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Rezension "Gewittersegeln"

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40 Segler berichten von ihren Erfahrungen bei Sturm, Gewitter und deren Ausläufern.

Schon meine Oma riet mir- „Kind, sobald es gewittert, halt dich vom Wasser und von hohen Gegenständen fern!“ Diese einfache Regel auf einem Segelboot einzuhalten, ist natürlich unmöglich.

„Gewittersegeln“

Mittlerweile bin ich ziemlich froh, mich, aus Mangel an Erfahrung, nicht an diesem Buch beteiligt haben zu können, sondern nur die Ehre zu haben die Rezension schreiben zu dürfen. Denn wer dieses Buch gelesen hat oder selbst schon einmal auf See in ein Gewitter geraten ist, wird mir beipflichten, dass es alles andere als lustig ist. Genau wie dieses Buch im übrigen… wer kurzweiligen Lesespaß sucht, sollte die Finger davon lassen. Dieses Buch ist dramatisch und ergreifend. Ich muss gestehen, dass ich pro Tag nur 1-2 Beiträge lesen konnte, da ich sie erst einmal verarbeiten musste und teilweise sogar den Tränen nah war. Es sollte ein Lehrstück für Segelanfänger sein, nirgendwo hab ich bisher so gebündelt Informationen erhalten zu einem, auf Land doch meist harmlosen, Ereignis, dass auf See über Leben und Tot entscheiden kann. Es ist nicht nur sehr sorgfältig und umfassend recherchiert, es ist auch detailliert ja gar detailverliebt gestalten. Und es macht nachdenklich, denn wie leichtsinnig gehen wir doch oft mit Seemannschaft um und begeben uns gedankenlos in Situationen die lebensbedrohlich werden können. Nach diesem Buch habe ich mir um so mehr vorgenommen, lieber bekennende Frührefferin zu sein und meine Schwimmweste, schon beim ersten Gedanken daran, artig anzulegen.

Sehr spannend festzustellen war im übrigen, dass Männer eher technischer berichten als Frauen, die wiederum ihre Gefühle und die Ereignisse rund herum besser in Worte fassen können. Erstaunt war ich über die Ergebnisse der Versicherungen, die auch zu Wort kamen. Abschließend aber muss ich sagen, das mir das Buch schon allein durch die von jedem Berichterstatter im Anschluß abgegebene Manöverkritik, gezeigt hat, dass man auch aus Fehlern immer nur lernen kann. In diesem Fall haben all diejenigen Glück, die dieses Buch in die Hände bekommen, denn sie können ausnahmsweise einmal aus den Fehlern ANDERER lernen.

Vielen Dank an millemari für dieses wertvolle Werk!

Ehrfurcht

Wikipedia meint dazu: “Ehrfurcht ist ein hochsprachliches Wort für eine mit Verehrung einhergehende Furcht.”

Gestern Abend wurde ich ihrer wieder einmal gewahr.

to-logo-200.gifDie TO-Stammtische sind mir ja seit Monaten schon ein sehr liebgewordenes Ritual. Am Anfang wurde ich kritisch beäugt, aber mittlerweile bin ich in die Runde aufgenommen, Hartnäckigkeit wird meist belohnt. So auch gestern wieder. Die Van Loon war wie immer gut gefüllt, zu alt bekannten Gesichtern mischten sich Neue, wie sich später herausstellte, eher alte Neue. Angekündigt war ein Video-Vortrag eines Pärchens in den Vierzigern- “Familie Mallunat war 5 Jahre zwischen Europa, Afrika und Amerika unterwegs und haben uns sicherlich viel zu berichten”. Ein Vortrag wie schon oft gesehen, ein kurzweiliger Abend also.

Aber weit gefehlt…

Susi & Tom

Zwei bewundernswerte Menschen, die ihren Traum vom Leben in Freiheit wahr gemacht haben. Sie haben sich erst einen Wharram Katamaran mit einem Dschunkenrigg aus und aufgebaut, haben alle Zelte hinter sich abgebrochen und sind nach Monatelangen Vorbereitungen los gesegelt. Wie auch in diesem Bericht der Morgenpost vom April 2014 beschrieben, segelten sie 3 Jahre munter in der Welt herum und entschieden sich dann für ein neues Stahl-Boot um in die Eismeere fahren zu können. 1 Jahr lang haben sie Schweiß und Energie dort hineingesteckt (meine Güte, der Kerl hat sogar seine Masten aus gefällten Bäumen selbst geschnitzt und auch sein Dingi selbst gezimmert). Sie haben alles in reiner Eigenarbeit ausgebaut und verkleidet, selbst die Segel genäht und dann passierte vor 6 Wochen das Unglück. Susi wurde Seekrank und konnte über 5 Tage nicht mal Flüssigkeit beibehalten. Tom war inzwischen völlig entkräftet vor Schlafmangel und der Einhandsegelei, dann brach zu allem Unglück erst das Haupt- und dann auch noch das Hilfsruder auf offener See wegen des starken Schwells. Tom wusste nicht mehr ein noch aus und setzte schweren Herzens den Notruf ab. Sie wurden dann von einem Frachtschiff, in einer atemberaubenden Rettungsaktion, geborgen und mussten aber ihren „Troll“ mutterseelen allein dem Atlantik überlassen. Was für eine Tragödie!

Nachtrag eines TO-Mitgliedes: „Da die Rettungsaktion von einem Crewmitglied des Frachters detailliert gefilmt wurde, trieb es auch den harten Seebären den einen oder anderen kalten Schauer über den Rücken.“

Es lässt nachdenklich werden, wenn man so etwas so hautnah erfährt. Man ist erschüttert, aufgewühlt und möchte einfach nur helfen. Es wurde natürlich gespendet, aber es ist ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Beiden stehen nun vor dem Nichts, haben alles was sie besaßen dem Atlantik übergeben und wohnen jetzt hier kurzfristig bei Freunden, mit dem was sie auf dem Leib tragen. Nicht einmal das sie von vorne beginnen müssen ist das Schlimmste. Sondern die Angst vor so einer Tragödie, ist bei ihnen nun wohl um ein zehnfaches höher als unsere Ehrfurcht vor solch einem Unglück. Ich hoffe für die Beiden, dass sie sich schnell wieder fangen, den Schock verarbeiten und wieder Boden unter den Füßen bekommen. Aber ich hoffe noch viel mehr, dass sich ihre Angst wieder in Ehrfurcht umwandelt und sie ihren Traum vom Leben in Freiheit nicht aufgeben.

Ich danke Euch Beiden für diesen Abend, sehr!

www.aorai.krummewege.de

Inzwischen sind Susi (Buchhändlerin) und Tom (Chemieingenieur) auf Arbeitsuche! Ihre Lebensläufe sende ich gern als PN zu. Wer also einen Tipp, oder sogar eine freie Stelle anzubieten hat, kann sich gern direkt an die Beiden wenden unter:

troll@krummewege.de

Wer möchte kann sich den Vortrag selbst ansehen und vielleicht helfen:

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Der Segler ansich

DSC_0416-kleinEs gibt ja nun so viele verschiedene Seglertypen wie Menschen überhaupt und es ist spannend immer wieder neue Varianten kennen zu lernen. Ganz sicher kenne ich sie noch nicht alle, aber es kristallisieren sich ein paar Spezies heraus, die äußerst Charakteristisch sind. Mal schauen ob ich sie irgendwie beschrieben bekomme, natürlich immer mit einem Augenzwinkern:

Der Urlaubssegler…

… hat irgendwann mal seine Scheine gemacht, chartert jeden Sommer für 1-4Wochen irgendein Boot, meist im Mittelmeer und läd sich das Boot mit Familie, Freunden und Bekannten voll. Er möchte Spaß, wenig Streß mit irgendwelchen Reparaturen und lässt es sich gut gehen.

Der Wochenendsegler…

… er hat ein kleines oder größeres Boot auf irgend einem See/Meer und nutzt jede erdenkliche Minute seiner Freizeit um vorrangig an seinem Boot zu schrauben, basteln und zu reparieren. Zwischendurch segelt er natürlich auch, aber nur um zu testen ob auch alles gut funktioniert.

Den Gartenzwergsegler…

… er ist meist in Pension und verbringt den Sommer über auf seinem Boot. Meist mit Frau und Hund und Gartenzwerg. Er fährt auch mal raus, aber nur um nachher was erzählen zu können. Ansonsten freut er sich auf die allwöchentlichen Grillpartys in der Marina.

Der Naturfreund…

… mag nicht mehr laufen oder Rad fahren, verbringt dennoch gern viel Zeit in der Natur. Segelnd kann er  Energie sparen und kann somit nachhaltig und Umweltbewußt, darüber nachdenken wie er möglichst unter Einwirkung der Naturkräfte ans Ziel kommt.

Der Regattasegler…

… will Geschwindigkeit, Adrenalin, den Kick. Er fährt nur auf Höchstleistungsbooten, die Dauerlage schieben und bei denen das Blut in den Adern gefriert, wenn man nur die Bilder sieht. Es muss eine Rennyacht sein, möglichst hypermodern, nagelneu und schnell.

Der Lebenslängliche…

… er segelt von Kindesbeinen an. Erst auf einer Jolle, dann mit eigenem kleinen Boot oder als Miteigner auf einer größeren Yacht. Später dann reichts Geld auch für ne Eigene. Er hat schon alle möglichen Reviere befahren, sein Erfahrungsschatz ist beinahe grenzenlos.

Der Einhandsegler…

… ist ein Mann ab 40, der genug von den Frauen bzw. sogar Menschen hat, sich für bestimmte Zeit aus dem gesellschaftlichen Leben ausklinkt und allein auf große Fahrt geht. Er segelt um zu segeln. Er plant für sich, er packt es an für sich, er segelt für sich. Alles um ihn ist ihm egal.

Der junge Aussteiger…

… er ist oft gerade mit dem Studium oder der Ausbildung fertig, möchte aussteigen bevor er in den Beruf einsteigt. Nur verpasst er dann den Einstieg wieder, weil er irgendwo strandet. Er lebt dann irgendwo im Warmen und hangelt sich von Job zu Job und Boot zu Boot.

Der ältere Aussteiger…

… um die 50. Er hat in Deutschland schwer Fuß gefasst, ein paar Beziehungen hinter sich und meint das nun auf einem Boot alles besser zu packen. Er möchte schon eine Frau dabei haben, die ihn bekocht und putzt und unterhält, aber auch finanziell von ihm unabhängig ist.

Der Umherirrende…

… er steckt tief in der midlife crisis, ist geschieden, hat erwachsene Kinder und einen recht lukrativen Job hinter sich gelassen. Nun weiß er nicht wohin, kauft sich ein Schiff, weil er meint dann autark zu sein. Er sucht auch Gesellschaft, weils allein doch einsam ist und irrt dennoch weiter.

Der Langfahrer…

… plant Jahrelang den Ausstieg. Spart und organisiert, kauft ein Boot und baut es um. Verkauft Haus und Hof und steckt alles in das Projekt. Er will in 3-5 Jahren oder auch open end mindestens einmal um die Welt. So viel wie möglich sehen, erleben, am liebsten mit (s)einer Partnerin.

Der Pseudo Langfahrer…

… er erzählt überall herum das er schon Jahrelang den Ausstieg plant. Er ist super informiert, weiß um alle Gefahren und warnt jeden davor wo er nur kann. Er ist in allen Foren angemeldet und kennt jeden Bootstyp. Und er findet garantiert immer einen Grund warum er gerade jetzt nicht los kann.

Wenn ich noch jemanden vergessen habe, immer her damit, ich ergänze gern. Auftretende Ähnlichkeiten sind rein zufällig und um Gottes willen nicht böse gemeint.

Handwerker

20140925_105111Nachdem wir also festgestellt haben, das unsere Batterien am Ende sind, haben wir sie auswechseln lassen. Und damit fing das Handwerkergewusel an. Denn leider war unsere alte Lady in den letzten Jahren sehr vernachlässigt worden, oder aber es wurde nur notdürftig daran herum gefrickelt, so dass die gesamte Verkabelung komplett erneuert werden musste. Als nächstes wurde dann ein spendierter Dieselgenerator eingebaut. Ein recht aufwändiges Unterfangen, da ja auch die Halterung dafür erst gebaut werden musste. Dieser Generator soll in Zukunft also unseren Strom erzeugen, sowohl für 220V als auch die, dafür neu eingebauten, Batterien für die 24V und den Umwandler für 12V speisen.

TechnikDann kamen noch diverse bisher nicht vorhandene Navigationsgeräte, wie ein Kartenplotter, der digitale Tiefenmesser, die Vorrichtung für den Windmesser und den Autopiloten, die im nächsten Jahr dann folgen sollen. Keine Ahnung ob das alles unbedingt sein musste, ich hab bisher sehr gut mit Karte und Kompass navigieren können, aber die Männer wissen das besser Zwinkerndes Smiley Aber ich werde mir noch was einfallen lassen, damit diese hässlichen grauen Geräte schön unsichtbar verschwinden!

Nachdem das nun alles eingebaut war, wollten wir natürlich auch testen ob alles funktionierte. Bevor wir die Maschine starteten, prüften wir noch einmal das Kühlwasser und stellten fest, dass keins mehr da war. Wir holten daraufhin den Marina-Mechaniker und der fand heraus, dass die Kühlwasserleitung des Motors das Kühlwasser nicht richtig transportierte, so dass der Motor sofort überhitzte und das Kühlwasser nur verdunstete, aber nicht kühlte. Dieser Fehler konnte aber schnell mit einer fehlenden Dichtung behoben werden.

Salon-fertigIch räumte derweil alle Schränke um und aus und wieder so ein das wir uns langsam heimisch fühlen konnten. A. reparierte mit seinem Papa das vordere WC, auch dort war seit Jahren kein Schlauch mehr gereinigt worden, ein Zettel mit “Nicht benutzen!” reichte den bisherigen Eignern aus. Auch die Pumpe ist noch defekt, wiederum ein Fall für den Mechaniker. Die Handwerker werden also noch genug zu tun haben in den Wintermonaten. Vor allem müssen wir uns langsam Gedanken darüber machen, wie wir ein paar Gäste an Bord bekommen, schließlich muss das alles ja auch bezahlt werden!

20141003_165241Als nächstes folgt dann nämlich noch der Wassermacher, der in den nächsten Wochen eingebaut werden soll. Das Topplicht muss überprüft werden, denn auch meine Kletteraktion zum Glühlampe austauschen war erfolglos. Aber es war ein wunderbarer Nervenkitzel, den ich beim nächsten mal bestimmt noch besser genießen kann! Dann brauchen wir dringend ein neues Beiboot, denn das vorhandene ist genauso unachtsam behandelt worden wie der Rest auch und somit nach einem Tag platt. Und dann ist´s auch erst mal genug für dieses Jahr an Ausgaben für Handwerker und Neuanschaffungen. Wir werden uns dann erst einmal auf unsere eigenen handwerklichen Fähigkeiten berufen und das Holz überall abschleifen und streichen, die Edelstahlteile auf Vordermann bringen und andere Kleinreparaturen ausführen, die wir selbst bewerkstelligen können. Damit haben wir den Winter über genug zu tun.

Zwischenzeitlich musste ich auch noch für ein paar Tage zurück nach Deutschland, da die Behörden Sehnsucht nach mir hatten. Und auch in den kommenden Monaten werde ich noch des öfteren zurückberufen werden, fürchte ich. A. kann sich glücklich schätzen, dass er sich schon von allen Verpflichtungen befreit hat. Wenn das bei mir alles durch ist, schreibe ich mal detailliert worauf man unbedingt achten sollte, wenn man Deutschland den Rücken kehren möchte. Derzeit ist das aber noch zu unsicher, weshalb ich drei Kreuze mache wenn ich dieses Kapitel hinter mir habe.

Bloß nicht über Haie sprechen

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Warum nicht mal Urlaub auf einer Yacht machen? Unser Knigge bietet Orientierung

 

Was ist das passende Gastgeschenk? Statt Blumen: Konzentrierter, sorgfältig ausgesuchter Alkohol: auf allen Weltmeeren wird getrunken, aber Sie möchten keine Bierkiste an Bord schleppen. Ein Rum aus dem Geburtsjahr des Yachtbesitzers ist interessanter als die x-te Flasche Zero Dosage Champagner. Schöne Leinenservietten von Porthault, mit dezentem Monogramm des Gastgebers. Schlüsselanhänger mit eingraviertem Namen des Bootes. Was dagegen wirklich nicht geht: nautische Gastgeschenke wie Flaschenpost mit Sand oder Rettungsring als Aschenbecher.

Was muss in die persönliche Reiseapotheke? Sie werden unterwegs keinen Nachschub kaufen können, also umsichtiger packen als sonst: Sonnenschutz (so stark es geht), Zigaretten, Kondome, Peroxide zum Desinfizieren, Tonopan (das einzig wirksame Mittel gegen Migräne, gibt es nur in der Schweiz). Gegen Seeübelkeit hilft das „Seaband“ aus Frottee für die Handgelenke. Durch einen Druckknopf wird der Punkt stimuliert, der den Gleichgewichtssinn regelt. Bei einem Quallenbiss das Gift mit einer Kreditkarte rausschaben, danach mit Essig, Wein oder Urin behandeln.

Was ziehe ich bloß an? Es empfiehlt sich, vor Reiseantritt die Farbgebung des Bootes zu erfragen. Ein Hamburger Yachtbesitzer wünscht sich von seinen Gästen, dass ihre Garderobe mit der Farbe seiner Deckpolster und des Meeres korrespondiert. Alles, was nicht blau ist, stört sein ästhetisches Empfinden. Und er meint es ernst. Als die eigene Tochter im bojenroten T-Shirt aufkreuzte, schickte er sie heim. Schuhe sind wirklich nur für Landgänge nötig, und da reicht ein Paar. Noch wichtiger als sonst: gepflegte Füße! Sonnenbrillen, Sonnenhüte in allen Variationen. Außerdem empfehlenswert: Üppige Auswahl an Bade- und Badeliegenklamotten (auch der Deckchair ist ein Laufsteg), ein Dinnerkleid (einfacher als ein Ballkleid, aufwendiger als ein Sommerfummel), auf jeden Fall was Warmes. Sportschuhe fürs Gym und auf Oligarchenyachten für das Joggen an Deck. Basketballschuhe nur für die „Octopus“ von Paul Allen.

Was darf man auf keinen Fall tun? 1. „Spontan“ ins Meer springen. Sie wissen nie, was Sie dort erwartet. 2. Anderen Schiffen zuwinken. 3. Füße einölen! Wer dabei erwischt wird, wird nie wieder eingeladen. Es ist wirklich die schlimmste Sünde, wenn man überall Fettspuren auf dem Holz hinterlässt. Der wohlerzogene Gast hat immer eine Dose K2R in seiner Strandtasche, dass sprayed alles weg, was fettig ist: Von der Gabel gefallene Dorade, verwehte Salatblätter, Sonnencreme.

Wie geht gute Konversation an Bord? Nicht über Haie sprechen. Keine Yachtbesitzer mit noch größeren Schiffen loben. Wenn Sie nicht unter sehr vertrauten Menschen sind: In Badekleidung nicht zu ausführlich über Sex, Figurprobleme oder ansteckende Krankheiten sprechen (Assoziationsekel!). Wie immer gilt: Die anderen Gäste vorher googeln.

Was trage ich zum Abendessen? Bikini oder Badehose reichen definitiv nicht aus. Nasse Haare dagegen sind okay. Wirklich albern ist ein halb geglückter „Yacht-Style“ mit über dem Bauchnabel geknoteten Hemd und Piratenjeans. Ein Hochseetrip ist kein Oktoberfest. Achten Sie als Frau unbedingt auf makellose Unterwäsche, denn vor allem eine Segelyacht gerät schon mal in Schieflage. Und vermeiden Sie Accessoires, die von Bord fliegen können. Nichts nervt mehr, als für einen weggeflatterten Pareo noch mal umdrehen zu müssen.

Wie verbringe ich die langen Tage an Bord? Wenn Sie Glück haben, holt der Gastgeber seine Toys raus: Jetski, Dingi, etc. Für Müßiggänger ist das Filetstück der Platz auf dem Vorderdeck. Hier gibt es immer eine leichte Brise, hier lässt es sich wunderbar mit karibischer Playlist auf dem iPod dösen. Wenn man Sie lässt! Meist gesellt sich schon bald die Gattin des Bootsbesitzers dazu und ergeht sich in der prallen Sonne über Kinder, Yoga, Therapeuten. Irgendwann heißt es: Oh, schon wieder ein Tag rum. Und wir haben wieder nur über mich geredet …

Wie mache ich mich als Gast unbeliebt? Extrawürste. Sich eben mal schnell einen Kaffee machen, den Landgang schwänzen, beim Rosé-Besäufnis Wasser trinken, zur Abwechslung ein einfaches Abendessen vorschlagen – das ist hier nicht gefragt. Yachturlaube sind Gruppenerlebnisse. Und das Programm bestimmt der Gastgeber. Aufgepasst bei Spaß in der Kajüte: Auf größeren Schiffen sind diese oft videoüberwacht.

Und wie mache ich mich beliebt? Wenn Sie ein wirklich guter Gast sind, schwimmen Sie am Nachmittag mal langsam ums Boot und befreien den Rumpf von lästigen Algen. Mit einer weichen Bürste, die Sie selbst mitgebracht haben.

Was mache ich, wenn die Yacht auf hoher See ist und plötzlich ein Termin drängt, bei dem es um sehr viel Geld, die Familie oder einfach nur eine noch bessere Party geht? Schiffe verbrauchen wahnsinnig viel Benzin, nicht immer ist im nächsten Hafen was frei. Lassen Sie sich am besten vom Helikopter abholen. Das ist günstiger, als man denkt, und sorgt für Aufsehen.

Wie lange darf ich bleiben? Nur wenige kommen in den Genuss eines Yachturlaubs, wie Truman Capote ihn im kürzlich wieder aufgetauchten Kapitel „Yachts and Things“ seines Nichtromans „Erhörte Gebete“ beschrieben hat. Der Besitzer, im wahren Leben mutmaßlich Gianni Agnelli, überließ dem Autor und einer Freundin (im wahren Leben angeblich die Herausgeberin der „Washington Post“ Katherine Graham) das Schiff, weil er selbst wichtigen Geschäften nachgehen musste. Die beiden kreuzten durch die Ägäis. Sie besichtigte in der glühenden Hitze Tempelanlagen, er blieb trinkend an Bord. Leider sind solche Arrangements die Ausnahme. In der Regel wird vorher vereinbart, wer wo an und von Bord geht. Versuchen Sie nicht ungefragt, ein paar Tage „dranzuhängen“. In der Regel ist Ihre Kabine schon anderweitig vergeben.

Lohnt sich die Mühe überhaupt? Yachten sind eines der weltweit anerkannten Statussymbole. Insofern empfiehlt es sich dringend, eine zu erwerben. Sie sollten sich allerdings darüber im Klaren sein: Zu den größten Fischen werden Sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gehören. Und Yachtbesitzer haben es so an sich, die Bruttoregistertonnen ihres kleinen Lieblings bei jeder Gelegenheit schiffshornartig herauszutrompeten. Wenn Sie damit leben können: sehr gut. Es gilt die Grundregel: Ein Schiff ist immer kleiner, als man denkt. Laden Sie Menschen, die Sie brauchen, aber nicht besonders gern mögen, nur für zeitlich klar begrenzte Anlässe an Bord (etwa Sundowner von 18 bis 23 Uhr, danach werden alle zurückgeshuttelt). Das Gleiche gilt für Yachtbesucher: entweder kurz oder bei echten Freunden. Und was eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein sollte: Seefesten Menschen werden die Sonnenauf- und -untergänge, der Wind, die herumtollenden Delfine ein unvergessliches Erlebnis sein. Wer an Seekrankheit leidet, hat auf einer Yacht nichts verloren. Wer 24 Stunden am Tag die Zähne zusammenbeißen muss, kann niemals ein guter Gast sein.