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Ionisches Meer – Saronischer Golf

Die eine Urlaubswoche auf meiner geliebten VEGA war natürlich viel zu kurz, aber dennoch nicht weniger erholsam. Dafür war die Fahrt nach Lefkas, wo mein nächster Törn starten sollte, um so abenteuerlicher. Die Strecke Zakynthos – Lefkas ist mit 250km eigentlich keine große Enfernung, aber es gibt tatsächlich keine direkte Fährverbindung zwischen den beiden Inseln und Samstags ist in Griechenland alles anders als sonst, Busse die sonst über Land große Strecken zurück legen, fahren einfach nicht. So erreichte ich Lefkas nach sage und schreibe 8 Stunden, 1 Fähre und 4 Bussen später. Obwohl alles ein und das selbe Busunternehmen ist, kann man nicht die komplette Strecke auf einmal buchen, selbst die Bushaltestellen sind oft an einem ganz anderen Ort. Ich kam also schwer gebeutelt bei meinem nächsten Chartertörn an.

Oft werde ich übrigens gefragt, wie ich an diese Törns komme. Nun 2016 hatte ich mich, nachdem mich der VEGA-Skipper überzeugt hatte, dass ich doch locker selbst Skippern könnte, bei diversen Vercharteragenturen beworben und konnte mich plötzlich nicht retten vor Aufträgen. Anscheinend haben meine Scheine und meine Tausende von Meilen, die ich mir ja immer artig in meinem Meilenbuch bestätigen ließ, ausgereicht. Auch werden wohl vermehrt Frauen engagiert, da sie eher behutsam mit allem umgehen und nicht wie die Herren der Schöpfung, das letzte aus den Booten herausholen 😉 Ich habe also in den letzten 3 Jahren immermal freiberuflich für einige der Agenturen gearbeitet und bin nun bei denen gelistet. Anfragen bekomme ich also ständig und kann mir mittlerweile sogar das Revier aussuchen, hingegen ich mir die Boote nicht aussuchen kann. Einige werden von privaten Eignern den Charterfirmen überlassen, andere gehören den Firmen, der Zustand der Boote ist eher dürftig und leider sind sie sehr spartanisch ausgestattet. Im Gegensatz zu den Eignerbooten, auf denen die Eigner selbst leben, muss beim Charterboot jede Crew sich selbst so grundsätzliche Dinge, wie Salz, Pfeffer, Toilettenpapier oder Spülmittel kaufen, dabei wäre es so einfach und serviceorientiert, all das bereitzustellen, denn die Gäste zahlen ja einiges um mal eine Woche Urlaub darauf zu verbringen. Der Vorteil ist wiederum, dass die Boote von den Charterern vor Ort betreut werden und wenn etwas kaputt geht, wird es meist umgehend repariert. Auch stehen meistens Helferlein an der Pier, die beim an- und ablegen helfen, sofern es nicht die Eigner selbst machen wollen. Ich muss also nehmen, was ich bekomme und mich jede Woche auf ein neues Boot einstellen. Das ist manchmal ärgerlich, oft aber eher belustigend, wie man aus meinen Beiträgen ja hoffentlich herauslesen kann.

Diesmal wartete meine neue Crew also geduldig auf mich und so nahmen sie mich, mit schon gefülltem Kühlschrank und fertig übernommenem Boot, auf der Ms Boss in Empfang. Es war das seit langem kleinste Boot das ich gefahren bin, was meine Crew sehr erstaunte, denn für sie war es das bisher Größte. Dieses mal hatte ich erfahrene Segler, die schon mehrfach gemeinsam unterwegs waren und wußten wie der Hase läuft. Wir hatten demzufolge auch eine super entspannte Zeit und haben etliche Meile zurückgelegt, weil alle nicht genug bekommen konnten. Das Beste aber war, das wir es tatsächlich bis Zakynthos hinunter geschafft haben und ganz früh am Morgen die Shipswreckbeach fast für uns alleine hatten. Überhaupt ist das Revier sehr schön und abwechslungsreich, auch wenn wir oft beinahe zu wenig Wind hatten, was wir durch ausschweifende Badestops kompensieren mussten. Ein Highlight dieser Woche war dann noch, George von Georges Taverne auf Kevalonia, der allen Booten die keinen Platz mehr im kleinen Stadthafen bekamen, einen Ankerplatz zuwies und die Crews mit seinem Dingi von den Booten abholte und auch wieder zurück brachte, sehr geschäftstüchtig der Mann. Allerdings erfuhren wir erst davon, als wir mit unserem Dingi hinüber gepaddelt waren, denn mal wieder streikte der Außenborder. Auf dem Rückweg dann durften wir bei George mitfahren und ich sah das erste mal, das auch Dingis fliegen können, als er es in Schlepp nahm und Gas gab 😀 die Paddel sammelten wir dann später wieder ein.

Die Fahrt zurück nach Athen ging dann ganz unkompliziert, der Bus fuhr durch und mein Taxifahrer Ramos erwartete mich bereits, um mich nach Lavrio zu kutschieren. Dort übernahm ich den bisher größten Katamaran Lady Suzana, den ich je gefahren bin, mit seinen 42 Fuß ein wahres Raumwunder. Da eine Familie abgesagt hatte, bezog ich sogar meine eigene Luxussuite, mit extra Dusche und eigenem WC. Dieses mal wollte ich nun endlich die Kykladen erkunden und wieder machte mir der Meltemi einen Strich durch die Rechnung. Wir schafften es gerade mal bis zur Insel Kea und mussten dann wieder den Schlenker in den saronischen Golf machen. Zum Glück ist das ein tolles und im Gegensatz zu den Kykladen ein sehr grünes Segelrevier, so dass wir auf Poros, Ephidauros auf dem Pelepones und natürlich Aegina ein wunderschöne Woche verbrachten. Das erste mal auf einem Törn, streikte mal nicht der Außenborder, was sicher daran lag, dass es ein 9,5PS Viertakter war. Warum nicht immer diese leistungsstarken Motoren verwendet werden, wird mir immer ein Rätsel bleiben. Das nutzten wir dann auch gnadenlos aus und ankerten die ganze Woche und fuhren mit dem Dingi in die Städtchen. So verpassten wir auf Poros um knapp 5 Minuten einen Hubschrauberabsturz fast genau vor Mikes Taverne Oasis, vor der wir sonst immer lagen. Auch im nachhinein war wohl nicht klar, ob der Hubschrauber beim Anflug der Insel einen Motorschaden hatte und dann in die Landstromverbindung der Insel stürzte oder ob er direkt hineinflog, auf jeden Fall lag daraufhin ganz Poros im dunkeln. Wir hatten jedenfalls Glück und blieben unbehelligt. Auf der Überfahrt von Aegina zur Athener Festlandseite, riß uns dann auch noch die Genuaschot, die leider schon sehr morsch war, aber die Charterfirma erwartete uns schon in unserer geplanten Ankerbucht und wechselte sie uns binnen 5 Minuten, das nenn ich mal Service. Der Weg zurück in die Marina war dann noch ein wenig abenteuerlich, denn bei 35kt gegenan, ist mit einem Katamaran leider nichts zu machen, so das ich unter Motor gegen Wind und Welle gegenan stampfen musste und selbst die Taucherbrille nicht die Sturzfluten abhielt, die sich in den Steuerstand ergossen.

Neue Woche, neue Crew, neues Glück. Dieses mal ging es wieder von der Athener Marina Alimnos los, mit einem Lagoon 3900 Lion, der einer Griechin gehört, die wirklich sehr speziell und beinahe schon karikaturistisch wirkte. Ich wurde von Kolleginnen schon informiert, dass die Eignerin sich ohne erkennbare Segelkenntnisse diesen Katamaran gekauft hatte, um ihn zu verchartern. Solange man an Land bleibt und nicht aktiv ins Geschehen eingreift, ist das ja auch kein Thema, ausserdem haben wir ja alle mal angefangen und was noch nicht ist, kann ja noch werden 😉 Demzufolge gehörten aber liebevolle Spitzentischdeckchen und zu Schnecken gerollte Leinen, sowie eine dreistündige Einweisung der Crew in alle Details der Pflege und Sorgfalt des Bootes zur Übernahme, hingegen technische Details eher nebensächlich behandelt wurden. Ein Highlight war die Bemerkung, dass die Travelerschiene der Genua auf keinen Fall benutzt werden darf, weil sonst der Lack abgehen würde. Demzufolge trauten wir uns die ganze Fahrt lang kaum etwas zu benutzen, geschweige denn die auf hochglanzpolierten Edelstahlsäulen anzufassen 😀 Sachen gibts, die gibts gar nicht. Nichts desto trotz wurde es vielleicht auch gerade deshalb, eine sehr lustige und unbeschwerte Woche im saronischen Golf. Dieses mal machte ich einen Zwischenstop in Korfos kurz unter dem Kanal von Korinth, wo wir sogar Schildkröten im Wasser sahen. Diese Woche blieb also ohne weitere Zwischenfälle, auch wenn ich wieder einmal mit Taucherbrille am Steuerstand, dieses mal sogar gegen 39kt Wind und Welle gegenan in die Marina motoren musste. Sehr zum Schrecken der Eignerin, die nun ein völlig versalzenes Boot zurückbekam und vielleicht deshalb die Leinen wieder zurück warf 😉 und mir unbedingt die Mooring entgegen geben wollte, bei immernoch 6bft im Hafen, kein wirkliches Vergnügen. Als verantwortliche Skipperin und um ihr Eigentum zu schützen, musste ich ihr den Sinn der Heckleinen erst kurz und deutlich erklären, dann klappte es wenigstens beim dritten mal und wir lagen fest und sicher.

Auch in meiner letzten Woche als Skipperin, durfte ich wieder den, liebevoll gepflegten, Katamaran Lion fahren. Dieses mal waren wir nur zu viert, da wieder einmal eine komplette Familie abgesagt hatte. Dafür hatte ich aber genug Zeit für meinen Sohn, der mir eine Woche seiner knapp bemessenen Zeit mitten in seiner Bachelorarbeit schenkte. Jetzt konnte ich ihm endlich auch all die schönen Orte im saronischen Golf zeigen, die ich in den Wochen zuvor erkundet hatte – wir besuchten Mike von der Taverne Oasis im schönen Poros, Natassia die Besitzerin des Babis in Aegina, wo man bei Sonnenuntergang mit Füßen im Sand zu Abend essen kann oder die versunkene Stadt in Ephidauros, die man völlig untouristisch erschnorcheln kann. So lernte er auch mal das segeln auf einem Katamaran kennen und es gefiel auch ihm ausgesprochen gut, denn nicht nur der Platz und der Luxus, sondern auch das wir allein entscheiden konnten wann und wo wir hinfuhren, war schon etwas besonderes. Viel zu schnell war diese schöne Woche dann vorbei. Nach 9 Wochen unfallfreiem skippern, passierte mir dann doch genau das, was jeder so beim einparken befürchtet. Meine Leinen wurden bei der Einfahrt in die Box nicht ordentlich angenommen, so das ich bei seitlichen Winden abtrieb und mir eine der zahlreichen Mooringleinen, die sich wohl jeder Boxenbesitzer selbst angebracht hatte, in die Schraube zog, was für ein Dilemma. Zum Glück kam der Taucher recht schnell und befreite die arme Schraube und zum Glück hatten wir eine Kautionsversicherung.

Die beiden darauf folgenden Wochen, verbringe ich nun fast ausschließlich in meinem Athener AirBnB Zimmer. Nach Sightseeing ist mir so gar nicht und so erhole ich mich von der doch auch anstrengenden Zeit als Skipperin und genieße es, mal nicht reden zu müssen. Aber ich freu mich natürlich auch auf die mir nun bevorstehenden Wochen, denn *Trommelwirbel* es geht wieder auf die VEGA Herz und um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen, werde ich mit ihr von Korfu nach Licata auf Sizilien fahren *freufreufreu*. Dort werde ich noch 2 Wochen bleiben, um alte Freunde zu treffen und den Zahnarzt meines Vertrauens aufzusuchen. Danach gehts dann wieder Richtung Westen um endlich meinen schon lange geplanten 2-3 wöchigen Besuch in Marokko einzulegen. Das ich am 15. November aber in Antigua landen werde, um dort für die nächste Wintersaison endlich auf dem Hector einzuchecken, steht ja schon lange fest, der Flug ist schon gebucht. Langweilig wirds also bei mir immer noch nicht, freut euch also schon jetzt auf meine nächsten Berichte!

Griechenland

Die Zeit vergeht wie im Fluge, vier Wochen Griechenland liegen nun schon wieder hinter mir. Nachdem ich die Türkei verlassen habe, bin ich mit dem Bus nach Thessaloniki gefahren. Ich hatte erst überlegt mit der Fähre zu fahren, aber ich wollte doch lieber schauen wie mir die Landschaft des griechischen Festlandes gefällt, nachdem ich doch einigermaßen enttäuscht von den kahlen griechischen Inseln war und ich wurde angenehm überrascht. Grün und saftig präsentierten sich mir die Berge die sich entlang der Küste erstreckten. Halt hätte ich noch gern in Kavala gemacht, einem kleinen Örtchen kurz hinter der türkischen Grenze, leider wusste ich nicht vorher, das es dort so bezaubernd ist. Die sechsstündige Fahrt war also recht kurzweilig, wenn auch im Vergleich zu den türkischen Preisen, mit 45,-€ verhältnismäßig teuer. Aber auch die Fähre wäre nicht billiger gewesen und sie wäre Nachts gefahren, ich hätte also nichts gesehen.

In Thessaloniki angekommen, fand ich wieder recht unkompliziert mein AirBnB Zimmer, dass dieses mal doch recht enttäuschend, aber mit 15,-€ pro Nacht das günstigste war, das ich finden konnte. Auf Europaletten schlafend, mit abgewohntem Bad und ebensolcher Küche, fühlte ich mich nicht sonderlich wohl, aber immerhin war das Zimmer zentral gelegen. Die Stadt ansich ist sehr hübsch anzusehen, an alten Steinen der Byzantiner, Römer und Griechen mangelt es nicht und so erkundete ich eine Woche lang die Gegend. Da es sehr heiß war, verließ ich meistens erst gegen 15:00Uhr mein Zimmer und nutzte die kühleren Stunden des Tages. Wirklich schön, fand ich die Altstadt, die natürlich wie immer auf einem Hügel, hoch über die Neustadt emporragte. Dort konnte ich beinahe allein umher streifen, da die allgegenwärtigen Touris wohl den Aufstieg scheuten, auch war der Blick über die Stadt von dort ober sehr beeindruckend.

Und schon ging es weiter nach Athen, dieser beeindruckenden Stadt der Antike. Dieses mal hatte ich für 14,-€ ein ganzes Appartement für mich ganz allein, gemütlich eingerichtet war´s, so dass es mir beinahe schwer viel mich aufzuraffen. Zumal ich dort etwas abseits wohnte, allerdings war das Zentrum mit der Metro oder dem Bus dann doch gut zu erreichen. Ich umrundete die Akropolis eine ganze Woche, wie die Katze den heißen Brei, und bestiegt auch deren Nachbarberg, doch schreckten mich die 20,-€ Eintritt doch zusehr ab, so dass ich bis zum letzten Tag mit mir haderte und letztendlich dann doch von einem Besuch abstand nahm. Dafür besichtigte ich Athens ersten Friedhof, der beinahe noch beeindruckender war. Enttäuscht war ich von den dortigen Parkanlagen, einst schön angelegt, verwildern sie nun, bewohnt von Obdachlosen und umherstreunenden Hunden. Dafür hatte ich direkt neben meinem Appartement einen kleinen Park mit einer sehr günstige Shishabar, die ich ein, zwei, dreimal aufsuchte. Sieben Tage waren also völlig ausreichend und ich trat die Reise zurück nach Korfu an, die wie alle Bustouren in Griechenland, wieder einmal 45,-€ kostete.

In der Marina Gouvia übernahm ich dann die Fryni, mein bisher neuestes Boot, eine Bavaria 45 Cruiser von 2014. Sie war demzufolge sehr komfortabel und leicht zu bedienen, was mir in meiner zweiten Woche auf ihr auch sehr zu gute kam. Doch erst einmal hieß ich 5 Leipziger Jungs willkommen, die es mir trotz männlicher Überzahl sehr leicht machten. So schön, schön war die Zeit, die wir lautstark singend und zum Glück auch segelnd hinter uns brachten. Ein kleines Highlight gleich zu beginn war die Segelyacht A, die vor Korfu in der Bucht lag und die wir eingehende bestaunten, denn wenn auch nicht sehr hübsch, ist ihre Größe doch sehr beeindruckend. Von Korfu über Paxos bis hinunter nach Preveza und wieder hinauf über das schöne Parga, die blaue Lagune und den Sonnenuntergang am Strand von Plataria, fuhren wir. Danke Jungs, es war mir ein Fest!

Die zweite Woche auf der Fryni war dann eine ganz Besondere, denn drei Tage vor Reiseantritt, sagten 4 Gäste geschlossen ab, ein Unfall/Krankheit war der Grund, nicht die Tatsache das ich die Skipperin war Smiley mit herausgestreckter Zunge Nun stand ich da, allein mit nur einer Gästin, die noch nie ein Schiff betreten hat. Aber wir beide machten uns eine tolle Woche, deren Strecke diesmal etwas kürzer ausfiel, aber dennoch nicht weniger schön war. Denn in Lakka auf Paxos kann man es gut auch zwei Tage aushalten und um so entspannter kehrten wir sicher und zufrieden am Freitag nach einem Abstecher wieder über Parga und Plataria in die Gouvia Marina zurück. Und wieder gab es eine Überraschung, denn ich durfte mich noch einmal von meinem Herzstück VEGA verabschieden und auch wenn ich nicht wirklich glaube sie zum letzten mal gesehen zu haben, nahm ich doch meine persönlichen Sachen an mich und schaute ihr sehnsüchtig nach…

Denn nun beginnt für mich wieder eine neue Etappe. Nun geht es fast die gleiche Strecke Richtung Westen zurück, die ich in den letzten vier Jahren gen Osten zurückgelegt habe. Von Neapel soll es nun über Sardinien, Korsika, Nizza, Barcelona, die Balearen, das spanische Festland, hinüber nach Marocco gehen um die Ocean Breeze, eine Moody 45 DS, auf die Kanaren und anschließend Kapverden über den Atlantik in die Karibik zu überführen. Ich hoffe wirklich, dass ich auf ihr gut aufgehoben bin und mich mit dem Eigner und wieder einmal wechselnder Crew arrangieren kann. Ich würde gern endlich länger auf einem Schiff bleiben können, aber habe natürlich auch längst wieder Plan A/B/C in petto. Es bleibt also wie immer spannend!

Ent-täuscht

Tja, wie erklärt man etwas Trauriges ohne es traurig klingen zu lassen?! Das Projekt VEGA ist vorerst auf Eis gelegt. Für mich, für den Skipper, für die ganze Crew und für das neue Katzenbaby.

Anzeichen waren da, es gibt keine Projekte, die Restaurierung und die Reparaturen haben ziemlich viel Geld verschluckt und unsere anderen Bemühungen, wie im letzten Blog beschrieben, sind leider auch alle im Sande verlaufen. Nun bleibt die VEGA also in Griechenland liegen, die Cocco wird verkauft und die Crew verteilt sich in alle Winde. Und da der Kapitän als letzter das Schiff verlässt, wird der VEGA Skipper wohl den Sommer allein auf der Schönen verbringen. Und da höre ich sie schon, die weisen alten Männer, die jetzt mit dem Finger zeigen können – ich hab´s Dir doch gleich gesagt. Aber wenn man keine Träume hat, wird man sie auch nie leben können. Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass ich meinen Traum gelebt habe und auch weiter lebe. Ich weiß nicht was jetzt aus der VEGA wird. Ob sie verkauft werden kann, oder hier im Hafen einfach ihr Dasein fristet. Ich werde vielleicht ab und an nach ihr schauen, wenn ich in der Gegend bin.

Natürlich bin ich ent-täuscht, aber daran habe ich zu 50% selbst Schuld. Denn ich habe mir tatsächlich eingebildet, die VEGA wirklich unterstützen zu können. Ihr das zurück zu geben, was sie mir gegeben hat. Und auch wenn ich nur hauptsächlich auf ihr gewohnt und gearbeitet habe, ist es toll gewesen sie zu verschönern. Fast 6 Monate habe ich jeden verdammten Tag 5-6 Stunden an ihr herumgeschliffen und gestrichen, habe viel gelernt und unheimliche Freude an dieser Holzarbeit für mich entdeckt. Ich werde vielleicht irgendwann mal, wenn ich genug vom reisen habe, in einer kleinen Werkstatt sitzen und alte Möbel restaurieren. Auch hatte ich eine sehr entspannte Zeit mit dem VEGA Skipper, wir haben tolle Gespräche geführt und Ideen entwickelt, auch wenn sie nicht gefruchtet haben. Trauriges Smiley Aber ich hatte eine zweite Chance, die mir damals vor fast 4 Jahren verwehrt geblieben ist.

Nun muss ich also wieder einmal Abschied von der Schönen nehmen. Ich liebe Dich Du wundervolle alte Lady. Du hast mehr Seele als so mancher Mensch!

Aber ich muss jetzt auch einmal an mich denken!

Denn wie schrieb jemand so schön Genderfreundlich unter meinen letzten Blogeintrag- “Wenn Man/Frau merkt, dass Mann/Frau ein totes Pferd reitet, sollte Mann/Frau absteigen!” Eigentlich kannte ich diese alte Indianerweisheit.

Wie geht´s nun weiter für mich- nach einer letzten Woche auf der Cocco, die ich mit meinem Sohn und meiner Schwiegertochter verbringen werde, werde ich mit dem Bus nach Athen fahren und von dort mit der Fähre nach Kos übersetzen. Dort erwartet mich eine fast genauso alte Lady, allerdings in menschlicher Form, eine alte Seebärin, von der ich sicher noch so einiges lernen werde. Ich werde also von Kos aus, für 3 Wochen mit einer Sun Odyssee 44 die Ägäis erkunden. Ich bin echt gespannt auf diese sagenumwobenen Inseln, die vorausgesagte raue Witterung und die türkisen Buchten die man so oft auf Werbeplakaten sieht. Danach werde ich wohl Inselhopping mit Fähren und AirBnB machen, aber ich habe auch verschiedene Segelangebote, sowohl als Skipperin, als auch nur Hand gegen Koje, was mir sogar noch vielmehr recht ist. Denn ich bin zu lange heraus aus dem Hamsterrad und kann mich schwer in die Urlaubsstimmung der Touristen, die Kojen chartern, hineinversetzen. Ich bin wohl schon eine eingefleischte Langfahrerin geworden, die lieber die Einsamkeit und Ruhe sucht, statt langer Abende voller Smalltalk oder Party.

Ich bin gespannt wo mich meine Reise nun hinführt, aber die Karten werden nun wieder neu gemischt. Der grobe Plan ist immernoch, diesen Sommer in Griechenland zu verbringen. Den Winter dann wahlweise auf Sizilien, natürlich in Licata zu verbringen ODER auf den Kanaren ODER sogar in der Karibik. Aber bis dahin ist noch etwas hin und wie schnell sich Pläne ändern können, habe ich ja wieder einmal direkt erfahren. Ihr seht also, es bleibt immer spannend Zwinkerndes Smiley

Griechenland

Ich hab es geschafft! Smiley mit geöffnetem Mund Ich habe mein selbstgestecktes Ziel für dieses Jahr erreicht – Griechenland!!! Mein Weg führte von Mallorca über Sardinien, Süditalien, Kroatien bis nach Griechenland, wo die VEGA den Sommer verbracht hat. Nach 4 Monaten und 1972 Seemeilen bin ich also wieder auf der Schönen die in Preveza liegt. Man könnte glatt meinen ich wäre, wie das neue Crewmitglied, eine Katze, die man aussetzen kann wo man will und die den Weg immer wieder nach Hause findet. Aber ein Freund aus Facebook hat mein Verhältnis zur VEGA sehr treffend beschrieben: “Ein Boot mit besonderen Charaktereigenschaften, Landeplatz und Startbahn zu neuen Ufern, Zwischenstopp zum Ausruhen und zum gediegenen Segeln sowieso!” Und genau das ist sie wohl für mich, deshalb habe ich auch alle anderen Angebote ausgeschlagen und habe mich auf den Weg zu ihr gemacht, als ich vom Skipper um Hilfe gebeten wurde. Der Sommer war sehr aufregend, ich habe viele tolle Törns gehabt, nette Leute kennengelernt und wunderschöne Landschaften gesehen. Habe in traumhaften Buchten geankert, bin durch altertümliche Städte getigert, habe schmackhaftes Essen genossen, bin überrascht worden von Gegenden die vom Wasser aus ansprechender sind als von Land und bin echt viel herumgekommen. Was für ein Leben!

Ich kann gar nicht mal sagen, welches Revier mir dabei am besten gefallen hat, jedes einzelne hatte seine besonderen Reize. Mallorca – mit seinen glasklaren Buchten, die sich dicht an dicht wie Perlen an der Ostküste hinaufschlängeln. Sardinien – mit seinen schroffen Felsen, weißen Sandstränden und türkisfarbenen Buchte, ein tolles Segelrevier, das durch seine vielen Inseln im Maddalena-Archipel ständig wechselnde Winde bereithält und das durch seine Nähe zu Korsika als Höhepunkt den Sprung hinüber nach Bonifacio ermöglicht. Die Amalfiküste – mit seinen landschaftlich traumhaften Bergdörfern, eingebettet in saftigem Grün und die malerischen Inseln Capri und Ischia, wie auch der, sich ehrfürchtig über Neapel erhebende, Vulkan Vesuv. Dalmatien – mit seinen zig kleinen Inseln und Grotten, oder auch auf den Spuren Winnetous im Nationalpark bei den Krka Wasserfällen. Die Städte Split und Dubrovnik – die an Kultur und Geschichte dem alten Rom in nichts nachstehen. Und zuletzt die Ionian Islands – die irgendwie alle bisher genannten Reviere vereint, das Städtchen Parga, dass an Amalfi erinnert, die glasklaren Buchten wie auf Mallorca, die um die Inseln wechselnden Winde wie auf Sardinien, das saftige Grün der Krka Wasserfälle und natürlich die Gastfreundschaft, die in allen südlichen Ländern so wohltuend ist. Griechenland macht neugierig auf mehr und ich werde es im nächsten Sommer noch intensiv erforschen, bevor ich dann Europa verlasse.

Auch gefällt mir das skippern sehr! Abgesehen davon, das ich man sich als Langfahrer wohl einige Häfen die ich angelaufen bin, gar nicht leisten könnte, geht es mir dabei gar nicht mal um die, wenn auch willkommene, zusätzliche Einnahmequelle, sondern darum unabhängig die Welt bereisen zu können und dabei immer im Kontakt zu anderen Menschen zu sein. Denn wenn ich eins in der Zeit, zu zweit unterwegs, gelernt habe, ich brauche soziale Kontakte und da reicht es mir nicht ab und an mal einen anderen Langfahrer zu treffen, sondern die Möglichkeit neue Menschen kennenzulernen und um mich zu haben. Ob das nun reine Mädelscrews sind, oder Gemischte- bzw. Familiencrews, aber auch, wie zuletzt auf der Jason, reine Männercrews, sie alle haben Spaß gemacht und es sind tatsächlich Freundschaften entstanden, so das ich fürs nächste Jahr schon bei einigen wieder gebucht bin. Allerdings muss ich auch zugeben, das mir Flottillentörns genauso wenig liegen, wie Mädelscrews mit nur einem oder zwei Kerlen, denn eigenartiger weise verfallen die Mädels dann automatisch in den Weibchenmodus oder werden gar zu launischen Prinzessinen. Aber aus Erfahrungen lernt man und auch wenn ich mich jetzt schon vor Aufträgen kaum retten kann und einige sogar ablehnen musste, möchte ich mir im nächsten Jahr den Status erarbeiten, mir gezielt Törns aussuchen zu können. Deshalb werde ich den Winter, den ich auf den Kanaren verbringen möchte, nutzen um meinen SKS zu machen um einen Level höher zu steigen. Denn auch wenn ich in dieser Saison viel dazu gelernt habe und schon den einen oder anderen Applaus beim einparken bekommen habe, möchte ich noch einige Skippertrainings absolvieren. Auch kann es nicht schaden die schon erlernte Theorie nochmal aufzufrischen und zu vertiefen, zumal man ja nie auslernt. Aber das alles wird mir ganz sicher nicht schaden, denn nächsten Herbst soll es ja dann endlich auch weiter weg gehen.

Denn auch wenn das Mittelmeer wundervolle Möglichkeiten bietet und ich bei weitem noch nicht alles gesehen habe, ist mein Fernweh noch lange nicht gestillt. Die weite Welt, fremde Kulturen, ferne Städte und die unendliche Weiter der Ozeane warten auf mich. Aber ich werde natürlich wie bisher in kleinen Schritten weitermachen, als nächstes werde ich Anfang Oktober mithelfen die VEGA nach Sizilien zu überführen, dort wird dann entschieden ob sie in der Werft etwas aufgepeppt wird oder ob es gleich weiter geht auf die Kanaren. Je nach dem werde ich entweder auf ihr oder auch auf dem Zweitschiff des VEGA-Skippers, der Cocco, oder aber mit meinem ersten Auftraggeber auf der ITA auf die Kanaren fahren. Dort werde ich dann schauen wo ich unterkomme, ob nun auf der VEGA, der Cocco oder in einem Airbnb Zimmer, oder eben skippernder Weise auf verschiedenen Charterschiffen wird sich zeigen, auch einem Abstecher auf die Kap Verden wäre ich nicht abgeneigt. Ich habe also wieder mehrere Pläne in petto, wobei natürlich mein absoluter Favorit die geplante Kommune auf der VEGA ist. Zwinkerndes Smiley Denn das wäre tatsächlich das Beste für dieses tolle Schiff, eine feste Crew, die dauerhaft auf ihr lebt und die zusätzlich von Mitreisenden unterstützt wird, aber wie war das – “alles kommt im richtigen Moment zu Dir, sei geduldig!”