Wenn einer eine Reise tut

Immer wieder werden mir von Unwissenden oder Reiseneulingen, in den Foren und FB-Gruppen, die gleichen Fragen gestellt. Es ist zwar sehr spannend das Menschen immer zuerst die finanziellen Dinge erfragen und das Warum und Wie eher zweitrangig interessiert, aber es nervt auf Dauer auch ziemlich immer wieder die gleichen Fragen zu beantworten, deshalb möchte ich die Meisten hier mal auflisten:

1. Wie finanzierst Du Deine Reisen?

Ich habe meine Eigentumswohnung vermietet, die mir 500,-€ im Monat zum Leben lässt. Aber ich benötige auch kaum noch Geld, denn ich reise hauptsächlich über www.handgegenkoje.de, das funktioniert wie bei Work-and-travel, was eigentlich bedeutet, dass ich für Kost und Logis arbeite, also kein Geld verdiene. WaT ist allerdings altersabhängig, für über 30 jährige gibt es deshalb www.workaway.info. Ich habe schon als Deckshand, Hostess, Köchin, Coskipperin und auch als freiberufliche Skipperin gearbeitet, oder auch im Winter bei Restaurations- und Reparaturarbeiten geholfen. Bei HgK muss man allerdings oft etwas zur Bordkasse beisteuern, wobei mir meine Mieteinnahmen weiterhelfen.

2. Wie kommt man denn mit 500,-€ im Monat klar?

Nun, ich lebe sehr minimalistisch und kaufe nur etwas, wenn etwas kaputt geht. Abgesehen davon, ist das Leben überall auf der Welt günstiger als in Deutschland. Sobald ich auf Segelschiffen unterwegs bin, fällt eh nur die Bordkasse an, dass heißt, das ich ca. 100,-€ pro Woche zur Bordkasse für Lebensmittel, Getränke, Liegegebühren und Diesel beitrage, mal ist es etwas mehr aber meistens weniger. Also bleiben für mich noch 100,-€ im Monat für SIM Karten und mal ne Cola oder auch ein Restaurantbesuch. Wenn ich über Land reise, gebe ich nie mehr als 10,-€ pro Übernachtung bei www.airbnb.de aus, also bleiben noch ca. 50,-€ für Bus oder www.blablacar.de, und ca. 150,-€ für Essen und Getränke. Das sind 5,-€ pro Tag und in Ländern wie in der Türkei oder Italien, wo ein Döner oder Minipizza 1,-€ und ein Bier 1,50€ kosten, komme ich locker damit hin.

3. Hast Du keinerlei Geld gespart?

Natürlich habe ich auch Finanzielle Rücklagen, aber nur für den Fall, das ich mal kurzfristig keinen Mieter für meine Wohnung haben sollte oder unvorhergesehene Dinge in der Wohnung auftreten. Ab und an brauche ich auch mal ein Flugticket für mich oder meinen Sohn, der mich auch öfter mal besuchen kommt. Es ist also nur eine Notreserve.

4. Bist Du bei irgendeinem Amt gemeldet?

Nur beim Bezirksamt, wegen meiner Wohnung möchte ich gern in Deutschland gemeldet bleiben. Ansonsten nein nicht mehr. Anfangs bekam ich vom AA das Arbeitslosengeld I, das ich über einen Antrag (PDU 2) für 3 Monate mit ins Ausland nehmen konnte.

5. Wie funktioniert das Steuerrechtlich?

Es gibt für Seeleute eine besonderes Steuerrecht, aber auch für alle anderen Reisenden dürfte die 183 Tage Regelung gelten, zu lesen hier: rechts-und-steuerberatung-schmidt.de/seeleute Und nicht zu vergessen, der Grund-Steuerfreibetrag, den ich selten überschreite.

6. Bist Du überhaupt Krankenversichert?

Ja klar, denn ich weiß wie schnell einem auf einem Schiff mal etwas passieren kann und ich möchte keine Not-OP selbst bezahlen müssen. Auch mag ich nicht für einen Hubschraubereinsatz oder Heimflug aufkommen müssen. Deshalb bin ich bei www.care-concept.de versichert. Allerdings sind die Arztkosten im Ausland um so vieles geringer, zum Glück brauchte ich bisher aber auch nur hin und wieder eine Zahnärztliche Behandlung.

7. Wie machst Du das mit der Rente?

Enttäuschtes Smiley Welche Rente? Auf meinem letzten Rentenauszug wurde mir mitgeteilt, dass ich nach fast 30 Jahren nonstop arbeiten zusätzlich als Alleinerziehende, zum jetzigen Zeitpunkt ganze 560,19€ bekomme. Sollte ich weitere 22 Jahre arbeiten wie bisher, bekäme ich doch tatsächlich 1055,96€ BRUTTO und natürlich ohne Berücksichtigung der Rentenanpassung, da bleibt nicht viel übrig. Nur zur Info, die Mindestrente beträgt derzeit 850,-€ Meine Wohnung ist also quasi meine Altersvorsorge.

8. Wie planst Du Deine Reisen?

Ich habe immer mehrere Pläne und irgendeiner trifft dann doch zu oder aber mir fällt spontan etwas ganz anderes ein. Der große Plan ist – so viel wie möglich von der Welt zu sehen und Land und Leute kennen zu lernen. Dabei sind Sehenswürdigkeiten und touristisches Sightseeing eher zweitrangig. Abgesehen davon, liebe ich es Pläne zu machen, deshalb kommt mir diese Lebensweise sehr entgegen. Aber wie heißt es auch so schön – Segler schreiben ihre Pläne bei Ebbe in den Sand Zwinkerndes Smiley

9. Wie findest Du immer Schiffe die Dich mitnehmen?

Meine Hauptfundstelle ist natürlich www.handgegenkoje.de, wenn man den Filter generiert, findet man dort öfter mal reine Hand-gegen-Koje Angebote, aber auch auf www.segler-sucht-seglerin.de habe ich einige tolle Kontakte geknüpft. Mittlerweile werde ich aber über Facebook schon weitervermittelt bzw. halten die Mädels in der FB-Gruppe “Segelnde Frauen unter sich” auch immer mal die Augen und Ohren für mich offen. Was meiner Meinung nach ein Mythos ist, ist dass man in einer Marina jemanden findet, der einen mitnimmt, das klappt vielleicht bei 20 jährigen die noch eine gute Gallionsfigur darstellen. Meine Erfahrungen zeigen mir, das jeder Bootsnachbar mit dem ich in einer Marina Kontakt bekam, diverse Ausreden bis hin zu betretenem Schweigen, parat hatte, wenn das Thema zur Sprache kam. Leider habe ich bisher auch nie andere Tramper getroffen, die mir von ihren Erfahrungen berichten konnten.

10. Wieviel Gepäck hast Du?

Zu viel, leider. Zwei Rucksäcke plus eine Reisetasche und ein Seesack sind eigentlich zu viel, aber ich finde immer irgenwo auf dieser Welt einen Parkplatz für mein großes Gepäck, das vorrangig Winter und Schwerwettersachen beinhaltet. Ob das nun bei einem Freund auf Mallorca oder auf der VEGA ist, es findet sich immer ein Plätzchen. Allerdings muss ich demnächst auch wieder mal ausdünnen, denn da mein nächstes Ziel der Atlantik ist, brauche ich die Wintersachen hoffentlich bald nicht mehr, also bekommt mein Sohn wohl demnächst wieder Post.

Falls noch weitere Fragen auftauchen sollten, ergänze ich gerne Smiley

Italien

Azzurrrrrooooo *singt* Was für ein freundliches, unbändiges, lautes Land. Ich hielt das Temperament der Italiener ja bisher eher für eine Legende, aber es ist eher legendär und so echt, klasse!

genuaVon Nizza bin ich nur schweren Herzens weg und mit dem Bus für 9,-€ nach Genua gefahren. Was für ein Gegensatz, nach dieser wunderschönen Metropole nun diese hässliche Großhafenstadt. Alles wirkt dreckig, kaputt und unübersichtlich, selbst meine Unterkunft wirkte schmuddelig und angegraut. Da nützt es auch nichts, dass dort die flächenmäßig größte Altstadt sein soll, wenn man sich kaum durchtraut, weil sehr finstere Gestalten dort herumschleichen und man plötzlich mitten im Nuttenrevier landet. Auch die Palazzos, die zum Weltkulturerbe zählen sollen, wirken so sehr unschön, zumal sie allesamt von Banken okkupiert wurden und man kaum hineinsehen kann. Zum Glück habe ich dann im Stadtführer den Hinweis auf einen Monumentalfriedhof gefunden, der dann auch wirklich sehr beeindruckend war. Man fühlte sich quasi zurückversetzt ins vorletzte Jahrhundert, es waren lebensgroße Kunstwerke die alte Meister dort hinterlassen haben.

pisaAls nächstes bin ich dann nach Pisa weitergefahren, eine saubere beschauliche, beinahe verschlafen wirkende Kleinstadt, die zum Glück den schiefen Turm hat, sonst würde sich kein Mensch hierher verirren. Böse Zungen würden wohl behaupten, dass die gerissenen Italiener den mit Absicht schief gebaut haben und die Geschichte drum herum wohl nur erfunden ist. Aber nein, es ist schon sehr erholsam hier und es muss ja nicht immer Aktion sein. Nach Pisa bin ich im übrigen mit blablacar.it für 10,-€ gekommen, das klappt nicht immer, aber wenn dann ist es ein sehr komfortables Reisen. Die Autos sind meist sehr schick und die Fahrer sogar so nett einen direkt vor der Haustür abzuladen, da entfällt dann die umständliche Schlepperei des Gepäcks. Auch kann es einem dann weniger passieren, das man den von Google angezeigten Fußweg mit 400 Stufen nimmt um dann festzustellen, das die Straße viel seichter zu laufen gewesen wäre Zwinkerndes Smiley Nuja, es empfiehlt sich eh, nicht nur nach der Entfernung zum nächsten (Bus)Bahnhof zu schauen und auf die Angabe- 3 min. Fußweg zu vertrauen, sondern auch ob das Haus ev. auf einem Berg steht, das erleichtert die Wohnungssuche auch noch um einiges. Ansonsten bin ich mit meinen AirBnB Unterkünften bisher sehr zufrieden, die meisten sind sehr sauber und komfortabel eingerichtet und die Vermieter durchweg freundlich und hilfsbereit. Je südlicher man kommt, desto preiswerter werden eigenartiger Weise auch die Wohnungen (13,- bis 15,-€ pro Nacht) und man bekommt sogar noch das Frühstück hingestellt.

pisaWenn ich das alle so vergleiche, finde ich die Empfindlichkeit mancher Bootseigner noch zunehmend unglaublicher. Derzeit zahle ich 90,- bis max. 160,-€ pro Woche, habe Dusche, Küchenbenutzung und meine Ruhe gratis und bekomme noch dazu ein Frühstück serviert. Lediglich Abendessen und Alkoholische Getränke muss ich mir selber kaufen, aber ich brauche eh nur an die 20,- bis 30,-€ pro Woche. Ich spreche noch nicht einmal von Charterbooten, denn auf den meisten Booten musste ich bisher auch 100,- bis 150,-€ Bordkasse bezahlen und da gingen auch die Restaurants extra bzw. musste ich den Skipper mit aushalten. Allerdings erwarten die Eigner dann auch vollen Einsatz, man soll kochen, putzen, abwaschen und natürlich tatkräftig zugreifen, wenn es ums segeln geht. Hinzu kommen noch Nachtwachen und natürlich sollte man sich umgehend in den Tagesablauf integrieren. Achja und dankbar soll man sein, das man mitgenommen wurde. Irgendwie haut da doch die Relation nicht hin… jaja, Boote kosten viel Geld, aber Wohnungen auch und da weiß ich ziemlich genau wovon ich rede. Die Wohnungsbesitzer haben auch Kosten und Ausgaben und müssen damit leben, dass nun wildfremde in ihrem zu Hause herumlungern. Segeln ist tatsächlich die unbequemste Art teuer zu reisen.

Ich hoffe also wirklich endlich einmal an jemanden zu geraten, der froh ist das ich da bin und zur Hand gehe und meine Gesellschaft schätzt. Als nächstes werde ich aber erst einmal mit dem Zug für 23,-€ nach Rom fahren und mir 10 Tage diese hoffentlich schöne Stadt ansehen. Danach geht es nach Napoli und mit der Fähre nach Sizilien, wo ich dann endlich meinen Sohn wiedersehe und wir ein Woche gemeinsam verbringen Smiley mit geöffnetem Mund

Segelurlaub Cote d´Azur

Wie es aussieht mache ich gerade Segelurlaub, also sprich – Urlaub vom Segeln. Es ist wie verhext gerade, entweder bin ich in der falschen Ecke des Mittelmeeres und/oder die Törns sind zu kurz für einen Flug dorthin, um dann nach 1 Woche festzustellen- war doch nix. Oder aber die Rahmenbedingungen stimmen nicht, auf einem Partyboot morgens die Leichen einsammeln, nee das ist nix für mich. Aber auch auf einem Boot Babysitter für 2jährige mag ich grad so gar nicht spielen, diese Verantwortung ist mir too much. Ansonsten gibt es nur Bezahltörns und die sind jetzt in der Hauptsaison nicht gerade billig. Aber ich mache es mir trotzdem schön und werde eben über Land weiter fahren.

nizza 2Derzeit bin ich ja in Nizza, einer wirklich schönen Stadt, mit einer wunderschönen quirligen Altstadt, dem kleinen Hafen, der kilometerlangen Uferpromenade und den atemberaubenden Villen in den angrenzenden Bergen. Auch dahinter erstrecken sich traumhafte Buchten mit toller Landschaft. Nizza – zum einen unheimlich vielfältig und zum anderen sehr angenehm zum wohnen. Man kann vieles zu Fuß erreichen, somit spart man Bus und Bahntickets, die aber mit einer Zehnerkarte für 1,- pro Fahrt auch noch erschwinglich sind. Dafür ist das Essen in Frankreich nicht gerade billig. Sowohl in den Supermärkten, als auch in den Bistros. Aber ich habe ein wirklich schönes, bezahlbares Zimmer (23,- pro Nacht) über Airbnb erwischt, in einer 3 Zimmer-Wohnung die ich mir mit einer sehr lieben Deutschen teile, die hier sesshaft geworden ist. Wir unternehmen ab und an etwas zusammen und kochen auch mal gemeinsam, so fühlt sich also WG-Leben an, könnte mir wirklich gefallen in einer anderen Stadt zu leben. Auch mein Ausflug nach Monaco war sehr schön, mit der Bahn ist man in 20min. dort und kann sich gut einen Tag lang dort die Beine vertreten. MonacoUnd auch wenn ich mir in dieser Chikimiki -Gesellschaft sehr fremd vorkomme, ist es dennoch wie ein Autounfall- man muss trotzdem hinsehen, wohnen könnte ich dort allerdings nicht. Am 25.6. werde ich dann mit dem Bus weiter nach Genua ziehen, mir dort die Stadt 3 Tage lang ansehen, um dann mit blablacar.it über 6 Tage Pisa weiter nach Rom zu fahren und dort 1-2 Wochen verbringen. So werde ich mich dann Stepp bei Stepp weiter südlich Richtung Sizilien hangeln und schauen ob es es dort dann wieder per Schiff Richtung Osten weiter geht. Ich versuche das alles natürlich so günstig wie möglich zu bewerkstelligen, aber ich vermeide auch widerum Schlafräume und Billighostels. Dann nehm ich lieber ein WG-Zimmer, das bekomm man gut um die 20,- die Nacht und lernt gleich die Einheimischen oder eben auch Zugereiste kennen. Aber ich muss gestehen, ich genieße die Zeit des Alleinseins gerade sehr. Niemand schreibt mir vor wie ich was tun oder lassen soll und niemand stört sich daran was ich mache. Ich kann mir anschauen was und wann ich will, kann einfach nur durch die Stadt schlendern und irgendwo sitzen wo ich es schön finde. Auch muss ich nicht zu bestimmten Zeiten irgendwo sein, sondern kann mir Zeit lassen soviel ich will. Natürlich war es schön mit Anderen gemeinsam alles zu erleben, aber nach nun doch schon 3,5 Monaten in Gesellschaft finde ich das Alleinsein grade sehr entspannend. So kann ich auch mal wieder ausführlich Kontakt zu Freunden und Familie halten, das kommt ja auf dem Schiff doch immer zu kurz.

Erst gestern habe ich mich mit einer auch reisenden Freundin über Internetgebühren unterhalten, was sicher für den einen oder anderen auch interessant ist. Meinen deutschen Handyvertrag hatte ich ja gekündigt, aber dank endloser Kündigungsfristen, ist er noch bis Oktober 2015 aktiv. Dann werde ich mir eine Prepaid-Karte holen, damit ich meine Nummer behalten kann. Von Beginn meiner Reise an, habe ich mir die jeweilige ausländische Prepaidkarte gekauft, wobei ich immer darauf geachtet habe eine nur für´s Internet zu bekommen, da ich kaum telefoniere bzw. wenn dann skype oder jetzt neu per whatsapp übers Internet telefoniere. In Spanien hat von Orange 1 GB 5,- gekostet, mit 3 BG bin ich gut über den Monat gekommen. In Italien gab´s von TIM für 20,- sogar 10 GB und hier in Frankreich wiederum von Orange nur 2 GB für 20,- Ich denke es lohnt sich in jedem Fall zu wechseln, gerade wenn man über Land unterwegs ist, freuen sich die Einheimischen, wenn man eine Inlandstelefonnummer angeben kann.

tablettAchja, und da irgendwie immer ein Teil meiner elektronischen Geräte kaputt zu sein scheint… hat kurz nach dem ich meinen neuen Laptop hatte, mein Tablett Glasbruch erlitten. Fragt mich nicht wie das passiert ist, ich hab es an einem Morgen auf dem letzten Boot festgestellt, kaputt ist eben kaputt. Dank Amazon habe ich mir nun eine neue Scheibe nach Nizza schicken lassen, leider stellte sich aber nach dem Montieren des Gerätes heraus, das auch das Display darunter gebrochen ist. Nun werde ich mir das nach Pisa schicken lassen, wo ich ja wieder ein paar Tage Aufenthalt habe. Es wird also nie langweilig und man wird echt erfinderisch Smiley

Korsika

bonNun bin ich quasi wieder am Beginn meiner Reise, ich bin in Nizza! Nach zwei wirklich schönen Wochen von Porto Paolo/ Sardinien bin ich auf der “Seawitch” über die Straße von Bonifatius, an der Westseite Korsikas hinauf bis hinüber ans französische Festland. Korsika ist immer noch genauso ergreifend und faszinierend wie ich es in Erinnerung habe. Im Gegensatz zu Sardiniens sanften Buchten ist es eher spröde und schwellig. Dafür sind aber die Städte um so atemberaubender, Bonifatius hat sich auf meiner persönlichen Lieblingsstadtliste auf Platz 3 katapultiert und steht jetzt gleich hinter Barcelona und Palma, danach kommt dann nur noch Cartagena und Las Palmas. Auch Calvi hat einen ganz besonderen Charme, man merkt eben sofort das man nicht mehr in Italien ist. Diese auf einen Felsen gebaute Altstädte sind wahnsinnig faszinierend. Es gibt tolle Geschäfte, die Häuser sind gepflegt und die Restaurants heimelig. Die Küsten sind von felsig bis flach abfallend über kahl bis wild bewachsen. die Buchten rau und tief und man wird gehörig in den Schlaf geschaukelt. Aber es war eine schöne Strecke und wieder sah von Süden aus alles ganz anders aus, als ich es in Erinnerung hatte, nur die Überfahrt war ungewöhnlich. Ich hab sie quasi verschlafen, bin nämlich dieses mal mit der Fähre von Calvi nach Nizza gefahren, da auf Korsika die Zimmer erschreckend teuer sind und ich in Nizza eine relativ preiswerte Unterkunft gefunden habe. Ich bin nun gespannt auf Nizza, das ich ja damals nur vom Flugplatz aus der Ferne gesehen habe. Ich hab mir erst einmal ein Zimmer über Airbnb gebucht und hoffe dann bald weiter zu kommen.

nizzaNizza- hier begann ja im August 2013 meine allererste Fahrt mit einem Segelboot. Es ist einfach unglaublich wieviel seit dem passiert ist und wieviel ich schon erlebt und gelernt habe. Und dabei bin ich noch lange nicht am Ende meiner Lehrzeit. Allein die Vorfahrtsregeln, die ich vielleicht inzwischen kenne, aber andere Fahrer ev. nicht. Auf Urlaubssegler und Chartergäste ist dabei besonders zu achten, wobei man ihnen keinen Vorwurf machen kann, denn sie verbringen ja nur ihren Urlaub auf dem Boot und müssen sich jedes Jahr neu hineinfuchsen. Selbst die Regel Backbordbug vor Steuerbordbug muss man auch erst mal am eigenen Leib erfahren um sie sich zu merken und auch Lee vor Luv ist eine Regel, die man in der Praxis besser verinnerlicht als in der Theorie. Also rechne ich immer mit der Dummheit anderer, dann passiert es auch nicht mehr, dass ein (falsch) in Luv überholendes Boot, einem plötzlich den Wind klaut und man somit in den Wind schießt. Das nächste mal falle ich lieber gleich ab! Nur ärgerlich, wenn man dann einmal mehr kreuzen muss um ans Ziel zu kommen, aber dafür hat man ja als Langfahrer die Zeit und Urlaubssegler müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt irgendwo ankommen. Auch habe ich gelernt wobei man wie und was sparen kann, denn genauso wie im richtigen Leben hat man ja nur eine begrenzte Summe zur Verfügung und muss zusehen wie man damit klar kommt, aber auch wie man Sparsamkeit übertreiben kann. Viele sehr herzliche und hilfsbereite Menschen habe ich kennengelernt, daraus sind sogar einige sehr intensive Kontakte geblieben. Ich kenne inzwischen diverse Apps für Wettervorhersagen, kann deuten wann man bei welchem Wetter losfährt oder lieber nicht. Auch weiß ich nun, das man mit ausgefahrener Angel lieber nicht zu dicht an einer Fischerboje vorbeifährt, weil man dann nämlich statt einem Fisch, die Boje einen selbst an der Angel hat. Und man sollte lieber nicht zu früh losfahren, weil Nachts auch der Wind einschläft und gegen 10:00/11.00Uhr erst wieder richtig aufwacht.

seawitch 2Und es ist unglaublich erstaunlich, wie viele Langfahrer zwar aus Deutschland weg sind, aber dafür ganz eigenen urdeutschen Regeln auf ihrem Schiff pflegen. Da klingelt um Punkt 7:00 Uhr der Wecker, um 7:30 wird gefrühstückt, um 8:00 Stuhlgang und um Punkt 8:30 wird Anker auf gegangen, egal ob schon Wind da ist oder nicht. Dann wird eben 1-2 Stunden gedümpelt und gehofft dass es gleich aufbriest und natürlich darüber geschimpft warum er noch nicht da ist. Besonders wenn sie schon lange unterwegs sind, sind sie ein eingespieltes Team und haben wenig Verständnis für eine Mitseglerin die gern wenigstens bis 9:00Uhr schläft und dafür des Nachts die Ruhe unter Sternenhimmel genießt, Kaffee gibt´s um 7:30Uhr!!! *schmunzel*. Ich weiß das ich mich dort hineinfügen muss und natürlich auch früh aufstehe, wenn es notwendig ist und ich frage viele Dinge schon im vorhinein, aber manches merkt man eben doch erst wenn man an Bord ist. Und genau deshalb sollte man auch einen Zeitrahmen festsetzen und schauen ob es passt und dann die Sachen packen wenn eben nicht. In meinem Fall waren die Beiden so fair und haben mir nach 3 Tagen schon bescheid gegeben, was ich sehr schade fand, aber so konnte ich in Ruhe nach einer neuen Mitsegelgelegenheit oder eben Unterkunft suchen. Allerdings ist das in der Hauptsaison noch viel schwerer als in der Nebensaison, weil eben alle Urlaub haben und segeln wollen. Man kann auch den derzeitigen Törn nicht vollständig genießen, weil man ja schon den nächsten organisieren muss. Aber so ist das halt als Bootshopperin.

owIch werde oft gefragt, ob ich nicht bescheid geben könnte welche Eigner oder Mitsegel- gelegenheiten empfehlenswert sind und auch wurde mir oft gesagt, dass es doch für mich als alleinreisendes Mädel sehr leicht sein muss unterzukommen. Aber so einfach ist das leider nicht Verwirrtes Smiley natürlich bekomme ich viele Angebote, aber wenn es dann konkret wird, machen viele einen Rückzieher oder sind zur gewünschten Zeit ausgebucht, oder aber wollen direkt in die Karibik. Natürlich lehne ich eindeutig zweideutige Angebote auch ab, denn ich würde mich zwar sehr freuen hierdurch einen Partner zu finden, aber ich bin nicht auf Sextourismus aus. Ich suche also wieder jeden Tag das Internet nach Inseraten ab, habe schon eine Exelliste und einen Ordner mit Bildern und Emails, damit ich nicht durcheinander komme und hoffe nun von Nizza aus in Richtung Osten zu kommen, Italien kenne ich schließlich noch gar nicht. Sollte sich aber eine andere Richtung ergeben, bin ich auch nicht abgeneigt, ergo– SUCHE BOOT EGAL WOHIN!

Déjà-vu

1460062_10152582902008049_8668623528235512797_nEs war einmal eine nicht mehr ganz junge Frau, die aus einer Verkettung widrigen Umstände heraus, von einer Großstadtbewohnerin im Hamsterrad zu einer blogschreibenden Seglerin wurde.

Aber wie konnte das nur passieren?!

Ganz einfach- mein Auto ging kaputt! Nun, werden einige sagen, das passiert jedem mal. Aber es war eben nicht nur irgendein Auto, es war meine kleine geliebte Drecksau. Ich hatte sie geliebt und gepflegt, sie hat überall auf mich gewartet und hat mich überall hingebracht. Und das war nun aus und vorbei, denn der TÜV reichte für uns die Scheidung ein. Damit fing der Lauf der Dinge an-> ich konnte nicht an die Ostsee fahren um dort zu campen und wusste nun nicht wo ich meinen Urlaub verbringen sollte. Zum Glück hat man Freunde, die einem manchmal auch gute Tipps geben und somit landete ich auf urlaubspartner.net Nur, dass das Endergebnis meiner Suche dort, eine ganz andere Art des fahrbaren Untersatztes hervorbrachte, als ursprünglich geplant war. Ich landete auf einem 8m Segelboot. Mein Gott was war das für ein Ritt, die Enge, das Schaukeln, die hygienischen Umstände. Es war unglaublich, das alles machte mir nichts aus, es war der Hammer! Nach vier Wochen Sonne, Salz und Meer sollte man aber dann doch denken, dass des Guten nun genug ist, aber normal war ich ja noch nie. Ich hatte Blut geleckt, und wie!!!

Ich hatte wohl das erste mal in meinem Leben Zeit über mich und alles was mich umgab nachzudenken, denn mir wurde bewusst wie sehr ich eigentlich an meinem Leben vorbei lebte, wie gefangen ich in meinem Hamsterrad war. Denn ich hatte die Tür gefunden, die mich plötzlich mit Frischluft versorgte und die mir den Weg nach draußen zeigte. Ganz plötzlich und völlig unerwartet.

SIRIS-~1Ich kam also nicht nur gebräunt und erholt, sondern auch voller Tatendrang nach Hause zurück und war wildentschlossen meinen Plan in die Tat umzusetzen. Welchen? Ja nun, halbe Sachen sind nix für mich- ich wollte die Welt umsegeln. Kann man doch mal machen, so als neuen Lebensabschnitt. Natürlich steckt dahinter die tief verwurzelte Sehnsucht nach Freiheit und verdammt viel Fernweh. Nur war mir bisher nicht bewusst, das es tatsächlich einen auch für mich gangbaren Weg dorthin gibt. Also Ärmel hoch und auf ins Internet, da mussten doch noch andere Verrückte unterwegs sein. Menschen mit den gleichen Träumen, die wussten wie das geht und die mir sicher Tipps geben würden. Natürlich fand ich die auch und was für welche… denn ich wurde ausgelacht und gewarnt und sogar beschimpft. Ich prallte glatt zurück vor so vielen negativen Emotionen. Aber nur um Anlauf zu nehmen, denn wer mich kennt, weiß- nicht mit mir, was ich will das setze ich auch durch! Und Mädels, ja vor allem ihr, lasst Euch nix sagen von den tollen Hechten die dort in der weiten Welt herumschippern, geht Euren Weg, das klappt! Aber um der Wahrheit gerecht zu werden, ich habe auch tolle Menschen kennengelernt, ich bekam wundervolle Emails und nicht zuletzt deshalb entstand überhaupt dieser Blog hier. Denn die wenigen die zu mir standen, die waren begeistert von meiner Idee, meinem Enthusiasmus und meiner Unbefangenheit und wollten unbedingt meinen Weg weiter verfolgen. Ich danke Euch sehr!

Ich ließ mich also nicht abbringen von meinem Vorhaben und entwickelte einen 9 Punkte Plan->

  1. segeln gehen/lernen
  2. Kostenplan erstellen
  3. ärztlich durchchecken lassen
  4. Segelscheine machen
  5. Job kündigen
  6. vom materiellen Ballast befreien
  7. meinen Sohn und die Katze unterbringen
  8. Wohnungsmieter finden
  9. Segelpartner finden

Und den arbeitete ich auch zielstrebig ab. Ich ging segeln, auf einem 9m Boot mit einem Ösi in Kroatien, lernte Barcelona und die 48ft großen Amels dieser Welt kennen, die mehr den Hafen als das Meer sehen. Verbrachte zwei Monate in der Türkei auf einer 22m Yawl und machte meine Segelscheine (SBF Binnen +  See). Ich krempelte meinen Sparstrumpf um und nahm einen Kredit auf, so lange ich noch arbeitete. Ließ meine Zähne, Knochen, Schilddrüsen und andere Gedärme durchchecken. Holte mir alle erdenklichen Impfungen und schloß einen Auslandreiseversicherung auf 5 Jahre ab. Auch an potentiellen Segelpartnern mangelte es nicht, ich schrieb mit ihnen, traf mich und segelte mit ihnen. Und es tat mir unendlich gut mich mit Menschen beim TO-Stammtisch, die meinen Traum schon erlebt hatten, zu reden und mir Mut zu holen. Die ersten 8 Punkte hatte ich auch recht schnell abgearbeitet und fühle mich von Punkt zu Punkt besser.

10566223_10152285277797263_1333105683_n.jpgAllerdings entwickelte sich Punkt 9 zu einer fast unüberwindbaren Hürde. Ich hatte sehr wohl bald einen Segelpartner gefunden, der sich eine wunderschöne alte Lady angelacht hatte, auf der auch Platz genug war, aber auch dringend Unterstützung von Nöten. Es war tatsächlich schwierig eine Crew zusammen zu finden, zu zweit war es mit diesem riesigen Schiff aussichtslos und endete schlußendlich in einer Trennung. Selbst der Versuch, weibliche Mitseglerinnen in dieser Männerdomäne, die meinen Traum teilte und mit mir auf große Fahrt gehen wollte, zu finden, scheiterte an der Umsetzung. So musste ich also allein weitersuchen nach „meinem“ Schiff und „meinem“ Käptn. Ich inserierte, traf mich und natürlich waren sie noch da, in heller Aufregung- die Zweifler, Sicherheitsfanatiker und Dauernörgler. Es wurden alle erdenklichen Links ausgegraben, ich war also in Erinnerung geblieben, natürlich auch die Haarstäubenden von einem Jahr zuvor. Die negativen Energien ließen mich wieder einmal zurückprallen… Und ihr könnt es Euch denken- natürlich um Anlauf zu nehmen!

Alle sagten: das geht nicht und dann kam ich, wußte das nicht und hab es gemacht. 😀 Nachdem also Punkt 9 nicht zu knacken war und alle Vorbereitungen abgearbeitet waren, zog ich eben allein los in die weite weite Welt. Ein Jahr lang verbrachte ich so und reiste Hand-gegen-Koje durch das halbe Mittelmeer, auf verschiedensten Schiffen und auch über Land. Sah mir Spanien, Frankreich und Italien an, lebte mit verschiedenen Crews und Eignern zusammen auf deren Booten und reiste per Bus und Bahn und übernachtete mit Airbnb auf fremden Couchen.

IMG-20150910-WA0000Und dann passierte es doch ganz unerwartet und wiederum aus einer Verkettung widriger Umstände heraus…  Nicht ich fand „mein Schiff“ und „meinen“ Käpn, sondern er mich. Wir lernten uns im Internet kennen und er besuchte mich spontan 5 Tage in Rom. Dann verbrachte ich einen Winter in den Niederlanden auf seinem Schiff und von dort reisten wir zu Zweit über Belgien, Frankreich, die Biskaya, nach Spanien und Portugal ins Mittelmer. Die nächsten 2-3 Jahre wollten wir dort verbringen, um dann den großen Sprung über den Atlantik in die Karibik zu wagen und von dort den Rest der Welt  zu erkunden.

Leider wurde auch daraus nichts, nach 1,5 Jahren war auch auf diesem Schiff wieder Endstation. Aber Träume sind eben da um gelebt zu werden! Und wie durch ein Wunder erfüllte sich der langgehegte Traum, auf der wunderschönen Lady VEGA mitzusegeln. Inzwischen hatte sich der Skipper mit diesem Leben arrangiert und die Crew stand fest, und so ging es diesmal als Coskipperin von Spanien weiter auf die Balearen. Danach begann ich als freiberufliche Skipperin für verschiedene Charterfirmen zu arbeiten. Es folgte eine wunderbare Saison, ich segelte auf Sardinien, Mallorca, an der Amalfiküste um Capri und Ischia, in Kroatien und eroberte mir so Stück für Stück die Welt, bis ich in Griechenland landete. Dort wartete schon wieder die Lady VEGA auf mich, ich überführte sie wieder einmal, diesmal von Griechenland nach Sizilien um dort auf ihr zu überwintern und sie rundherum zu restaurieren. Danach ging es wieder zurück nach Greece um dort noch einmal für eine Charterfirma zu skippern. Dann aber packte mich wieder das Fernweh und so segelte ich nonstop von Sardinien über die Ballearen, Gibraltar, die Kanaren und Kapverden über den Atlantik in die Karibik. Dort verbrachte ich knapp 4 Monate auf diversen Inseln, um dann auf den Bahamas zu stranden und mir eine dreimonatige Pause als Volunteer in einem Hostel zu gönnen. Als nächstes sollte es mit einem Katamaran hinauf in die USA gehen, doch leider wurde mir das Visum versagt. Da nun in der Karibik die Hurrikansaison und in Centralamerika die Regenzeit begann, war dort für mich erst einmal Endstation. Das aber hielt mich nicht auf, denn in Europa warteten schon wieder zahlreiche Angebote auf mich, so dass ich ersteinmal wieder zurück nach Girechenland flog. Aber auch dieses mal machte ich nur den Schritt zurück, um wieder einmal Anlauf zu nehmen!

Es war einmal eine nicht mehr ganz junge Frau, die aus einer Verkettung widriger Umstände heraus, von einer Großstadtbewohnerin im Hamsterrad zu einer blogschreibenden Seglerin wurde. Und dieser Blog wächst offensichtlich gerade mit und ändert sein Gesicht. Er wird nun nicht nur mehr von einem überschaubaren Freundeskreis gelesen, sondern von Menschen die meinen Traum teilen, die mir Mut machen und mich unterstützen.

Ich hoffe in Zukunft Euch davon etwas zurück zu geben, meine immer noch ungebrochene Euphorie, mit Euch zu teilen und Euch anzustecken. Denn ich weiß das es geht – die Welt zu umsegeln und dazu muss man nicht alt, weise und erfahren sein, man muss es nicht nur wollen, sondern MACHEN!

Was die kleine Laura Dekker mit 14 Jahren allein geschafft hat, sollte doch auch für uns Große mindestens zu zweit möglich sein! Auch wenn es etwas länger dauert…