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Barcelona

Ersteinmal wollte ich also Erfahrungen sammeln. Nur ist in Berlin im Herbst nicht mehr wirklich viel los auf den Seen und mein Job ließ es leider nicht zu an den Wochenenden irgendwohin zu fahren, schließlich musste ich Samstags arbeiten. Aber ich hatte im November noch eine Woche Urlaub und der Zufall wollte es mal wieder, das ich seit kurzem mit einem Deutschen in Spanien lebenden Kontakt hatte. Er war schon einmal über den Atlantik gesegelt und hat ein Jahr in der Karbik verbracht, er hatte viel zu erzählen und ich war gespannt.

1378319_561623867206627_864385577_nIch buchte also 4 Wochen vorher wieder einen sehr günstigen Flug bei Easyjet und freute mich schon diebisch endlich meine, bis dahin ganz frisch erworbenen, theoretischen Kenntnisse anwenden zu können und noch ne gute Portion dazu zulernen. Er hatte mich auf sein Boot eingeladen und wir wollten ev. je nach Wetter nach Mallorca rübersegeln, unabhängig davon hatte ich mit ihm 1-2x geskypt und empfand die Konversation als sehr angenehm, vor allem eben so gar nicht aufdringlich.

Die Zeit verging wie im Fluge, nur leider bekam ich ein paar Tage vor meinem Abflug eine schlechte Nachricht- der Motor des Bootes auf dem er wohnte sei defekt, er würde zwar versuchen ihn zu reparieren, könne aber nichts versprechen, wir würden also wohl mit dem Boot nicht segeln könnten. Aber ein anderer Bekannter würde ein paar Tage dort sein und wir würden dann mit deren Yacht rausfahren können. Ich sah das erstmal entspannt und optimistisch, denn irgendetwas würde sich schon ergeben.

Ich stieg also am 1.Nov. in den Flieger und freute mich auf das Meer, die Sonne, Barcelona und natürlich endlich wieder zu segeln. Am Flugplatz angekommen, wurde ich auch schon abgeholt und wir fuhren mit dem Bus zu der etwas abseits gelegenen Marina in dem kleinen Vorort Castelldefels. Mich begrüßten 20°C, strahlender Sonnenschein und das Meer. Wenn man aus 10°C Nieselregen und grauem Berlin kommt, fühlt sich das an wie das Paradies! Das Boot auf dem er wohnte, war eine 43 Fuß Ketsch mit Centercockpit, die sehr großräumig war und eine super Fahrtenyacht abgab, so in etwa stellte ich mir mein zukünftiges zu Hause vor. Ich fühlte mich gleich sehr wohl und durfte sogar in der Heckkabine schlafen. Wie luxuriös war doch dieses Boot im Gegensatz zur kleinen „Mary Fisher“!

Leider wurde mein junges Glück postwendend getrübt, denn ich erfuhr das der Motor vorerst nicht reparabel sei und zu allem Übel der Eigentümer der Ketsch, die Liegegebühren für das Boot nicht bezahlt hätte. Als Vorsichtsmaßnahme hätte die Marinakapitänerie eine Kette um die Schraube gelegt, so das ein Hinaussegeln unmöglich gewesen wäre. Ich war sehr enttäuscht, wollte ich doch auch sehen wie sich dieses tolle Boot auf dem Wasser anfühlt, aber ich hatte ja noch die Hoffnung mit seinem Bekannten segeln zu können. Dieser kam dann auch am nächsten Abend und ich durfte mir sein Boot, eine AMEL ansehen. Mein Gott wieviel Luxus konnte man auf einem Boot unterbringen, es war unglaublich- Waschmaschine, Spülmaschine, Wäschetrockner, es mangelte an nichts! Auch die Innenausstattung war sehr luxuriös und sehr geräumig, außen war alles vollautomatisch, man drückte nur noch auf Knöpfe und alles rollte sich ein und aus. Trotzdem das alles sehr beeindruckend ausschaute, war es mir doch einen Tick zu übertrieben, die Ketsch auf der ich wohnte war mir da um einiges gemütlicher und wohnlicher.

DSC_0144-kAm nächsten Tag war super Wetter, herrlichster Sonnenschein und 12 Knoten Wind. Ich packte alles zusammen was ich für einen Segeltörn brauchte und wir begaben uns zu seinem Bekannten. Die Männer waren auch bald in Fachgespräche verwickelt, schließlich hatten sie sich ein paar Wochen nicht gesehen und es gab noch einiges zu reparieren, was abgesprochen werden musste. Nach einer Stunde nahm ich mir mein Buch und als sich gegen frühen Nachmittag die Sonne langsam gen Westen neigte und die Männer anfingen die besprochenen Reparaturen auch spontan zu beginnen, verabschiedete ich mich von dem Gedanken an diesem Tag segeln zu können. Da es aber Tag 2 meines Urlaubs war, genoß ich es einfach mit wundervoller Aussicht auf den Hafen lesend in der Sonne zu sitzen. Leider wiederholte sich dieses Schauspiel aber am nächsten und übernächsten Tag. Doch da ich Gast war und zudem weder etwas für meine Unterkunft noch einen Segeltörn bezahlt hatte, konnte ich kaum Ansprüche stellen. Mir blieb nur die unverständige Ratlosigkeit, wieso man so ein irres Boot sein Eigen nannte und es gar nicht seinem Zweck entsprechend nutzte?! Am nächsten Tag dann fuhr der Bekannte wieder ab und ließ uns unverrichteter Dinge zurück mit der Bemerkung, dass es doch sehr schade gewesen sei, gar nicht segeln gewesen zu sein. Snob, Luxus ist es nur weil man es tun KÖNNTE, aber nicht muss?!

DSC_0108-kDie nächsten Tag verbrachten wir dann also mit Exkursionen nach Barcelona, der wirklich tollen Stadt am Meer, dem nächstgelegenen idyllischen Dorf Garraf und der wunderschönen Hafenstadt Sidges. Es waren wirklich tolle Ausflüge und Land und Leute begeisterten mich zusehens. Zwischendurch genoss ich es einfach am Strand in der Sonne und sogar einmal im Meer zu baden, welch Luxus mitten im November! Aber ich musste mich damit abfinden, nicht segeln zu können. So nah und doch so fern :o(

Ein kurzer Hoffnungsschimmer kam mir noch, als ich wieder andere Bekannte von ihm kennenlernte, die im Hafen wohnten und auch ein Boot hatten. Es war zwar nur ein kleines 9,5 Meter Boot, aber das war immerhin einen Meter länger als die Mary Fisher. Leider wurde diese Hoffnung schnell wieder zerschlagen, da sie mitten in den Reparaturarbeiten steckten und die Batterien auch erst einmal erneuert werden mussten. Die Beiden hatten aber auch Pech, denn sie hatten erst kurz nachdem sie das Boot im Frühjahr gekauft und aus dem Wasser geholt hatten, festgestellt das es Osmose hat. Aber- gekauft wie gesehen -konnten sie es nicht mehr reklamieren.

DSC_0125-kSo fuhr ich nach 12 Tagen unverrichteter Dinge wieder ab, zwar mit super vielen neuen Eindrücken, aber eben ohne auch nur einmal gesegelt zu sein. Und dennoch war ich froh es getan zu haben, denn dadurch habe ich tolle Menschen kennengelernt und konnte mir zur genüge Boote anschauen, der Hafen war schließlich voll davon. Ich hoffe ich bin nun nicht zu sehr verwöhnt, denn ich weiß jetzt, dass man für eine längere Fahrt von 3-5 Jahren, ein größeres Boot von mind. 11-13 Metern haben sollte. Auch habe ich einen schwenkbaren Herd zu schätzen gelernt, das es auch in Booten Toilettentüren und sogar Duschen gibt und das auch die teuersten Schiffe kaputt gehen und deren Reparatur dann um einiges tragischer ist.

Und noch ein irrer Zufall hat sich nach meiner Rückkehr herausgestellt- mein Sohn hatte sich für sein Praktikum in Norwegen, Spanien oder Italien beworben und wurde tatsächlich an der Uni in Barcelona angenommen! Ich werde also nicht das letzte Mal dort gewesen sein…

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