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Atlantiküberquerung die II

Ich hab´s also wieder getan, ich habe zum zweiten mal den Atlantik überquert. Nicht das ich das ausdrücklich vor gehabt hätte, es hat sich halt so ergeben. Alles war besser, als in der Corona Zeit auf Grenada fest zuhängen und auf irgend einen Heimflug zu warten, zumal Heim wohin? Dieses mal ging es also von West nach Ost, angeblich die kompliziertere Route. Doch jeder der schon einmal so eine lange Strecke zurück gelegt hat, wird mir zustimmen, dass nicht die Route das Problem ist, sondern die menschliche Psyche. Das hat sich auch in unserem Fall bestätigt. Wir starteten also zu Fünft am 24. Mai in aller Ruhe von St. Martin aus. Die Backskisten und Tanks waren gut gefüllt, die Crew guter Dinge und die Wettervorhersagen günstig. Denn allen Unkenrufen zum Trotz, war es weder zu früh, noch zu schwierig. Sebastian Wache von Wetterwelt hatte just zeitgleich ein Prognosevideo hochgeladen, dass sich als sehr hilfreich und präzise erwies und unser Satellitentelefon und das Iridium sollten uns unterwegs wettertechnisch begleiten. Somit waren wir gut ausgerüstet und konnten starten.

Die ersten 11 Tage hatten wir, wie vorhergesagt, sehr gute Winde aus E/NE, auch wenn ich diesen Kurs ungern mit einem Monohul fahren möchte, denn 11 Tage am Wind segeln, auf einer Backe liegend, ist mehr als anstrengend. Zum Glück also, dass ich auf einem Katamaran saß und die SIByER sogar bis 45° am Wind segeln konnte. Wir sausten also dahin und genossen die Fahrt, bis… ja bis… ich plötzlich Wasser in meiner Heckkajüte hatte Erstauntes Smiley Salzwasser und dann noch an der Notausstiegsluke, die sich nur wenige Zentimeter über der Wasserlinie befindet. Es rann vom oberen Rahmen herunter und ergoss sich auf dem Fußboden. Noch vor der Abfahrt waren wir beim Lagoon Händler gewesen und ließen, auf Wunsch der Versicherung, Bleche daran befestigen um ein herausfallen zu verhindern. Und nun schoss Wasser aus genau diesem Fenster. Ich muss ehrlich sagen, ich hatte das erste mal in meinem Leben Angst ! Wassereinbrüche jeglicher Art, war ich ja schon, allein von der VEGA, gewohnt, aber so mitten auf dem Atlantik, bei 3-4m Welle, waren dann doch eine ganz andere Hausnummer. Denn was wenn dieses Fenster herausfallen würde, wo nun schon Wasser hindurch kam und Lagoon schon eine Rückrufaktion deshalb gestartet hatte. Mitten auf dem Atlantik, kein Land weit und breit, nur Wasser ! Wir schmierten also Sikaflex in jede sichtbare Fuge, das stoppte den Wassereinbruch etwas, und hofften inständig auf weniger Welle, die permanent gegen das Fenster klatschte.

So eine Langstreckenfahrt ist eben immer eine Materialschlacht, so riss uns als nächstes die Leine des ersten Reffs, dass wir wohlweißlich eingebunden hatten. Natürlich passiert so etwas immer Nachts, aber der Eigner, ein Profiskipper, fixierte nun das Reff direkt am Baum, so das wir die Leine nicht mehr benötigten. Die Keilriemen der beiden Motoren rissen ständig, zum Glück wussten wir um diese Macke des Bootes und hatten wohlweißlich ein paar mehr auf Vorrat gekauft. Wir fuhren auch immer nur mit einem Motor, teils um Sprit, aber eben auch um die Keilriemen zu sparen. Auch die Dirk, die sich wie erst vermutet verhakt hatte, hielt der Belastung nicht stand. Später sollte sich herausstellen, dass unser spanischer Mitsegler, nicht wirklich wusste was er tat, als er sie in der Nacht so stramm zog, das sie unter Belastung durchscheuern musste. Er hatte sich als erfahrener Segler angepriesen, der selbst ein Boot besaß, leider stellte sich sehr schnell heraus, das er selbst beim belegen eine Winsch schon Probleme hatte. Der Eigner und ich waren also folglich noch wachsamer.

In der ersten Woche hatten wir die Nachtwachen so eingeteilt, dass unser Spanier, die erste Wache von 9:00-12:00, ich von 12:00-3:00 und der Eigner von 3:00-6:00Uhr wach blieben. Das französische Pärchen, dass keinerlei Segelerfahrungen hatte, ergänzte uns, so dass wir 6 Stunden lang zu zweit waren. Das klappte so hervorragend und die beiden Neulinge konnten lernen und herausfinden wie es sich anfühlte Nachts zu fahren. In der zweiten Woche waren die Beiden schon so weit, dass wir der Anregung unseres Spaniers nachkamen und sie für die Morgenstunden ab 6:00Uhr einsetzten und so alle genügend Schlaf bekamen. Denn dank des Autopiloten, waren die jeweils drei Stunden, auch gut allein zu schaffen. Auf Überführungsfahrten ist es auch im allgemeinen so üblich, dass wenig bis gar kein Alkohol getrunken wird und so genehmigten wir uns lediglich zum Abendessen ein Bierchen, was schon ein großes Entgegenkommen des Eigners war. Ich wunderte mich nur warum der Spanier bei seiner Wachablösung immer eine Fahne hatte und hoffte mich aber zu irren. Auch ist es Pflicht bei anbrechender Dunkelheit die Schwimmwesten anzuziehen und sich einzupicken, damit niemand über Bord gehen kann, Safety first!

Nach 11 Tagen verließ uns dann der Wind und es musste eine Entscheidung her, ob wir noch weiter nördlich dem Wind hinterher fahren oder eben rechts nach Osten abbiegen sollten. Die Wettervorhersagen via Sat-Telefon prognostizierte, dass wir östlich nach 3 Tagen wieder Wind bekämen, also entschied der Eigner Richtung Ost zu motoren und schon begannen die Diskussionen. Der Spanier hatte Kontakt zu seinem Freund an Land, der darauf plädierte weiter nördlich zu fahren, was für uns wenigstens 5 Tage Umweg bedeutet hätte. Doch da wir nicht zu den Azoren wollten und wir auch genug Diesel gebunkert hatten, war das für uns keine Option. Nicht jeder kann mit Autoritäten umgehen und so betrank sich unser Spanier, nachdem die Entscheidung gefallen war. Wir anderen schauten dem Treiben fassungslos zu und unser französisches Pärchen musste in den sauren Apfel beißen und länger wach bleiben, um auf den drunken Zeeman aufzupassen. Nachdem die beiden dann um 22:00Uhr ins Bett gingen schaute ich alle halbe Stunde nach ihm, wie er inzwischen seelenruhig im Salon schlief. Das witzige dabei war, das auch der Eigner alle halbe Stunde nach ihm sah, wir uns aber nie begegneten. Am nächsten Morgen dann, gab es eine Aussprache, denn das war für niemanden tragbar, der Deal war – gratis mitzufahren, für Nachtwache. Wir hofften das dieser “Ausfall” einmalig war und nach diesem Gespräch erst recht.

Aber weit gefehlt – leider war der Spanier von nun an voller Abneigung und trank ganz provokativ nicht nur 1 sondern 3 Biere, dazu fing er an, in seiner Kabine zu kiffen und wurde aggressiv, als wir sowohl das Bier wegsperrten, als auch ihm verboten Reed zu rauchen und erst recht nicht IM Schiff. Zu alldem kam noch, dass er alle Ansagen des Eigners ignorierte und plötzlich Nachts den Kurs nun doch nach Nord änderte und dann noch ohne Schwimmweste im Dunkeln herumturnte. Daraufhin entbanden wir ihn von seiner Nachtwache, denn niemand kann in Ruhe schlafen, wenn der Wachhabende betrunken ist und macht was er will. Das französische Pärchen übernahm seine Wache, denn nach nun zwei Wochen, waren sie gut eingearbeitet und weckten uns sobald sich etwas änderte. Täglich gab es nun Diskussionen mit dem Spanier, dass er sich nicht wie ein Kind behandeln ließe und er das Bier schließlich mitbezahlt hätte, es aber nicht nötig hätte, da er zwei Flaschen Rum im Gepäck hätte, die er dann eben trinken würde, er war also fortan im Dauerdelirium. Was tut man mit so einem?

Ich schrieb ja bereits, das die Psyche das eigentliche Problem ist und so hatten alle ihr eigenes Kopfkino, der Spanier fühlte sich unverstanden und gemobbt, der Eigner und ich vermuteten sogar Schlimmeres, ev. einen Drogenkurier an Bord zu haben, der irgendwo im Boot weitere Drogen versteckt hatte. Und das alles in Zeiten von Corona, wo eine Kontrolle der Guardia Civil nicht nur möglich sondern sogar wahrscheinlich war. Zumal wir nicht einmal wussten ob wir auf den Kanaren überhaupt anlanden durften. Die beiden Franzosen waren regelrecht genervt, da sie zwischen dem Spanier und uns ständig übersetzen sollten, da sie sehr gut spanisch und englisch sprachen. So wurde also, aus der anfänglich entspannten Fahrt eine nervliche Tortur für alle. Und warum das alles? Weil immer einer aus der Rolle fallen muss. Zum Glück bekamen wir nach langen 6 Tagen endlich wieder Wind aus NW, die Stimmung entspannte sich etwas, da auch die Welle nun von Backbord kam und mein leckendes Fenster in Ruhe ließ. Bei einem Bad bei Windstille hatte sich herausgestellt, das die angebrachten Bleche durch die Welle aus der Verankerung gerissen waren und das Wasser ausschließlich durch die Schraubenlöcher hereinkam, das Fenster ansich also unbeschadet war.

So segelten wir also die letzten 6 Tage mit einem Etmal von 183sm über den Atlantik und waren froh, als bald Land in Sicht war. Vorbei an fetten Frachtern und sogar einem Segelboot und nach über 3000sm in nur 21 Tagen und 4-5 gefangenen MahiMahi und Thunas, waren wir dann wohlbehalten auf Teneriffa angekommen. Ich habe tatsächlich noch nie so lange 3 Wochen in meinem Leben erlebt, die Zeit zog sich wie Kaugummi. Und das obwohl ich mich wirklich gut alleine beschäftigen kann, wir auch ab und an Kartenspiele spielten und gute Gespräche führten. Die beiden Franzosen waren wirklich sehr liebenswert und verstanden Siri-Englisch Smiley mit herausgestreckter Zunge so dass wir sogar ein paar Logikrätsel spielen konnten. Alle waren dennoch froh, dass wir heil ankamen und zudem noch völlig unproblematisch in der Marina San Miguel einlaufen durften. Wie schon auf St. Martin, hatten wir uns per Email vorher angekündigt und bekamen noch in der Nacht einen Platz direkt in der Einfahrt zugewiesen. Am nächsten Morgen begrüßte uns sehr freundlich die Guardia Civil, denen wir auch sofort mitteilten, das wir ein Crewmitglied wegen Alkohol und Drogen schon morgens um 6:00Uhr von Bord verwiesen hatten. Sie nahmen daraufhin seine Personalien auf, wollten unser Boot aber gar nicht weiter kontrollieren. Was waren wir froh!

Nun liegen wir schon wieder 14 Tage hier, die Handwerker sind fleißig am arbeiten, reparieren hier, verschönern und polieren dort. In einer Woche geht es dann weiter, über Gibraltar und Mallorca, für mich nach Sizilien. Der Eigner fährt dann, hoffentlich mit aufgestockter Crew, bis nach Kroatien, wo schon am 17. Juni die ersten Chartergäste warten. Eigentlich wollte ich im Anschluss ja direkt nach Deutschland fliegen, um meine Wohnung zu veräußern, aber der Eigner der VEGA bearbeitet mich gerade mit einem unmoralischen Angebot. So werde ich wohl wieder auf meine Schöne gehen und erst einmal ein paar Wochen um Sizilien segeln, um dort dann hoffentlich von meinem Häuschen gefunden zu werden, das mir in Zukunft als Homebase dienen wird. Meine Wohnung wartet schließlich noch auf mich und bei so schweren Geschützen, VEGA und Sizilien, kann ich eh nicht gegenan Vor Lachen auf dem Boden wälzen

Grenada und die Grenadinen

Nun bin ich also schon wieder fast 3 Monate auf Grenada und deren umliegenden Inseln, den Grenadinen. Ich habe gefühlt jede Insel wenigstens 3x gesehen, bin mit Schildkröten, Mantas, Kofferfischen und auch Riffhaien geschnorchelt. Habe ausgelassene Abende an Strandbars verbracht, an schneeweißen Sandstränden gechillt, in türkisfarbenen Wasser gebadet, Wasserfälle im Landesinneren besichtigt und bin natürlich gesegelt was das Zeug hält.

Wir machten Halt vor Sandy Island, einer völlig unbewohnten Insel, wie aus der Werbung, mit weißem Sandstrand, bedeckt von Palmen, mit glasklarem Wasser umgeben, mit tausendenden von Fischen und Pelikanen, die dort ein ‘All you can eat Buffet’ vorfanden. Wir ankerten in der Salt whistle Bay, der schönsten Bucht der Karibik und chillten in BeachBars mit Füßen im Sand. Erkundeten die Insel Mayreau zu Fuß und genossen den wahnsinnigen Ausblick von deren höchsten Punkt und ließen uns dann mit einem Speedboot Wassertaxi in rasender Geschwindigkeit wieder zurück bringen. Wir schwammen bis zur Ermattung gegen die Strömung zurück zum Hector, nachdem wir uns die Unterwasserskulpturen vor Grenada angesehen hatten. Wir trafen Freunde, mit denen ich auf Facebook Kontakte hatte und lernten neue Segler kennen, mit denen wir wirklich schöne Stunden verbrachten und Erfahrungen austauschten. Ich weiß jetzt das Brotfrucht wie Bratkartoffeln und Christopher wie Rettich schmeckt, das weiße Seeigel süßlich und Schwarze eher wie Kaviar schmecken und habe noch einige andere kulinarische Variationen, wie Fischsuppe, kennengelernt, die man allerdings mögen muss Zwinkerndes Smiley

Und dann passierte, was ich nie für möglich gehalten hätte – das Paradies fing mich an zu langweilen. Plötzlich sahen alle Strände gleich aus, das Wasser war türkis wie immer, der goldgelbe Rumpunch nur noch ganz nett. Ich freute mich nicht mehr auf den nächsten Lobster, der doch beim ersten mal so unglaublich lecker war und ich merkte nur an der Reaktion der Gäste, wie unglaublich schön doch alles um mich herum war. Und wir hatten wirklich tolle Gäste, die begeisterungsfähig und gut gelaunt waren, mit denen ich tolle Gespräche führte und ausgelassen lachen konnte. Wieder sind tolle Freundschaften entstanden. Aber ich merkte auch immer mehr, wie sehr ich mir Privatsphäre wünschte, aufstehen wann ich es wollte, essen was ich mochte und meinen Tag gestalten wie ich es gerne hätte. Einfach mal zu sein, ohne mich nach anderen richten zu müssen. Aber das geht auf 44ft mit 4-8 Personen eben nicht. Es ist wie auf einer tollen Party, auf der man aber der Gastgeber ist und nicht einfach gehen kann, wenn man genug hat.

Genau in diesem Moment bekam ich die Nachricht, dass sich die Partnerin eines befreundeter Skippers einen Katamaran in Grenada gekauft hatte und den nach Europa überführen wollte. Was für eine Chance, die ganz mein ökologischen Herz ansprach und zudem würde sich der Kreis für mich schließen. Ich schlief 1-2 Nächte darüber und da der Skipper des Hector inzwischen Unterstützung von seiner Freundin bekommen hatte, war dieser neue Deal dann schnell geschlossen und dann nahm das Schicksal seinen Lauf. Ich betreute die Beiden noch eine Weile und spielte Segellehrerin, so dass zukünftig die Beiden auch gemeinsam klar kamen. Schließlich waren der Skipper und ich inzwischen ein eingespieltes Team, wir hatten einige Änderungen vorgenommen um das handling zu vereinfachen und verstanden uns inzwischen per Handzeichen. Das würde bei den Beiden zwar noch eine Weile bis dahin dauern, aber der Grundstein war gelegt.

Und dann überschlugen sich die Ereignisse – Corona überraschte uns genauso wie der Rest der Welt! Daraufhin folgten immer mehr Absagen von Gästen und so nahm ich mir für 3 Wochen ein Zimmer über Airbnb. Das kam mir persönlich sehr entgegen, denn nun konnte ich meinen Privatsphäreakku wieder aufladen und einfach mal für mich sein. Das Zimmer lag direkt am Wasser, war mit 19,-€ zwar nicht so preiswert wie meine Europäischen Unterkünfte, aber für Karibische Verhältnisse doch recht preiswert. Ich bezog also mein Zimmer und genoß die Ruhe auf der Terrasse mit Blick aufs Meer. Gegen Abend setzte sich die Empfangsdame zu mir und wir plauderten, doch als ich auf ihre Frage antwortete, woher ich denn käme, sprang sie plötzlich panisch auf und meinte – was, Du kommst aus Deutschland, dann kannst Du nicht bleiben, bitte geh sofort. Ich war erschrocken und bewies ihr anhand meiner Stempel im Pass, das ich schon seit Dezember auf Grenada war und nur zwischen St. Vincent und Grenada gependelt bin, aber sie hörte schon gar nicht mehr zu. Zum Glück kam die Tochter des Hostelbesitzers dazu und schritt ein, nach Rücksprache mit ihrem Vater, konnte ich dann natürlich bleiben und bekam sogar noch ein schöneres Zimmer mit eigener Küche und Terrasse. Unglaublich, welche Panik diese Epedemie bei den Menschen hervorruft. Aber ich habe auch sehr nette Momente seit dem erlebt, denn ein Localskipper bot mir sofort eine Koje auf seinem Boot an und auch eine anderes Zimmer wäre schnell gefunden.

Wie es nun genau weitergeht weiß ich wie immer nicht. Der neue Eigner des nächsten Katamarans, ist nur bis Martinique gekommen und wartet nun auf einen Weiterflug hierher. Dann soll es hoch über Martinique auf die Bermudas gehen und rüber über den großen Teich nach Teneriffa. Wir hoffen dass sich die Lage bis dahin etwas entspannt hat. Meine geplante Sizilien Rundreise werde ich allerdings verschieben und erstmal nach Deutschland zurück fliegen. Denn um mir auf meiner Lieblingsinsel ein Häuschen kaufen zu können, muss ich erstmal meine Wohnung in Berlin verkaufen. Ja ihr lest richtig, die Sehnsucht nach einem eigenen zu Hause ist nach fast 6 Jahren dauerhaftem Reisen übermächtig geworden. Allerdings werde ich das Reisen natürlich nicht aufgeben, ich möchte dort ein kleines Hostel eröffnen und nur für die Sommermonate auf Sizilien bleiben. In den Wintermonaten möchte ich dann die Ecken der Welt erkunden, die man nicht mit dem Segelboot erreichen kann und dafür braucht es leichtes Gepäck, nicht zwei dicke Reisetaschen und einen schweren Rucksack. Segeln werde ich natürlich zwischendurch immer wieder, schließlich liegt die VEGA Herz auf Sizilien. Auch könnte ich mir vorstellen weiterhin Boote, wo immer auf dieser Welt, zu überführen, aber auch dafür muss ich flexibler werden. Auf eins freue ich mich allerdings sehr, endlich mal Land und Leute kennenzulernen und nicht nur von Bucht zu Bucht zu schippern, in denen man immer als Tourist angesehen wird.

Aber nun heißt es erstmal abwarten wie der Eigner des neuen Katamarans von Martinique nach Grenada kommt. Im worst case muss ich den alleine nach Martinique bringen und wir hoffen, dass dann dort auch wieder Crew einfliegen darf, denn sonst müssten wir wie viele andere Boote zu zweit die 3800sm zurücklegen und hoffen, das es bist dahin Nothäfen in Europa gibt. Dort sollten Quarantäne Stege vorhanden und auch eine adäquate Versorgung möglich sein, dafür sind Häfen schließlich da! Deshalb bitte ich auch hier, meine Petition zu unterstützen:

Sailing home

Atlantiküberquerung

Blau, überall blau, hellblau, dunkelblau, türkisblau, fifty shades of blau. Die meisten Menschen stellen sich eine Atlantiküberquerung super spannend und gefahrenreich vor, dabei ist das eigentlich spannende, das Zwischenmenschliche und nicht der Atlantik. Denn so ein Törn ist  tatsächlich eher langweilig, am ersten Tag werden die Segel auf den Passatwind eingestellt, der konstant zwischen 10 und 25 Knoten weht. Manchmal kommt er etwas nördlich dann wieder nordöstlich, so das man maximal zwischen ausgebaumtem Schmetterling und Raumschotkurs-Beseglung wechselt, bei Schwachwind kann man sich noch auf den Genaker einigen, aber das war´s dann schon. Ab und an wird man von einer Delfinschule besucht, wenn man Glück hat auch von Walen, in jedem Fall aber von fliegenden Fischen, die oft in Scharen auf dem Deck landen und den Weg nicht wieder ins Wasser finden. Die kleinen Scheißerchen stinken widerlich nach Fisch, so das man sie Nachts nicht nur hört sondern auch riecht. Sehr angenehm wieder, waren die langgezogenen Atlantikwellen, die von hinten auf das Boot zurollen, es anheben und unter ihm durchrollen. Kurz vor Ende schwammen dann immer größer werdende Teppiche von Algen an uns vorbei, die mittlerweile der Fluch der Karibik geworden sind. Tja, und mehr passiert nicht auf so einer Atlantiküberquerung und im Großen und ganzen war es eine angenehme Zeit. Auch das Boot, eine Ovni 455C von Alubat, war sehr gut in Schuss und es ist auch nichts gravierendes kaputt gegangen. Natürlich scheuerte sich mal die eine oder andere Schot durch, auch der Generator muckerte, zum Glück erst kurz vor der Ankunft und die Angelschnur verhedderte sich in der Leine vom Schleppgenerator. Doch das waren im Vergleich zu anderen, bisher erlebten Törns, eher kleinere Zwischenfälle und wurden vom Eigner recht unkompliziert gelöst.

Zum Glück habe ich immer genug zu lesen dabei und somit habe ich auf 2000 Seemeilen ganze 2000 Seiten vertilgt, Ken Follet musste herhalten, damit ich mit dem Schweizer Ehepaar, dass mich auf Sal aufgegabelt hatte und ihn auch gerade lasen, ein paar gemeinsame Gesprächsthemen hatte. Leider sprachen beide aber nicht sehr viel, jedenfalls nicht mit mir sondern eher miteinander auf schwitzer Deutsch, was aber dank Ken Follet nicht ganz so schlimm war. Da wir zu dritt waren, hatte jeder je 2 Stunden Einzelwache, so konnte jeder 4 Stunden schlafen und man hatte Zeit zum lesen, schlafen oder vor sich hinsinnieren. Klar hätte ich mir eine lustige, abwechslungsreiche Crew lieber gewünscht, mit der man Spiele spielen und tolle Gespräche führen kann. Aber man kann halt nicht alles haben und so beruhigte mich die Tatsache, dass so ziemlich alle anderen Schiffe die parallel gefahren sind, sogar Streß untereinander hatten. Denn nachdem ich von meiner Anlandeinsel Barbados nach St. Lucia geflogen war, dort wieder auf der Sea Change II eingecheckt hatte und wir gemeinsam an der ARC Abschiedsparty teilnahmen, kam ich in Kontakt mit so manchen Crewresten, die sich schon lange vor der Party aufgelöst hatten. Schade sowas Trauriges Smiley denn man sollte doch stolz auf das Geschaffte und glücklich über das Erlebte sein, ich bin es jedenfalls!

Was mich allerdings wirklich zum grübeln anregte und auch nachhaltig bewegt, ist dass ich erstmals etwas für Törns bezahlt habe und bei beiden malen einen ganz blöden Nachgeschmack habe. Vier Jahre lang bin ich bei Menschen mitgefahren, die sehr froh um meine Hilfe waren, die meine Arbeit anerkannten und sogar mehrmals darum baten, sie zu unterstützen. Ganz vorne dabei natürlich Markus von der Sea Change II, oder die liebe Lore und ihr Hubert von der Dwarslöper, nicht zu vergessen Axel von der VEGA, aber auch David damals von der Mary Fisher, Micha von der Sioned uva. haben mich gern und auch lange Zeit an Bord gehabt und keinen Cent dafür verlangt. Auch sehr bemerkenswert das mir Firmen ihre Charterboote anvertrauten, sogar Gäste durch die Gegend zu fahren um meine Reisekasse aufzufüllen. Das ich aber 1000,-€ oder 1500,-€ für einen Törn bezahle und jeder einzelne Tag abgezählt oder im nachhinein noch auf die Bordkasse aufgeschlagen wird, von mir sogar verlangt wird nur für 10,-€ extra mein Gepäck an Land zu transportieren oder mehrfach erwähnt wird, mir überhaupt mit dem Gepäck geholfen zu haben, ist echt befremdlich. Denn so etwas gehört doch wohl zum Service, auch mich wie einen Gast und nicht wie ein Hand-gegen-Koje Crewmitglied zu behandeln, setze ich voraus, wenn ich für einen Törn bezahle. Denn wenn man sich so ein Boot nicht leisten kann, sollte man es erst gar nicht kaufen und nicht erwarten, dass Fremde es einem finanzieren oder in Schuss halten und nicht mal annähernd das Wort Service kennen. Das wird mir jedenfalls nicht mehr so oft passieren, auch wenn es mir echt leid tut, für die die mich unterstützt haben und nicht das Geld bekommen haben.

Jetzt geht es aber erst einmal ganz entspannt weiter mit der Sea Change II, von Saint Lucia über Martinique, Dominica, Guadeloupe und zum Silvester feiern nach Antigua. Danach dann über St. Martin Richtung Cuba und die Bahamas, wo ich dann höchstwahrscheinlich das Schiff wechsel um die Hurrikansaison im Norden von Carolina Boot zu sitten. Aber jetzt genieße ich erst einmal die entspannte und spaßige Zeit mit Markus und seinen Gästen.

Kapverden

Anders habe ich sie mir vorgestellt, die Kapverden. Grüner und bevölkerter. Aber fast alle Inseln gleichen einer Mondlandschaft – Felsen, Krater, Einöde und einige sind sogar unbewohnt. Dafür gibt es endlos lange weiße oder auch schwarze Sandstrände, mit türkisem Wasser. Irgendwie sind die Farben einfach intensiver. Wenn man die geschichtliche Entwicklung verfolgt, sind die Kapverden erst ziemlich spät (1445) von den Portugiesen entdeckt und besiedelt worden. Diese haben sich dann Schwarzafrikaner als Sklaven hergeholt und genauso auch erst etwas grünes mitgebracht. Die Inseln San Antao und San Nicolao sind die Einzigen, die durch ihre Höhe etwas Feuchtigkeit von den Wolken abbekommen und oben im Gebirge auch saftig grün sind. Dort sieht es tatsächlich so aus, wie ich es mir vorgestellt habe. Die unglaublich freundliche Bevölkerung ist zu 90% karamellig, da die Portugiesen 1975 endgültig vertrieben wurden und die Kapverden nun eine unabhängige Inselgruppe sind.

Leider haben sich die Touristen das Preis/Leistungsgefüge selbst zerstört, in dem über die Gebühr Trinkgelder gegeben wurden. Vor 10 Jahren wurde man wohl noch aus lauter Freundlichkeit von den Fischern an Land gebracht und den Familien vorgestellt, die dann für ein paar Euro ein Menü mit frischem Fisch servierten. Heute verlangen sie schon 2,- bis 4,-€ für diesen Service und man wird in ein Restaurant geführt, was man allerdings als Entwicklungshilfe verbuchen sollte. Auch kann es passieren, dass der Reservekanister im Dingi am Abend leer ist oder das Dingi am Strand plötzlich von Jungs bewacht wird, das eigentlich am Boot vor Anker befestigt war, angeblich hatte es sich losgerissen und so wollten sie doch glatt 10.000,-Escudos also 100,-€ Finderlohn haben. Man fühlt sich also schon als Geldbeschaffungsmaschine und ziemlich abgezockt, wenn man bedenkt dass der Monatslohn hier selten mehr als 500,-€ beträgt. Dafür ist die Kriminalität aber sehr gering, jedenfalls ist uns nichts zu Ohren gekommen.

Aber nun zu meinen Reiseplänen – ich bin ja mit der MARLIN als erstes auf Sal gelandet, dort haben wir einklariert und zwei Nächte verbracht. Das Örtchen Palmeira ist wirklich hübsch und touristisch noch nicht so überlaufen, wohingegen Santa Maria im Süden komplett aus Hotelburgen besteht. Dort blieben wir auch nur eine Nacht, da es sehr schwellig und ungemütlich war. Leider teilte mir dort der Eigner der MARLIN auch mit, dass der Reserveplatz für die Atlantiküberquerung, der für mich vorgesehen war, an ein vollzahlendes (4000,-€) Crewmitglied vergeben wurde. Aber es gibt offensichtlich keine Zufälle, denn noch in Sal lernte ich ein schweizer Pärchen kennen, dass mir dort schon erzählte, das ihnen eine Freundin die mit über den Atlantik fahren wollte, abgesprungen ist. Wir hatten unsere Nummern ausgetauscht und Kontakt gehalten und so bot ich nun an, den Platz der Freundin zu übernehmen, so dass die Beiden nicht zu zweit die vielen Meilen zurücklegen mussten. Auf Boa Vista trafen wir uns dann wieder und vereinbarten eine Probewoche ab Mindelo um zu schauen, wie es miteinander klappen könnte.

Und so suchte ich mir zwischenzeitlich eine Pension als Unterschlupf, denn selbst der Aufenthalt vor Anker auf der MARLIN ist nichts für Minimalisten, den muss man sich auch leisten können. Das sich das alles als sehr richtig herausstellte, war ein angenehmer Nebeneffekt, denn ich hatte mir Montezumas Rache eingefangen und konnte so in Ruhe vor mich hinleiden. Die MARLIN hingegen schaukelte in irrsinnigem Schwell vor sich hin und hätte mich wohl komplett ausgeknockt. Zum Glück ist auch Boa Vista nicht wirklich sehenswert, so dass ich nicht viel verpasste und am Ende der Woche dann einigermaßen erholt mit der MARLIN nach Mindelo übersetzen konnte. Dort wartete die Shiva schon auf mich, so dass ich nur die Schiffe zu wechseln brauchte und schon am nächsten Tag gleich weiter nach San Antao mitfahren konnte. Diese Insel ist tatsächlich eine Augenweide, im Hochgebirge grüne Berge und terrassenartige Felder so weit das Auge reicht, so auch in der Caldeira des ruhenden Vulkans der Insel. Es war ein wahrer hochgenuß für die Augen, endlich wieder grünes zu sehen und aufzutanken, denn für die nächsten Wochen wird es nur blau zu sehen geben.

Denn am Montag den 03.12.2018 geht es los über den großen Teich! Von Mindelo soll es nach Barbados in die Karibik gehen, 2100sm Wasser liegen vor uns. Geplant sind 14 Tage, bei gutem Wind eventuell auch nur 12 Tage, die wir uns nun in 2 Stunden Wachschichten einteilen, so kann jeder 2 x 4 Stunden schlafen. Natürlich hab ich Schiss Zwinkerndes Smiley aber ich freu mich auch auf diese Zeit, denn schon die letzten längeren Schläge fühlten sich nach mehr an. Wie es danach weitergeht? Ich werde wohl von Barbados nach St. Lucia fliegen, sofern ich keine Mitsegelgelegenheit finde und dort dann kurz vor Weihnachten wieder auf der Sea Change II einchecken. Denn dort bin ich ja nur beurlaubt worden und kann über Martinique, St. Martin mit nach Kuba und den Bahamas auf HgK Basis mitsegeln. Ob ich dann wieder zurück ins Mittelmeer fahre oder nach Norden/Süden/Westen vor der Hurrikanesaison fliehe, wird sich dann zeigen, erste Anfragen gibt es schon. Aber ich bleibe wie immer meinem Motto treu – erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!

Erster Anlauf Atlantik

Ich habe einen Traum – ich möchte gern meinen 50. Geburtstag in der Karibik feiern. Dazu muss ich aber auch dort irgendwie hinkommen. Das ich nicht fliegen werde, sollte jedem meiner Freunde und Leser klar sein, deshalb schau ich mich ja nun schon seit längerem nach einer Mitsegelgelegenheit um. Plan A – B – C sind am laufen, wichtig für mich ist mit jemandem zu segeln, den ich vorher schon kennengelernt habe. Ob ich nun HgK oder gegen einen Unkostenbeitrag oder gar gegen Bezahlung dort hinüber komme, ist für mich tatsächlich zweitrangig. Ich muss mich wohlfühlen, denn 3 Wochen non stop 24/7 auf engstem Raum mit Menschen zu verbringen, bei denen die Chemie nicht stimmt, ist gedanklich schon ein Graus. Aber ich bin mir sicher, dass ich in den nächsten 2 Monaten jemanden finden werde, der mich gerne mitnimmt und meine Arbeit, mein Wissen und meine Erfahrung zu schätzen weiß.

Mein erster Anlauf ist tatsächlich schon nach 5 Tagen gescheitert. Im Vorfeld wurde rege telefoniert und geschrieben, das Boot eine Moody 45 DS schien sehr komfortabel und mit noch nicht einmal 10 Jahren gut in Schuss. Der Eigner, auch ein Ossi, aus Potsdam hatte schon mal den selben Humor, genügend Seemeilen und mit einer schon erlebten Atlantiküberquerung auch scheinbar genug Erfahrung. Ich reiste also von Korfu 36 Stunden mit Fähre, Bus und Taxi nach Neapel. Meine Reisekasse wurde mit 130,-€ gut gebeutelt, ganz zu schweigen von meinen Nerven durch entstandenen Schlafmangel Zwinkerndes Smiley In Neapel angekommen, wollte man mich erst einmal nicht auf das Tankstellengelände lassen und das obwohl die Tankrechnung nicht gerade gering war. Erst nach guter Zurede und viel italienischem Palaver, war es dann möglich an Bord zu gehen. Die ersten Tage waren sehr schön und erholsam, wir fuhren zu viert über die kleinen Inseln Procida und Ventotone nach Ponza, verbrachten die Abende in kleinen Restaurants mit Livemusik und leckerem italienischen Wein. Tagsüber konnten wir hervorragend segeln, obwohl der hohe Decksaufbau der Moody schon sehr gewöhnungsbedürftig war, denn man konnte weder die Segelstellung sehen, noch den Ankerman am Bug, es war also eher ein erahnen. Auch war die viele Elektronik neu für mich, automatische Winschen und selbst der Anlasser/ die Steuerung war elektronisch, so das man den einmal ausgegangenen Motor nicht so einfach wieder starten konnte. Jedes Boot ist eben anders und nach drei Tagen an Bord, hatte man die ersten Fauxpas wie eingeklemmte Schotenden in den Winschen hinter sich. Auch hatte ich mein erstes Gewitter auf See unbeschadet überstanden.

Nach einem kleinen Zwischenstopp in Anzio sollte es dann 36 Stunden hinüber nach Olbia gehen, um dort die nächsten 4 Gäste abzuholen, auch wenn das Schiff dann mit 7 Personen überbelegt sein würde. Ich hatte ja im vorhinein genug Werbung gemacht, so dass das Boot seit Wochen gut belegt war und der Eigner, nachdem seine Freundin ihn verlassen hatte, nicht allein fahren musste, die anfallenden Kosten zudem auch gedeckt waren. Für mich sind solche Freundschaftsdienste, natürlich ohne Provision, selbstverständlich und bisher wurden sie auch gern angenommen und geschätzt. Leider nicht in diesem Fall, denn aus der eigentlich sogar schriftlich vereinbarten HgK Mitsegelgelegenheit, sollte nun plötzlich eine zu bezahlende Koje werden. Das sorgte meinerseits natürlich für Unverständnis, mein Einsatz mit der Vermittlung der Gäste, war getan und vereinbart ist vereinbart! Wie sollte ich selbst als Skipperin Geld verdienen, wenn ich auf diesem Schiff war, zumal solche Aufträge meist langfristig organisiert sind. Ich merkte also recht schnell, dass es hier aufs Geld verdienen hinauslief und nicht ein angenehmes miteinander segeln erwünscht war.

Dieser Eindruck vertiefte sich dann auch, denn am zweiten Tag fernab des Festlandes schlug die Stimmung um. Der Ton wurde rauer, lauter und sogar beleidigend. Ein aufziehendes Gewitter in der Ferne wurde heruntergespielt und da ich bekennende Frührefferin bin, wurde meine Idee die Segel schon jetzt zu reffen, pro forma abgeschmettert. Auf anderen Schiffen wurden meine Mitarbeit und Erfahrungen bisher gern angenommen, so nicht dort, ich hatte eher das Gefühl, dass genau das Gegenteil getan wurde. Es wurde schnell offensichtlich, das der Eigner ein Problem damit hatte, das ich als Frau schon selbst geskippert hatte und das obwohl ich mich sehr zurückhielt, da ich das ja spürte und der Skipper schließlich der Chef ist. Doch eigentlich war vereinbart, dass ich das Schiff zukünftig, in den Zeiten wo der Eigner nicht anwesend war, sogar selbstständig als Skipperin führen sollte, bis dahin war meine Funktion an Bord Coskipperin. So war es jedenfalls vereinbart.

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Es kam wie es kommen musste, die erste Walze erwischte uns während des Essens, so dass eben dieses quer durch den Salon segelte. Der Autopilot setzte aus, so stark war die Böe und niemand war am Steuer. Dann wurde es plötzlich hektisch und der einsetzende Platzregen verbesserte die nicht mehr vorhandene Sicht nicht wirklich. Da ich nichts vorbereiten durfte, kein Polster weggeräumt waren, selbst die Handtücher noch im Cockpit hingen, vergingen wertvolle Minuten um nun doch endlich mal zu reffen, denn schon sollte die zweite Böe kommen. Die Crew hatte die Rettungswesten zum Glück selbstständig angelegt, nur der Skipper turnte, mit der Bemerkung- die Rettungsweste würde bei Regen nur auslösen, ohne am Steuer herum. Für mich war schon nach dieser Aktion klar, ich würde nicht alt auf diesem Schiff werden. Das bestätigte sich dann auch im laufe der Nacht, der Wind brieste Mitternacht wieder merklich auf und wechselte die Richtung, so das eine Wende unabdingbar war. Wir beiden Mädels hatten die Hundewache und schafften die Wende, auch dank der Elektrowinschen, ganz allein, was für mich ja sonst auch Normalität ist, denn hauptsächlich bin ich ja nur zu zweit gesegelt. Doch plötzlich schoss der Skipper ins Cockpit und brüllte herum, was wir denn tun würden, bei dem Krach könne ja niemand schlafen. Ich wunderte mich mittlerweile über nix mehr und als er dann eine Stunde später wieder wütend nach oben kam, weil wir bei 23kt. wagten zu reffen, zählte ich nur noch die Stunden das Schiff verlassen zu können. Es war zu offensichtlich, dass in diesem Fall bei zwei Skippern, einer zu viel war.

Nach 187sm und 43 Stunden liefen wir in Olbia ein, ich organisierte auch sofort online meine nächste Bleibe und verließ am nächsten Morgen das Schiff. Unzählige Nachtfahrten habe ich nun schon hinter mir, ein ungeschriebenes Gesetz ist nun mal, dass der der am Steuer sitzt auch die Entscheidungsgewalt hat, egal ob nun gerefft, gewendet oder einfach nur gesegelt wird. Zumal es bei diesem Vollautomatischen Boot nun wirklich kein Problem zu zweit war. Denn auch wenn der Skipper immer im standby ist, möchte man ihm ja gerade bei solch einfachen Manövern seinen Schlaf lassen. Ich bin froh mich nicht, wie andere Crewmitglieder vorher, verletzt zu haben und bin quasi recht glimpflich davon gekommen. Im Nachhinein war es eine gute Erfahrung, denn nicht auszudenken, wenn sich mir dieses Verhalten mitten auf dem Atlantik offenbart hätte und dafür war ja auch dieser Törn gedacht.

In Olbia bin ich nur 3 Tage geblieben, die Zimmerpreise dort sind unverschämt teuer, unter 40,-€ plus Servicegebühr ist dort nix zu bekommen. Deshalb bin ich schnellstmöglich nach Cagliari weiter gefahren um dort Plan B in Angriff zu nehmen. Dank Facebook habe ich nämlich tatsächlich noch am selben Tag das Angebot eines Charterskippers erhalten, HgK auf einer Bavaria 55, der Sea Change II, bis auf die Kanaren mitzufahren. Dort werde ich, wenn alles klappt, Ende Oktober ankommen. Leider ist er über den Atlantik ausgebucht, aber wer weiß Zwinkerndes Smiley Ansonsten habe ich ab den Kanaren schon (Plan C) ein Angebot der SY MARLIN, jahaaa ihr lest richtig, erhalten, auf dem Weg zu den Kapverden festzustellen ob ich mit ihr in die Karibik fahre. Vielleicht bin ich ja wirklich ein Sonntagskind. Und wenn doch nicht, verbringe ich den Winter eben auf den Kanaren, gibt schlimmeres…