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Handwerker

20140925_105111Nachdem wir also festgestellt haben, das unsere Batterien am Ende sind, haben wir sie auswechseln lassen. Und damit fing das Handwerkergewusel an. Denn leider war unsere alte Lady in den letzten Jahren sehr vernachlässigt worden, oder aber es wurde nur notdürftig daran herum gefrickelt, so dass die gesamte Verkabelung komplett erneuert werden musste. Als nächstes wurde dann ein spendierter Dieselgenerator eingebaut. Ein recht aufwändiges Unterfangen, da ja auch die Halterung dafür erst gebaut werden musste. Dieser Generator soll in Zukunft also unseren Strom erzeugen, sowohl für 220V als auch die, dafür neu eingebauten, Batterien für die 24V und den Umwandler für 12V speisen.

TechnikDann kamen noch diverse bisher nicht vorhandene Navigationsgeräte, wie ein Kartenplotter, der digitale Tiefenmesser, die Vorrichtung für den Windmesser und den Autopiloten, die im nächsten Jahr dann folgen sollen. Keine Ahnung ob das alles unbedingt sein musste, ich hab bisher sehr gut mit Karte und Kompass navigieren können, aber die Männer wissen das besser Zwinkerndes Smiley Aber ich werde mir noch was einfallen lassen, damit diese hässlichen grauen Geräte schön unsichtbar verschwinden!

Nachdem das nun alles eingebaut war, wollten wir natürlich auch testen ob alles funktionierte. Bevor wir die Maschine starteten, prüften wir noch einmal das Kühlwasser und stellten fest, dass keins mehr da war. Wir holten daraufhin den Marina-Mechaniker und der fand heraus, dass die Kühlwasserleitung des Motors das Kühlwasser nicht richtig transportierte, so dass der Motor sofort überhitzte und das Kühlwasser nur verdunstete, aber nicht kühlte. Dieser Fehler konnte aber schnell mit einer fehlenden Dichtung behoben werden.

Salon-fertigIch räumte derweil alle Schränke um und aus und wieder so ein das wir uns langsam heimisch fühlen konnten. A. reparierte mit seinem Papa das vordere WC, auch dort war seit Jahren kein Schlauch mehr gereinigt worden, ein Zettel mit “Nicht benutzen!” reichte den bisherigen Eignern aus. Auch die Pumpe ist noch defekt, wiederum ein Fall für den Mechaniker. Die Handwerker werden also noch genug zu tun haben in den Wintermonaten. Vor allem müssen wir uns langsam Gedanken darüber machen, wie wir ein paar Gäste an Bord bekommen, schließlich muss das alles ja auch bezahlt werden!

20141003_165241Als nächstes folgt dann nämlich noch der Wassermacher, der in den nächsten Wochen eingebaut werden soll. Das Topplicht muss überprüft werden, denn auch meine Kletteraktion zum Glühlampe austauschen war erfolglos. Aber es war ein wunderbarer Nervenkitzel, den ich beim nächsten mal bestimmt noch besser genießen kann! Dann brauchen wir dringend ein neues Beiboot, denn das vorhandene ist genauso unachtsam behandelt worden wie der Rest auch und somit nach einem Tag platt. Und dann ist´s auch erst mal genug für dieses Jahr an Ausgaben für Handwerker und Neuanschaffungen. Wir werden uns dann erst einmal auf unsere eigenen handwerklichen Fähigkeiten berufen und das Holz überall abschleifen und streichen, die Edelstahlteile auf Vordermann bringen und andere Kleinreparaturen ausführen, die wir selbst bewerkstelligen können. Damit haben wir den Winter über genug zu tun.

Zwischenzeitlich musste ich auch noch für ein paar Tage zurück nach Deutschland, da die Behörden Sehnsucht nach mir hatten. Und auch in den kommenden Monaten werde ich noch des öfteren zurückberufen werden, fürchte ich. A. kann sich glücklich schätzen, dass er sich schon von allen Verpflichtungen befreit hat. Wenn das bei mir alles durch ist, schreibe ich mal detailliert worauf man unbedingt achten sollte, wenn man Deutschland den Rücken kehren möchte. Derzeit ist das aber noch zu unsicher, weshalb ich drei Kreuze mache wenn ich dieses Kapitel hinter mir habe.

Probefahrt

IMG_4201klein Die Probefahrt war einfach göttlich! Das Ziel war- alles auszuprobieren und zu testen, dabei das Fahrverhalten und auch die Segeleigenschaften zu studieren und auch gleich zu tanken. Die Segel hatten wir am Tag zuvor angeschlagen. Das Dingi an Deck gelegt, alle Seile griffbereit, den Motor mehrfach gecheckt und gestartet, die Batterien geprüft und das Bier kalt gestellt. Aber auf der VEGA ticken die Uhren nun einmal langsamer, alles dauert etwas länger, die Wege sind weiter und die Seile dicker. Wir wollten nach Samos übersetzen, dort eine Nacht ankern und dann am nächsten Morgen zurückkommen. Soweit der Plan!

IMG_4204kleinGegen 13:00 waren wir dann also startklar. An Bord A.- der Kapitän, sein Papa, der Voreigner, unser Elektriker und sein Sohn und kurzfristig sprang dann auch noch ein Bekannter aus der Marina mit auf. Achja und ich natürlich 😉  Der Motor wurde gestartet und er versuchte auch sein bestes zu geben, aber er schaffte es nicht. Danach machte es nur noch- KLICK! Die Batterien waren leer… Nun gut, damit war zu rechnen, der Voreigner hatte schon gewarnt, also hieß es Batterien aufladen und warten. Nach ca. einer Stunde war es dann soweit, der Motor sprang an!

CIMG0931kleinMajestätisch legte die VEGA vom Kai ab, glitt durchs Hafenbecken, bestaunt von lieben Bekannten die wir bei einigen Grillfesten hier in der Marina kennengelernt hatten. Sie hinterlässt wirklich Eindruck, die alte Lady!

Wie zu erwarten gelang das Tankmanöver nicht auf Anhieb, so das wir erst einmal auf die offene See fuhren. Den Plan nach Samos zu segeln, hatten wir aus Zeitgründen eh schon ad acta gelegt, so dass wir die nächste Bucht ansteuerten um den Anker zu testen. Das Echolot wies uns den Weg und der Anker fiel.

DSC_0095kleinDas wirklich göttliche aber daran war- um unsere altehrwürdige Ankerwinsch, standen 5 Männer ähm Kapitäne herum und wussten natürlich alle wie sie am besten funktionierte, obwohl der Voreigner es als Einziger wissen konnte. Dieses filmreife Schauspiel steigerte sich dann noch als es darum ging ein Einparkmanöver zu simulieren. A. am Steuer, mit einem absolut ungewohnten Steuergefühl und alle riefen durcheinander wohin er denn das Steuer drehen sollte um z.B. den Radeffekt gut zu nutzen. Man hätte es filmen sollen.

IMG_4216kleinNachdem A. dann in etwa ein Gefühl entwickelt hatte, versuchte er das Tankmanöver noch einmal. Wir wurden schon von unseren Bekannten erwartet und bekamen von denen die besten Tipps, so das A. sehr elegant am Kai längs anlegen konnte. Der Schlüssel für den Tankdeckel wurde dank Telefonjoker gefunden, der Tank gefüllt, nur sprang Madame wieder nicht an. Also Batterien laden, warten, Bier trinken und schon gings Erstauntes Smiley

10660141_839757332712266_9183366126418756585_nA. hat auch das Einparkmanöver dann souverän gemeistert! So war es rundherum eine tolle Probefahrt, mit ganz viel Spaß für alle, auch wenn wir zum Segel setzen gar nicht kamen. Viel wichtiger war aber auch herauszufinden, ob wir beide auch alleine dieses wirklich große Schiff in eine Bucht und auch den Hafen manövrieren können und das sollte klappen, sagt A.

Kleiner Nachtrag- Unser Elektriker hat am nächsten Tag natürlich gleich die Batterien gewechselt!

Jackpot

DSC_0017.jpgNach zwei Stunden Verspätung bin ich also mitten in der Nacht in Kusadasi angekommen und hab so leider wenig von der Landschaft gesehen. Aber dafür hat mich der Anblick der VEGA selbst bei Nacht aber sowas von entschädigt…. LEUTE, dieses Schiff ist der Jackpot!!! Es ist sowohl außen als auch innen so toll erhalten, das es wirklich vergleichbar wenige Arbeiten benötigt um unseren Anforderungen zu entsprechen. Sicher wird das alles eine Weile dauern, aber auch das macht ja Spaß. Die Fortschritte die man schon nach diesen wenigen Tagen sieht, sind so aufbauend. Als ich ankam, hatte A. schon fast einmal komplett durchgeputzt, aber wir wollen trotz allem noch nicht so viel verändern, schließlich kommt der Alteigner in ein paar Tagen und es soll nicht den Anschein erwecken, das wir uns wie die Maden ins Nest setzen bevor wir überhaupt den Kaufvertrag unterschrieben haben.

Innen VegaDenn nun sind wir erst einmal gespannt auf die Probefahrt und fangen langsam an uns heimisch zu fühlen auf diesem tollen Schiff. Es macht so viel Spaß alles zu entdecken, die liebevollen Kleinigkeiten, die so ein altes Schiff ausmachen. Es gibt messingfarbene Lichtschalter und kleine Bretter die man hochklappt damit man nicht aus dem Bett fällt, mal ganz abgesehen von diesem tollen Steuerrad und dem wundervoll alten Kompass. Wir werden diesen Stil genauso weiterführen, alles was an moderner Technik hinzukommt wird gut versteckt, ansonsten werden wir so viel wie möglich aufarbeiten und so erneuern das es wie alt wirkt. Es wird überall Polster und Kissen geben, alles in creme und weiß gehalten, jegliches blau wird von dunklem grün ersetzt, das sieht viel edler aus. Schließlich wollen wir uns wohl fühlen in unserem Heim und unsere Gäste sollen gerne wiederkommen.

IMG-20140821-WA0002.jpgAber wir haben natürlich schon eine Liste, der Dinge die wir nach der Probefahrt sofort in die Wege leiten wollen, zusammengestellt. Z.b. muss die Küche einmal komplett umgebaut werden, aber auch ein Stromgenerator, eine Wasser-Enstalzungsanlage, ein Autopilot und eine richtige Badetreppe müssen über den Winter installiert werden. Dann fehlt ein Bimini (ein Sonnendach bei der Fahrt) und auch die Matratzen und Bezüge müssen komplett erneuert werden. Aber das können wir alles nicht selbst, das muss Erkan der Marinetechniker erledigen. Wir haben selbst aber auch genug mit schleifen, streichen, putzen, polieren und planen zu tun. Nur das wir Zeit haben und uns selbst einteilen können, wann wir was erledigen.

DSC_0035.jpgAnsonsten bin ich natürlich begeistert von dieser tollen Stadt, mit den vielen kleinen Gässchen und Läden, dem Blick aufs Meer und den wirklich freundlichen Einwohnern. Hier mault kein Busfahrer, weil man 10 Meter vor der Bushaltestelle raus oder rein möchte und man bekommt im Restaurant sogar ungefragt einen zweiten Tisch herangeschoben, nur weil der Brotkorb sonst keinen Platz hätte. Vielleicht liegt es an der fehlenden Sonne oder einfach der Mentalität der Deutschen, das sie alles negativ sehen und an wirklich allem herumnörgeln müssen?! Ich mag es hier, SEHR!

Wir haben uns entschieden!

10527698_10152247705672263_629819273_n.jpgWuhuuuuuuu!

Darf ich vorstellen- mein neues zu Hause! Die VEGA!

Die alte Lady ist eine klassische Yawl, Bj. 1936, 22.20m Länge, 4,45 Breite, und 2.80m Tiefgang und über 35 Tonnen schwer. Mit 10 Kojen, 2 Bädern und jeder Menge Platz! Wir können also locker 6-8 Leute mitnehmen, ohne das man sich auf die Nerven geht. Wer also Lust hat uns zu begleiten oder einfach nur mal Urlaub machen möchte, meldet Euch bei uns!

Es war Liebe auf den ersten Blick und ein zeitlich sehr knappes Rennen, aber der Reihe nach:

Die El Cid ein sehr solides Boot mit eigentlich allen Eigenschaften die man so braucht um zu zweit oder auch mal zu 4-6 die Welt zu umrunden, war ja eigentlich unser Favorit. Der Kaufvertrag sollte am 23.8. unterschrieben werden, die Probefahrt verlief reibungslos und die Übergabe sollte Ende Oktober stattfinden. Bis dahin hatten wir auf einem wunderschönen Schoner ab Barcelona rund um Mallorca angeheuert, so das die Zeit bis dahin gut überbrückt werden hätte können. So der Plan!

10566223_10152285277797263_1333105683_n.jpgUnd dann besichtigte A. am 21.8. eigentlich nur pro forma die Vega, damit wir endgültig sicher gewesen wären, das die El Cid die richtige Entscheidung gewesen ist. Denn ein von außen so tolles Schiff, kann für diesen Preis innen eigentlich nur eine Baustelle sein. Aber wir sollten uns mächtig geirrt haben! Sie ist ein wundervolles Schiff, das mit ein wenig Farbe und einer geschmacklich aufgepeppten Inneneinrichtung ein richtiges kleines Schmuckstück werden kann.

IMG-20140821-WA0006.jpgNach einer Nacht Bedenkzeit, willigten wir ein. Aber nun begann das Chaos- der Eigentümer der El Cid musste benachrichtigt werden, die Törn um Mallorca abgesagt und der Kaufvertrag für die Vega ausgearbeitet werden. Als das alles getan war, begann das große Warten, denn ein ehemaliger Eigentümer hatte das Vorkaufsrecht und vom Tag des Kaufvertrages eine Woche Frist um die Vega selbst zu kaufen oder einen eigenen Käufer zu bringen. Und dann kam am Sonntag den 31.8. die erlösende Mail, dass das Vorkaufrecht nicht in Anspruch genommen werden würde und die Vega A. gehörte!!!

IMG-20140821-WA0010.jpgMein Flug ist gebucht, am 7.9. werde ich mein neues zu Hause das erste mal live sehen und vom 20.-26.9. findet dann die offizielle Probefahrt statt, bei der wir das erste mal mit der Vega rausfahren und bei gravierenden Mängeln auch noch vom Kaufvertrag zurücktreten können. Ich bin ja sooo gespannt und schon kräftig dabei Sachen zu packen Smiley

Und dann wird gefeiert!!!

time to say goodbye

Montagsschlumpf ohneHerzlich Willkommen an alle neuen Mitleser unserer Seite.

Den letzten Montag meines Arbeitslebens habe ich nun hinter mich gebracht und habe nun nur noch 4 Arbeitstage vor mir. Ich werde am 31. August  auf den Tag genau 29 Jahre gearbeitet haben. Das sind abzüglich Urlaub und Feiertage ca. 1300 Montage, ich finde das reicht vorerst. Schließlich arbeitet man um zu leben und lebt nicht um zu arbeiten. Es ist also an der Zeit die Sonnenseiten des Lebens zu genießen!

Ich habe mich von meinen Arbeitskollegen bereits per Mail verabschiedet, von meinen Freunden werde ich das noch ausgiebig real tun und vielleicht schauen sie ja hier herein und verfolgen meinen/unseren Weg. Ja ihr werdet mir fehlen, zumindest die Meisten und über einige würde ich mich sogar real freuen, denn unser Schiff wird Platz genug für 4-6 Gäste bieten. Wenn ihr also ein paar Tage oder Wochen mit uns mitsegeln wollt, lasst es mich wissen. Und falls ihr noch nicht ganz auf dem Laufenden seit, hier ein kleines Update:

Einige wissen es schon, ich fahre natürlich nicht mit einer Freundin los, die gab es zwar, aber sie hatte andere Pläne als ich. Grönland und Kap Horn stehen in den nächsten Jahren nicht auf meiner Wunschliste und da sollte man auch realistisch bleiben und dann lieber getrennter Wege gehen.

SIRIS-~1Nein, mein Freund und Partner A. und ich haben vor die Welt zu umsegeln- Start wird in der Türkei sein, nach ein paar Jahren Mittelmeer, dann von den Kanaren in die Karibik und wenn wir die ausgiebig erkundet haben, vielleicht ein wenig Amazonas, dann durch den Panamakanal in den Pazifik. Als nächstes dann Australien und Neuseeland, sehr freu ich mich auf den ganzen asiatischen Raum- Malaysia, Indonesien, Ski Lanka nebst Indien und Malediven, abschließend über Madagaskar nach Südafrika. Es gibt so viele Länder deren Sorten ich bisher nur kenne ;o) und mein Fernweh ist grenzenlos. Wie lange wir unterwegs sein werden wissen wir nicht, das kann Monate oder Jahre dauern, geplant ist open end. Wie wir darauf gekommen sind und zueinander gefunden haben, erfahrt ihr in “ÜBER UNS” und wenn ihr auf “HOME” die Blogeinträge von ganz unten nach oben lest. Wir werden versuchen euch auch von unterwegs zu berichten wie es uns ergangen ist und was wir als nächstes vor haben.

Bleibt gespannt!

time to say goodbye was originally published on Weltensegler