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Segelurlaub Cote d´Azur

Wie es aussieht mache ich gerade Segelurlaub, also sprich – Urlaub vom Segeln. Es ist wie verhext gerade, entweder bin ich in der falschen Ecke des Mittelmeeres und/oder die Törns sind zu kurz für einen Flug dorthin, um dann nach 1 Woche festzustellen- war doch nix. Oder aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht, auf einem Partyboot morgens die Leichen einsammeln, nee das ist nix für mich. Aber auch auf einem Boot Babysitter für 2jährige mag ich grad so gar nicht spielen, diese Verantwortung ist mir too much. Ansonsten gibt es nur Bezahltörns und die sind jetzt in der Hauptsaison nicht gerade billig. Aber ich mache es mir trotzdem schön und werde eben über Land weiter fahren.

nizza 2Derzeit bin ich ja in Nizza, einer wirklich schönen Stadt, mit einer wunderschönen quirligen Altstadt, dem kleinen Hafen, der kilometerlangen Uferpromenade und den atemberaubenden Villen in den angrenzenden Bergen. Auch dahinter erstrecken sich traumhafte Buchten mit toller Landschaft. Nizza – zum einen unheimlich vielfältig und zum anderen sehr angenehm zum wohnen. Man kann vieles zu Fuß erreichen, somit spart man Bus und Bahntickets, die aber mit einer Zehnerkarte für 1,- pro Fahrt auch noch erschwinglich sind. Dafür ist das Essen in Frankreich nicht gerade billig. Sowohl in den Supermärkten, als auch in den Bistros. Aber ich habe ein wirklich schönes, bezahlbares Zimmer (23,- pro Nacht) über Airbnb erwischt, in einer 3 Zimmer-Wohnung die ich mir mit einer sehr lieben Deutschen teile, die hier sesshaft geworden ist. Wir unternehmen ab und an etwas zusammen und kochen auch mal gemeinsam, so fühlt sich also WG-Leben an, könnte mir wirklich gefallen in einer anderen Stadt zu leben. Auch mein Ausflug nach Monaco war sehr schön, mit der Bahn ist man in 20min. dort und kann sich gut einen Tag lang dort die Beine vertreten. MonacoUnd auch wenn ich mir in dieser Chikimiki -Gesellschaft sehr fremd vorkomme, ist es dennoch wie ein Autounfall- man muss trotzdem hinsehen, wohnen könnte ich dort allerdings nicht. Am 25.6. werde ich dann mit dem Bus weiter nach Genua ziehen, mir dort die Stadt 3 Tage lang ansehen, um dann mit blablacar.it über 6 Tage Pisa weiter nach Rom zu fahren und dort 1-2 Wochen verbringen. So werde ich mich dann Stepp bei Stepp weiter südlich Richtung Sizilien hangeln und schauen ob es es dort dann wieder per Schiff Richtung Osten weiter geht. Ich versuche das alles natürlich so günstig wie möglich zu bewerkstelligen, aber ich vermeide auch widerum Schlafräume und Billighostels. Dann nehm ich lieber ein WG-Zimmer, das bekomm man gut um die 20,- die Nacht und lernt gleich die Einheimischen oder eben auch Zugereiste kennen. Aber ich muss gestehen, ich genieße die Zeit des Alleinseins gerade sehr. Niemand schreibt mir vor wie ich was tun oder lassen soll und niemand stört sich daran was ich mache. Ich kann mir anschauen was und wann ich will, kann einfach nur durch die Stadt schlendern und irgendwo sitzen wo ich es schön finde. Auch muss ich nicht zu bestimmten Zeiten irgendwo sein, sondern kann mir Zeit lassen soviel ich will. Natürlich war es schön mit Anderen gemeinsam alles zu erleben, aber nach nun doch schon 3,5 Monaten in Gesellschaft finde ich das Alleinsein grade sehr entspannend. So kann ich auch mal wieder ausführlich Kontakt zu Freunden und Familie halten, das kommt ja auf dem Schiff doch immer zu kurz.

Erst gestern habe ich mich mit einer auch reisenden Freundin über Internetgebühren unterhalten, was sicher für den einen oder anderen auch interessant ist. Meinen deutschen Handyvertrag hatte ich ja gekündigt, aber dank endloser Kündigungsfristen, ist er noch bis Oktober 2015 aktiv. Dann werde ich mir eine Prepaid-Karte holen, damit ich meine Nummer behalten kann. Von Beginn meiner Reise an, habe ich mir die jeweilige ausländische Prepaidkarte gekauft, wobei ich immer darauf geachtet habe eine nur für´s Internet zu bekommen, da ich kaum telefoniere bzw. wenn dann skype oder jetzt neu per whatsapp übers Internet telefoniere. In Spanien hat von Orange 1 GB 5,- gekostet, mit 3 BG bin ich gut über den Monat gekommen. In Italien gab´s von TIM für 20,- sogar 10 GB und hier in Frankreich wiederum von Orange nur 2 GB für 20,- Ich denke es lohnt sich in jedem Fall zu wechseln, gerade wenn man über Land unterwegs ist, freuen sich die Einheimischen, wenn man eine Inlandstelefonnummer angeben kann.

tablettAchja, und da irgendwie immer ein Teil meiner elektronischen Geräte kaputt zu sein scheint… hat kurz nach dem ich meinen neuen Laptop hatte, mein Tablett Glasbruch erlitten. Fragt mich nicht wie das passiert ist, ich hab es an einem Morgen auf dem letzten Boot festgestellt, kaputt ist eben kaputt. Dank Amazon habe ich mir nun eine neue Scheibe nach Nizza schicken lassen, leider stellte sich aber nach dem Montieren des Gerätes heraus, das auch das Display darunter gebrochen ist. Nun werde ich mir das nach Pisa schicken lassen, wo ich ja wieder ein paar Tage Aufenthalt habe. Es wird also nie langweilig und man wird echt erfinderisch Smiley

Retour

2,5 Wochen meines Urlaubs war nun schon vorbei, die Tage erschienen doppelt so lang, ich fühlte mich einfach zu wohl. Da ich meinen Rückflug noch nicht gebucht hatte, entschloß ich mich auf Arbeit anzufragen ob ich nicht noch meine Überstunden abbauen könnte um meinen Urlaub um ein paar Tage zu verlängern. Zum Glück hatten wir mobiles W-lan, da mein Skipper in Frankreich lebte und einfach eine Erweiterung für sein Festnetz beantragt hatte. Es dauerte auch nicht lange und ich bekam die Zusage, es war einfach traumhaft. Nun musste also nicht von Korsika zurück nach Berlin fliegen, sondern konnte noch gemeinsam mit ihm die Überfahrt machen und konnte, wenn alles klappte, noch ein wenig an der Cote de`Azur mit ihm zusammen zurück nach Marseille fahren. Mein Skipper war sehr erfreut darüber, denn wir verstanden uns wirklich gut und so musste er auch die 26 Stunden Überfahrt nicht allein bewältigen.

DSC_0394-kAls die Wettervorhersagen also günstig standen, fuhren wir diesmal recht früh am Morgen los. Auf Wind brauchten wir ja nicht zu achten, aber die Wellenhöhe war sehr wichtig, denn der Außenborder sprang zu gern aus dem Wasser und setzte aus, was wiederum den Pinnenpiloten durcheinander brachte. Aber wir hatten Glück und fuhren bei spiegelglattem Wasser los. Und wieder eröffnete sich uns ein Naturschauspiel, wir sahen Wale am Horizont, zum Glück weit genug entfernt von uns, aber dennoch gut zu erkennen denn die Fontäne schoß Meter hoch. Auch fliegende Fische sprangen neben unserem Boot her und in der Nacht mit riesigem Vollmond, schwamm ein Schwarm Delfine bestimmt eine halbe Stunde neben unserem Boot her. Es ist schon beängstigend schön, wenn genau neben einem so ein riesen Tier aus dem Wasser springt und man vom wieder rein platschen nass wird, aber es war auch einfach beeindruckend und man möchte das es nie aufhört. Irgendwann in der Nacht kam uns genau auf unserem Kurs ein Boot entgegen und da wir ja motorten wichen wir vorschriftsmäßig nach rechts aus, nur schien der Skipper des Entgegenkommers in der Schule nicht richtig aufgepasst zu haben, denn auch er wich trotz Besegelung nach links aus. Es war tatsächlich haarscharf das wir aneinander vorbeirauschten und das auf offener See, was für ein Zufall. Gegen Morgen wurden die Wellen dann höher, so das wir beide zur Beschwerung hinten sitzen mussten. Als dann eine Fähre am Horizont auftauchte, die gezielt von hinten in unsere Richtung fuhr wurde mir dann doch mulmig. Mein Skipper hatte sich anscheinend nicht erkundigt wo genau die Route der Fähren entlangging, aber ich hab im nachhinein erfahren, dass selbst das wenig genutzt hätte, das Fähren das obere Ende der Nahrungskette sind und entlangfahren wo sie wollen. Der Kronleuchter kam also immer näher und ich hatte im Geiste schon meine Schwimmweste an und meine persönlichsten Sachen zusammengesucht. Wenn ich hätte aufstehen können, hätte ich es wohl sogar getan, aber ich musste ja wegen der Wellen im Heck sitzen bleiben. Fast eine halbe Stunde bangte ich, denn ich konnte einfach nicht die Entfernung zu ihr einschätzen, auch nicht wie schnell sie sich bewegte, es ist unglaublich. Dann passierte aber das Unerwartete und sie bog vor uns ab rauschte von dannen. Ich atmete auf und entspannte mich, bis kurz darauf wieder so ein Exemplar am Horizont auftauchte. Da wir aber schon fleißig gefahren waren und diese wohl auch eine andere Route hatte, bog sie hinter uns ab und wir konnten dann unbehelligt weiterfahren. Eine Woche nach unserem Urlaub stand wohl in der Französischen Zeitung, dass ein Segelboot allein durch die Bugwelle einer Fähre gekentert ist.

DSC_0404 kleinDann wurde es endlich hell und wir sahen das live, was wir bis dahin nur auf unserem IPod gesehen hatten- LAND! Frankreich erhob sich vor uns und wir tuckerten die Insel Ile du Levant an. In einer wundervollen Ankerbucht, machten wir fest und legten uns schlafen, dieses mal kam es uns unendlich viel anstrengender vor, als beim letzten mal. Allerdings trieb uns die Wärme bald aus den Kojen und wir schliefen in Etappen, mal draußen im Cockpit, mal in den Kojen. Am nächsten Morgen fuhren wir dann weiter Nach Port Cros um Benzin zu bekommen, denn unser Kleiner schluckte ganz schön. Leider gab es in diesem idyllischen Hafen weder Süßwasser noch Benzin und dennoch mussten wir noch eine Nacht dort bleiben, da sich draußen schon wieder der Mistral tobte. Wir nutzten die Gelegenheit die kleine Festung zu erkunden und aßen das erste mal seit langem eine Pizza! Es ist erstaunlich wie viel gesünder man sich auf einem Boot ernährt, da man nur Dinge mitnehmen kann die nicht so schnell verderben und wir zudem auch keinen Kühlschrank hatten, gab es häufig Muscheln und Fisch, aber auch einfach nur Gemüsepfanne oder Couscous mit Thunfisch. Man passt sich eben an und da man durch die Wärme viel trinkt, reichen auch zwei Malzeiten völlig aus.

DSC_0487-kWir fuhren eine Nacht später dann gemütlich weiter über Porquerolles am Festland entlang Richtung Marseille. Es war erstaunlich wie anders doch alles aus dieser Richtung aussah, selbst die Ankerplätze die wir auf dem Hinweg sahen und nutzten, erkannten wir kaum wieder. Es war also gar nicht schlimm die selbe Strecke noch einmal zu fahren. Nur die Sonnenuntergänge waren gleich und der Geruch Frankreichs, den ich mir in einem Glas in Form von Zedernholz mitgenommen habe. In der Bucht von Sanary-Sur-Mer machten wir dann noch tolle Erinnerungsfotos und ein Feuerwerk wurde noch ein krönender Abschluß dieser Reise. DSC_0501-kDenn nun waren wir nur noch zwei Tagesreisen von Marseille entfernt und ich war unendlich traurig bald wieder von Schiff gehen zu müssen. Aber ich hatte mir ja ein Versprechen gegeben wiederzukommen, immer und immer wieder, bis ich dann ganz dort bleiben konnte. Und genau dieser Gedanke machte dann auch in Marseille den Abschied leichter und ich fuhr entschlossen und beinahe vorfreudig mit dem Bus zurück nach Nizza, um von dort wieder nach Hause zu fliegen.

DSC_0554-kMein Sohn der mich vom Flughafen abholte, war dann auch nicht sonderlich überrascht von dieser Entwicklung, denn wir hatten zwischendurch vom Boot aus geskypet, so das er meine Begeisterung live mitbekommen hatte. Und er kannte mich eben zu gut und war sehr angetan von dieser Entwicklung, denn auch er würde über kurz oder lang ins Ausland gehen. Er hatte in meinem Urlaub die Zusage für ein Auslandspraktikum für 3 Monate im Herbst 2014 bekommen.

Die Mary Fisher liegt derzeit in einem Hafen in der Rhone und soll nächstes Jahr über die Flüsse nach Berlin geschippert um dort verkauft zu werden. Natürlich wird die Saling bis dahin repariert. Und mein Skipper wird sich vielleicht, mit dem Erfolg seines entwickelten Spieles, ein neues Boot kaufen, wann das allerdings sein wird, steht in den Sternen!
Meine Quallenverletzung, heilte nach einer Woche ab, um sich dann wieder zu entzünden, die Nesseln, die die Qualle in die Haut schießt sind durch darüber reiben aufgeplatzt und ich hatte tatsächlich Brandblasen. Mein Knie verheilte erst nach der Reise, durch das Salzwasser konnte sich kein Schorf bilden, ich hätte konsequenter mit dem Nichtbaden sein sollen, aber wozu. Mein rechter Fuß machte mir gegen Ende noch etwas Ärger, da es mein Standbein war, wurde der Knöchel im laufe des Tages immermal dick, so das ich mit einem Verband in einem Eimer kühlen musste, ein Stützstrumpf würde dass das nächste mal verhindern. Und mein Herz ist dort geblieben, auf dem Meer…

Es war also ein unvergesslicher Urlaub und trotz aller Schwierigkeiten und Blessuren, habe ich alles mit jeder Faser meines Körpers genossen!

http://youtu.be/vV5G-2MPF-I

http://www.youtube.com/watch?v=ilBegVi_rts

Cote d`Azur

Nachdem wir also unser kleines Boot so gut wie möglich klar Schiff gemacht hatten und uns auch die Umgebung zur Genüge angesehen hatten, ging es endlich los. Erst bei der Hafenausfahrt sah ich wie riesig dieser Hafen doch war, dort lagen unzählige Boote, eins größer als das andere, so das wir uns noch kleiner vorkamen. Auch die Festungen, die früher sicher zum Schutz der Stadt gebaut wurden, und nicht zu vergessen diese irrsinnig großen Fährschiffe ließen uns nicht vergessen wie verwundbar wir doch mit unserer Nussschale waren.

DSC_0222-kAber wir hatten guten Wind, der noch die nachwehen des Sturms war, der in der Nacht meiner Ankunft tobte, von dem ich zwar gar nichts, mein Skipper aber um so mehr mitbekommen hatte. Wir schipperten also aus dem Hafen, die Küste entlang. Für mich war es ein tolles Gefühl, so ganz anders als erwartet, ich genoß die Bewegung des Bootes und die Sonne auf der Haut. Wir steuerten dann die nächst gelegene Bucht nach Marseille an und ankerten dort, ich war gespannt wie mir die erste Nacht ohne sicheren Hafen bekam. Aber erst einmal genoß ich es im Meer zu schwimmen und versuchte das erste mal ein Abendessen in der Miniküche zu zaubern. Eigentlich war es aber nichts anderes als beim Campen, man hatte Plastikgeschirr und einen kleinen Herd und wenig Platz. Da ich das ja schon gewohnt war, klappte das also schon ganz gut und wir ließen den Tag mit einem Becher Rotwein ausklingen. Wir konnten wunderbare Gespräche führen, so dass wir uns zwingen mussten schlafen zu gehen und nicht die Nacht durchzumachen.

DSC_0228-kAm Morgen begrüßte uns schon die Sonne, ich hatte wunderbar in meiner kleinen Lotsenkoje geschlafen und genoss mein Frühstück. Nach einem morgendlichen Bad, holten wir den Anker ein und schipperten gemütlich weiter. Die Tage folgten den Nächten und umgekehrt, die Landschaft veränderte sich und ich konnte mich nicht sattsehen. Ich hatte mir unmengen Lesestoff auf mein Kindle geladen, aber ich hatte keine Minute das Bedürfnis zu lesen, viel zu spannend waren die Eindrücke und viel zu sehr genoss ich diese Art zu reisen! Es war beinahe wie fernsehen nur das sich nicht die Bilder bewegten, sondern wir uns. In mir machte sich eine unheimliche innere Ruhe breit, sonst hatte ich immer das Gefühl etwas zu verpassen, aber nun fand ich das die Anderen etwas verpassten. Ich lernte die ersten Handgriffe die man zum segeln benötigte und nach ein paar Tagen waren wir schon ein gut eingespieltes Team. Mittlerweile merkte ich auch die Größe des Bootes kaum noch, ich fühlte mich viel mehr geborgen, wie in einem kleinen Nest.

DSC_0234-kDie Tage flossen also so dahin, ich genoß die Wärme, das himmelblaue Meer und die Ruhe. Wie anders war doch mein Alltag, voller Streß und Planungen und Organisation und nun genau das Gegenteil. Ich musste mich fügen, waren wir doch ganz vom Wind und Wetter abhängig. Zum Glück lies uns Beides nicht im Stich. Am 6. Tag wollten wir dann in den Hafen von Saint Tropez, die Vorräte für unsere Überfahrt nach Korsika auffüllen und ein wenig wieder unter Leute gehen. Nicht das ich das Bedürfnis gehabt hätte, denn ich fand wir waren uns Beide genug.

DSC_0255-kÜberall schwirrten Hubschauber mit Paparazzis in der Luft, die vor den Booten herflogen um vielleicht auch nur ein Skandalbild zu schießen. Viele der Yachten konnten gar nicht in den Hafen fahren, da sie viel zu groß waren und zu viel Tiefgang hatten, so das die Bucht voller Riesenschiffe war, die von kleinen bis großen Dinghys umschwärmt wurden, um Menschen von und zu den Schiffen zu bringen. Keiner dieser Leute deren Dinghy beinahe die Größe unseres Bootes hatten, hatten auch nur die geringste Ahnung davon, wie sehr sie unser Boot zum schwanken brachten, sie jagden um uns herum und ließen uns rollen wie bei einem Sturm. Und genau zu diesem Zeitpunkt wurde mir bewußt, warum ich die Ruhe und Abgeschiedenheit auf dem Meer so sehr genoß. Ich konnte mich sehr wohl den Unregelmäßigkeiten des Wetters fügen, aber diese Rücksichtlosigkeit der Menschen war mir absolut zu wider! Und genau das war auch das was mich persönlich dann im Hafen angekommen störte. Irgendwie empfand ich die vielen Menschen als Eindringlinge in unsere kleine Welt.

DSC_0256-kAuch dieser Überschwang an Reichtum, der Megayachten war mir im Vergleich zu unserem doch recht spartanischen Leben auf dem Meer zu viel. Es fühlte sich beinahe obszön an, diese Menschen in ihren High Society Klamotten, viel zu stark geschminkt und viel zu viel parfumiert. Was hatten sie aus diesem doch einst beschaulichen und wirklich hübschen kleinen Ort gemacht, ein Treffpunkt der Reichen und Silikongepolsterten und deren Anhänger. Wenn die Gewußt hätten das ich vor einer Woche das letzte mal geduscht hatte, hätten sie wohl einen großen Bogen um mich gemacht ;o) Es machte mir im übrigen so gar nichts aus, wir schwammen ja jeden Tag im Meer und wuschen uns dann Abends mit einem Lappen und Seife mit Süßwasser ab. Trotzdessen tat die Dusche dann sehr gut, denn meine langen Haare über dem Eimer waschen war schon recht mühsam. Wir sahen dann aber auch zu, schnell alle Dinge die wir brauchten zu besorgen und fuhren ausgeschlafen am nächsten Morgen ab. Schließlich hatten wir eine lange Strecke von ca. 150sm vor uns und wollten beide wach bleiben um auch ja nichts zu verpassen.

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Erstens kommt es anders…

Vorwort:

Nun bin ich also doch auf den Blog gekommen. Jahrelang hab ich mich drumherum gedrückt, aber anscheinend ist meine Geschichte so spannend, dass immer mehr Freunde aber auch Fremde daran teilhaben möchten. Nun denn…

Erstens kommt es anders und zweitens… na ihr wisst schon.

Vor fast genau 10 Jahren begann schon einmal etwas in meinem Leben mit diesen Worten, aber das ist wieder eine andere Geschichte. Diese hier begann im Juni diesen Jahres, als der TÜV mir offenbarte, dass er mich von meinem heißgeliebten Opel Tigra nach nur 5 gemeinsamen Jahren trennen würde. Damit aber nicht genug, denn durch dieses Urteil wurde auch mein langersehnter Jahresurlaub vereitelt. Seit über 8 Jahren fuhr ich Jahr ein Jahr aus an die Ostsee, genauer nach Usedom campen. Ein paar Jahre diente dazu ein geliehener Wohnwagen und in den letzten Jahren mein eigenes Zelt.

1927210_728533720501295_629894440_n Es war jedesmal wie nach Hause kommen, man fuhr dorthin baute sein Zelt auf, wurde mal von diesen mal von jenen Freunden begleitet, oder verbrachte auch ein paar Tage alleine dort. Am besten daran gefiel mir die Freiheit, man verbrachte 24/7 unter freiem Himmel und konnte herumlaufen wie man wollte. Kein aufgehübsche, keine Modenschauen, Jogginghose und ungeschminkt, eben so ganz anders als zu Hause. Und man konnte den lieben langen Tag aufs Meer starren, lesen, Musikhören, oder auch im Kletterwald die überschüssigen Energien abbauen. Kurzum- einfach die Seele baumeln lassen.

 

1922826_728534403834560_1021156956_nUnd das alles sollte mir nun verwehrt bleiben, so ganz ohne meine kleine Drecksau, sorry damit meine ich mein Auto, das jetzt wohl sein restliches Leben in Afrika ohne mich verbringen wird, würde ich meinen ganzen Kram niemals dort hoch bekommen.

Nun war guter Rat also teuer, oder auch nur ein Essen wert, denn just wußte eine Freundin Selbigen- www.urlaubspartner.net war des Rätsels Lösung. Einer ihrer Bekannten inserierte dort schon sehr erfolgreich seit Jahren, wieso also nicht auch ich?! Ich stellte flugs eine Anzeige ein und bekam natürlich auch unzählige Anschreiben. Aber irgendwie kam kein so wirkliches Miteinander zustande, sei es weil Mann nur das eine im Kopf hatte oder auch kein Auto oder aber Bayern nun nicht gerade auf dem Weg von Berlin zur Ostsee liegt. Also surfte ich selbst mal durch die Anzeigen und blieb geschlagene drei Tage an einer Anzeige hängen:

Segelabenteuer Mittelmeer

Mary Fisher Suche Mitseglerin auf meinem Mittelmeertörn (Segelerfahrung nicht notwendig)
Zeitraum: Im Juli, August oder September 2013 für ca. 1 Monat
Start: Marseille, dann die Küste entlang Richtung Italien, irgendwann dann mal nach Korsika, und dann weiter wohin der Wind uns weht und solange es Spaß macht… Die Mittelmeerhäfen sind teuer, und ich möchte so oft wie möglich ankern. Die Reise kostet dich außer der Verpflegung nichts, es sei denn du möchtest einen Hafen anlaufen und ich nicht. Die Yacht ist sehr klein und ich bin kein Millionär. Ich tausche auf meinen Reisen immer Bequemlichkeit gegen Freiheit, und wenn dir das nicht fremd ist, ist das das richtige Abenteuer für dich. Ich suche nach einer Freundschaft, die den Rahmen dessen, was üblicherweise als Intimität und Ehrlichkeit bezeichnet wird, sprengt. Ich bin kein „Seewolf“, sondern habe einen guten Zugang zu meinen Gedanken und Gefühlen und suche nach regem Austausch, Inspiration und tiefen Einblicken in deine Innenwelt. Getrennte Kojen gibt es selbstverständlich, eng ist aber trotzdem immer.
Ich stelle gerne Fotos und Videos von mir und meinem Boot zur Verfügung, und möchte unbedingt auch vor Beginn der Reise ausgiebig schreiben, chatten und skypen.
Wenn es dann doch nicht passen sollte, gibt es jeden Menge Hafenstädte mit guten Zugverbindungen, in denen du spontan wieder von Bord gehen kannst, z.b. Nizza oder Genua.

Nach dem mir dieses Anschreiben irgendwie nicht aus dem Kopf ging, antwortete ich einfach. Zwar kurz und knapp, aber siehe da, ich bekam postwendend Antwort, obwohl ich damit eigentlich so gar nicht gerechnet hatte. Es entwickelte sich ein sehr anregender Austausch, der sehr bald vom schriftlichen zum telefonischen und dann auch zum Videoskypen wechselte. Wir lagen auf einer Wellenlänge und konnten stundenlang plaudern, was für solch eine Reise natürlich super Voraussetzungen sind. Wir wurden uns bald über Treffpunkt und Reisezeit einig und nach eingehender Beratschlagung mit meinem Sohn und besten Freunden sagte ich zu, auch wenn es Freunde gab die strikt dagegen waren und mir sogar die Freundschaft kündigten. Aber was für Freunde waren das dann auch?!

Mein Gott was war ich aufgeregt- würde ich Seekrank werden? Was wenn es mir zu eng werden würde? Oder man sich schnell gegenseitig auf den Geist ging? Würde mir die tägliche Bewegung nicht fehlen? Hatte er genug Erfahrung um uns heil ans Ziel zu bringen? Und wie würde das mit der Hygiene sein? Fragen über Fragen, die mir mein Skipper zwar aus seiner Sicht beantworten, aber die ich letztendlich nur selbst erfahren konnte.

Der Tag der Abreise rückte immer näher und ich war gespannt wie ein Flitzbogen, wie würde alles werden und wie war ER?

DSC_0212-kIch flog also am 28.7. mit Easyjet nach Nizza und fuhr von dort mit dem Bus nach Marseille, wo er mich nach einer Nacht im Hotel in Empfang nehmen wollte. Der Flug war kurz und schmerzlos und Marsaille großartig, der Hafen bei Nacht ist eine wahre Festbeleuchtung, so das ich mich gar nicht satt sehen konnte. Mein Hotel war leider viel zu überteuert, und ganz schrecklich klein und laut, aber es war ja nur diese eine Nacht. Am Morgen entschädigte mich die warme Mittelmeersonne und der Blick auf die zahllosen Schiffe im Hafen. Ich schlenderte ein wenig durch die Stadt und setzte mich zum warten in ein kleines Café. Gegen Mittag waren wir verabredet und sodann erschien er auch so ganz in Weiß, mein Skipper.

Das Boot war dann tatsächlich klein, nur ganze 8 Meter lang und ich bekam die ersten Zweifel ob ich das wohl ganze 3 Wochen ertragen würde. Ich bezog also meine Koje und stopfte meine viel zu große Reisetasche in eine Ecke. Wir wollten 1-2 Nächte noch im Hafen bleiben, erstens um zu sehen wie ich auf dem Boot zurecht kam und zweitens um Vorräte, Strom, Wasser und Benzin aufzutanken. Und wir wollten natürlich noch ein wenig Marseille erkunden, was wir dann auch fast in genau dieser Reihenfolge taten.

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