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Grenada und die Grenadinen

Nun bin ich also schon wieder fast 3 Monate auf Grenada und deren umliegenden Inseln, den Grenadinen. Ich habe gefühlt jede Insel wenigstens 3x gesehen, bin mit Schildkröten, Mantas, Kofferfischen und auch Riffhaien geschnorchelt. Habe ausgelassene Abende an Strandbars verbracht, an schneeweißen Sandstränden gechillt, in türkisfarbenen Wasser gebadet, Wasserfälle im Landesinneren besichtigt und bin natürlich gesegelt was das Zeug hält.

Wir machten Halt vor Sandy Island, einer völlig unbewohnten Insel, wie aus der Werbung, mit weißem Sandstrand, bedeckt von Palmen, mit glasklarem Wasser umgeben, mit tausendenden von Fischen und Pelikanen, die dort ein ‘All you can eat Buffet’ vorfanden. Wir ankerten in der Salt whistle Bay, der schönsten Bucht der Karibik und chillten in BeachBars mit Füßen im Sand. Erkundeten die Insel Mayreau zu Fuß und genossen den wahnsinnigen Ausblick von deren höchsten Punkt und ließen uns dann mit einem Speedboot Wassertaxi in rasender Geschwindigkeit wieder zurück bringen. Wir schwammen bis zur Ermattung gegen die Strömung zurück zum Hector, nachdem wir uns die Unterwasserskulpturen vor Grenada angesehen hatten. Wir trafen Freunde, mit denen ich auf Facebook Kontakte hatte und lernten neue Segler kennen, mit denen wir wirklich schöne Stunden verbrachten und Erfahrungen austauschten. Ich weiß jetzt das Brotfrucht wie Bratkartoffeln und Christopher wie Rettich schmeckt, das weiße Seeigel süßlich und Schwarze eher wie Kaviar schmecken und habe noch einige andere kulinarische Variationen, wie Fischsuppe, kennengelernt, die man allerdings mögen muss Zwinkerndes Smiley

Und dann passierte, was ich nie für möglich gehalten hätte – das Paradies fing mich an zu langweilen. Plötzlich sahen alle Strände gleich aus, das Wasser war türkis wie immer, der goldgelbe Rumpunch nur noch ganz nett. Ich freute mich nicht mehr auf den nächsten Lobster, der doch beim ersten mal so unglaublich lecker war und ich merkte nur an der Reaktion der Gäste, wie unglaublich schön doch alles um mich herum war. Und wir hatten wirklich tolle Gäste, die begeisterungsfähig und gut gelaunt waren, mit denen ich tolle Gespräche führte und ausgelassen lachen konnte. Wieder sind tolle Freundschaften entstanden. Aber ich merkte auch immer mehr, wie sehr ich mir Privatsphäre wünschte, aufstehen wann ich es wollte, essen was ich mochte und meinen Tag gestalten wie ich es gerne hätte. Einfach mal zu sein, ohne mich nach anderen richten zu müssen. Aber das geht auf 44ft mit 4-8 Personen eben nicht. Es ist wie auf einer tollen Party, auf der man aber der Gastgeber ist und nicht einfach gehen kann, wenn man genug hat.

Genau in diesem Moment bekam ich die Nachricht, dass sich die Partnerin eines befreundeter Skippers einen Katamaran in Grenada gekauft hatte und den nach Europa überführen wollte. Was für eine Chance, die ganz mein ökologischen Herz ansprach und zudem würde sich der Kreis für mich schließen. Ich schlief 1-2 Nächte darüber und da der Skipper des Hector inzwischen Unterstützung von seiner Freundin bekommen hatte, war dieser neue Deal dann schnell geschlossen und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich betreute die Beiden noch eine Weile und spielte Segellehrerin, so dass zukünftig die Beiden auch gemeinsam klar kamen. Schließlich waren der Skipper und ich inzwischen ein eingespieltes Team, wir hatten einige Änderungen vorgenommen um das handling zu vereinfachen und verstanden uns inzwischen per Handzeichen. Das würde bei den Beiden zwar noch eine Weile bis dahin dauern, aber der Grundstein war gelegt.

Und dann überschlugen sich die Ereignisse – Corona überraschte uns genauso wie der Rest der Welt! Daraufhin folgten immer mehr Absagen von Gästen und so nahm ich mir für 3 Wochen ein Zimmer über Airbnb. Das kam mir persönlich sehr entgegen, denn nun konnte ich meinen Privatsphäreakku wieder aufladen und einfach mal für mich sein. Das Zimmer lag direkt am Wasser, war mit 19,-€ zwar nicht so preiswert wie meine Europäischen Unterkünfte, aber für Karibische Verhältnisse doch recht preiswert. Ich bezog also mein Zimmer und genoß die Ruhe auf der Terrasse mit Blick aufs Meer. Gegen Abend setzte sich die Empfangsdame zu mir und wir plauderten, doch als ich auf ihre Frage antwortete, woher ich denn käme, sprang sie plötzlich panisch auf und meinte – was, Du kommst aus Deutschland, dann kannst Du nicht bleiben, bitte geh sofort. Ich war erschrocken und bewies ihr anhand meiner Stempel im Pass, das ich schon seit Dezember auf Grenada war und nur zwischen St. Vincent und Grenada gependelt bin, aber sie hörte schon gar nicht mehr zu. Zum Glück kam die Tochter des Hostelbesitzers dazu und schritt ein, nach Rücksprache mit ihrem Vater, konnte ich dann natürlich bleiben und bekam sogar noch ein schöneres Zimmer mit eigener Küche und Terrasse. Unglaublich, welche Panik diese Epedemie bei den Menschen hervorruft. Aber ich habe auch sehr nette Momente seit dem erlebt, denn ein Localskipper bot mir sofort eine Koje auf seinem Boot an und auch eine anderes Zimmer wäre schnell gefunden.

Wie es nun genau weitergeht weiß ich wie immer nicht. Der neue Eigner des nächsten Katamarans, ist nur bis Martinique gekommen und wartet nun auf einen Weiterflug hierher. Dann soll es hoch über Martinique auf die Bermudas gehen und rüber über den großen Teich nach Teneriffa. Wir hoffen dass sich die Lage bis dahin etwas entspannt hat. Meine geplante Sizilien Rundreise werde ich allerdings verschieben und erstmal nach Deutschland zurück fliegen. Denn um mir auf meiner Lieblingsinsel ein Häuschen kaufen zu können, muss ich erstmal meine Wohnung in Berlin verkaufen. Ja ihr lest richtig, die Sehnsucht nach einem eigenen zu Hause ist nach fast 6 Jahren dauerhaftem Reisen übermächtig geworden. Allerdings werde ich das Reisen natürlich nicht aufgeben, ich möchte dort ein kleines Hostel eröffnen und nur für die Sommermonate auf Sizilien bleiben. In den Wintermonaten möchte ich dann die Ecken der Welt erkunden, die man nicht mit dem Segelboot erreichen kann und dafür braucht es leichtes Gepäck, nicht zwei dicke Reisetaschen und einen schweren Rucksack. Segeln werde ich natürlich zwischendurch immer wieder, schließlich liegt die VEGA Herz auf Sizilien. Auch könnte ich mir vorstellen weiterhin Boote, wo immer auf dieser Welt, zu überführen, aber auch dafür muss ich flexibler werden. Auf eins freue ich mich allerdings sehr, endlich mal Land und Leute kennenzulernen und nicht nur von Bucht zu Bucht zu schippern, in denen man immer als Tourist angesehen wird.

Aber nun heißt es erstmal abwarten wie der Eigner des neuen Katamarans von Martinique nach Grenada kommt. Im worst case muss ich den alleine nach Martinique bringen und wir hoffen, dass dann dort auch wieder Crew einfliegen darf, denn sonst müssten wir wie viele andere Boote zu zweit die 3800sm zurücklegen und hoffen, das es bist dahin Nothäfen in Europa gibt. Dort sollten Quarantäne Stege vorhanden und auch eine adäquate Versorgung möglich sein, dafür sind Häfen schließlich da! Deshalb bitte ich auch hier, meine Petition zu unterstützen:

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