Teneriffa–Sizilien

Wenn man viel und lange in fremden Ländern unterwegs ist, vermisst man natürlich das ein oder andere. Und so schwärmten wir auf der Atlantiküberquerung alle davon, endlich wieder einmal Pizza zu essen.  Spanien ist nun nicht sehr bekannt für seine hervorragende Pizza, aber wenn man Monate lang keine mehr gegessen hatte, ist das egal, Hauptsache PIZZA Verspotten Kaum auf Teneriffa angekommen, ließen wir uns also jeder eine Familienpizza liefern. Meine Carbonara schmeckte widererwarten sehr gut und auf Grund der Größe hatte ich am nächsten Morgen  und auch Nachmittag noch etwas davon. Nachts konnte ich kaum einschlafen, führte das aber auf den vollen Pizzabauch und meine bisherigen Nachtschichten zurück. Morgens kribbelte mir aber immer noch der ganze Körper und meine Lymphknoten am Hals waren angeschwollen, hatte ich mir ne Erkältung zugezogen?! Am Nachmittag schwoll mir dann die komplette Zunge an und ich bekam kaum noch Luft. Zum Glück war die Freundin des Eigners mit dem Auto da und so fuhren wir in die nächste Apotheke, die uns auf Grund der Symptome sofort ins nächste Hospital weiterschickte. Dort angekommen, wurde erst einmal über meinen Verbleib in den letzten 2 Wochen diskutiert und meine Krankenkarte verlangt. Da ich nicht sprechen konnte, war ich froh, das des Eigners Freundin auf der Insel lebte und spanisch sprach. Ich wurde dann an einen Tropf mit Antiallergikum gehängt und binnen kurzer Zeit schwoll meine Zunge ab und mir ging es mitütlich besser. Ich habe wohl auf die Pizza allergisch reagiert, was aß ich auch in Spanien Pizza. Sehr überrascht war ich, dass ich nicht einmal etwas zu bezahlen brauchte, da in Spanien die Erstversorgung gratis ist!

Nachdem ich also diesen Schreck und die nächsten 2,5 Wochen mit Handwerkern überstanden hatte, ging es am 7. Juni also wieder los Richtung Gibraltar. Wir waren wieder einmal eine bunt zusammengewürfelte Truppe – der Eigner und ich, ein Freund des Eigners, der tatsächlich einfliegen durfte, ein deutsches Rentnerpärchen, dass keinen Rückflug nach Deutschland bekam und schon 7 Flug Gutscheine wegen gecancelter Flüge hatte und ein argentinischer Skipper, der in Kroatien sein Glück mit Jobs versuchen wollte. Vorbei an den schroffen Küsten der Kanarischen Inseln, in Begleitung von Delfinen und einer erschöpften Taube, segelten wir also gemeinsam Richtung Nord. Leider hatten wir fast die gesamte Strecke den Wind gegenan und motorsegelten und kreuzten abwechselnd. Auch wollte uns von nun an kein einziger Fisch mehr an die Angel gehen, so oft wir auch den Köder wechselten. Nach 874sm und 164h hatten wir es dann geschafft, wir waren am Affenfelsen angekommen. Dort tankten wir dann nochmal den günstigsten Diesel ever (0,47€ der Liter) und auch unser Rentnerpärchen verließ uns dort. Denn vom Festland gingen nun auch wieder Flieger Richtung Deutschland. Zu viert traten wir also nun den Rest der Reise Richtung Ost an.

In Almerimar legten wir einen kurzen Stopp zum Wäsche Waschen und Lebensmittel auffüllen ein und dann gings ab nonstop nach bella Sicilia. Die ersten Tage hatten wir auch super achterlichen Wind, der uns dann aber immer weiter östlich verließ, bis er dann ganz abflaute. Wir motorten also an der Lybischen und Tunesischen Küste vorbei, aber wenigsten ging dieses mal nichts am Boot kaputt. Recht unspektakulär war diese Strecke, denn wir waren ja nun ein gut eingespieltes Team. So hatten wir nach 5 Tagen endlich Sizilien in Sicht und konnten wenigstens die letzten beiden Tage segeln. Denn an der Westküste Sizilien ist schön stetiger Wind der uns mit ordentlicher achterlicher Welle und teilweise bis zu 10kt Fahrt ans Ziel brachte. Was war das für ein schöner Anblick und welch ein tolles Gefühl endlich zu Hause zu sein. Endlich wieder durch diese hübschen italienischen Städtchen schlendern, Gelati und Pasta essen, Vino und Grappa trinken und natürlich Freunde treffen. Bella Sicilia, wie hatte ich mich nach dir gesehnt Herz In Licata wartete dann auch die VEGA auf mich, auf die ich noch am selben Abend wechselte. Zu Hause zu Hause!

Bei diesem letzten Törn, merkte ich noch einmal umso mehr, wie sehr ich genug von tagelangem Durchsegeln hatte. Immer nur Wasser um mich herum, mit immer den gleichen Leuten. Aber ich wollte es ja genauso, noch einmal die volle Dröhnung. Um so mehr freue ich mich auf ein Leben an Land, das Meer zwar vor Augen, aber nicht mehr unmittelbar davon umgeben. Auch freute ich mich darauf, alte und auch neue Freunde zu treffen, soziale Kontakte eben. Und ich freue mich auf den Nestbau, der mir in den letzten Jahren doch so sehr verwehrt blieb. Ein zu Hause schaffen, für mich und vielleicht sogar für meinen Sohn. Denn auch er ist angetan, von einem Häuschen am Meer, das ich mit Fremden und Freunden teilen möchte. Ein Hostel mit angeschlossenem Permakulturgarten, das zu Tangotanzabenden einlädt, bei mediterranem Klima und traumhafter Kulisse. Natürlich würde ich nun 1-2 Jahre nicht reisen können, aber die Pause würde mir guttun, um wieder neugierig auf die Welt zu werden. Denn momentan ist mein Speicher voll, ich muss erst mal sortieren, archivieren und mich neu organisieren. Aber jetzt musste ich erst mein Häuschen finden.

Deshalb würde es, nach einer Woche Pause, mit der VEGA Rund um Sizilien gehen, Buchtenbummeln mit Stopps in den schönsten Städten Siziliens. Endlich einmal die ganze Schönheit der Insel betrachten, neues entdecken und altes wiedererleben, bis Ende August sollte dafür Zeit sein. Danach würde ich dann die Westküste mit dem Auto erkunden und mich, auch über Land, nach meinem Häuschen umsehen. Achja, ich habe ein Auto Erstauntes Smiley ich muss wirklich vorsichtiger mit meinen Wünschen sein. Denn einmal ausgesprochen, dass ich mir in Deutschland wohl eines kaufen müsste, um meinen Kram nach Sizilien zu transportieren, fand der VEGA Skipper einen Aushang im WC-Häuschen, das ein Ford Mondeo zum Verkauf stand. Ein Pärchen mit Kind das auf Weltumsegelung gehen würde, wollte es für ganze 250,-€ verkaufen. Erst dachte ich an einen Scherz und nun ist es meins. Es hat allen Schnickschnack, von Anhängerkupplung, über Klimaanlage, bis hin zu einer, im Autoradio feststeckenden, DDR-Kinderlieder CD, was werde ich meinen Spaß haben. Der größte Kraftakt würde aber wohl noch die Ummeldung werden, mal schauen ob die deutsche Bürokratie das zulässt.

Atlantiküberquerung die II

Ich hab´s also wieder getan, ich habe zum zweiten mal den Atlantik überquert. Nicht das ich das ausdrücklich vor gehabt hätte, es hat sich halt so ergeben. Alles war besser, als in der Corona Zeit auf Grenada fest zuhängen und auf irgend einen Heimflug zu warten, zumal Heim wohin? Dieses mal ging es also von West nach Ost, angeblich die kompliziertere Route. Doch jeder der schon einmal so eine lange Strecke zurück gelegt hat, wird mir zustimmen, dass nicht die Route das Problem ist, sondern die menschliche Psyche. Das hat sich auch in unserem Fall bestätigt. Wir starteten also zu Fünft am 24. Mai in aller Ruhe von St. Martin aus. Die Backskisten und Tanks waren gut gefüllt, die Crew guter Dinge und die Wettervorhersagen günstig. Denn allen Unkenrufen zum Trotz, war es weder zu früh, noch zu schwierig. Sebastian Wache von Wetterwelt hatte just zeitgleich ein Prognosevideo hochgeladen, dass sich als sehr hilfreich und präzise erwies und unser Satellitentelefon und das Iridium sollten uns unterwegs wettertechnisch begleiten. Somit waren wir gut ausgerüstet und konnten starten.

Die ersten 11 Tage hatten wir, wie vorhergesagt, sehr gute Winde aus E/NE, auch wenn ich diesen Kurs ungern mit einem Monohul fahren möchte, denn 11 Tage am Wind segeln, auf einer Backe liegend, ist mehr als anstrengend. Zum Glück also, dass ich auf einem Katamaran saß und die SIByER sogar bis 45° am Wind segeln konnte. Wir sausten also dahin und genossen die Fahrt, bis… ja bis… ich plötzlich Wasser in meiner Heckkajüte hatte Erstauntes Smiley Salzwasser und dann noch an der Notausstiegsluke, die sich nur wenige Zentimeter über der Wasserlinie befindet. Es rann vom oberen Rahmen herunter und ergoss sich auf dem Fußboden. Noch vor der Abfahrt waren wir beim Lagoon Händler gewesen und ließen, auf Wunsch der Versicherung, Bleche daran befestigen um ein herausfallen zu verhindern. Und nun schoss Wasser aus genau diesem Fenster. Ich muss ehrlich sagen, ich hatte das erste mal in meinem Leben Angst ! Wassereinbrüche jeglicher Art, war ich ja schon, allein von der VEGA, gewohnt, aber so mitten auf dem Atlantik, bei 3-4m Welle, waren dann doch eine ganz andere Hausnummer. Denn was wenn dieses Fenster herausfallen würde, wo nun schon Wasser hindurch kam und Lagoon schon eine Rückrufaktion deshalb gestartet hatte. Mitten auf dem Atlantik, kein Land weit und breit, nur Wasser ! Wir schmierten also Sikaflex in jede sichtbare Fuge, das stoppte den Wassereinbruch etwas, und hofften inständig auf weniger Welle, die permanent gegen das Fenster klatschte.

So eine Langstreckenfahrt ist eben immer eine Materialschlacht, so riss uns als nächstes die Leine des ersten Reffs, dass wir wohlweißlich eingebunden hatten. Natürlich passiert so etwas immer Nachts, aber der Eigner, ein Profiskipper, fixierte nun das Reff direkt am Baum, so das wir die Leine nicht mehr benötigten. Die Keilriemen der beiden Motoren rissen ständig, zum Glück wussten wir um diese Macke des Bootes und hatten wohlweißlich ein paar mehr auf Vorrat gekauft. Wir fuhren auch immer nur mit einem Motor, teils um Sprit, aber eben auch um die Keilriemen zu sparen. Auch die Dirk, die sich wie erst vermutet verhakt hatte, hielt der Belastung nicht stand. Später sollte sich herausstellen, dass unser spanischer Mitsegler, nicht wirklich wusste was er tat, als er sie in der Nacht so stramm zog, das sie unter Belastung durchscheuern musste. Er hatte sich als erfahrener Segler angepriesen, der selbst ein Boot besaß, leider stellte sich sehr schnell heraus, das er selbst beim belegen eine Winsch schon Probleme hatte. Der Eigner und ich waren also folglich noch wachsamer.

In der ersten Woche hatten wir die Nachtwachen so eingeteilt, dass unser Spanier, die erste Wache von 9:00-12:00, ich von 12:00-3:00 und der Eigner von 3:00-6:00Uhr wach blieben. Das französische Pärchen, dass keinerlei Segelerfahrungen hatte, ergänzte uns, so dass wir 6 Stunden lang zu zweit waren. Das klappte so hervorragend und die beiden Neulinge konnten lernen und herausfinden wie es sich anfühlte Nachts zu fahren. In der zweiten Woche waren die Beiden schon so weit, dass wir der Anregung unseres Spaniers nachkamen und sie für die Morgenstunden ab 6:00Uhr einsetzten und so alle genügend Schlaf bekamen. Denn dank des Autopiloten, waren die jeweils drei Stunden, auch gut allein zu schaffen. Auf Überführungsfahrten ist es auch im allgemeinen so üblich, dass wenig bis gar kein Alkohol getrunken wird und so genehmigten wir uns lediglich zum Abendessen ein Bierchen, was schon ein großes Entgegenkommen des Eigners war. Ich wunderte mich nur warum der Spanier bei seiner Wachablösung immer eine Fahne hatte und hoffte mich aber zu irren. Auch ist es Pflicht bei anbrechender Dunkelheit die Schwimmwesten anzuziehen und sich einzupicken, damit niemand über Bord gehen kann, Safety first!

Nach 11 Tagen verließ uns dann der Wind und es musste eine Entscheidung her, ob wir noch weiter nördlich dem Wind hinterher fahren oder eben rechts nach Osten abbiegen sollten. Die Wettervorhersagen via Sat-Telefon prognostizierte, dass wir östlich nach 3 Tagen wieder Wind bekämen, also entschied der Eigner Richtung Ost zu motoren und schon begannen die Diskussionen. Der Spanier hatte Kontakt zu seinem Freund an Land, der darauf plädierte weiter nördlich zu fahren, was für uns wenigstens 5 Tage Umweg bedeutet hätte. Doch da wir nicht zu den Azoren wollten und wir auch genug Diesel gebunkert hatten, war das für uns keine Option. Nicht jeder kann mit Autoritäten umgehen und so betrank sich unser Spanier, nachdem die Entscheidung gefallen war. Wir anderen schauten dem Treiben fassungslos zu und unser französisches Pärchen musste in den sauren Apfel beißen und länger wach bleiben, um auf den drunken Zeeman aufzupassen. Nachdem die beiden dann um 22:00Uhr ins Bett gingen schaute ich alle halbe Stunde nach ihm, wie er inzwischen seelenruhig im Salon schlief. Das witzige dabei war, das auch der Eigner alle halbe Stunde nach ihm sah, wir uns aber nie begegneten. Am nächsten Morgen dann, gab es eine Aussprache, denn das war für niemanden tragbar, der Deal war – gratis mitzufahren, für Nachtwache. Wir hofften das dieser “Ausfall” einmalig war und nach diesem Gespräch erst recht.

Aber weit gefehlt – leider war der Spanier von nun an voller Abneigung und trank ganz provokativ nicht nur 1 sondern 3 Biere, dazu fing er an, in seiner Kabine zu kiffen und wurde aggressiv, als wir sowohl das Bier wegsperrten, als auch ihm verboten Reed zu rauchen und erst recht nicht IM Schiff. Zu alldem kam noch, dass er alle Ansagen des Eigners ignorierte und plötzlich Nachts den Kurs nun doch nach Nord änderte und dann noch ohne Schwimmweste im Dunkeln herumturnte. Daraufhin entbanden wir ihn von seiner Nachtwache, denn niemand kann in Ruhe schlafen, wenn der Wachhabende betrunken ist und macht was er will. Das französische Pärchen übernahm seine Wache, denn nach nun zwei Wochen, waren sie gut eingearbeitet und weckten uns sobald sich etwas änderte. Täglich gab es nun Diskussionen mit dem Spanier, dass er sich nicht wie ein Kind behandeln ließe und er das Bier schließlich mitbezahlt hätte, es aber nicht nötig hätte, da er zwei Flaschen Rum im Gepäck hätte, die er dann eben trinken würde, er war also fortan im Dauerdelirium. Was tut man mit so einem?

Ich schrieb ja bereits, das die Psyche das eigentliche Problem ist und so hatten alle ihr eigenes Kopfkino, der Spanier fühlte sich unverstanden und gemobbt, der Eigner und ich vermuteten sogar Schlimmeres, ev. einen Drogenkurier an Bord zu haben, der irgendwo im Boot weitere Drogen versteckt hatte. Und das alles in Zeiten von Corona, wo eine Kontrolle der Guardia Civil nicht nur möglich sondern sogar wahrscheinlich war. Zumal wir nicht einmal wussten ob wir auf den Kanaren überhaupt anlanden durften. Die beiden Franzosen waren regelrecht genervt, da sie zwischen dem Spanier und uns ständig übersetzen sollten, da sie sehr gut spanisch und englisch sprachen. So wurde also, aus der anfänglich entspannten Fahrt eine nervliche Tortur für alle. Und warum das alles? Weil immer einer aus der Rolle fallen muss. Zum Glück bekamen wir nach langen 6 Tagen endlich wieder Wind aus NW, die Stimmung entspannte sich etwas, da auch die Welle nun von Backbord kam und mein leckendes Fenster in Ruhe ließ. Bei einem Bad bei Windstille hatte sich herausgestellt, das die angebrachten Bleche durch die Welle aus der Verankerung gerissen waren und das Wasser ausschließlich durch die Schraubenlöcher hereinkam, das Fenster ansich also unbeschadet war.

So segelten wir also die letzten 6 Tage mit einem Etmal von 183sm über den Atlantik und waren froh, als bald Land in Sicht war. Vorbei an fetten Frachtern und sogar einem Segelboot und nach über 3000sm in nur 21 Tagen und 4-5 gefangenen MahiMahi und Thunas, waren wir dann wohlbehalten auf Teneriffa angekommen. Ich habe tatsächlich noch nie so lange 3 Wochen in meinem Leben erlebt, die Zeit zog sich wie Kaugummi. Und das obwohl ich mich wirklich gut alleine beschäftigen kann, wir auch ab und an Kartenspiele spielten und gute Gespräche führten. Die beiden Franzosen waren wirklich sehr liebenswert und verstanden Siri-Englisch Smiley mit herausgestreckter Zunge so dass wir sogar ein paar Logikrätsel spielen konnten. Alle waren dennoch froh, dass wir heil ankamen und zudem noch völlig unproblematisch in der Marina San Miguel einlaufen durften. Wie schon auf St. Martin, hatten wir uns per Email vorher angekündigt und bekamen noch in der Nacht einen Platz direkt in der Einfahrt zugewiesen. Am nächsten Morgen begrüßte uns sehr freundlich die Guardia Civil, denen wir auch sofort mitteilten, das wir ein Crewmitglied wegen Alkohol und Drogen schon morgens um 6:00Uhr von Bord verwiesen hatten. Sie nahmen daraufhin seine Personalien auf, wollten unser Boot aber gar nicht weiter kontrollieren. Was waren wir froh!

Nun liegen wir schon wieder 14 Tage hier, die Handwerker sind fleißig am arbeiten, reparieren hier, verschönern und polieren dort. In einer Woche geht es dann weiter, über Gibraltar und Mallorca, für mich nach Sizilien. Der Eigner fährt dann, hoffentlich mit aufgestockter Crew, bis nach Kroatien, wo schon am 17. Juni die ersten Chartergäste warten. Eigentlich wollte ich im Anschluss ja direkt nach Deutschland fliegen, um meine Wohnung zu veräußern, aber der Eigner der VEGA bearbeitet mich gerade mit einem unmoralischen Angebot. So werde ich wohl wieder auf meine Schöne gehen und erst einmal ein paar Wochen um Sizilien segeln, um dort dann hoffentlich von meinem Häuschen gefunden zu werden, das mir in Zukunft als Homebase dienen wird. Meine Wohnung wartet schließlich noch auf mich und bei so schweren Geschützen, VEGA und Sizilien, kann ich eh nicht gegenan Vor Lachen auf dem Boden wälzen

Grenada – St.Martin

Corona hatte nun auch mich eingeholt – ich saß fest auf Grenada. Kein Flieger ging mehr rein oder raus, die Ausgangssperre hatte das normale Leben auf Standby gesetzt und die Karibik war plötzlich nicht mehr das, was sie mal war. Alles war viel zu ruhig, viel zu reguliert, viel zu angespannt. Man wurde nicht mehr angesprochen auf der Straße und wenn, dann nur mit 10m Abstand, nur die Busse waren weiterhin vollgequetscht mit Menschen. Ein einziges mal wagte ich mich in die Stadt, da ich Bargeld brauchte und wurde von den Locals angesehen wie eine Aussätzige, schließlich war ich die einzige Weiße weit und breit. Nichts war mehr übrig vom Easy Live der Karibik.

Mein ursprünglicher Plan, mich drei Wochen lang von den letzten Monaten, mit Chartergästen, in einem kleinen Airbnb Zimmer am Meer, zu erholen, fühlte sich plötzlich wie Gefangenschaft an. Es ist eben ein riesen Unterschied, irgendwo sein zu dürfen oder eben zu müssen! Da kam mir die Gelegenheit, uns in der Welt ein Gehör zu verschaffen, gerade Recht. Denn viele Segler waren nun dazu verdammt, Woche für Woche in ein und der selben Bucht zu verbringen, statt wie eigentlich üblich in der Karibik, herumzubummeln. Die Community wuchs enger zusammen, wir nahmen, nicht nur durch meine Petition, untereinander Kontakt auf und informierten uns gegenseitig, was wo, wie möglich war. Auch erhielt ich etliche Anfragen von Zeitungen, wie dem Floatmagazin und dem Spiegel über die derzeitige Situation. Überall auf der Welt stand die Zeit still und Segler engagierten sich dafür, uns offene Häfen zu ermöglichen, denn die Hurricansaison nahte.

Auch der Skipper des neuen Katamarans war immer noch auf Martinique gefangen und so kam es, das er mich bat, die SIByER allein von Grenada zu ihm zu segeln. Sicher traute ich mir das zu, aber mit einem Schiff, dass ich so gar nicht kannte, gleich einen Überführungstörn zu starten, ganz allein, danach war mir so gar nicht zu Mute. Und so suchte ich mir, natürlich mit Erlaubnis des Eigners, eine kleine Crew zusammen, die mich auf den 190sm unterstützen sollte. Der Zufall spielte mir ein wirklich super nettes Pärchen zu, die just eine neue Yacht, eine totschicke Amel, auf Martinique kaufen wollten, aber nicht von Grenada wegkam. Auch ein Mädel, dass nach Europa mitsegeln wollte, meldete sich auf Carriacou. Und so übernahm ich das Boot vom Alteigner in St. Georges und sammelte alle nacheinander ein. Wir starteten am 30.März und hatten wirklich Glück mit dem Wind, der uns aus SE nach Martinique schob. Für mich war es der erste Überführungstörn als eigenverantwortliche Skipperin, aber ich kannte die Strecke ja und Katamarane bin ich ja nun auch schon einige gefahren. Aber ich hatte Glück, alles lief gut und da wir eher zu wenig als zu viel Wind hatten, kamen wir nach 2 Tagen gegen Mittag in St. Anne an.

Uns wurde ja vorher prognostiziert, dass wir bei Ankunft auf Martinique sofort von der Coast Guard abgefangen werden würden und auch 14 Tage Quarantäne in kauf nehmen müssten, aber nichts davon traf ein. Ich warf den Anker in St. Anne zwischen die zahlreichen Boote und unser Mitsegler fuhr mit dem Dingi an Land und traf dort auch den neuen Eigner der SIByER, um ordnungsgemäß einzuklarieren. Ohne irgendwelche Reglementierungen ging das auch problemlos bei “Snack Boubou” von statten und so waren wir ganz offiziell in Europa angekommen. Geschafft! Smiley mit geöffnetem Mund Nachdem alle wieder an Bord waren, fuhren wir nach Le Marin hinein und ankerten dort in der Einfahrt zur Werft, unweit des sehr beliebten Supermarktes, der als einziger Karibikweit einen Dingisteg vorweisen konnte. Was freute ich mich auf den nächsten Einkauf dort, endlich wieder richtigen Käse, Croissants und guten Wein, eben all die Dinge, die Frankreich zu bieten hatte und die wir in den letzten Monaten so sehr entbehren mussten. Wieviel einfacher würde nun die Versorgung für die Atlantiküberquerung sein und wieviel abwechslungsreicher und vor allem preiswerter, auch wenn die Auswahl natürlich im Vergleich zu Italien immer noch bescheiden war.

Inzwischen trieb meine Petition die unglaublichsten Blüten. Sowohl Zeitungen, als auch Funk und Fernsehen berichteten immer reißerischer, verdrehten die Tatsachen und erfanden sogar Dinge hinzu. An vielen Berichten merkte man sofort, dass die Redakteure einfach keine Ahnung von unserer Problematik hatten, denn wir wollten weder von einer Militär FLOTTE begleitet werden, noch hatten wir Angst den Atlantik zu überqueren. Wir wollten lediglich Quarantäneregelungen, die es uns ermöglichten auf unserer Route gen Westen, Zwischenstopps einzulegen, um auszuruhen und Lebensmittel, Wasser und Diesel zu bunkern. Viele der Segler vor Ort hatten, genauso wie wir, gehofft, dass es wenigsten spezielle Flugmöglichkeiten geben würde, da entweder die Ehepartner in der Heimat festsaßen oder die Kinder nach Hause geschafft werden sollten, oder sie schlicht zu alt waren, um den Atlantiktörn allein zu meistern und Crew benötigten. Auch wurde, durch die geschlossenen Grenzen, die Route nun 3x so lang, denn zu diesem Zeitpunkt waren sowohl die Bermudas, als auch die Azoren noch dicht. Daher kam einer auf die Idee, doch mal bei einem in der Nähe stationierten Militärschiff anzufragen, ob es einen Konvoi der Segler begleiten können, um bei Bedarf mit fehlenden Materialien, Wasser oder Diesel auszuhelfen. Schließlich hatte es die selbe Route wie wir alle und genug Kapazitäten um das zu bewerkstelligen. Aber ein Kriegsschiff ist nun mal da um zu zerstören und nicht um zu helfen, deshalb wurde diese Anfrage natürlich abgelehnt. Die Meisten warteten nun auf Lockerung der Regelungen oder verschifften ihre Boote per Frachter, auch nicht wirklich die ökologischste Variante! Die Presse indessen, stellte uns als Minderheit mit Luxusproblemen dar, was unserem Anliegen nun mal so gar nicht weiterhalf.

Für uns begann das große Warten, denn wir hatten weder ein Satellitentelefon, noch ein Iridium und erst recht keine Crew. Die Grenzen waren zu, unsere eigentliche Crew durfte nicht einreisen, selbst die Post beförderte nichts mehr rein oder raus und das Mädel das eigentlich mit uns mitsegeln wollte, fand nun doch eine bezahlte Stelle auf einem Großsegler. Der Eigner kümmerte sich also um die Wartung des Bootes und ich mich via Facebook um eine neue Crew. Viele meldeten sich, denn eine Atlantiküberquerung ist ja immer heiß begehrt, zumal viele ja selbst festsaßen und zurück nach Europa wollten. Leider waren die meisten aber auf anderen Inseln verstreut und was bisher eine Leichtigkeit war, wurde nun schier unmöglich, denn auch wenn noch einige Inseln auf unserem Weg lagen, durften wir sie nicht anlaufen. Beinahe in letzter Minute, meldete sich dann ein Spanier, dessen Mitsegelgelegenheit nun doch nicht los wollte und der uns als absoluter Glücksfall erschien, denn er hatte sowohl ein Satellitentelefon als auch ein Iridium und unseres war immer noch nicht eingetroffen. Auch berichtete er von Segelerfahrung, war schon einmal von Ost nach West über den Atlantik gesegelt und hatte sogar ein eigenes Boot in Spanien. Zusätzlich meldete sich ein französisches Pärchen, das zwar keinerlei Segelerfahrung hatte, aber sehr sympathisch und hilfsbereit war. Sie hatten eigentlich eine Auszeit geplant und wollten die Welt erkunden, aber dank Corona saßen sie nun auch fest und waren froh zurück in die Heimat zu können. So gab es noch ein feuchtfröhliches Abschiedsgrillen mit unseren, inzwischen stolzen, Amelbesitzern und wir sagten goodbye zu Martinique.

Nun waren wir also zu fünft, worüber ich sehr froh war, denn nun konnten wir die Nachtwachen ganz entspannt einteilen. Die Stimmung war hervorragend, denn alle hatten nun das was sie wollten. Wir bunkerten noch ausreichend Diesel mit zusätzlich 10 Kanistern und Wasser, auch wenn wir einen Wassermacher an Bord hatten und natürlich für 3-4 Wochen ausreichend Lebensmittel. So starteten wir, mit nur zwei Wochen Verzögerung, am 20. April Richtung St. Martin. Und wieder wurden wir vorher gewarnt, dass wir nicht einreisen dürften und rechneten somit damit in einem Ritt durchfahren zu müssen, aber wir waren ja nun gut ausgestattet. Wir hatten wieder hervorragenden Wind aus E/SE und so rauschten wir mit 7-8kt durch Tag und Nacht. Schon auf der Überfahrt von Grenada hatten wir endlich mal wieder Delfinbesuch und auch auf dieser Tour begleiteten sie uns. Auch fingen wir gleich einen großen MahiMahi und zwei kleinere Thunas, die sowohl roh als Sushi, gegrillt, als auch gebraten ein hervorragendes Mahl waren. Nach 48 Stunden landeten wir dann auf St. Martin (franz.Teil) und niemand interessierte sich für uns. Weit und breit keine Coast Guard und so ankerten wir wie gewohnt, meldeten wir uns, wie angeraten, per Email beim Island Water World an und hörten am nächsten Morgen den örtlichen Funk ab. Man durfte also als Transit sowohl an der Tankstelle Diesel und Wasser tanken und selbst in den Supermarkt einkaufen gehen. Nach noch einer weiteren Nacht sollte es dann aber endlich weiter gehen, hinaus aufs Meer, über den Atlantik, nach Europa Vor Lachen auf dem Boden wälzen

Denn mein Entschluss so schnell wie möglich meine Berliner Wohnung zu verkaufen und mir ein Häuschen auf Sizilien zuzulegen, stand unumstößlich fest. Nun war ich also so weit gekommen, hatte die halbe Welt gesehen und spürte plötzlich Heimweh, obwohl es noch nicht einmal meine Heimat war. Aber das sollte sich nun ändern, ich hatte inzwischen so viele Ideen, die mir nun unter den Nägeln brannten und natürlich unglaubliche Sehnsucht nach dieser wunderbaren Insel, den Menschen, meinen Freunden und nicht zu vergessen, dem Essen, dem Wein und Gelati Herz Aber erst einmal war ich gespannt auf das nächste Abenteuer, meine zweite Überquerung des Atlantiks!

Grenada und die Grenadinen

Nun bin ich also schon wieder fast 3 Monate auf Grenada und deren umliegenden Inseln, den Grenadinen. Ich habe gefühlt jede Insel wenigstens 3x gesehen, bin mit Schildkröten, Mantas, Kofferfischen und auch Riffhaien geschnorchelt. Habe ausgelassene Abende an Strandbars verbracht, an schneeweißen Sandstränden gechillt, in türkisfarbenen Wasser gebadet, Wasserfälle im Landesinneren besichtigt und bin natürlich gesegelt was das Zeug hält.

Wir machten Halt vor Sandy Island, einer völlig unbewohnten Insel, wie aus der Werbung, mit weißem Sandstrand, bedeckt von Palmen, mit glasklarem Wasser umgeben, mit tausendenden von Fischen und Pelikanen, die dort ein ‘All you can eat Buffet’ vorfanden. Wir ankerten in der Salt whistle Bay, der schönsten Bucht der Karibik und chillten in BeachBars mit Füßen im Sand. Erkundeten die Insel Mayreau zu Fuß und genossen den wahnsinnigen Ausblick von deren höchsten Punkt und ließen uns dann mit einem Speedboot Wassertaxi in rasender Geschwindigkeit wieder zurück bringen. Wir schwammen bis zur Ermattung gegen die Strömung zurück zum Hector, nachdem wir uns die Unterwasserskulpturen vor Grenada angesehen hatten. Wir trafen Freunde, mit denen ich auf Facebook Kontakte hatte und lernten neue Segler kennen, mit denen wir wirklich schöne Stunden verbrachten und Erfahrungen austauschten. Ich weiß jetzt das Brotfrucht wie Bratkartoffeln und Christopher wie Rettich schmeckt, das weiße Seeigel süßlich und Schwarze eher wie Kaviar schmecken und habe noch einige andere kulinarische Variationen, wie Fischsuppe, kennengelernt, die man allerdings mögen muss Zwinkerndes Smiley

Und dann passierte, was ich nie für möglich gehalten hätte – das Paradies fing mich an zu langweilen. Plötzlich sahen alle Strände gleich aus, das Wasser war türkis wie immer, der goldgelbe Rumpunch nur noch ganz nett. Ich freute mich nicht mehr auf den nächsten Lobster, der doch beim ersten mal so unglaublich lecker war und ich merkte nur an der Reaktion der Gäste, wie unglaublich schön doch alles um mich herum war. Und wir hatten wirklich tolle Gäste, die begeisterungsfähig und gut gelaunt waren, mit denen ich tolle Gespräche führte und ausgelassen lachen konnte. Wieder sind tolle Freundschaften entstanden. Aber ich merkte auch immer mehr, wie sehr ich mir Privatsphäre wünschte, aufstehen wann ich es wollte, essen was ich mochte und meinen Tag gestalten wie ich es gerne hätte. Einfach mal zu sein, ohne mich nach anderen richten zu müssen. Aber das geht auf 44ft mit 4-8 Personen eben nicht. Es ist wie auf einer tollen Party, auf der man aber der Gastgeber ist und nicht einfach gehen kann, wenn man genug hat.

Genau in diesem Moment bekam ich die Nachricht, dass sich die Partnerin eines befreundeter Skippers einen Katamaran in Grenada gekauft hatte und den nach Europa überführen wollte. Was für eine Chance, die ganz mein ökologischen Herz ansprach und zudem würde sich der Kreis für mich schließen. Ich schlief 1-2 Nächte darüber und da der Skipper des Hector inzwischen Unterstützung von seiner Freundin bekommen hatte, war dieser neue Deal dann schnell geschlossen und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich betreute die Beiden noch eine Weile und spielte Segellehrerin, so dass zukünftig die Beiden auch gemeinsam klar kamen. Schließlich waren der Skipper und ich inzwischen ein eingespieltes Team, wir hatten einige Änderungen vorgenommen um das handling zu vereinfachen und verstanden uns inzwischen per Handzeichen. Das würde bei den Beiden zwar noch eine Weile bis dahin dauern, aber der Grundstein war gelegt.

Und dann überschlugen sich die Ereignisse – Corona überraschte uns genauso wie der Rest der Welt! Daraufhin folgten immer mehr Absagen von Gästen und so nahm ich mir für 3 Wochen ein Zimmer über Airbnb. Das kam mir persönlich sehr entgegen, denn nun konnte ich meinen Privatsphäreakku wieder aufladen und einfach mal für mich sein. Das Zimmer lag direkt am Wasser, war mit 19,-€ zwar nicht so preiswert wie meine Europäischen Unterkünfte, aber für Karibische Verhältnisse doch recht preiswert. Ich bezog also mein Zimmer und genoß die Ruhe auf der Terrasse mit Blick aufs Meer. Gegen Abend setzte sich die Empfangsdame zu mir und wir plauderten, doch als ich auf ihre Frage antwortete, woher ich denn käme, sprang sie plötzlich panisch auf und meinte – was, Du kommst aus Deutschland, dann kannst Du nicht bleiben, bitte geh sofort. Ich war erschrocken und bewies ihr anhand meiner Stempel im Pass, das ich schon seit Dezember auf Grenada war und nur zwischen St. Vincent und Grenada gependelt bin, aber sie hörte schon gar nicht mehr zu. Zum Glück kam die Tochter des Hostelbesitzers dazu und schritt ein, nach Rücksprache mit ihrem Vater, konnte ich dann natürlich bleiben und bekam sogar noch ein schöneres Zimmer mit eigener Küche und Terrasse. Unglaublich, welche Panik diese Epedemie bei den Menschen hervorruft. Aber ich habe auch sehr nette Momente seit dem erlebt, denn ein Localskipper bot mir sofort eine Koje auf seinem Boot an und auch eine anderes Zimmer wäre schnell gefunden.

Wie es nun genau weitergeht weiß ich wie immer nicht. Der neue Eigner des nächsten Katamarans, ist nur bis Martinique gekommen und wartet nun auf einen Weiterflug hierher. Dann soll es hoch über Martinique auf die Bermudas gehen und rüber über den großen Teich nach Teneriffa. Wir hoffen dass sich die Lage bis dahin etwas entspannt hat. Meine geplante Sizilien Rundreise werde ich allerdings verschieben und erstmal nach Deutschland zurück fliegen. Denn um mir auf meiner Lieblingsinsel ein Häuschen kaufen zu können, muss ich erstmal meine Wohnung in Berlin verkaufen. Ja ihr lest richtig, die Sehnsucht nach einem eigenen zu Hause ist nach fast 6 Jahren dauerhaftem Reisen übermächtig geworden. Allerdings werde ich das Reisen natürlich nicht aufgeben, ich möchte dort ein kleines Hostel eröffnen und nur für die Sommermonate auf Sizilien bleiben. In den Wintermonaten möchte ich dann die Ecken der Welt erkunden, die man nicht mit dem Segelboot erreichen kann und dafür braucht es leichtes Gepäck, nicht zwei dicke Reisetaschen und einen schweren Rucksack. Segeln werde ich natürlich zwischendurch immer wieder, schließlich liegt die VEGA Herz auf Sizilien. Auch könnte ich mir vorstellen weiterhin Boote, wo immer auf dieser Welt, zu überführen, aber auch dafür muss ich flexibler werden. Auf eins freue ich mich allerdings sehr, endlich mal Land und Leute kennenzulernen und nicht nur von Bucht zu Bucht zu schippern, in denen man immer als Tourist angesehen wird.

Aber nun heißt es erstmal abwarten wie der Eigner des neuen Katamarans von Martinique nach Grenada kommt. Im worst case muss ich den alleine nach Martinique bringen und wir hoffen, dass dann dort auch wieder Crew einfliegen darf, denn sonst müssten wir wie viele andere Boote zu zweit die 3800sm zurücklegen und hoffen, das es bist dahin Nothäfen in Europa gibt. Dort sollten Quarantäne Stege vorhanden und auch eine adäquate Versorgung möglich sein, dafür sind Häfen schließlich da! Deshalb bitte ich auch hier, meine Petition zu unterstützen:

Sailing home

Karibik Antigua –> Grenada

Endlich warm, endlich Meer, endlich Karibik. Nach einem etwas umwegigen Flug, über London, bin ich auf Antigua gelandet und gleich ins Karibikflair hineinkatapultiert worden. Im Hostel Waterfront, das seinem Namen alle Ehre macht und das ich vorher über AirBnB gebucht hatte, wartete mein Sohn auf mich, eine doppelte Freude, schließlich hatten wir uns ein paar Monate nicht gesehen. Es war ein echt großes Hostel, mit 10 Zimmern, mit je 2 – 10 Betten, das von einem weißen Antiguaner und seiner amerikanischen Frau betrieben wurde. Schön bunt und weitläufig, mit einer Terrasse mit Meerblick. Abends streiften wir durch Falmouth Harbour und warteten auf die Ankunft von Hector, der mit der Salty Dawg Rallye aus Virginia ankommen sollte. Eigentlich wollte ich ja schon im Frühjahr von den Bahamas aus mit dem Hector nach Virginia fahren, aber ich bekam ja kein Visa. Nach mehreren Versuchen gaben wir es damals auf und wollten nun einen neuen Versuch, des gemeinsamen segelns, starten.

Groß war die Freude deshalb, als nach drei Tagen, die wir mit relaxen am Strand und einer Party auf den Hügeln, mit Steeldrums und Socamusik genossen, die Nachricht von Hector kam, das er im English Harbour, einem geschichtsträchtigen Hafen, eingetroffen war. Zum Glück war dieser Hafen nur eine Bucht weiter und so schnappten wir unsere Reisetaschen und bezogen endlich unsere Kojen auf dem Hector. Am nächsten Tag verabschiedete sich die alte Crew, so das wir gleich mit kleineren Reparaturen und dem Großputz beginnen konnten. Nachdem dann der neue Gast eingetroffen und der Einkauf erledigt war, legten wir auch endlich ab und fuhren ums Eck nach Jolly Harbour, da ich dieses Fleckchen Erde als absolut traumhaft, aus dem letzten Jahr, in Erinnerung hatte. Aber leider hatten wir diesmal völlig andere Bedingungen – Wellengang und Bewölkung ließen die Bucht ganz anders aussehen, nichts erinnerte an das sagenhafte Türkis.

Unser erstes Ziel von Antigua aus, war der Norden von Guadeloupe, wo wir nur eine Nacht kurz blieben, um am nächsten Morgen hinunter zu den Iles des Saintes zu segeln. Dort waren wir tatsächlich im Paradies angekommen! Insel mit Palmen Türkis wohin man schaute, kleine bunte Häuser, grüne Hügel und weiße Sandstrände. Ein Traum! Es war so schön, dass wir gleich drei Tage dort blieben und uns auf die Suche nach dem schönsten Strand machten. Das wurde nicht ganz so einfach, weil einer schöner als der andere war und wir uns einfach nicht einigen konnten. Dann ging es weiter Richtung Dominica, wo wir im Norden in der Bucht von Portsmouth ankerten. Was für ein Kulturschock, nach dem beinahe kleinbürgerlich anmutenden französischen Terre de Haut. Dominica ist echt eine vom Tourismus vergessene Insel und das trotz der Requisiten aus dem Film “Fluch der Karibik” die wir uns auf einer Rivertour ins Landesinnere ansehen konnten. Auch der Süden der Insel war noch sehr unberührt und unser Ausflug in den Regenwald, gestaltete sich als sehr abenteuerlich. Wir fuhren mit Locals per hitchhiking, mit dem Localbus für 1,-$ p.P oder liefen einfach zu Fuß zum nächsten Wasserfall. Aber es hatte sich gelohnt, denn davon gibt es auf Dominica einige, große, kleine, in Felsschluchten oder tief im Regenwald gelegen.

Nach Dominica wurde es wieder europäisch, im kleinen beschaulichen Örtchen Saint Pierre auf Martinique, mit Galette zum Frühstück und Pizza zum Abendessen. Dieses jetzt so niedliche Städchen ist voll von alten Kulturresten einer Großstadt, die vom sehr nahen Vulkan Montagne Pelée wie einst Pompei ausgelöscht wurde. Nach zwei Tagen ging es weiter nach Forte France, da wir Wasser brauchten und um abzuchecken, ob es Mechaniker in der, zum Airport nächstgelegenen, Marina gab. Wasser bekamen wir, den Mechaniker leider nicht, dabei machte unser Steuerbordmotor immer komischere Geräusche, also würden wir über kurz oder lang nach Le Marin hineinmüssen. Dort ist eine riesige Marina, mit über 700 Booten, die nur noch von den 1500 davor ankernden Booten getoppt wird, aber dafür mit allen Gewerken und Nauticshops die das Herz begehrt. Nach einer Nacht visavis des wirklich häßlichen, Hochhausüberfluteten Forte France, verzogen wir uns dann lieber erst einmal nach St. Lucia, da unser unkomplizierter amerikanischer Gast, von dort einen Flug hatte und außerdem am Freitag die weit bekannte Streetfoodparty im Örtchen Gros Islet stattfand. Schon in der Einfahrt in die Rodney Bay wurden wir von lauten Rhythmen Soca und Reggae empfangen und die machen da echt ernst die Jungs Erstauntes Smiley bis 8:00Uhr morgens.

Am nächsten morgen mussten wir erst einmal einklarieren, leider muss man das auf jeder Insel extra tun. Die Preise variieren zwischen 20,- und 150,-€$ und es dauert von 10 min bis zu 2 Stunden und die Beamten sind unheimlich wichtig und möchten auch so behandelt werden. Natürlich waren wir eine halbe Stunde zu spät dran und die Siesta schon eingeleitet, aber da das Marina Wifi ganz passabel war, überbrückten wir die Wartezeit locker. Zum Glück konnten wir auch auf einen Schlag gleich wieder für den nächsten Tag ausklarieren, denn die nächsten Gäste erwarteten uns schon wieder auf Martinique, so das wir uns nicht noch einmal in die Schlange der wartenden ARC Ankömmlinge einreihen mussten. Zurück auf Martinique ankerten wir dieses mal tatsächlich vor Le Marin und suchten als erstes einen Motorenspezialisten auf. Am nächsten Tag kamen dann unsere beiden neuen Gäste aus Deutschland an und wir verbrachten schon unseren ersten Abend sehr ausgelassen in einer Strandbar und den nächsten Tag am weißen Beach vom Hotel „Club Med“. In Le Marin gibt es einen Supermarkt, der durch seine direkte Lage am Wasser, einen Dingisteg anbietet. Diesen nutzten wir dann am nächsten Tag ausgiebig um Vorräte (wie preiswertes Bier und Käse) zu bunkern, die es nur auf den Europäischen Inseln gibt und für uns also in den nächsten Wochen unerreichbar sein würden. Nach einem weiteren Tag am Strand, und einem schulterzuckenden Motorentechniker später, ging es dann aber endlich wieder weiter Richtung Süden.

Nachdem wir die allwöchentliche Streetfoodparty in Gros Ilet diesmal verpasst hatten, erwartete uns eine andere dieser Partys im Süden St. Lucias zwischen den beiden Pitons. Ich hatte mich ja auf dem Hector zum betreuten Segeln verpflichtet und so war es für den Hector das erste mal, mit Buganker und Landleinen anzulegen. Zum Glück hatte ich das in Griechenland zur Genüge geübt und so klappte dieses Manöver, trotz ohrenbetäubendem Lärm aus den Boxen der Strandbar UND dem Piratentourischiff, das just in dem Moment vorbei fuhr, dann trotzdem und wir lagen sauber vertäut an einer Palme fest. Dies hatte dann auch zur Folge, das wir das erste mal zu einer Party schwammen, denn für die 15m lohnte es nicht das Dingi herabzulassen. Leider war das Publikum auf der Party sehr jung, so das wir recht schnell wieder zurück zum Boot schwammen, ich war selten so erfrischt nach einer Party Smiley mit herausgestreckter Zunge Noch zu erwähnen bleibt, dass mein Sohn dann etwas später von einem Localboot zurückgebracht wurde, auf dem sich auch der vermeintliche Nachbar + Kompagnon des 60ft Zweimasters befand, der noch ein wenig in der nahegelegenen Ortschaft eine angeblich andere Party besuchen wollte und uns einlud mitzukommen. Wir landeten in einer Spielothek ohne Party und fragten uns was das nun sollte. Bis uns der vermeintliche Bootseiner aufklärte, das weder er noch sein schwarzer Begleiter gar kein Boot hätte und auch nichts mit dem Zweimaster neben uns zu tun hatte. Als wir dann unser Bier ausgetrunken und bezahlt hatten und jener “Bootseigner” uns das Rücktaxi gerufen hatte, ging uns bei der Rechnungssumme des Localbootstaxis auf, warum wir mitgenommen wurden. Es ist schon eigenartig, wie sehr man einem Schwarzen glaubt, nur weil er einen Weißen bei sich hat, der ein Hemd anhat und einem das blaue vom Himmel erzählen kann. Aber wir haben darüber noch ein paar Tage herzhaft lachen können.

Weiter ging´s nach St. Vincent, wo wir endlich einmal eine Bucht für uns ganz alleine hatten. Der Mouringboy holte uns dann auch abends ab, damit wir unser Vorweihnachtsmenue in Rosi´s Restaurant, einer dort ansässigen Deutschen, zelebrieren konnten. Der ortstypische Rum tat dann sein übriges und so schwankten wir ausgelassen zu unserem Wassertaxi zurück und wurden dann urplötzlich ernüchtert, als sich eine fette Welle in das Langboot des Mouringboys ergoss, eine Mitseglerin fast darin ertrank und der Mouringboy unters Boot geriet. Klatschnass kamen wir dann irgendwann doch auf dem Hector an und konnten auch hier wieder herzhaft über diese Adventure lachen. Beim einklarieren gleich nach Ankunft, erfuhren wir, das sich eine Bucht weiter in der Wallibou Bay wieder ein original Drehort aus Fluch der Karibik befand und da wir am nächsten Tag schon gleich auf der nächsten Insel landen würden, nahmen wir uns noch einem Tag Segelauszeit. Wir besuchten einen kleinen Wasserfall und eben das “Port Royal” und “Tortuga” aus Fluch der Karibik, das immernoch mit authentischen Requisiten ausgestattet ist. Ein würdiger Heiligabend, wie wir fanden, der mit einem nachmittäglichem Segeltag nach Bequia abgerundet wurde, um dort an einer Strandbar gebührend zu feiern.

Am nächsten Morgen ging es dann weiter nach Canuan, wo wir von einem Fischer einen Barracuda abkauften, mit dem wir auf Facebook ein großes Hallo hervorriefen, da diese Tiere den Ciguatera-Virus in sich tragen können. Da unser Exemplar aber sehr jung und auch recht klein war, bereiteten wir ihn köstlich zu und verspeisten ihn zu fünft, ohne irgendwelche Nachwirkungen. Und dann ging´s endlich in die Tobago Cays, diesen traumhaften Inseln, die man von den Fototapeten und aus der Werbung kennt. Wir schnorchelten dort ganze drei Tage, sahen Schildkröten, Kofferfische, Haie und Mantas, ließen uns mit Lobster verwöhnen und tranken Rumpunsch mit dem typischen 86% Rum Sunrise. Es war eine sehr ausgelassene Zeit und wir schwelgten in unserem Glück, solch einen schönen Ort besuchen zu dürfen. Hätten wir nicht des Skippers bessere Hälfte auf Grenada aufnehmen müssen, währen wir wohl nie wieder von dort weggefahren, aber so trieb es uns weiter. Eine kurze schwellige Übernachtung auf Ronde Island und ein Tag im Norden Grenadas, im kleinen beschaulichen Städtchen Gouyave, weiter kamen wir auch Silvester immer näher, das wir dann erst mit Burgern in.  Umbrellas Beach Bar und dann auf einem Straßenfest direkt in St.George bei einem großartigen Feuerwerk würdig feierten.

Dort verabschiedete ich mich von einem großartigen Jahr 2019 Martiniglas Wo war ich alles gewesen, was hatte ich alles gesehen und erlebt. 17 verschiedene Länder/Inseln in nur 12 Monaten. Ich habe erst die nördliche Karibik besegelt, hab 3 Monate im Hostel Humehouse.com als Volunteer gearbeitet, bin über Cuba um die halbe Welt in die griechische Ägäis geflogen, hab den Sommer in Griechenland um Athen verbracht, um dann mit meiner heißgeliebten VEGA nach Sizilien zu fahren. Ich bin allein durch Marokko gereist und dann über London wieder zurück in die Karibik geflogen, um dort nun den Süden zu erkunden. Eigentlich ist es unfassbar, dass ich das alles erleben darf, ich bin so unsagbar glücklich und dankbar und hoffe, dass ich so noch ein paar Jahre leben kann. Allerdings wird der Wunsch nach einer Homebase auch immer präsenter, nach einem Ort an den ich in den Sommermonaten einfach nur sein kann, der vielleicht noch ein wenig Geld abwirft, damit ich im Winter weiter reisen kann. Denn 12 Monate im Jahr reisen, ohne Pause, nie länger als mal eine Woche an einem Ort zu sein und immer mit all meinem Hab und Gut durch die Welt zu jetten, ist unheimlich anstrengend. Ich würde gerne mal wieder zur Ruhe kommen, alles verarbeiten und mich wieder auf das nächste Abenteuer freuen. Zum jetzigen Zeitpunkt, habe ich allerdings dafür noch keine Lösung gefunden. Natürlich gibt es Gepäckaufbewahrungen, aber die kosten auch 5,-€ am Tag.

Vielleicht verkaufe ich also meine Wohnung in Berlin und kaufe mir tatsächlich auf Sizilien ein kleines Haus am Meer, das mir den Sommer über ein Zuhause bietet, das ich mit Hostelgästen teilen kann. Vielleicht miete ich auch ein Häuschen dort, was allerdings das Risiko birgt vielleicht im Winter auf der Miete hängen zu bleiben, zumal ich dann auch kein Geld für den Ausbau hätte. Vielleicht finde ich aber auch einfach ein Hostel, in dem ich im Sommer arbeiten kann und dann dort mein Gepäck parken kann, um im Winter zu reisen. Ich würde ungern wieder den ganzen Sommer skippern müssen, um meine Reisekasse zu füllen, denn dann wäre ich ja wieder dauerhaft unterwegs. Aber ich hab ja noch ein wenig Zeit mir, während ich bis Mai alle Inseln um Grenada oder vielleicht sogar bin nach Trinidad/Tobago erkunde, darüber Gedanken zu machen. Im schlimmsten Fall, mache ich einfach weiter wie bisher Insel mit PalmenSonneSmiley mit herausgestreckter Zunge

PS. vereinzelt gibt es noch freie Kojen!