Last but not least

Das wird also wohl mein letzter Beitrag als Langzeitseglerin, denn ich habe mich entschieden, nach immerhin 6 Jahren dauerreisen, auf festem Boden niederzulassen. Nein, ich gehe nicht zurück nach good old Germany, meine Wahlheimat wird bella Sicilia sein. Ich habe mir das Ende ja immer offen gehalten und habe gesagt, wenn ich mal einen Ort auf dieser schönen Welt finde, an dem ich mir vorstellen könnte zu leben, möchte ich dort ein Hostel eröffnen.

Was mich zu diesem Schritt bewogen hat ist, dass in mir immer mehr der Wunsch aufkam, endlich wieder soziale Kontakte zu pflegen. Nicht dass ich niemanden auf meinen Reisen kennengelernt hätte, aber diese Begegnungen waren leider immer sehr kurz, ich möchte einfach nicht immer wieder von vorne beginnen zu erzählen. Auch fehlte mir immer mehr Privatsphäre, mein eigenes Zimmer, tun und lassen was ich möchte, eben ein zu Hause haben. Aber der wichtigste Punkt ist, dass ich ausgezogen war um die Welt zu entdecken, fremde Länder und Kulturen kennen zu lernen, mein Fernweh zu stillen.  Inzwischen aber ist mein Speicher so voll mit Eindrücken, dass da derzeit kein Platz mehr für Neues ist. Ich muss das alles erst einmal verarbeiten. Früher hatte ich dafür die Zeit im Winterlager, seit dem ich aber im Winter in der Karibik unterwegs war und im Sommer im Mittelmeer, habe ich keine Möglichkeiten mehr gehabt, mich zu resetten.

Warum nun gerade Sizilien? Nun, es  stimmt einfach zu vieles hier für mich. Nicht nur das Klima, die Landschaft, das Essen und der Vino, nein ich habe mich verliebt in dieses schöne Land. Jedes mal wenn ich hier war, habe mich sofort zu Hause gefühlt, ich glaube ich bin angekommen. Die Menschen sind hier so unglaublich gastfreundlich und herzlich und ihr Dolce Vita färbt einfach aufs Gemüt ab. Die Welt ist so groß, warum nun ausgerechnet diese Insel? Ich habe einfach die Vorzüge Europas kennengelernt, nicht nur die Versorgung sondern auch wie unkompliziert man hier als Nordeuropäer Grund und Boden erwerben und dann eben auch leben kann. Auch entspricht mir die Lebensart der Italiener sehr, ich kann mit einem `domani´ einfach mehr anfangen, als mit einem `maybe´.

Das die VEGA hier ihr Winterlager hat, ist dabei ein kleines Sahnehäubchen und so war die letzte Fahrt rund um Sizilien noch mal ein wunderbarer Abschluss. In vier Wochen waren wir rundherum gesegelt und haben noch einmal zwei Wochen zu den Ägädischen Inseln drauf gelegt. Eine ganz wunderbare Zeit, mit tollen Menschen die uns begleitet haben. Wir haben keinen der idyllischen Orte ausgelassen, haben Städte und Inseln besucht, die ich bisher noch nicht kannte und nun auch lieben gelernt habe. Ich habe währenddessen sehr in mich hineingehört, wo ich mich zu Hause fühlen könnte. Schließlich würde die Entscheidung, mich irgendwo niederzulassen, für ein paar Jahre wenn nicht gar Jahrzehnte, so einfach nicht rückgängig zu machen sein.

Aber so wirklich angetan hat es mir eben immernoch der kleine beschauliche Ort Licata im Süden der 🏝️ Ein verschlafenes Städtchen mit nur 37.000 Einwohnern, völlig untouristisch und mit morbidem Charme des letzten Jahrhunderts. Hier hoffe ich nun mein neues Zuhause zu finden, ein Häuschen am Meer, das ich mit Fremden und Freunden teilen kann. Mein, inzwischen zugelassenes, Auto und mein Sohn, der endlich aus Nicaragua herausgekommen war, hatten mir dabei geholfen, ein paar Wochen die Gegend zu erkunden und nach geeigneten Immobilien ausschau zu halten. Meine Wohnung in Berlin, habe ich inzwischen verkaufsfertig einem Makler übergeben, der für sie hoffentlich einen Käufer findet, der sie genauso liebt wie ich es getan habe.

Step by Step näher ich mich also meinem neuen Vorhaben. Das dieses nicht einfach sein wird, ist mir natürlich klar, zu vieles ist zu beachten und zu bedenken. So viele  Ideen schwirren mir im Kopf herum, ob es nun ein Permakultur Garten, eine Möglichkeit Tangotanzabende zu veranstalten, Künstlern eine Plattform zu bieten oder einfach nur Menschen aus aller Welt an diesem wunderbaren Ort für kurze Zeit einen Wohlfühloase zu schaffen, wird sich zeigen.  Ich habe ja die Zeit und Ruhe und habe schon einmal das eigentlich Unmögliche geschafft. Ob ich darüber hier auch weiterhin schreiben werde, weiß ich noch gar nicht so genau, das werde ich spontan entscheiden, aber auf Facebook werdet ihr mich ja verfolgen können.

Ich danke jedenfalls allen meinen treuen Lesern schon einmal und hoffe Euch ja vielleicht hier auf Sizilien einmal persönlich zu treffen. In Licata, der verträumten Stadt auf Sizilien. Wer allerdings auch Interesse an meinem Projekt  dem PermaKulturHostel hat und sogar daran aktiv teilnehmen möchte, kann sich gern in die Facebookgruppe „Vela VEGA“ eintragen.  Und sobald ich wieder segeln gehe, werde ich natürlich weiter hier berichten 😉

4 Antworten auf „Last but not least“

  1. Ich freue mich immer von dir zu lesen. Etwas neidisch auf deinen Mut und konzequenz damals los gefahren zu sein.
    Wollte nun nächstes Jahr endgültig ja los. Corona lässt alles etwas unsicher erscheinen.
    Vlt komme ich ja mit dem boot in Sizilien vorbei. Wäre fein nach so vielen Jahren.
    Mach das beste aus deinem Leben. Ich finde es auf jedenfall klasse.
    Lg andreas

  2. Mit großer Freude lese ich Deinen „vorerst“ letzten Bericht auf diesem Blog! Es ist schön, mitzuerleben, wie Du aus dem Umherfliegen so ganz langsam, aber auch zielsicher zur Landung ansetzt. Und ja, es ist für Dich an der Zeit, wenn es so ist, wie Du beschreibst. Ich wünsche Dir von Herzen, dass sich dieser Traum realisieren lässt und Du glücklich bist an dem Ort, wo Du Dein Zelt aufschlagen wirst. Ich bin immer noch begeistert von Deiner persönlichen Geschichte und den vielen Erfahrungen, die Du gesammelt hast. Das gibt viel Gesprächsstoff und ich glaube auch, dass Deine Gäste Dich dafür lieben werden. Vielleicht gehöre ich eines Tages auch zu der Schar derer, die bei Dir Quartier auf zeit bekommen. Ich behalte das mal im Auge! Ich wünsche Dir bestes Gelingen und eben, dass Du glücklich bist mit dem, was Du tust! VlG. Wieland

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