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Winterlager

fb_img_1475670454502Nun sind also auch wir angekommen im Winterlager. Von Gibraltar aus, haben wir noch einen kurzen Stopp in Malaga eingelegt, um dort noch 2 Tage mit den Kindern, die aus Marokko wiederkamen, zu verbringen. Die Berichte waren bunt und voll des Lobes, so dass wir uns jetzt schon darauf freuen uns davon selbst zu überzeugen, auch wenn das noch ein paar Jahre warten muss. Malaga ansich ist auch eine schöne Stadt, sehr gepflegt und sauber, mit einer netten Altstadt und einer irren Burganlage “Alcazaba” aus dem achten Jahrhundert. fb_img_1475670504511Wie ein Labyrinth schlängelt sie sich den Berg hinauf und erinnert immernoch an einen maurischen Palast, in dem man quasi noch die Töpfe klappern hört. Leider wollten wir nicht länger bleiben, denn auch wir hatten nun die Mittelmeerpreise erreicht und bei 50,-€ pro Nacht, vergehen einem die Sightseeingtouren. Im Winter werden wir aber sicher noch öfter dort sein, die Burg alleine lohnt schon einen nochmaligen Besuch! Ansonsten ankerten wir noch ein paar mal und genossen einfach die Landschaft und die verbleibenden Badebuchten, nur in Motril mussten wir ein paar Tage einen Starkwind abwettern um dann schnurstracks nach Almerimar durchzufahren.

fb_img_1475670639860Almerimar ist eine künstlich angelegte “Luxusurbanisation”, wahrscheinlich mit EU Geldern gefördert, denn die Häuser stehen Großteils leer und auch die Marina ist nicht ausgelastet. Schade eigentlich, denn es ist ein wirklich nettes Örtchen, mit super moderaten Preisen. Wir haben hier alles was man braucht- von Restaurants, Geschäften über einen Supermarkt, sogar eine Fitnessstrecke am Meer entlang, ein Schwimmbad in einem Hotel und ein Golfplatz ist nebenan. Am sympathischsten ist aber die hiesige TO-Stützpunktleiterin, die uns gleich am Tag unserer fb_img_1475670619167Ankunft willkommen geheißen hat. Unabhängig von ihrer Herzlichkeit, gibt es nichts was sie nicht besorgen oder organisieren kann und somit werden unsere geplanten Arbeiten schnell Fortschritte nehmen und da gibt es einiges zu tun! Als erstes wollen wir die Batterien aufstocken, wo bisher 200Ah als Verbraucher vorhanden waren, wollen wir zusätzlich zur Starter-, Ankerwinsch/Bugstrahlruderbatterie noch 4 x 100Ah als Verbraucher nachrüsten. Sollte das nicht reichen bzw. die Ladekapazität der Solarpanelle nicht ausreichen, werden die auch noch aufgestockt. Des weiteren wollen wir den viel zu kleinen Einstieg am Heck vergrößern und gleich eine Badeplattform incl. Leiter anbringen. fb_img_1475670582878Dann müssen die Dichtungen des WCs erneuert und ev. die Auslässe versetzt bzw. die Seeventile erneuert werden. Die Hydraulik der Steueranlage muss überprüft werden und wir denken über einen Pinnenpilot für unser Notruder nach. Lazyjacks fürs Groß wären noch toll, das Dingi muss endlich dauerhaft geflickt werden, ein neuer Außenborder muss her und das Deck soll komplett abgeschliffen und versiegelt werden. Uns wird also ganz sicher nicht langweilig über Winter Smiley mit herausgestreckter Zunge

fb_img_1475670601182Wir wurden oft gefragt warum wir nicht gleich in die Karibik weitersegeln und wir haben viele Gründe das noch nicht zu tun. Nach knapp 2500sm haben wir genug Erfahrung gesammelt um einschätzen zu können, dass noch eine Menge am Schiff optimiert werden muss. Wir wollen einfach sicher gehen, dass wir auch dort drüben ankommen. Abgesehen davon ist das Mittelmeer einfach viel zu schön um es auszulassen, denn wer weiß ob wir je wiederkommen wenn wir einmal den Duft der großen weiten Welt geschnuppert haben. Außerdem sind unsere Kinder noch in einem Alter, wo sie schnell nochmal Rat und Tat benötigen oder einfach nur Sehnsucht nach uns haben, sfb_img_1475670558047o dass ein Flug mal eben schnell und kostengünstig zu bewerkstelligen ist. Auch bekommt man hier noch relativ unkompliziert alle Ersatzteile oder kann sie sich aus Deutschland schicken lassen, da drüben ist das dann nicht mehr so einfach. Wir müssen ja nicht hetzen, schließlich haben wir Zeit und wenn wir in 1-2 Jahren über den großen Teich aufbrechen, auch genug Erfahrung um uns dieser Herausforderung zu stellen.

fb_img_1475670626469Jetzt noch ein paar Zahlen für die Neugierigen… wir sind, wie oben schon vermerkt, genau 2460sm in 5 Monaten, also 152 Tagen, durch 6 Länder gesegelt. Wir haben 2936,68€, also im Schnitt 587,34€ im Monat/19,32€ pro Tag, allein für Liegegebühren ausgegeben. Für den Winter zahlen wir nur 1267,-€ fürs halbe Jahr, das ist moderat und für die anstehenden Optimierungsarbeiten unabdingbar. Im nächsten Jahr muss/wird sich das aber gravierend ändern, wir werden versuchen viel mehr zu ankern und autark zu leben. Mit den geplanten Lebens- und Genussmitteln hingegen sind wir gut ausgekommen, mit 3036,74€ also ungefähr 600,-€ im Monat für zwei, zeitweilig auch drei oder zuletzt sogar vier Personen incl. Essen gegen, ist das völlig okay. Für Diesel haben wir, dank der widrigen Wetterbedingungen im Atlantik, insgesamt 1161,93€ ausgegeben, das ist mit 232,39€ im Monat schon recht viel, aber im nächsten Jahr müssen wir dann ja nicht mehr irgendwo ankommen, haben kaum Herbststürme und schwierige Strecken zu bewältigen, so dass wir versuchen werden vorrangig zu segeln. dsc_0786Der Posten Internet/Telefon, Wäsche und Seekarten, mit 572,18€ also 114,44€ im Monat, wird hingegen bleiben bzw. hier in Almerimar wohl sogar teurer werden, da wir die Wäsche ins Waschzentrum geben müssen und kein bzw. nur sehr teuren WLAN hier haben, also über SIM-Karte ins Internet gehen müssen. Bei Seekarten schwört der Seebär auf Papier, deshalb wird auch das sich nicht ändern, aber wir versuchen sie gebraucht wieder zu verkaufen, wer also Interesse hat: ebay. Ersatzteile, Zubehör und Versicherungen lassen sich wohl auch in Zukunft schwer minimieren, so das wir mit den bisherigen 2371,70€ wohl auch in Zukunft werden leben müssen. Wir werden also ab diesen Monat hoffentlich nicht mehr um die 1900,-€ ausgeben müssen, da sich sowohl die Liegegebühren als auch der Diesel verringern werden. Ziel ist es auf insgesamt 1000,-€ im Monat zu kommen, mal schauen ob wir das bis Ende nächsten Jahres hinbekommen Zwinkerndes Smiley ich bin dank meine Mittelmeererfahrungen aus dem letzten Jahr ganz zuversichtlich!

20161005_124128-11Zum Schluss noch ein paar Worte über all die lieben Leute die wir unterwegs kennenlernen durften- es ist schon ein ganz besonderer Schlag Mensch. Die Einen die nur ein paar Monate auf ihrem Schiff verbringen, andere wiederum leben ganzjährig darauf und bereisen die Welt, oder auch immer wieder mal. Oft kommen die Frauen nur zeitweilig hinzu, weil das Haus/Kinder/Tiere noch versorgt werden müssen, meist aber ist es der Traum der Männer, den die Frauen mit unterstützen. In jedem Fall sind sie rastlos, von Fernweh gebeutelt und spontan. Allein die deutsche Flagge reicht aus, um sich auf ein Bier einzuladen und die bisherigen Erlebnisse, Tipps und Tricks auszutauschen. Sehr spannende Gespräche haben wir geführt und wir freuen uns sehr auf noch viele weitere!

Englischer Kanal

13450170_1170880009599995_7492857931266397833_nEndlich fängt es an Landschaftlich schön zu werden. Denn bisher war an den Küsten nur Flachland zu sehen, die Marinas lagen in Industriehäfen und die Städte luden selten ein zu verweilen. Die Bretagne ist saftig grün, mit Bergen an Land und vielen Felsen im Wasser, die kleinen Städtchen, wie Saint Malo, Treguier und Roscoff sind wie aus dem Märchen und dank der Fußball-EM meist Menschenleer. Man könnte meinen ins Mittelalter versetzt worden zu sein, es macht großen Spaß jeden Ort zu entdecken und jede längere Flussfahrt ins Landesinnere zwischen den Hügeln entlang ist den Umweg wert. Dafür sind diese Felsen im Wasser sogar nicht spaßig, bei Hochwasser lauern sie unter Wasser und bei Niedrigwasser ragen sie oft Meterhoch erschreckend vor einem auf. Somit gesellen sich also zur Tide von 12m und 3-4 Bft Wind gegenan, nun auch noch Untiefen die man oft weiträumig umfahren muss. 13434685_1174501149237881_4216612068673731262-_nAn vielen Häfen muss man erst vorbei fahren, um sich dann von hinten links durch ein Labyrinth von Felsen zu schlängeln. Unsere Taktik, oft erst Spätabends in die Marinas einzulaufen, um eine Übernachtungsgebühr zu sparen, geht in den meisten Fällen auf, ist allerdings nur möglich, weil es so lange hell ist. Leider ist das Wetter hier sehr unbeständig, fährt man morgens bei herrlichstem Sonnenschein los, heißt das noch lange nicht, dass man nicht unterwegs wenigstens einmal in einen Regenschauer gerät, von dichtem Nebel überrascht wird, oder der Wind plötzlich von 2 auf 5 Bft aufbrist, natürlich aus genau der falschen Richtung. Der Englische Kanal ist also kein schönes Segelrevier, auch wenn die Kanalinseln toll sein sollen, konnten wir sie uns nicht wirklich ansehen. In unserem Revierführer, Reeds Nautical Almanac, stand für St.-Peter-Port zwar 4,5m Wassertiefe im Hafen, aber bei Niedrigwasser schaukelte unser Schiff plötzlich nicht mehr, wir saßen auf. 13466393_1173198542701475_9145935393177557364_nIn solchen Situationen lässt Du Dein Zuhause nicht gern länger allein, da muss dann eine kurze Stadtbesichtigung ausreichen. Und wieder konnten wir dank der Tide den Hafen erst um 17:00Uhr verlassen. Auf Jersey kamen wir erst gar nicht in den Hafen bzw. hätten wir nach 9 Stunden Fahrt und einer Ankunft nachts um 2:00Uhr, unseren Schlaf am Warteponton nach nur 3 Stunden unterbrechen müssen um zum auflaufenden Wasser in den Hafen zu können. Es sind dort Stufen (Sill) in die Hafeneinfahrt eingelassen, so dass die Marina auch bei Niedrigwasser genug Wasser behält, man aber nur 2-/2+h Hochwasser dort einlaufen kann. Da der Hafen schon wieder im Industriegebiet lag und kaum zum längeren Aufenthalt einlud, zogen wir es also vor, bis 9:00Uhr auszuschlafen und dann nach Saint Malo weiterzufahren. Sicher verpasst man so sehr viel, aber man kann sich nicht alles ansehen. Das musste ich mir in Saint Malo dann auch immer wied13442323_1174367219251274_7424243412562082781_-ner sagen, denn wir konnten trotz längerem Aufenthalt nicht auf einen Abstecher nach Saint Michel, dieser wunderschönen alten Kathedralinsel, fahren. Mit dem Schiff ist es, da trockenfallend, unmöglich und ein Mietwagen ist in Frankreich unter 85,-€ nicht erhältlich. Dieses Geld steckten wir dann lieber zum wiederholten mal in die Reparatur unserer Seewasserpumpe, die seit einiger Zeit Salzwasser in unsere Bilge und nicht zur Kühlung in den Motor pumpte. Aber irgendwas ist ja immer und es wäre ja auch langweilig wenn immer alles reibungslos ablaufen würde. So tasten wir uns eben langsam die französische Küste entlang, ab und an begleitet von Delfinen, die neugierig schauen wer wir sind. Ein Stück wollen wir noch in die Biskaya hineinfahren, um dann von Lorient aus nach Gijon in Spanien zu fahren. Wenn alles klappt, werden wir zu viert sein um diese 270sm zu meistern, aber zur Not fahren wir das auch alleine, schließlich müssen wir uns auch an solche Törns gewöhnen.

13417553_1172230232798306_6788490362686823993_nWir wurden nun schon oft nach den Kosten gefragt. Im letzten Monat lagen wir tatsächlich bei 2200,-€  das teilt sich auf in ca. 600,-€ Liegegebühren, 400,-€ Grundnahrungsmittel, 200,-€ Diesel, 200,-€ Wäschewaschen/ Telefongebühren/ Restaurants. Der größte Posten sind tatsächlich die Reparaturen 800,-€ für das Masten legen/stellen, neue Wantenspanner und vor allem die Reparatur der Seewasserpumpe. Wenn man also wenigstens an den Liegegebühren sparen kann und die Reparaturen sich nicht mehr so häufen, wird es überschaubarer. Aber vielleicht ist es auch illusorisch, denn unser Kartenplotter spinnt seit ein paar Tagen, erst ging er einfach mal zwischendurch aus und nicht mehr an und seit neuestem reagieren keine Tasten mehr, auch nicht die Zoomtaste, so dass man zwar in 500-1000m noch alles sehen, aber nicht weiter rauszoomen kann. Also habe ich mir Navionics auch fürs Tablett heruntergeladen, 13407133_1169655426389120_2315662457430239629_naber da das nun alles andere als Wetterfest ist, wird das zu den Papierkarten keine Dauerlösung sein und ein neuer Plotter her müssen. Na mal schauen wann sich dieser größere Posten in unsere Kosten einschleicht. ^^ Diesen Monat werden die Liegegebühren z.B. noch höher sein, dafür aber die Reparaturkosten geringer, hoffentlich. Auch werden wir in Zukunft an Diesel sparen, denn im Moment überlegen wir nicht lange, dann doch lieber bei ungünstigem Wind einen Tag zu motoren, statt noch eine Nacht in der Marina zu liegen um dann festzustellen, dass der Wind doch nicht gedreht hat. Wir wollen schließlich vorwärtskommen, weg vom kalten Grau in den warmen Süden, ich hab selten einen so kalten und nassen Sommer erlebt und vor allem weg von diesen teuren Marinagebühren und/oder endlich in Buchten ankern. Also heißt es Zähne zusammenbeißen und durch Smiley

Sardinien

JpegDie Insel hat mich freundlich aufgenommen und ich habe bisher nur gute Erfahrungen gemacht. In meinem Hotel in Olbia angekommen, habe ich mich erst einmal in der Stadt umgesehen. Nur schade dass die Altstadt nicht so schön wie die in Spanien war, ich glaub ich bin da inzwischen ein wenig verwöhnt. Viele Geschäfte und Restaurants standen leer, die Häuser wirkten von außen verwahrlost und in dem schönsten Restaurant, waren die Toiletten schmutzig und ohne Clodeckel. Eigenartig, geht es den Italiener so viel schlechter als den Spaniern? Mein Hotel war indessen sehr sauber, endlich mal wieder in einem großen Bett schlafen, in dem man sich nicht Nachts überall stieß, nur schaukelte nix, aber irgendetwas ist ja immer. Das eigene Bad, mit warmen Wasser aus der Wand und das ausgewogene Frühstücksbuffet entschädigte dafür.

IMG_44697566105180UND ich habe endlich meinen neuen Laptop! Ein sehr lieber Skipper brachte ihn mir von Mallorca mit, nachdem eine Anderer ihn für mich in Empfang genommen hatte und ich fuhr mit der Bahn von Olbia nach Cagliari und schaute mir auch diese Stadt gleich mit an. Aber auch hier das gleiche Bild, viele leere Geschäfte und Restaurants und leider recht phlegmatische bis unfreundliche Italiener. Und nein, es lag nicht an der Vorsaison! Dafür aber war alles ziemlich teuer, sowohl die Marinas als auch die Supermärkte und Restaurants. Ich genoss jedoch die 5 Tage und freundete mich mit meinem neuen Schätzchen an, wie schön das es so viele hilfsbereite Segler gibt!

IMG_44714846317568Ansonsten hat auch diese eine Woche im Hotel, trotz 36,-€ pro Nacht, kein allzu großes Loch in meine Kasse gerissen, denn ich habe ja am Essen gespart und hab mir im Supermarkt etwas gekauft. Im übrigen bin ich recht zufrieden mit meinen Ausgaben, denn im Gegensatz zu den teuren Wochen auf Gran Canaria, die mit 700,-€ für 4 Wochen zu buche schlugen, habe ich auf der “Sioned” nur 350,-€ für 4 Wochen ausgegeben, hingegen auf dem Charterboot die 350,-€ gerade mal 2 Wochen gereicht haben. Es macht auf jeden Fall etwas aus mit Jemandem zu reisen, der mit Geld umgehen kann und lieber kocht statt essen zu gehen. Auch spart man, wenn man mehr segelt, als motort und auch lieber in Buchten ankert als in teure Häfen zu gehen. Meine Idee im Schnitt mit 500,-€ einen ganzen Monat leben zu können, geht also auf und das im doch so viel beschrienen teuren Mittelmeer.

Am Donnerstag fuhr ich dann mit Sack und Pack mit dem Bus zum Porto San Paolo, dort warteten schon meine neuen “Gasteltern” auf mich, die doch tatsächlich all meinen Kram mit dem Dingi trocken aufs Boot brachten. Dort angekommen wurde ich sehr herzlich empfangen und richtete mich häuslich in der extra für mich hergerichteten Bugkabine ein. Wie schön war es doch wieder auf einem liebevoll eingerichteten Eignerschiff zu sein. Jetzt konnte das nächste Abenteuer beginnen!