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Urlaubsplanung 2014

Es ist eigenartig, wenn man kein Ziel vor Augen hat, verstreuen sich alle Bemühungen irgendwie, man versucht sich hier und da und doch kommt man nicht richtig zu Potte. Kaum aber hat man ein spezielles Ziel, kanalisiert sich plötzlich die ganze Energie in eine Richtung und alles fliegt einem plötzlich zu.

Zum Einen werde ich mit meinem allerersten Lieblingsskipper ab nächste Woche eine WG bilden, sprich er zieht für eine Weile von Frankreich hierher zu mir, bis er eine Wohnung in Berlin hat. Er will sein Projekt hier beenden und sich dann nach erfolgreichem Abschluss ein Boot kaufen. Falls wir uns weiterhin so gut verstehen, kann er auch bis dahin bei mir wohnen, sofern ich dann mit auf sein Boot darf *fg*

Zum anderen steht die Urlaubsplanung für dieses Jahr an. Ich werde im Juni eine Woche mit dem Münchner Kameramann auf der Ostsee segeln gehen und im Juli zwei weitere Wochen mit meiner Freundin (die Frau mit der 40ft Ketsch) im Mittelmeer, allerdings nicht mit ihrem Boot, das wird gerade für die große Tour hübsch gemacht, sondern wir versuchen bei Anderen mitzusegeln. Gebote werden noch entgegen genommen :o)

Achja, meinen Segelschein habe ich begonnen, die ersten Theoriestunden hab ich schon hinter mir und im Mai gehts aufs Wasser. *freu*

Ja klar gibt es Tage, da möchte ich hier niemals weg, Sonntage an denen ich meine Couch lieb habe oder Abende die ich mit meinen Freunden verbringe. Aber wenn dann morgens früh um 8:00 der Wecker klingelt, denke ich mir nur- noch ein halbes Jahr!!!
Unsere Generation ist irgendwie die Verlierergeneration. Unsere Eltern haben doch nichts ausgestanden, sie haben entweder im Westen den Wirtschaftsaufschwung miterlebt oder im Osten die ruhige Sicherheit der DDR. Aber so wie wir, die von der Schule an unter diesem permanenten Leistungsdruck gearbeitet haben und seit nun beinahe 30 Jahren diesem psychischen und physischem Druck ausgesetzt waren, so etwas hatte weder die vorhergehende Generation, noch die Folgende. Hinzu kommt noch diese verdammte Emanzipation (und nein ich wollte sie nicht), denn sie bedeutet für uns Frauen, dass wir nicht nur die Kinder groß ziehen, die Familie bespaßen, den Haushalt schmeißen müssen, sondern auch noch finanziell dafür sorgen müssen. Es ist kraftraubend und viele Bekannte und Freunde, stehen kurz vor dem Burnout, haben mit 45 nen Herzinfarkt oder 50 nen Schlaganfall.

Nein, ich bin keine verrückte Aussteigerin, ich bin einfach müde und brauche eine Pause!!!

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Nachtrag…… und erstens kommt es anders

Mein Urlaub im Juli wurde nicht genehmigt, so das ich nicht mit meiner Freundin fahren kann UND der Kameramann aus München hat auch abgesagt :o(

Nun bin ich also wieder allein auf mich gestellt und suche Unterschlupf für drei Wochen Im JUNI, natürlich möglichst im Mittelmeer!

Schritt für Schritt

 

Vor eine Weile hatte ich mal eine To-Do-Liste erstellt und als ob alles so sein sollte, fügte sich eins zum anderen:

 

1. Segelpartner finden-
Mittlerweile hatte ich mehrere fixe Angebote- einen Kameramann aus München, der eine Segelpartnerin suchte und mit dem ich einen wirklich angenehmen Nachmittag verbrachte. Wir wollten im Sommer mal gemeinsam schauen, wie es auf dem Boot klappen sollte, allerdings war er nur 1-2 Jahre abkömmlich. Der nette Mr Barcelona war inzwischen in Berlin und wollte in diesem Sommer eine Wauquiez in Stralsund ausbauen um dann, auf jeden Fall schonmal, zurück nach Barcelona segeln. Mein allererster Lieblingsskipper entwickelte auch Pläne- sich, nach dem Verkauf der Mary Fisher, ein größeres Boot zu zulegen oder aber auf einem Boot mitzusegeln. Und ich hatte eine Frau kennengelernt, die sich eine 40ft Ketsch zugelegt hatte, die sie auch in diesem Sommer ausbauen lassen wollte, um dann im Frühjahr 2015 loszusegeln. Mit ihr verbrachte ich schonmal den einen oder anderen Abend, wir verstanden uns gut und hatten gemeinsam viel Spaß.
Wenn also alles so lief wie es sich bisher ausmachte, würden wir sogar als kleines Konvoi lossegeln, um dann wenigstens die Biskaya gemeinsam zu meistern.

2. segeln gehen-
Das war noch nicht sicher, denn ich wußte weder mit wem, noch wohin. Der Münchner war genau zu dieser Zeit (Juni) voll belegt, vielleicht würde September klappen, Mr Barcelona war in Berlin und/oder Stralsund, mein Lieblingsskipper wahrscheinlich auf dem Weg nach Deutschland, also dann blieb ev. meine zukünftige Segelpartnerin, mit der ich dann ja auf einem Boot im Mittelmeer anheuern konnte, Angebote hatte ich ja einige.

3. Kostenplan erstellen-
Das fruchtete, bzw. war schon recht fix und auch realisierbar, siehe Punkt 4 :o)

4. Wohnungsmieter finden-
Just hatte sich meine Hausverwaltung angeboten, mir sowohl einen Mieter zu suchen, als auch die Wohnung dann für die Zeit meiner Reise für nur 20,- monatl. zu verwalten. Besser gings gar nicht! Ich würde von den Mieteinnahmen und meinem ersparten leben können und zwar ruhigen Gewissens.

5. Sonnenbrille anfertigen lassen-
Das war das kleinste Übel und schon längst verwirklicht!

6. Visa Card organisieren-
Genau wie Punkt 5 :o)

7. Segelschein machen-
Sobald das Wetter wärmer werden würde, würde ich auf dem Müggelsee bei einer Segelschule den Schein machen, vorangemeldet hatte ich mich schon und die passenden Bücher lagen schon parat. Bis dahin besuchte ich regelmäßig die TO-Stammtische und kam dort immermehr Beachtung und ich wurde langsam aufgenommen in den Kreis der Weltreisenenden.

8. vom materiellen Ballast befreien-
Das ging echt flott voran- 6 Säcke Klamotten waren schon in der Altkleidertonne verschwunden. Bei Ebay verkaufte ich ein Teil nach dem anderen und kaufte mir gleich Dinge die ich zum Segeln brauchte. Der Keller war ab November frei und konnte dann mit meinem Kram befüllt werden, alles andere würde verschenkt oder verkauft sein.

9. ärztlich durchchecken lassen-
Ich hatte mittlerweile jede Woche einen Arzttermin- Orthopäde, Zahnarzt, Nuklearmedizin, Gynäkologe usw. alle verdienten endlich mal was an mir.

10. Impfen lassen-
Das hatte ich mit meinem Allgemeinarzt schon besprochen und sollte demnächst beginnen.

11. Zähne durchchecken lassen-
Siehe Punkt 9 :o)

12. Reisepass beantragen-
Das hatte Zeit bis zum Herbst, denn der Pass sollte ja frisch sein, ein Auslandführerschein würde gleich mit erstellt werden.

13. Job kündigen-
Tscha, das hatte sich wirklich ganz von allein erübrigt, denn mein Vertrag sollte tatsächlich nicht mehr verlängert werden. Als ich meinem Arbeitgeber jedoch von meinen Plänen erzählte und wie sehr mir noch ein weiteres halbes Jahr geholfen hätte, fand er die Idee so cool, das er mir den Arbeitsvertrag bis Ende August 2014 verlängerte.

Es war also besiegelt, ab September 2014 würde ich also frei sein. Frei für die Vorbereitung des größten Abenteuers meines Lebens! Es fühlte sich eigenartig an, das bisherige Leben so langsam Schritt für Schritt zu beenden, zum einen war es Traurigkeit, alles gewohnte hinter sich zu lassen und eben auch Hoffnungen endgültig zu begraben Zu gerne wäre ich hier mit einem Mann der mich zu schätzen weiß, glücklich geworden und hätte mit ihm zusammen die Welt erkundet. Aber es sollte nicht sein, ich würde wohl mit einer Frau auf Reisen gehen, die die gleichen Erfahrungen wie ich gemacht hatte. Zum anderen freute ich mich natürlich diebisch auf die Zeit, auf die Erlebnisse, die fernen Länder und fremden Kulturen.

Und so war meine große Liebe wohl das Meer… auch kein so schlechter Gedanke!

Erstaunt war ich aber immernoch nachhaltig, wie wenig Gegenwind ich doch hatte. Niemand wollte mir mein Vorhaben ausreden, niemand belächelte es, denn jeder der mich kannte, wußte WIE ernst ich es meinte. Im Gegenteil, mir schlug großteils Bewunderung entgegen, denn irgendwie hatte jeder diesen Traum auszubrechen, nur die wenigsten verwirklichten ihn. Gerade Menschen in meiner Generation, die ein Lebenlang unter diesem psychischen und physischen Druck, der heuzutage in den Firmen herrschte, gearbeitet hatten, sehnten sich nach einem Ausstieg aus diesem Hamsterrad. Es machte mich traurig, wie wenig ihn doch wagten.

Ich war also auf dem richtigen Weg, hatte schon einiges erledigt und meine To-Do-Liste bedarf einer Umgestaltung:

1. segeln gehen
2. weiter ärztlich durchchecken lassen,
3. Impfen lassen,
4. Segelschein machen,
5. vom materiellen Ballast befreien,
6. Wohnungsmieter finden,
7. Reisepass beantragen,
8. meine Katze hatte ich vergessen- :o( aber auch dafür fand sich gerade eine Lösung, eine Arbeitskollegin wollte sich eine Zweite zulegen und vielleicht verstanden sich die Mädels ja!
9. eine Auslandskrankenversicherung abschließen, meine private Rentenversicherung wiederbeleben und gleichzeitig alle anderen Versicherungen hier kündigen

Wieder zu Hause

Da saß ich nun, voll von Erinnerungen und Eindrücken, die mich total geflasht hatten. Und voll von Zukunftsvisionen, aber auch vielen Fragen. Also auf ins Internet, mit Foren kannte ich mich aus, die hatten mir schon in so manchen Situationen geholfen, wer wenn nicht alte Hasen konnten meine Fragen beantworten. Und siehe da es gab einige gut besuchte Foren, also erstmal Überblick verschaffen und dann rein da. Es gibt schließlich keine doofen Fragen, sondern nur doofe Antworten. Tscha und die bekam ich auch zur genüge. Und damit nicht genug, ich wurde nicht nur belächelt, sondern auch bevormundet und sogar beschimpft. Um ehrlich zu sein, ich habe noch nie solch herablassende Menschen wie unter den Foren-Seglern getroffen und ich bin seit über 10 Jahren in verschiedensten Foren unterwegs. Ich hatte da wohl volle Kanne in ein Wespennest gestochen, welch Fauxpas als Frau segeln zu wollen und dann auch noch gleich richtig.

Aber natürlich hat jede Medaille zwei Seiten und ich bekam unter anderem auch per PN ganz wunderbare Nachrichten und ich wurde zum TO-Stammtisch eingeladen, den ich auch sehr gerne besuchte. Hier bekam ich Antworten auf meine Fragen und natürlich auch Tipps und Hinweise. Die Nachrichten die ich nun fast täglich bekam, waren von ganz unterschiedlicher Natur. Zum einen waren es Forenmitglieder, die sich beinahe für das Verhalten der Banausen entschuldigten, aber auch Abenteurer die selbst schon auf großer Fahrt waren oder es planten. Daraus entstanden ganz wunderbare Kontakte, die ich versuche dauerhaft zu pflegen, was allerdings auf Grund der Menge und auch Vielfältigkeit nicht ganz einfach ist ;o) Ganz besonders freute mich mich aber über einen Kontakt zu einer Frau, die sich sowohl hier im Forum, als auch in der Realität einen sehr guten Stand in dieser Männerdomäne erarbeitet hatte und die mir wirklich wertvolle Tipps aus Frauensicht gab. Wir hatten einen wirklich spannenden Abend miteinander und wollten sowohl segeltechnisch als auch sonst Berlin unsicher machen. Schade nur, das auch sie, wie so viele Andere hier, einen anderen Humor hatte, Sarkasmus ist halt nicht jedermans Sache. Aber was solls, so lange man sich live versteht, ist die Schreiberei doch nebensächlich.

Nunja, ich hatte mich natürlich inzwischen auch belesen- Beate Kammlers Roman z.B. aber auch Christiane Grabow und beide haben mir bestätigt, dass mein Vorhaben sehr wohl realisierbar ist. Unabhängig davon habe ich mich natürlich mit Freunden darüber unterhalten und ausnahmslos alle fanden die Idee toll. Die einen beneideten mich um meinen Mut und andere hegten selbst insgeheim solche Pläne. Aus den unerwartetsten Richtungen kamen auf einmal Zusprüche- meine Nachbarn z.B. würden meinen Keller, den ich seit Jahren an sie vermiete, freiräumen um meinen Kram dort unterzustellen. Eine Freundin offenbarte mir das sie auch gerne einen Segelschein machen wollte und mein Sohn hat sich auch gleich mit eingeklinkt, nun machen wir den im Frühjahr zu dritt. Und meine beste Freundin offenbarte mir, das sie schon seit einiger Zeit ein Weltreise mit ihrer Partnerin plant, allerdings per Backpacking.

Mein Sohn war schwer begeistert, auch er würde ja über kurz oder lang ins Ausland gehen und freute sich nun, seine Mutter nicht hier zurück lassen zu müssen, sondern selbst auf Abenteuer zu wissen. Seit Jahren beschwerte er sich schon, das ich doch kaum etwas von meinem Leben haben würde, immer nur arbeiten, kaum Freizeit und Jahr ein Jahr aus campen an der Ostsee. Aber als Mutter steckt man halt zurück, die eigenen Bedürfnisse treten in den Hintergrund, aber nun sollte es sich auszahlen, das ich schon mit 23 Jahren Mutter wurde. Und das ich nicht alles ganz so falsch gemacht hatte, bewies mein Sohn, der nun seine Ausbildung zum Biotechniker an einer Fachhochschule machte und im Herbst 2014 ein EU gefördertes Praktikum im Ausland machen würde. Es sollte eben alles so sein!

Es war einfach unglaublich und ist es immernoch!

Parallel zu allem erstellte ich mir eine ToDo-Liste von Dingen die in den nächsten Monaten zu erledigen wären. Einges davon hatte ich eh seit Jahren vor, habe sie aber immer aus Bequemlichkeit vor mir hergeschoben.
Und da so ein Blog ja zum laut denken ist, legen wir mal los:

1. Segelpartner finden,
2. segeln gehen
3. Kostenplan erstellen,
4. Wohnungsmieter finden,
5. Sonnenbrille anfertigen lassen,
6. Visa Card organisieren,
7. Segelschein machen,
8. vom materiellen Ballast befreien,
9. ärztlich durchchecken lassen,
10. Impfen lassen,
11. Zähne durchchecken lassen,
12. Reisepass beantragen,
13. Job kündigen,

Da waren sie also meine 13 Probleme. Einige waren schnell zu bewerkstelligen, andere wiederum noch viel zu früh.
Am schwierigsten von allem aber würde wohl Punkt 1 werden. Also auf in die Welt des Internet, Annoncen aufgeben, Emails schreiben, Treffen vereinbaren, kennenlernen, es würde spannend werden. 1. sollte sich mit 2. verbinden lassen, aber auch das gehört ja zum kennenlernen, denn nirgendwo lernt man sich in kürzerer Zeit kennen, wie auf einem Segeltörn auf dem man 24/7 miteinander verbringt. 3. und später dann 4. war recht einfach zu bewerkstelligen, denn durch das Glück eine Eigentumswohnung zu besitzen, die auch noch sehr schön geschnitten und im grünen Speckgürtel Berlins gelegen und dadurch gut zu vermieten ist, würde ich durch die Mieteinnahmen eine geregelte Einnahmequelle haben und gleichzeitig meinen Wohnsitz in Deutschland behalten können. 5. und 6. war die kleinste Hürde, denn beides hatte ich eh schon lange vor. Nachdem ich mich umfassend erkundigt hatte, rückt nun 7. auch in greifbare Nähe, wie oben schon erwähnt mit zweifacher Unterstützung. Die Segelschule war auch schnell gefunden, sie sollte relativ nahe und vor allem felxibel sein, denn im Einzelhandel zu arbeiten hat zeitlich kaum Vorteile. Allerdings würde ich mich erst einmal für den SBF-Segel Binnen entscheiden, denn ich würde nie auf dem Meer ein Boot chartern, auf einheimischen Seen würde ich aber im nächsten Jahr ganz sicher mal ne Jolle mieten wollen. 8. würde wohl den umfangreichsten Teil der Sache ausmachen, für jemanden der sich schwer von gewohntem trennen kann. Ich begann also langsam, sortierte aus und stellte bei Ebay ein. Verkaufte, verschenkte und tauschte, lange liegendes gegen Dinge die man zukünftig wohl mehr brauchen würde. Um endgültig auszumisten würde ich aber noch ein paar Monate brauchen, genauso wie für Punkt 9-12, denn das hatte noch Zeit. 13. würde der Zahl alle Ehre machen, denn ich arbeite in meiner Firma, wie 25% der Mitarbeiter, seit 2,5 Jahren nur befristet. Leider ist die Arbeitgebermoral in Deutschland schon seit Jahren unfassbar, so das mir dieser Punkt am leichtesten fallen wird. Genauso leicht würde es mir fallen nach meiner großen Reise in Deutschland wieder Fuß zu fassen, die Wohnung blieb mir und einen Job im Einzelhandel zu finden ist mir noch nie schwer gefallen, ich war in meinem ganzen Leben noch nicht einen Tag Arbeitslos.

Mein Plan nahm also Formen an, sowohl im Kopf als auch auf dem Papier und wer weiß schon ob man überhaupt jemals wiederkommen will…