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Back to the roots

Screenshot_2017-03-09-12-07-59-1-1Gehen sie zurück auf Start und ziehen sie keine fünfhundert Euro ein. Oder, man sollte wissen wann man aufhört, auch wenn es nicht am Schönsten ist. Almerimar scheint für mich dafür prädestiniert zu sein Erstauntes Smiley

Ich bin aufgebrochen um die Welt zu entdecken, mich frei zu machen von den Zwängen des Alltags, zu leben und glücklich zu sein. Fast ein Jahr bin ich allein unterwegs gewesen, von Boot zu Boot und auch über Land gereist. Vor 1,5 Jahren nun habe ich auf der Gorch Fock einklariert, bin dafür nach Holland geflogen und hab dort den Winter verbracht. Wir wollten von nun an gemeinsam die Welt umsegeln und so habe ich all meine bisher gesammelten Erfahrungen und Ideen in dieses Projekt gesteckt. Ich habe geholfen das Boot langfahrtauglich zu machen und beim Nestbau mitgewirkt. Gemeinsam haben wir die Route zusammengestellt und die Strecken abgesteckt. Ich habe von Holland, Belgien, Frankreich über die Biskaya, nach Portugal und Spanien, die gesamte Strecke ohne Autopilot gesteuert. Meine Lieblingsstrecke war das nicht, es war eine sehr spannende aber auch anspruchsvolle Tour, mit traumhaften aber auch nicht so schönen Ecken. Ich habe viel gesehen und gelernt und meine Lust aufs Segeln und auf ein Leben auf dem Boot ist keinen Moment geschmälert. Ich bin immer noch wildentschlossen, so viel wie möglich von der Welt zu sehen und gerne bereit deshalb auf vieles andere zu verzichten.

20170205_183558Für viele ist dieses Leben ein absoluter Traum! Die wenigsten erfüllen ihn sich und die, die den Absprung schaffen, sind oft überrascht wie sehr noch die Erwartungen übertroffen werden. Man ist plötzlich frei von allen Verpflichtungen, hat die ganze Welt vor Augen, kann sehen, hören und riechen wie vielfältig das Leben außerhalb Deutschlands ist. Wie offen und unbändig die Menschen anderorts leben, wie anders und fremdartig die Gewohnheiten sind. Auch hat man alle Möglichkeiten die man sich vorstellen kann, die Welt steht einem offen und man kann hin wohin man möchte. Man ist berauscht, saugt alles auf und kann gar nicht genug bekommen von diesem Leben. Und es gibt noch so vieles zu sehen und zu entdecken, der Neugier sind keine Grenzen gesetzt. Zu dieser Sorte ´Aussteiger` gehöre ich.

Aber es ist ein Unterschied, einen Traum zu haben oder ihn dann auch zu leben.

Screenshot_2017-03-03-11-22-11-1-1-1Denn es gibt auch die, die es sich wohl anders vorgestellt haben, die mit diesem Leben hadern und sich heimlich zurückwünschen, zu ihren Freunden und der Familie daheim. Das Leben auf dem Boot ist nun mal sehr einsam, soziale Kontakte sehr flüchtig und von kurzer Dauer. Dafür ist man zu zweit 24/7 miteinander zusammen, hat kaum Privatsphäre und muss den Partner ertragen wie er ist, muss Kompromisse schließen. Das ist nicht einfach und etwas ganz anderes als eine Beziehung zu Hause. Nun ist es aber schwer, sich das selbst einzugestehen und dann noch vor den Freunden daheim zuzugeben, denn welch Blöße würde man sich geben. Schließlich käme es einer Bankrotterklärung gleich, wenn man herausfindet, dass man vor sich selbst gar nicht weglaufen kann und das man die Freunde daheim braucht um Bestätigung zu kommen. Selbstreflexion und klare Worte sind leider selten Männersache und so ist es einfacher zu nörgeln und zu meckern, an allem und jedem und seine schlechte Laune am Nächstbesten auszulassen und negative Energien in alle Richtungen zu versprühen. Am Boot will/kann man dann auch nicht so viel reparieren, morgen ist ja auch noch ein Tag. Und so lebt man in den Tag hinein, es vergehen untätige Wochen und Monate. Zu dieser Sorte Mensch gehört leider der Seebär.

fb_img_1475670601182Und genau deshalb ist meine Zeit auf der Gorch Fock nun zu Ende. Die Dipsomanie und Dämonisierung ist zu weit fortgeschritten, um sie noch länger zu ertragen oder ihr noch entgegen zu wirken. Ich bin einfach ein zu positiver Mensch und bin der Meinung- man lebt nur 1x und mein Leben ist zu kurz und die Grafik einfach zu genial, um sie mir zu vernebeln, oder mich herunterziehen bzw. ärgern zu lassen. Leider sieht er das wohl anders und erzählt überall herum, dass ich ihm Geld unterschlagen hätte, was natürlich Blödsinn ist, zum Glück habe ich alle Kontoauszüge. Wir hatten eine klare Abmachung- solange ich an Bord bin, trage monatlich 500,-€ in Form von Lebensmitteln zur Bordkasse bei und er übernimmt den Rest, ist ja auch sein Boot. Das hat auch all die Monate super funktioniert. Plötzlich will er aber rückwirkend meinen Anteil auf 1:1 erhöhen und droht mit einer Strafanzeige, wenn ich diese Differenz nicht ausgleiche. Mir bleibt also wieder einmal nichts erspart. Trauriges Smiley Sehr schade, dass Menschen die sich mal gern hatten, so miteinander umgehen müssen!

10566223_10152285277797263_1333105683_n.jpgWohin aber nun mit mir? Nun wie das Leben so spielt, passieren Dinge die man nie für möglich gehalten hätte, oder soll es einfach so sein? Seit Anfang Oktober liegt nämlich die VEGA auch hier im Hafen. Drei Monate haben der Skipper und ich, es tatsächlich geschafft einen großen Bogen umeinander zu machen, dann aber trafen wir doch aufeinander. Und so haben wir in einem Gespräch festgestellt, das damals vor über zwei Jahren vieles unausgesprochen geblieben ist, aber dennoch nicht anders zu regeln ging. Es war besser, genau wie auch jetzt von der Gorch Fock, voneinander Abschied zu nehmen, bevor etwas eskaliert, das nicht rückgängig zu machen geht. Wir sind uns also nicht böse, es fühlt sich vertraut an und so gehen wir als gute Freunde miteinander um. Es war nicht schwer zu erraten, dass ich mich sehr unwohl fühle, deshalb haben mir der Skipper der Vega und seine Bordfrau Asyl angeboten. So wird also doch noch ein kleiner jahrelang gehegter Traum wahr und ich darf ab April mit der VEGA mitfahren. Ihr Ziel ist über die Balearen, nach Sardinien und Sizilien nach Griechenland zu fahren, aber ich muss natürlich schauen wie sich das für mich anfühlt mit so großer Crew. So peile ich erst einmal Mallorca an, um mir dort ein Zimmer zu nehmen, oder schaue eben wie lange ich die Besatzung der Vega unterstützen kann bzw. es miteinander gut geht. Denn in Griechenland muss ich mir ja auch erst wieder einen Platz bzw. Boot suchen, um die Schönheit des ionischen Meeres und der Ägäis kennenzulernen.

Screenshot_2017-03-04-10-00-36-1Deshalb nimmt auch eine andere Variante gerade Formen in meinem Kopf an. Denn will ich wirklich auf Dauer immer abhängig von den Launen und der Gnade der Skipper sein, die mir für Hand-gegen-Koje Obdach gewähren? Will ich immer bitten und betteln müssen, mich mitzunehmen, als Gegenleistung profitieren die von meinen Erfahrungen und wissen das nicht einmal zu schätzen? Ich könnte mir deshalb auch gut vorstellen, mich auf Mallorca für länger nieder zu lassen, zeitnah den SKS-Schein zu machen und dann als Skipperin zu arbeiten. Firmen die mich mit Kusshand nehmen gibt es einige, denn SkipperINNEN sind doch recht rar und Frauentörns dafür um so gefragter. Zusagen hätte ich sogar schon.

Und noch eine Idee manifestiert sich gerade. Für ein eigenes Boot fehlen mir derzeit leider die finanziellen Mittel, aber eine Frau zu finden die ein eigenes Boot hat, wäre noch denkbar. Wenn das vielleicht auch sehr selten ist und selbst da ist es fraglich ob es miteinander klappt. Aber einen Versuch wäre es wert, mit Frauenpower durch die Welt zu segeln. Also Mädels, meldet Euch!

So traurig und unvorhergesehen diese Entwicklung nun ist, bin ich dankbar für die schöne Zeit, die wir doch gemeinsam hatten und schaue offen in die Zukunft Smiley mit geöffnetem Mund

Ich lass mir jedenfalls meinen Traum nicht kaputt machen!!!

Warum Holland?!

Holland ist ein wirklich hübsches Land. Alles wirkt so klein und niedlich, wie ein Puppenstübchen. Es ist ein ziemlich krasser Gegensatz zum lauten, schmutzigen Italien, hier ist alles beinahe wieder ZU gepflegt und aufgeräumt. Der Rasen akkurat geschnitten, die Vorgärten beinahe steril und die Straßen wie geleckt. Selbst Deutschland kann sich da noch eine Scheibe abschneiden! Für mich persönlich ist das genauso wenig etwas, wie das gegensätzliche Italien, aber es ist in jedem Fall hübscher anzuschauen, wenn auch weniger abenteuerlich Zwinkerndes Smiley

Ihr werdet Euch aber sicher wundern warum ich nun aus dem warmen Süden, tatsächlich nach Holland gereist bin?! Nun wie ich schon im letzten Blogeintrag schrieb, natürlich wegen der Segelei, aber es gibt da noch einen Grund- ich habe einen Seebären kennen gelernt, der in Holland/ Roermond sein Boot “Gorch Fock” liegen hat. Wir haben uns über das Portal segler-sucht-seglerin.com kennen gelernt und er hatte mich bereits spontan in Rom für 5 Tage besucht. Es macht wirklich Spaß mit ihm und nach den ersten Tagen an Land, haben wir ja nun auch ausprobiert, wie es sich anfühlt miteinander zu segeln. Bisher ist alles sehr unkompliziert und leicht und ich hoffe wirklich, dass es dabei bleibt. Aber ein Wehmutstropfen gibt es dennoch- er muss noch bis Mai nächsten Jahres arbeiten, aber ich hoffe das mir die Zeit mit ein paar Kurztörns zwischendurch nicht ganz so lang und der Winter nicht gar so eisig wird.

11954665_1014095898611741_6035797687736216070_nDer zweiwöchige Ostseetörn auf dem Charterschiff “Bärbel” war eine wirklich gute Erfahrung für mich, denn dort hat sich bestätigt, was ich bis dahin nur vermutet habe- die Ostsee ist nicht wirklich mein bevorzugtes Segelrevier. Natürlich gab es schöne Tage und ich habe es sehr genossen endlich wieder einmal zu segeln. Ganz besonders war auch, dass mein Sohn und seine Freundin an einem Wochenende mitgesegelt sind. Sie fanden es großartig auch gleich mal die langen Schläge, von Kopenhagen über Trelleborg nach Rügen zu segeln und freuen sich schon auf ein nächstes mal! Die Route war an sich recht umfangreich, 407sm in 8 Tagen, war mein bisher längste Fahrt, selbst der Überführungstörn von den Balearen nach Sizilien war kürzer. Wir hatten jedes Wetter dabei, von strahlendem Sonnenschein, über Platzregen bis hin zu Gewittern, denen wir um Haaresbreite aus dem Weg gehen konnten. Aber auch von absoluter Flaute bis hin zu 25kt und 3m Welle durften wir erleben, den Männern hat´s gefallen, ich bevorzuge aber eher die gemäßigte See. Die Ostsee ist mir einfach zu unbeständig und auch zu kalt und kabbelig, deshalb freu ich mich schon jetzt aufs Mittelmeer! Ich habe auch nicht wirklich viel gesehen, da wir in Kopenhagen nur an einem Abend waren und in den anderen Marinas nur immer mal einen kleinen Spaziergang gemacht haben. Es war also genau der Ausgleich zu Italien, also viel segeln und wenig Sightseeing. Nun kann ich also auch mitreden wenn es ums segeln auf der Ostsee geht.

DSC_2925kleinAls nächstes werden wir an einem Wochenende mal die Nordsee erkunden und im Oktober bringt der Seebär dann die “Bärbel” von Brest bis Lissabon die Biskaya hinunter, mal schauen wo ich währenddessen bleibe. Über Neujahr werden wir eventuell auf die Kanaren fliegen um dort auf der “Bärbel” ein wenig gemeinsam Atlantik zu schnuppern. Ansonsten wohnen wir auf seiner “Gorch Fock” in Roermond, die über Winter mit einigen noch fehlenden Kleinigkeiten ausgestattet wird, um dann am 1.Mai 2016 auf große Fahrt zu gehen.