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Wieder zu Hause

Da saß ich nun, voll von Erinnerungen und Eindrücken, die mich total geflasht hatten. Und voll von Zukunftsvisionen, aber auch vielen Fragen. Also auf ins Internet, mit Foren kannte ich mich aus, die hatten mir schon in so manchen Situationen geholfen, wer wenn nicht alte Hasen konnten meine Fragen beantworten. Und siehe da es gab einige gut besuchte Foren, also erstmal Überblick verschaffen und dann rein da. Es gibt schließlich keine doofen Fragen, sondern nur doofe Antworten. Tscha und die bekam ich auch zur genüge. Und damit nicht genug, ich wurde nicht nur belächelt, sondern auch bevormundet und sogar beschimpft. Um ehrlich zu sein, ich habe noch nie solch herablassende Menschen wie unter den Foren-Seglern getroffen und ich bin seit über 10 Jahren in verschiedensten Foren unterwegs. Ich hatte da wohl volle Kanne in ein Wespennest gestochen, welch Fauxpas als Frau segeln zu wollen und dann auch noch gleich richtig.

Aber natürlich hat jede Medaille zwei Seiten und ich bekam unter anderem auch per PN ganz wunderbare Nachrichten und ich wurde zum TO-Stammtisch eingeladen, den ich auch sehr gerne besuchte. Hier bekam ich Antworten auf meine Fragen und natürlich auch Tipps und Hinweise. Die Nachrichten die ich nun fast täglich bekam, waren von ganz unterschiedlicher Natur. Zum einen waren es Forenmitglieder, die sich beinahe für das Verhalten der Banausen entschuldigten, aber auch Abenteurer die selbst schon auf großer Fahrt waren oder es planten. Daraus entstanden ganz wunderbare Kontakte, die ich versuche dauerhaft zu pflegen, was allerdings auf Grund der Menge und auch Vielfältigkeit nicht ganz einfach ist ;o) Ganz besonders freute mich mich aber über einen Kontakt zu einer Frau, die sich sowohl hier im Forum, als auch in der Realität einen sehr guten Stand in dieser Männerdomäne erarbeitet hatte und die mir wirklich wertvolle Tipps aus Frauensicht gab. Wir hatten einen wirklich spannenden Abend miteinander und wollten sowohl segeltechnisch als auch sonst Berlin unsicher machen. Schade nur, das auch sie, wie so viele Andere hier, einen anderen Humor hatte, Sarkasmus ist halt nicht jedermans Sache. Aber was solls, so lange man sich live versteht, ist die Schreiberei doch nebensächlich.

Nunja, ich hatte mich natürlich inzwischen auch belesen- Beate Kammlers Roman z.B. aber auch Christiane Grabow und beide haben mir bestätigt, dass mein Vorhaben sehr wohl realisierbar ist. Unabhängig davon habe ich mich natürlich mit Freunden darüber unterhalten und ausnahmslos alle fanden die Idee toll. Die einen beneideten mich um meinen Mut und andere hegten selbst insgeheim solche Pläne. Aus den unerwartetsten Richtungen kamen auf einmal Zusprüche- meine Nachbarn z.B. würden meinen Keller, den ich seit Jahren an sie vermiete, freiräumen um meinen Kram dort unterzustellen. Eine Freundin offenbarte mir das sie auch gerne einen Segelschein machen wollte und mein Sohn hat sich auch gleich mit eingeklinkt, nun machen wir den im Frühjahr zu dritt. Und meine beste Freundin offenbarte mir, das sie schon seit einiger Zeit ein Weltreise mit ihrer Partnerin plant, allerdings per Backpacking.

Mein Sohn war schwer begeistert, auch er würde ja über kurz oder lang ins Ausland gehen und freute sich nun, seine Mutter nicht hier zurück lassen zu müssen, sondern selbst auf Abenteuer zu wissen. Seit Jahren beschwerte er sich schon, das ich doch kaum etwas von meinem Leben haben würde, immer nur arbeiten, kaum Freizeit und Jahr ein Jahr aus campen an der Ostsee. Aber als Mutter steckt man halt zurück, die eigenen Bedürfnisse treten in den Hintergrund, aber nun sollte es sich auszahlen, das ich schon mit 23 Jahren Mutter wurde. Und das ich nicht alles ganz so falsch gemacht hatte, bewies mein Sohn, der nun seine Ausbildung zum Biotechniker an einer Fachhochschule machte und im Herbst 2014 ein EU gefördertes Praktikum im Ausland machen würde. Es sollte eben alles so sein!

Es war einfach unglaublich und ist es immernoch!

Parallel zu allem erstellte ich mir eine ToDo-Liste von Dingen die in den nächsten Monaten zu erledigen wären. Einges davon hatte ich eh seit Jahren vor, habe sie aber immer aus Bequemlichkeit vor mir hergeschoben.
Und da so ein Blog ja zum laut denken ist, legen wir mal los:

1. Segelpartner finden,
2. segeln gehen
3. Kostenplan erstellen,
4. Wohnungsmieter finden,
5. Sonnenbrille anfertigen lassen,
6. Visa Card organisieren,
7. Segelschein machen,
8. vom materiellen Ballast befreien,
9. ärztlich durchchecken lassen,
10. Impfen lassen,
11. Zähne durchchecken lassen,
12. Reisepass beantragen,
13. Job kündigen,

Da waren sie also meine 13 Probleme. Einige waren schnell zu bewerkstelligen, andere wiederum noch viel zu früh.
Am schwierigsten von allem aber würde wohl Punkt 1 werden. Also auf in die Welt des Internet, Annoncen aufgeben, Emails schreiben, Treffen vereinbaren, kennenlernen, es würde spannend werden. 1. sollte sich mit 2. verbinden lassen, aber auch das gehört ja zum kennenlernen, denn nirgendwo lernt man sich in kürzerer Zeit kennen, wie auf einem Segeltörn auf dem man 24/7 miteinander verbringt. 3. und später dann 4. war recht einfach zu bewerkstelligen, denn durch das Glück eine Eigentumswohnung zu besitzen, die auch noch sehr schön geschnitten und im grünen Speckgürtel Berlins gelegen und dadurch gut zu vermieten ist, würde ich durch die Mieteinnahmen eine geregelte Einnahmequelle haben und gleichzeitig meinen Wohnsitz in Deutschland behalten können. 5. und 6. war die kleinste Hürde, denn beides hatte ich eh schon lange vor. Nachdem ich mich umfassend erkundigt hatte, rückt nun 7. auch in greifbare Nähe, wie oben schon erwähnt mit zweifacher Unterstützung. Die Segelschule war auch schnell gefunden, sie sollte relativ nahe und vor allem felxibel sein, denn im Einzelhandel zu arbeiten hat zeitlich kaum Vorteile. Allerdings würde ich mich erst einmal für den SBF-Segel Binnen entscheiden, denn ich würde nie auf dem Meer ein Boot chartern, auf einheimischen Seen würde ich aber im nächsten Jahr ganz sicher mal ne Jolle mieten wollen. 8. würde wohl den umfangreichsten Teil der Sache ausmachen, für jemanden der sich schwer von gewohntem trennen kann. Ich begann also langsam, sortierte aus und stellte bei Ebay ein. Verkaufte, verschenkte und tauschte, lange liegendes gegen Dinge die man zukünftig wohl mehr brauchen würde. Um endgültig auszumisten würde ich aber noch ein paar Monate brauchen, genauso wie für Punkt 9-12, denn das hatte noch Zeit. 13. würde der Zahl alle Ehre machen, denn ich arbeite in meiner Firma, wie 25% der Mitarbeiter, seit 2,5 Jahren nur befristet. Leider ist die Arbeitgebermoral in Deutschland schon seit Jahren unfassbar, so das mir dieser Punkt am leichtesten fallen wird. Genauso leicht würde es mir fallen nach meiner großen Reise in Deutschland wieder Fuß zu fassen, die Wohnung blieb mir und einen Job im Einzelhandel zu finden ist mir noch nie schwer gefallen, ich war in meinem ganzen Leben noch nicht einen Tag Arbeitslos.

Mein Plan nahm also Formen an, sowohl im Kopf als auch auf dem Papier und wer weiß schon ob man überhaupt jemals wiederkommen will…