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Griechenland

Ich hab es geschafft! Smiley mit geöffnetem Mund Ich habe mein selbstgestecktes Ziel für dieses Jahr erreicht – Griechenland!!! Mein Weg führte von Mallorca über Sardinien, Süditalien, Kroatien bis nach Griechenland, wo die VEGA den Sommer verbracht hat. Nach 4 Monaten und 1972 Seemeilen bin ich also wieder auf der Schönen die in Preveza liegt. Man könnte glatt meinen ich wäre, wie das neue Crewmitglied, eine Katze, die man aussetzen kann wo man will und die den Weg immer wieder nach Hause findet. Aber ein Freund aus Facebook hat mein Verhältnis zur VEGA sehr treffend beschrieben: “Ein Boot mit besonderen Charaktereigenschaften, Landeplatz und Startbahn zu neuen Ufern, Zwischenstopp zum Ausruhen und zum gediegenen Segeln sowieso!” Und genau das ist sie wohl für mich, deshalb habe ich auch alle anderen Angebote ausgeschlagen und habe mich auf den Weg zu ihr gemacht, als ich vom Skipper um Hilfe gebeten wurde. Der Sommer war sehr aufregend, ich habe viele tolle Törns gehabt, nette Leute kennengelernt und wunderschöne Landschaften gesehen. Habe in traumhaften Buchten geankert, bin durch altertümliche Städte getigert, habe schmackhaftes Essen genossen, bin überrascht worden von Gegenden die vom Wasser aus ansprechender sind als von Land und bin echt viel herumgekommen. Was für ein Leben!

Ich kann gar nicht mal sagen, welches Revier mir dabei am besten gefallen hat, jedes einzelne hatte seine besonderen Reize. Mallorca – mit seinen glasklaren Buchten, die sich dicht an dicht wie Perlen an der Ostküste hinaufschlängeln. Sardinien – mit seinen schroffen Felsen, weißen Sandstränden und türkisfarbenen Buchte, ein tolles Segelrevier, das durch seine vielen Inseln im Maddalena-Archipel ständig wechselnde Winde bereithält und das durch seine Nähe zu Korsika als Höhepunkt den Sprung hinüber nach Bonifacio ermöglicht. Die Amalfiküste – mit seinen landschaftlich traumhaften Bergdörfern, eingebettet in saftigem Grün und die malerischen Inseln Capri und Ischia, wie auch der, sich ehrfürchtig über Neapel erhebende, Vulkan Vesuv. Dalmatien – mit seinen zig kleinen Inseln und Grotten, oder auch auf den Spuren Winnetous im Nationalpark bei den Krka Wasserfällen. Die Städte Split und Dubrovnik – die an Kultur und Geschichte dem alten Rom in nichts nachstehen. Und zuletzt die Ionian Islands – die irgendwie alle bisher genannten Reviere vereint, das Städtchen Parga, dass an Amalfi erinnert, die glasklaren Buchten wie auf Mallorca, die um die Inseln wechselnden Winde wie auf Sardinien, das saftige Grün der Krka Wasserfälle und natürlich die Gastfreundschaft, die in allen südlichen Ländern so wohltuend ist. Griechenland macht neugierig auf mehr und ich werde es im nächsten Sommer noch intensiv erforschen, bevor ich dann Europa verlasse.

Auch gefällt mir das skippern sehr! Abgesehen davon, das ich man sich als Langfahrer wohl einige Häfen die ich angelaufen bin, gar nicht leisten könnte, geht es mir dabei gar nicht mal um die, wenn auch willkommene, zusätzliche Einnahmequelle, sondern darum unabhängig die Welt bereisen zu können und dabei immer im Kontakt zu anderen Menschen zu sein. Denn wenn ich eins in der Zeit, zu zweit unterwegs, gelernt habe, ich brauche soziale Kontakte und da reicht es mir nicht ab und an mal einen anderen Langfahrer zu treffen, sondern die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen und um mich zu haben. Ob das nun reine Mädelscrews sind, oder Gemischte- bzw. Familiencrews, aber auch, wie zuletzt auf der Jason, reine Männercrews, sie alle haben Spaß gemacht und es sind tatsächlich Freundschaften entstanden, so das ich fürs nächste Jahr schon bei einigen wieder gebucht bin. Allerdings muss ich auch zugeben, das mir Flottillentörns genauso wenig liegen, wie Mädelscrews mit nur einem oder zwei Kerlen, denn eigenartiger weise verfallen die Mädels dann automatisch in den Weibchenmodus oder werden gar zu launischen Prinzessinen. Aber aus Erfahrungen lernt man und auch wenn ich mich jetzt schon vor Aufträgen kaum retten kann und einige sogar ablehnen musste, möchte ich mir im nächsten Jahr den Status erarbeiten, mir gezielt Törns aussuchen zu können. Deshalb werde ich den Winter, den ich auf den Kanaren verbringen möchte, nutzen um meinen SKS zu machen um einen Level höher zu steigen. Denn auch wenn ich in dieser Saison viel dazu gelernt habe und schon den einen oder anderen Applaus beim einparken bekommen habe, möchte ich noch einige Skippertrainings absolvieren. Auch kann es nicht schaden die schon erlernte Theorie nochmal aufzufrischen und zu vertiefen, zumal man ja nie auslernt. Aber das alles wird mir ganz sicher nicht schaden, denn nächsten Herbst soll es ja dann endlich auch weiter weg gehen.

Denn auch wenn das Mittelmeer wundervolle Möglichkeiten bietet und ich bei weitem noch nicht alles gesehen habe, ist mein Fernweh noch lange nicht gestillt. Die weite Welt, fremde Kulturen, ferne Städte und die unendliche Weiter der Ozeane warten auf mich. Aber ich werde natürlich wie bisher in kleinen Schritten weitermachen, als nächstes werde ich Anfang Oktober mithelfen die VEGA nach Sizilien zu überführen, dort wird dann entschieden ob sie in der Werft etwas aufgepeppt wird oder ob es gleich weiter geht auf die Kanaren. Je nach dem werde ich entweder auf ihr oder auch auf dem Zweitschiff des VEGA-Skippers, der Cocco, oder aber mit meinem ersten Auftraggeber auf der ITA auf die Kanaren fahren. Dort werde ich dann schauen wo ich unterkomme, ob nun auf der VEGA, der Cocco oder in einem Airbnb Zimmer, oder eben skippernder Weise auf verschiedenen Charterschiffen wird sich zeigen, auch einem Abstecher auf die Kap Verden wäre ich nicht abgeneigt. Ich habe also wieder mehrere Pläne in petto, wobei natürlich mein absoluter Favorit die geplante Kommune auf der VEGA ist. Zwinkerndes Smiley Denn das wäre tatsächlich das Beste für dieses tolle Schiff, eine feste Crew, die dauerhaft auf ihr lebt und die zusätzlich von Mitreisenden unterstützt wird, aber wie war das – “alles kommt im richtigen Moment zu Dir, sei geduldig!”

Sardinien

P_20170527_105903Anfang Mai bin ich losgezogen um meinen ersten Skipperauftrag auf der ITA einer Bavaria 50 Cruiser anzunehmen. Ich war aufgeregt und gespannt auf meine neue Aufgabe. Aus den ursprünglich nur 3 Wochen, sind dann doch 8 Wochen geworden, da mein Auftraggeber so zufrieden mit mir war und ich mich nach den ersten anfänglichen Unwegsamkeiten doch sehr wohl gefühlt habe. Vom Land habe ich zwar nicht viel gesehen, abgesehen von ein paar Landausflügen, dafür aber unendlich viel wunderschöne Buchten, mit türkisem Wasser, weißen Stränden und vielen verschiedenen Fischen. Ich habe sehr viel gelernt und tollen Menschen begegnen dürfen, so dass es mir nicht leicht fiel Abschied zu nehmen.

IMG-20170706-WA0009_1Segeln mit einer Crew ist schon etwas ganz besonderes. Es fing schon mit dem ersten Einkaufstag an. Ich kenne die Mengen, die man für 4-8 Personen pro Woche benötigt, inzwischen ja gut und so habe ich es mir natürlich nicht nehmen lassen selbst jedes mal mit dabei zu sein. Auch erleichterte es ungemein, das jeder der kochen konnte, sich ein Gericht aussuchte und auch dafür die Sachen im Supermarkt zusammentrug. Beim Alkohol waren alle natürlich sehr zurückhaltend, jedenfalls beim ersten Einkauf, niemand wollte sich schließlich outen. Es wurde sich oft vehement gegen die empfohlenen 8-12 Flaschen Wein gewehrt, so das nach 3 Tagen im nächsten Ort schon für Nachschub gesorgt werden musste. Ein großes Hallo gab es bei jedem Einkauf über die Endsumme von den 2-3 brechend vollen Einkaufswagen, die natürlich sehr selten richtig geschätzt wurde. So begannen also schon die ersten Tage recht ausgelassen und unbeschwert.

20170618_140711Die Firma für die ich dort die Gäste spazieren fuhr, vermittelt Singlereisen in vielen verschiedenen Bereichen. Die Bandbreite reicht von Ski-, über Wander-, Rad- und Kletterreisen bis hin zu eben auch Segeltörns. Allerdings sind auch genau aus diesem Grund, zu 90% Nichtsegler dabei. Die Intention dieser Urlauber liegt also im wesentlichen auf Erholung und Entspannung, anspruchsloses segeln also, so sollte man meinen. Aber schon in den ersten Wochen kristallisierte sich heraus, das auch genau darin die Schwierigkeit lag, denn man hat in den ersten drei Tagen quasi keinerlei Unterstützung beim segeln. Da sich auch kaum einer im Vorfeld auch nur annährend belesen hatte, was segeln überhaupt bedeutet, musste nun jeder Begriff und jeder Handgriff erst erklärt werden. Hinzu kam das fehlende Verständnis, das ganz plötzlich aus einer entspannten Situation spontan eine schnelle Reaktion erforderlich ist. Das führte sehr oft zu Verwirrung und auch zu manch einer Unzufriedenheit auf beiden Seiten. Alle waren im Urlaubsmodus und es fiel schwer, dass nicht nur aktives Mitsegeln, sondern auch aktives Mitdenken gewünscht und verlangt wurde. Dafür war am Ende jeder Woche das Erfolgserlebnis um so größer, wenn eine völlig unbeleckte Crew, das Schiff am letzten Tag alleine steuern konnte. Ein schönes Gefühl, wenn man Menschen für das begeistern kann, was einem selbst so sehr gefällt und wenn man dann noch Nachricht bekommt, das es Wiederholungstäter geben wird, was kann es schöneres geben.

IMG-20170630-WA0010Ein nächster Punkt der schon sehr außergewöhnlich war, war die Aufteilung der Crew. Denn meine Gäste waren zu 80% weiblich. Die ITA wurde wahlweise Womandampfer oder auch Bikinibomber genannt. Die Überraschung der Teilnehmer war bei Törnbeginn um so größer, da die Charterfirma damit wirbt- „auf ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis zu achten, aber nicht für eine exakte 50/50 Verteilung garantieren zu können“, das hatte niemand berücksichtigt, denn davon konnte nun so gar keine Rede sein. Aber die Mädels nahmen´s mit Humor und auch die vereinzelten Männer waren nicht ganz so erbost darüber, bekocht, umgarnt und gebauchpinselt zu werden. Allerdings stellte sich auch hier ein überraschender Effekt ein- die Mädels verließen sich in den meisten segeltechnischen Bereichen auf die Männer, hingegen bei reinen Frauencrews ganz selbstverständlich alle anfallenden Aufgaben schwesterlich geteilt wurden. Es funktionierte sogar viel besser und nicht nur beim segeln, sondern auch im zwischenmenschlichen Bereich. Da ich aber recht schnell Kontakt zu anderen Skippern mit zumeist männlichen Crews in der Marina Olbia fand, ergab sich schonmal der eine oder andere „zufällige“ Treff in Buchten oder Häfen, so dass sich fast in jeder Woche wenigstens ein Pärchen zusammenfand 😉

P_20170516_213325Und noch eine tolle Beobachtung konnte ich machen- aus meist eingefleischten Singles wurde ein Team. Natürlich gab es immermal Einzelfälle, die sich durch ihr gewohntes Singleverhalten dann letztendlich selbst ausschlossen. Aber im allgemeinen wurde der Zusammenhalt von Tag zu Tag größer, es wurde aufeinander geachtet und Rücksicht genommen und alle begannen besonders die gemeinsamen Malzeiten zu genießen. Selbst wenn es Gelegenheit gab allein durch die Städte zu streifen, wurde diese nicht genutzt, sondern gemeinsam erlebt. Ein toller Erfolg also.

2017-06-01_15-00-08_668Und es gab natürlich ganz besondere Highligts – bei einer Crew hatte ich tatsächlich Bauchschmerzen vor lachen, so viel Spaß hatten wir. Wir gerieten nicht selten in eine Regattafeld und wurden umringt von unglaublich schnellen und auch riesigen Rennyachten. Ein nächtliches Slippen des Ankers in einer Bucht, ließ uns nach mehrmaligen erneuten Ankerversuchen reißaus zu einer viel weniger schwelligen Bucht nehmen. Dort wurden wir am nächsten Tag von Kitsurfern umringt, die es doch tatsächlich schafften einer Mitseglerin, beim hinabsteigen der Badeleiter, aus voller Fahrt auf den Hintern zu klatschen. Wir grillten bei Sonnenuntergang am Strand und selbst die überraschende Flut, die beinahe unser Dingi davontrug, hielt uns nicht davon ab, den Abend am Lagerfeuer ausklingen zulassen. Und ich schaffte es erstmals rücklinks vom Dingi zu fallen, dieses mal überlebte aber mein Handy unbeschadet, ich muss heute noch lachen wenn ich daran denke.

P_20170531_101256Diese 8 Wochen werden mir in wunderbarer Erinnerung bleiben, nicht nur das ich Bonifacio, für mich die beeindruckendste Stadt im Mittelmeer, fast wöchentlich besuchen durfte, sondern auch die wunderschönen Buchten und eben die tollen Menschen die ich kennenlernen durfte. Natürlich gab es auch 1-2 mit denen man nicht auf einer Wellenlänge lag, aber das währe auch zu viel verlangt. Mit einigen werde ich noch lange Zeit Kontakt halten und sie in ihrem nächsten Urlaub vielleicht sogar wiedersehen. Einen ganz tollen Menschen durfte ich zu all dem auch noch kennenlernen, der mir ein ganz besonderer Kumpel geworden ist- einen Skipper der mich sowohl privat wie auch seglerisch unheimlich bereichert. Er ist Ausbilder für eine Segelschule und wird den restlichen Sommer auf Sardinien arbeiten, jedoch hoffen wir uns im Herbst wiederzusehen und dort weiter zu machen, wo wir begonnen haben :p

IMG_6755Wie geht es nun mit mir weiter?! Ich werde ein paar Tage meine Sachen in Palma zusammen suchen, das WG Zimmer hatte ich ja schon abgegeben. Dann werde ich für eine andere Firma erst auf Mallorca, dann in Süditalien, Kroatien und danach in Griechenland weiterskippern. Bei dieser Firma muss ich nach 4 Wochen 1 Woche Pause zwischen den Törns machen, was mir sehr entgegen kommt, denn Privatsphäre hat man bei wöchentlich wechselnden Crews so ganz und gar nicht. Danach ist geplant, dass ich die ITA von Sardinien auf die Kanaren überführe und dann dort auf Teneriffa den Winter verbringe und sie zeitweise skippere. Aber wie man ja weiß, schreiben Segler ihre Pläne bei Ebbe in den Sand, also warten wir mal ab, wann die Realität mal wieder vor lachen vom Hocker kippt.

Siri die Skipperin

FB_IMG_1495662678142„Denken sie an Kolumbus. Volles Risiko, totale Selbstüberschätzung. Wenn sie mit ihrem Leben unzufrieden sind, lassen sie es nicht an den anderen aus. Segeln sie einfach los.“
Harald Martenstein

Mit diesem Motto bin ich los – auf nach Sardinien und dieses mal nicht als Mitseglerin oder Coskipperin, sondern tatsächlich als eigenverantwortliche Skipperin. Ich wollte sehen wie es ist, mich ausprobieren und Grenzen austesten. Das Revier war mir nicht fremd, das Schiff auch nicht, denn 2015 bin ich ja schon einmal auf einer Bavaria 50 gesegelt.

FB_IMG_1495662586356Dieses mal hieß das Schiff ITA und gehört einem sehr netten, jung-gebliebenen Mitsiebziger, der ein unglaubliches Segel-Wissen hat, was auch nicht verwunderlich ist, da er früher Ausbilder war und schon viele Jahre seine Schiffe verchartert. Er weiß viel zu erzählen und gibt sein Wissen gerne weiter, ich habe in der ersten Woche, die er mich auf dem Probetörn begleitete unheimlich viel gelernt und auch einiges längst verschüttete wieder aufgefrischt. Auch weiß ich jetzt wie man ein Chartergeschäft richtig führt, wie man Gäste bewirtet hatte ich ja auf der VEGA schon gelernt, aber es gehört eben noch mehr dazu, wenn man möchte das sie auch wiederkommen.

Ein schönes Leben also, auf einem geräumigen Schiff, segelinteressierten Mitmenschen die Schönheit der Meere, Buchten und Städte Sardiniens ans Herz zu legen. Wohin die Segel einen tragen, ohne Hast und streßige Nachtfahrten. Eben Urlaubsfeeling, bezahlt, beneidenswert! So denken wohl viele…

Die ersten Tage stand ich dennoch ziemlich unter Strom und um ehrlich zu sein, hätte ich in der zweiten Woche am liebsten alles hingeschmissen. Ich war nicht darauf vorbereitet, das die Gäste tatsächlich NULL Ahnung vom segeln haben und sich eigentlich nur kutschieren lassen wollen ohne selbst etwas zu tun. Bei einem 50ft Schiff ist das aber mal so gar nicht möglich, da wird jede Hand benötigt und die Handgriffe müssen sitzen und schnell ausgeführt werden. Da aber am Anfang der Saison leider nicht so viele Menschen Urlaub machen, war das Schiff nur zu 20% belegt und wäre Chefe nicht anwesend gewesen, wäre ich jämmerlich gescheitert.

Screenshot_20170519-232918Die zweite Woche begann vielversprechender, ich hatte liebe Freunde, die zufällig Urlaub hatten, nicht lange überreden müssen, die Crew ein wenig aufzustocken. So waren wir wenigstens zu viert, davon ein SBF Binnen, ein SBF See Besitzer und einer war schon auf einem Törn im Kattegat unterwegs gewesen. Und dennoch war fast alles weg was sie mal gelernt hatten und ich musste jeden Handgriff neu erklären, zu lange her war alles schon. Nachdem mich nun der Chef alleine losgelassen hatte, kam es wie es kommen musste…

Wir hatten einen wirklich schönen Segeltag hinter uns und wollten gerade in eine Ankerbucht im Maddalena Archipel einbiegen, als plötzlich die Steuerung blockierte. Ich konnte das Steuerrad nicht mehr nach Steuerbord drehen, so das sich die ITA unkontrolliert nach Backbord im Kreis drehte, die Felsen kamen unaufhaltsam näher – Legerwall 😱 Mein erster Gedanke galt dem Autopilot, aber weder der, noch das manuell feststellbare Steuerrad waren dafür verantwortlich. Screenshot_20170516-090946_1Mir fiel eine ähnliche Situation ein, die ich erst vor kurzem auf der VEGA erlebt hatte – die Muring hatte sich, beim verlassen des Hafens, in der Schraube verfangen und der Skipper gab augenblicklich die Anweisung den Anker fallen zu lassen, um nicht andere Boote zu beschädigen. In sekundenbruchteilen lief dieser Film vor meinem inneren Auge ab, ein Crewmitglied erzählte mir später, dass ich am Steuer saß, den Kopf sinken ließ und sofort nach vorne rief- „Anker runter! Sofort! Alles raus!“ Zum Glück war alles schon vorbereitet, da wir ja ankern wollten. Das Crewmitglied das die Fernbedienung in der Hand hatte reagierte auch sofort, stoppte aber plötzlich und rief artig wie er es gelernt hatte- „10 Meter“. Ich wiederholte noch einmal nun etwas lauter- „Raus ALLES!!!“ Schließlich hatten wir nur 45m Kette und das bei 25m Tiefe. Es dauerte auch nicht lange und das Schiff hörte auf in Richtung Felsen zu treiben und stoppte auf ca. 40m Entfernung, drehte sich aber immer noch um die eigene Achse. Per Funk rief ich nun die Marina, die nicht weit entfernt war, um Hilfe an. 20170515_182811Währenddessen kam aber schon ein grosses Motorboot vorbei, reagierte auf unser wildes winken und nahm uns nach mehreren Anläufen in Schlepp. Schließlich wusste ich nicht wie lange der Anker bei dieser Tiefe halten würde und die Marina meldete sich nicht zurück. Dabei versuchten wir mit der Notpinne wenigstens etwas in der Spur zu bleiben, was aber nur bedingt gelang. Nachdem wir schon ein gutes Stück gekommen waren, schoss endlich das Dingi mit den Marineros auf uns zu. Welch fataler Fehler es war denen nun die Leine zu übergeben, erfuhr ich erst als sie uns längsseits in die Marina geschleppt hatten. Denn ich hatte in dem ganzen Chaos vergessen den Funkkanal auf 16 zu wechseln und so kam uns nicht unsere Stamm-Marina zu Hilfe, sondern die Konkurrenz von nebenan, die ausgerechnet Kanal 9 hatte. 20170515_181121Eigentlich nicht weiter schlimm, aber dadurch hatte uns die Guardia di Costiera zu spät gehört, die hätten uns gratis abgeschleppt, nun konnten die Marineros aber einen Preis aufrufen der Utopisch war- 8000,-€ in Worten ACHTTAUSEND EURO wollten diese Verbrecher doch tatsächlich als Gegenleistung für ihre Hilfe haben! Zum Glück war mein Chef inzwischen mit dem Auto eingetroffen und kannte die Bande schon, so konnte er mit einigem Verhandlungsgeschick die Summe auf 1500,-€ herunterdrücken. Am nächsten Morgen musste ich bei der Guardia di Costiera nur noch ein Protokoll schreiben und versichern dass der Fehler umgehend repariert werden würde.

P_20170519_131544_2Mein Chef machte sich auch sofort auf die Suche, zum Glück bestätigte sich seine Vermutung nicht, dass die Steuerkette gerissen sei. Doch war die komplette Steuereinheit lose, durch die Vibration des Motors hatten sich mit der Zeit alle Schrauben gelöst und so war die Kette Stück für Stück bis zum Spanner weitergesprungen und dann eben blockiert. Jetzt erklärte sich mir auch der Ruck der am Morgen beim losfahren durch das Schiff gegangen war, den ich mir aber nicht erklären konnte- die Backbordkette war komplett heruntergesprungen, das merkte ich aber während der Fahrt nicht, da ich auf Steuerbord steuerte.

Wir waren also mit dem blauen Auge davon gekommen, aber der Crew steckte noch immer der Schreck in den Knochen, ihr Vertrauen in die Technik war zerrüttet. Nun war es an Chefe und mir ihnen die Sicherheit wiederzugeben und letztendlich bewirkte Chefes Entgegenkommen, als Techniker mit nach Bonfacio zu fahren und mein Spruch- „wenn man mit dem Auto einen Unfall baut, sollte man auch so schnell wie möglich wieder ins Auto steigen“, dass sie einwilligten weiterzufahren. Es wurde auch noch ein sehr schöner Törn und ganz sicher werden die Jungs noch Jahre später davon erzählen.

Allerdings war ich nun nicht mehr sicher ob ich tatsächlich weiter machen sollte. Wollte ich tatsächlich weiterhin die Verantwortung für andere Menschen und dieses Schiff übernehmen? Und würde mir der Spass am segeln nicht vergehen, jede Woche bei Null anzufangen und wenn endlich alles lief, die Crew wieder gehen lassen zu müssen?

IMG-20170525-WA0001Nun war es wieder an Chefe, der mir noch einmal bestätigte alles richtig gemacht zu haben und sein Angebot tatsächlich bis September zu verlängern, wenn ich das möchte, bauchpinselte mich natürlich sehr. Aber erst mein eigener Spruch- „wenn man mit dem Auto einen Unfall baut, sollte man auch so schnell wie möglich wieder ins Auto steigen“, ließ mich die Zähne zusammenbeißen und weiter machen. Auch sehe ich es inzwischen als Herausforderung und auch als Bestätigung, wenn blutige Segelanfänger am Ende der Woche tatsächlich selbstständig das Schiff segeln können. Und natürlich ist es ein Traum hier in dieser wundervollen Umgebung aufs geradewohl herum zu segeln und andere Menschen für diese Schönheit und den Spaß am segeln zu begeistern. Allerdings werde ich nur bis Juli hier auf Sardinien bleiben und danach für eine Firma skippern, die Mittelmeerweit Törns anbietet, ich möchte doch noch ganz viel von der Welt sehen 😄 Dann geht es wieder nach Mallorca, danach Süditalien, Kroatien und zum Ende des Jahres endlich nach Griechenland.