die Sea Change II, mit 22Sekunden Unterschied zu einem anderen Boot über die Ziellinie gegangen ist oder auch der den größten Fisch gefangen hatte, es gab für alles einen Preis und dazu gratis Fingerfood und RumPunch bis zum abwinken. Ein ausgelassener Abend, bei dem man auch schnellen Kontakt zu anderen Crews fand, die parallel über den Atlantik gefahren waren und die so einige Storys zum Besten gaben. Ob es nun um einen gebrochenen Mast ging oder auch um die Querelen innerhalb der Crews, da war ich echt glimpflich davongekommen mit meinen schweigsamen Schweizern. Und so wuchs unsere Crew auch prompt um ein Backpackerpärchen an, die nach St. Marteen wollten,da wir noch Platz genug hatten.

Zu viert starteten wir also am Morgen des 24. Dezembers, mit lautschallender Weihnachtsmusik, in Richtung Dominica, wo wir endlich einmal in Buchten ankern und baden wollten. Schon im Norden von Martinique konnten wir das erste mal mit Schildkröten und bunten Fischen schnorcheln und so waren wir gespannt auf die nächsten Strände, die es doch in jeder Werbung gab. Der erste Teil der Strecke war auch schön entspannt, wir konnten wunderbar segeln, bis wir in die Landabdeckung kamen und der Wind merklich abflaute. Plötzlich erstarb aber auch genauso abrupt unser zu Hilfe genommener Motor, sprang erst kurz wieder an und verweigerte unter qualmen und stinken den, eigentlich gerade jetzt so notwendigen, Dienst. Auch der fix zu Hilfe genommene Spinnaker half kaum dabei uns von Ort und Stelle zu bewegen, so dümpelten wir dahin. Bis wir irgendwann die fluchenden Männer aus dem Motorraum hervorholten, weil wir endlich aus der Abdeckung der Insel herauskamen und wieder Segel gesetzt werden konnten. Leider kamen wir aber dennoch erst im Dunkeln auf Höhe Portsmouth an und da es heiliger Abend war und auch auf Dominica wohl alle um den Weihnachtsbaum herumsaßen, antwortete uns über Funk niemand. Wir versuchten es eine ganze Stunde ergebnislos und entschieden uns dann die Nacht hindurch nach Guadeloupe weiter zu segeln, da der Wind gerade günstig stand.

Im Morgengrauen des ersten Feiertages, segelten wir dann auch direkt in die Marina von Pointe-à-Pitre hinein, so das wir nur das kleine Stück in die Box geschupst werden mussten und somit wohlbehalten ankamen. Was für ein Glück ein Segelboot und kein Motorboot zu fahren. Und wieder hatten wir das Glück im Unglück, denn in der Nacht hatte sich eine Leine von der Reling gelöst und so musste diese aus der Schraube befreit werden. Bei dieser Gelegenheit konnten wir auch den Auslöser unseres Motorenproblems entdecken, denn unter dem Filter der Seewasserpumpe hing ein riesiger Klumpen des überall herumschwimmenden Seegrases Sargassum. Dieser Klumpen hatte verhindert, das Seewasser in die Kühlkreislauf gelangte und somit der Motor überhitze und ausging, nun musste nur noch herausgefunden werden, warum er trotz Befreiung vom Seegras und Reinigung des Filters nicht mehr ansprang. Doch erst einmal ging das Running auf die Reparaturwerkstätten los und das genau während der Feiertage. Nachdem wir natürlich erst einmal recht erfolglos waren, kam uns dann doch eine kleine Werkstatt zu Hilfe, die das Problem auch schnell erkannte, dass der Anlasser durch die wiederholten Startversuche kaputt ging und nun ausgetauscht werden musste. Leider war die Ersatzteilbeschaffung genauso schwierig und somit verbrachten wir Silvester eben auf Guadeloupe, statt wie geplant auf Antigua. Allerdings ist ja nun doch eine Bar wie die andere und so hatten wir einen ausgelassenen Jahreswechsel und die Tage zwischen den Feiertagen, verbrachten wir, außer mit ausgedehnten Stadtbummeln, mit Fahrten in den Regenwald zu Wasserfällen und an die Nordküste zu den Mangrovenbewachsenen Küsten des Atlantiks.

Das neue Jahr begann mit einem ausgetauschten Anlasser und somit einem laufenden Motor, so dass wir endlich wieder auslaufen konnten. Zwar immer noch zu viert, da ein Backpacker von Bord ging aber wir dafür eine Hitchhinkerin dazu bekamen, die auch mit nach St. Marteen wollte. Gut gelaunt ging es also weiter um endlich wieder in einer Bucht im Norden vor Guadeloupe zu ankern, doch so wirklich freuten wir uns auf die so hochgepriesenen Strände von Antigua. Dort angekommen, ließen wir es uns natürlich auch nicht nehmen, endlich einmal wirkliche Karibikstrände zu sehen und auch nach den vorherigen europäisch geprägten Inseln, wieder das ausgelassene Feeling der eigenständigen Inseln zu erleben, in denen schon alleine die Busfahrten ein Erlebnis sind. Dann ging unser Inselhopping weiter, über eine Ankernacht vor Nevis, mit den Schönen und Reichen, erlebten wir dann auf der nächsten Insel St.Kitts wieder das andere Extrem, zu den künstlich erschaffenen Duty Free Shops für die Kreuzfahrtschiffe und den Streetfoodständen der Einheimischen, in denen es super leckeren Lopster für 15,-$ und Hähnchen für 3,-$ frisch vom Grill gab. Leider war es dort auch sehr laut, da die Marina direkt neben einer Diskothek liegt und Samstagabend natürlich Halli-Galli angesagt war, zu einer Strandparty hätten wir uns hingegen ja glatt überreden lassen Zwinkerndes Smiley

Die nächste Insel St. Marteen war wiederum ganz anders, geprägt vom Hurrikan Irma, der im September 2017 hier wütete, sind in der Marina immer noch die meisten Steganlagen defekt bzw. fehlen gänzlich. Auch das Lebensgefühl ist gänzlich anders, so eine Mischung zwischen all den Inseln die ich bisher gesehen habe. Ich bin gespannt auf die Erkundung dieser Insel, auf der wir nun bis zum Ende der Woche liegen werden, da erst am Freitag die nächste Crew und ein neuer Skipper kommt. Sicher gibt es noch einige schöne Ecken als die wir bisher gesehen haben, aber kann man das in dieser kurzen Zeit wirklich? Zumal ja jedem etwas anderes gefällt. Insgesamt finde ich die Karibik echt überraschend, anders als gedacht aber dennoch nicht weniger reizvoll. Ich bin erstaunt wie grün hier alles ist, über die ständigen Regenfälle, die sturzbachartig herniederprasseln und ihr übriges tun und die für eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit sorgen. Man taut ohne etwas zu tun und kann leider auch nicht die Fenster ungestraft offen lassen, deshalb schlafe ich partiell im Cockpit, da es mir unter Deck einfach zu heiß ist. Am nächsten WE geht es dann weiter auf die BVI´s, Puerto Rico, die DomRep und Jamaika, auf die ich mich persönlich am meisten freue. Danach geht´s dann nach Cuba, wo wir ein paar Wochen bleiben werden. Ich bin gespannt und sooo glücklich das alles erleben zu dürfen 😀