Desastership

Ich sollte tatsächlich Lotto spielen! Man sollte meinen, der Blitz schlägt nur einmal an ein und der selben Stelle ein, aber nein – ich bins! Aber der Reihe nach…

IMG_79397589877496Nach exakt einem Monat Gran Canaria, bin ich nun am Samstag von Las Palmas nach Malaga geflogen. Von dort wollte ich mit einer Mitfahrgelegenheit nach Almerimar, einem noch recht neuen Stadthafen in Andalusien. Dort lag ein Schiff, mit dessen Eigner ich schon im letzten Jahr kurz geschrieben hatte und der mir angeboten hatte mit ihm mitzufahren. Er hatte hier über den Blog mitverfolgt wie es mir ergangen ist und sich nun wieder gemeldet. Mir kam das natürlich gerade recht, da ich zwar nun nicht ins Mittelmeer hinein segeln konnte, so aber dennoch von Westen nach Osten reisen konnte um dann das Mittelmeer zu erkunden. Der Flug war recht unproblematischen und auch meine erste Fahrt, mit einer Mitfahrgelegenheit über blablacar.es, funktionierte hervorragend. Ich kann das jedem nur empfehlen und werde das in Zukunft jeder Busfahrt vorziehen! Meist kann man sich mit dem Fahrer vorher absprechen und für 1-3 Euro mehr, sogar Umwege vereinbaren. In meinem Fall wurde ich direkt am Flugplatz eingesammelt und vor der Marina abgesetzt. Mit dem Bus hätte ich zudem 3x so lange gebraucht und hätte 2x umsteigen müssen. Auch konnte ich so mein englisch ein wenig aufpolieren, denn der Fahrer konnte ja kein deutsch und ich kein spanisch. Es war eine wirklich angenehme Fahrt!

Der Skipper der „La Desaster“ (Name geändert) wartete schon auf mich, er hatte sich wirklich Mühe gegeben und leckere Spagetti Bolognese gekocht. Wir plauderten auch erst einmal entspannt, es war eine angenehme Atmosphäre. Als ich ihn dann fragte wo ich meine Sachen unterbringen könne, meinte er dass das noch ein Problem wäre. Er schrieb mir ja schon im letzten Jahr, das sich die Beziehung zu seiner Frau dem Ende zuneigen würde und er das Schiff dann nicht alleine segeln könne und wolle. Vor zwei Woche schrieb er mir dann, das sie nun endgültig ausgezogen wäre und er gegen Ende des Monats das Winterlager endlich verlassen möchte und dafür meine Hilfe bräuchte. Nun erfuhr ich aber das seine Exfrau ihre kompletten Sachen noch auf dem Schiff hatte, deshalb wäre nun auch nirgendwo Platz für meine. Sie wolle aber demnächst kommen und alles abholen, solange müsste ich eben noch aus der Reisetasche leben. Die Achterkajüte war zudem auch noch mit Werkzeug belegt, allerdings würde die bis zum Dienstag freigeräumt sein müssen, da dann ein Bekannter von ihm für ein paar Tage zu Besuch käme. Somit musste ich erst einmal im Salon schlafen, aber Hauptsache ein Dach über dem Kopf! An den nächsten beiden Tagen räumten wir also und putzten und so ganz nebenbei erfuhr ich, dass besagte Exfrau seinen Bekannten begleiten würde! Mir war ehrlich nicht wohl bei dem Gedanken, zumal ich inzwischen festgestellt hatte, das er noch lange nicht über diese Trennung hinweg war. Der Dienstag war also schnell heran und ich verzog mich für die Ankunft des Besuches lieber vom Schiff, zum Glück hatte ich schon wieder gute Kontakte geknüpft und bekam bei den „Kaisis“ zwei Boote weiter auf der „Blue Magic“ Asyl. Die beiden waren alles andere als überzeugt, das die Exfrau friedlich ihre Sachen abholen würde, da sie diverse Streitereien mitbekommen hatten. Wir warteten also gemeinsam gespannt mit Poppkorn und Rotwein und was dann passierte, war echt Filmreif!!! Die Exfrau kam und fing Augenblicklich an herumzukeifen, das er sofort seine Sachen zusammen packen solle, da nämlich (und jetzt kommt’s) das Schiff auf ihren Namen laufen würde und SIE somit Eignerin wäre. Sie kramte dann ihre persönliches Papiere zusammen und meinte, sie würde jetzt gehen und wenn sie wiederkäme, hätte ich und auch er von Bord zu sein, sonst würde sie die Polizei holen! Sobald sie weg war, sicherte ich mir sofort meine Sachen, so wie diese Frau drauf war hätte ich ihr zugetraut das sie meine Sachen ins Wasser wirft und auf Polizei hatte ich auch mal so gar keine Lust. Ihr Mann wurde dann tatsächlich am selben Abend noch von der Polizei abgeholt, musste in der Zelle übernachten und durfte am nächsten Tag seine Sachen unter Polizeischutz vom Boot holen. Nun darf er sich ihr und dem Schiff nur auf 50m nähern und ist jetzt bei Bekannten auf dem Boot. Mein Gott, was tun sich Menschen an, da müssen sich irrsinnig viele Enttäuschungen und Verletzungen aufgestaut haben, um so zu reagieren, zumal ich erfuhr dass er den größten finanziellen Anteil am Schiff hat. Mir war das einfach zu viel Aggressivität, in so etwas wollte ich nicht hineingezogen werden, ich will doch einfach nur segeln!!!

sioned3_mm1Ich konnte also meine Sachen erst einmal bei den Kaisis unterstellen und zur Not auch für diese Nacht bei ihnen im Salon schlafen. Aber ich hatte zufällig schon in Las Palmas mit einem Skipper geschrieben, mit dem ich vor ca. 2 Jahren schon einmal Kontakt hatte und der mir ab Juni eine Mitsegelgelegenheit anbot. Er lag zufällig mit seiner wirklich schönen Amel Maramu 46 auch in Almerimar und wir wollten einfach nur mal nen Kennlernkaffee miteinander trinken. Wir sind uns dieser Tage schon 1-2 über den weg gelaufen, er hatte inzwischen auch von Querelen auf der La Desaster (Name geändert) gehört, quasi die ganze Marina wusste bescheid. Zu ihm ging ich also und erzählte von dem kompletten Desaster und es war kaum zu glauben, aber er und seine Freundin stellten mir sofort ihre Bugkajüte zu Verfügung! Ich trank also mit den superlieben Kaisis noch einen Beruhigungsrotwein und zog postwendend auf der „Sioned“ ein. Welch ein Zufall zu alldem auch noch, das sie am Donnerstag bei guter Wetterlage Richtung Balearen wollten und ich mitfahren durfte! Ich konnte dem Chaos also sofort entfliehen und endlich segeln!

Vielleicht soll alles einfach so sein! In jedem Fall ist es unfassbar wie hilfsbereit und lieb Fahrtensegler zueinander sind, echt toll!!

2 Responses to Desastership

  1. Bärlinerin sagt:

    Es wird weiter gehen! Schau doch auch mal unter http://www.findacrew.net und bestelle mal Michael von der Sioned schöne Grüße!

    😉

    Vielleicht kurz nen Job auf einem Boot zur Überbrückung?

  2. Fredy Wingeier sagt:

    Und es geht immer vorwärts…ich wünsche dir nebst den kuriosen Erfahrungen witerhin das nötige Glück

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