Griechenland – Saronischer Golf

Mein erster Törn von der Athener Marina Alimos, begann gleich mit drei Hafentagen, es herrschte Meltemi. Ganz so schlimm fand ich das allerdings nicht, denn so konnte ich mich in Ruhe mit meinem allerersten Katamaran Tortilla in Ruhe vertraut machen und auch die Crew kennenlernen. Auch wenn es für sie zu Beginn schwer zu verstehen war, merkten sie recht schnell, was für Gewalten dieser Starkwind hatte, denn selbst im Hafen herrschten gute 32 Knoten Wind und das eine oder andere Polster begann durchs Cockpit zu fliegen und Gläser und Teller vom Tisch zu fegen. Nachdem dieser Spuk vorbei war, begann eine ganz wunderbare Woche auf dem Lagoon 3900. Die Stimmung war ausgelassen, wir konnten trotz recht unerfahrener Crew gut segeln und entdeckten wirklich schöne Buchten und Städtchen in diesem tollen Segelrevier. Eine Segelfreundin hatte mir vorher schon ein paar Tipps gegeben und so war ich nicht ganz unvorbereitet.

Die zweite Woche begann mit besserem Wetter und so konnte ich mit neuem Schiff, diesmal einem Lagoon 3800 und diesmal deutlich reduzierter Crew, wieder die Inseln Aegina, Poros und auch Hydra ansteuern. Wir schnorchelten über der versunkene Stadt von Episdauros und wurden auch dieses mal vom Wirt der Taverne Oasis auf Poros freudig begrüßt, ich brauchte ihn nur vorher anzurufen und er reservierte mir einen Platz für die Chrysa. Besonders bemerkenswert, war der sportliche Einsatz meiner Crew beim lösen der Landleinen in einer nördlichen Bucht von Poros, die allen einiges abverlagte, bei dem Schwell der herrschte. Mittlerweile begann ich die Fahrt mit einem Katamaran zu genießen, auch wenn es sich beim Segeln völlig anders anfühlt, entschädigt doch der Luxus den man durch die Geräumigkeit hatte. Dieser Katamaran war auch recht spritzig und so segelten wir nicht selten mit 7-8 Knoten bei nur 15 Knoten Wind. Es war also auch dieses mal eine sehr entspannte und lustige Woche.

Selber Katamarantyp, allerdings mit neuem Namen ThunderCat und neuer Crew, erwartete mich in der dritten Woche. Auch wenn ich anfangs etwas Manschetten hatte, da 4 Kinder zwischen 5 und 10 Jahren dabei waren, wurden meine Befürchtungen nicht bestätigt. Alle vier waren sehr interessiert und gelehrig, waren bei allem schön vorsichtig und trugen brav ihre Schwimmwesten. Bei An und Ablegemanövern warteten sie artig im Salon und beschäftigten sich wunderbar auf längeren Strecken mit ihren Malbüchern. Aber natürlich durften sie auch alle steuern und beim Leinen aufschießen helfen, besonders Spaß machten ihnen aber selbstredent die vielen Badepausen die ich einlegte. Überhaupt fuhren wir nur kurze Strecken von maximal 15 Meilen pro Tag, damit den Kidis nicht langweilig wurde. Und so endete auch diese Woche bei einem leckeren Abendessen, mit Sonnenuntergang und Füssen im Sand, am Strand der Pistazien Insel Aegina. Mein mittlerweile persönlicher Taxifahrer, fuhr mich im anschluß in die nächste Marina. Ich war sehr froh ihn vermittelt bekommen zu haben, denn nach dem letzten Desater mit Athener Taxifahrern, kann ich Ramos nur empfehlen.

Die nächste Woche wurde dann echt anstrengend, zwei Familien von denen fast alle schon mal segeln waren und deren Ansprüche schon vom ersten Tag enorm hoch waren. Die Väter wollten unbedingt schon am Anreisetag auslaufen und das obwohl für die gesamte Woche Meltemi angesagt war. Diesmal ging es von Lavrio los und sollte in die Kykladen gehen und so waren Enttäuschungen vorprogrammiert. Um dem Ganzen aber entgegen zu kommen, entschied ich mich dann doch gegen 19:00Uhr noch auszulaufen, da dann nur noch 4 Bft Wind war und der Hafen offen genug war, um unbeschadet mit der Bavaria 51 auszulaufen. Wir hatten auch tollen achterlichen Wind, so das wir geradewegs zum Sonnenuntergang in der Ankerbucht unter dem Tempel des Poseidon den Anker fallen lassen konnten. Doch leider hielt er nicht! Und auch beim zweiten und dritten mal war nichts zu machen. Beim fünften mal kam endlich Ruhe ins Schiff, aber da keine Kennzeichnung an der Ankerkette war, vermutete ich, das zu wenig Kette draußen war und ließ noch einmal 30m nachlaufen. Ich hatte dennoch ein ungutes Gefühl und verordnete Ankerwache. Die Crew war hellauf begeistert und so wachten je zwei Crewmitglieder für zwei Stunden und beobachteten ob sich auch nichts rührte.

Um 5:00Uhr morgens dann, bestätigte sich mein ungutes Gefühl und ich wurde geweckt, weil die Position der Anemone sich merklich verändert hatte. Ich versuchte noch einmal ein Ankermanöver und als der Anker wieder nicht hielt, bestimmte ich diese unsägliche Bucht zu verlassen und den langen Schlag nach Poros anzugehen. Diese Entscheidung war goldrichtig, denn die vorhergesagten 7-8 Bft in den Kykladen bestätigte sich, so das die Charterfirmen anordneten die Marina Lavrio nicht zu verlassen, sofern man den Sprung in den Saronischen Golf nicht schon geschafft hätte. Und dennoch gab es wieder Diskussionen in der Crew, weil man natürlich im geschützten Golf von Poros davon nichts merkte. Ich kannte aber das Revier inzwischen gut genug und ließ mich lediglich dazu hinreißen am nächsten Abend in einer Bucht vor Poros zu ankern. Nachtrag: der Anker hielt in besagter Nacht übrigens nicht, weil wir ihn zielsicher auf eine, auf dem Grund liegende, alte Luftmatratze plaziert hatten, die dann an unserem Anker hing.

Der Rest der Woche wurde dann noch sehr schön, wir hatten moderaten Wind und sowohl die versunkene Stadt vor Epidauros, als auch wie gewünscht eine ruhige Bucht mit Ankern mit Landleinen beruhigte die erhitzten Gemüter. Nur die Überfahrt auf die Athener Seite des saronischen Golfes, brachte wieder Diskussionen, die Väter wollten hoch, höher, am höchsten segeln, es ging gar nicht schräg genug, bis die Mütter finalen Einspruch einlegten. Genug war genug und die Männer mussten klein beigeben, schließlich wollten sie ja auch in Zukunft wieder mit Familie segeln. Angekommen in der Bucht von Palaia Fokaia stellte sich dann auch heraus, dass man vielleicht doch auf meinen Rat, lieber etwas mehr Wasser und Lebensmittel mitzunehmen, gehört hätte. Denn ein Anlanden war, auf Grund der sich in der Meltemi Woche aufgebauten Welle, eines verloren gegangenen Paddels, einem nur ab und an anspringenden Außenborders und auch einiger Fallwinde, nicht möglich. Somit erübrigte sich aber auch die anstehende Diskussion, unbedingt erst Samstag Morgen wieder in die Marina zurück zu kehren. Ich habe keine Ahnung warum sich manche Menschen selbst im Urlaub so unter Druck setzen.

Die letzte meiner fünf Charter-Wochen lief dann deutlich entspannter an. Endlich konnte ich einen kurzen Abstecher in die Kykladen machen, wo wir auf der Insel Kea eine tolle Ankerbucht entdeckten, an deren Ufer gleich zwei alte Tempel und ein Amphietheater standen. Ich hatte wieder einen Lagoon 3900, der für 9 Personen wirklich sehr geräumig ist. Die Crew war wieder gut zusammen gestellt, so das die Kids von 12-17 auch Ansprechpartner in ihrem Alter hatten. Und auch wenn einer von ihnen immer aus der Rolle fallen musste und sich am letzten Tag sogar beim unerlaubten Sprung in das Fenster einer Kajüte einen Schneidezahn abbrach, war ich dennoch froh, das er nicht auf dem Solarpanel gelandet war, über das er regelmäßig ins Wasser sprang. Ich stehe in solchen Situationen immer zwischen Verantwortung für das Wohl der Gäste und dem sich heraushalten aus Erziehungsmethoden. Zum Glück ist aber nichts schlimmeres passiert, der Zahn konnte später repariert werden und ich denke allen Mitreisenden hat dieser Törn mit der Dan Ladie I, durch das mir inzwischen gut bekannte Revier, sehr gefallen, mir inclusive.

Die dann folgende Pause hatte ich mir also verdient und so genieße ich gerade eine Woche auf meiner heißgeliebten VEGA.Herz Sie liegt in der Bucht vor Zakynthos und ich habe mal wieder keine Kost und Mühen gescheut zu ihr zu kommen. Sie wurde letzten November ja verkauft und so konnte ich dem neuen Eigner mit einigen Tipps weiterhelfen und sie in dieser Woche wieder einmal ein wenig betreuen und begutachten. Meine Arbeiten im Winter 2017/18 hatten sich echt bezahlt gemacht, die Holzarbeiten sind immernoch tiptop. Das wirklich schöne aber ist, es ist egal wem sie gehört, es ist wie nach Hause kommen. Es stellt sich sofort ein Wohlgefühl ein, dass nun auch nicht mehr von Wehmut begleitet ist da ich ja weiß, dass ich auf ihr immer willkommen bin. Sie wird immer mein Traumschiff bleiben und ich bin dem alten und auch dem neuen Eigner sehr dankbar, dass sie so gut für sie sorgen und sie in der Werft von Licata jeden Winter weiter restaurieren lassen.

Am Ende der Woche geht es dann weiter mit dem auffüllen der Reisekasse und ich werde mit neuem Boot und neuer Crew von Lefkas starten. Das ich dabei der VEGA wieder über den Weg segeln werde, ist natürlich rein zufällig Zwinkerndes Smiley

Zurück in Europa – Ägäis die II

Am 31.Mai landete ich nun von Cuba aus auf Kos, es war ein langer Flug, mit Zwischenlandung in Milano, ganze 30 Stunden war ich unterwegs. Zum Glück hatte ich aber ein kleines Hotelzimmer auf Kos, so dass ich mich erstmal ausschlafen konnte, bevor es am nächsten Mittag mit der Fähre weiter nach Leros ging. Dort wartete schon die Eignerin des Dwarslöper, mit dem Auto, auf mich. Als erstes fiel mir natürlich auf, wie kalt es doch in Europa im Gegensatz zur Karibik war. Besonders abends war ich froh meine Jacke, nicht ganz so weit weg, verstaut zu haben und nachts schlief ich erstmals wieder mit meiner Fließdecke. Tagsüber hingegen war es angenehm warm und nicht so schweißtreibend, wie auf den Bahamas.

Angekommen auf dem Dwarslöper, ging es auch zwei Tage später schon los Richtung Norden, ein moderater Südwind trieb uns hinauf nach Patmos. Dort blieben wir zwei Tage und erkundeten mit dem Mietwagen die Insel, fuhren hinauf zur Cora, einem alten griechischen Kloster und in eine schöne Bucht, die statt Sand viele bunte Steine hatte, die in der Sonne die Farbe wechselten. Dann gings weiter Richtung Samos, der wahrscheinlich einzigen grünen Insel der Ägäis. Die Eignerin des Dwarslöper segelt seit 30 Jahren durch die Ägäis und kennt jede Ecke dort, aber mit ihren 83 Jahren, war ihr nicht mehr nach Speedsegeln zu mute und so warteten wir drei Tage bei 6-7 Bft ab und erkundeten diese wirklich schöne Insel. Egal ob im Norden, der beinahe der Toskana glich, als auch der Süden mit seinen niedlichen Bergdörfern, war eine wohltat für meine Augen. Aber schon ging es weiter und eine karge Insel folgte der nächsten. Ob nun Astypalea, Lipsi, Arki oder Leros, alle waren kahl und bis auf paar hübsche Buchten, mit Tavernen und ein paar Häuschen, hauptsächlich von Ziegen bewohnt. Aber die alte Dame und ihr wunderbarer 75 jähriger Begleiter, liebten diese Inseln und so half ich ihr tatkräftig, noch einmal alle Orte ihrer Jugend abzufahren.

Es ist bewundernswert und erschreckend zugleich, denn nur 25 Jahre trennen mich von einem Status, der körperlichen Schwäche, die einen im Alter unüberwindlich befällt. Man möchte doch noch so gerne, aber der Körper spielt nicht mehr mit. Ich finde es sehr verständlich und bewunderswert, wenn man dann noch nicht aufgeben möchte und sich statt dessen jüngere Hilfe sucht. Aber ich kann auch verstehen, wenn man dann mal ungeduldig wird, weil eben nicht alles so schnell wie früher geht. Auch im Alter muss man eben noch lernen, auch wenn es nur `Geduld´ ist. Ich brauche also dringend in spätestens 25 Jahren eine tatkräftige Begleitung oder wahlweise auch Geld, um mir jemanden leisten zu können, der mir sprichwörtlich unter die Arme greift und auch mal springt, wenn es heißt- “ WIR müssten jetzt mal” Zwinkerndes Smiley Falls jemand Interesse hätte, bitte melden.

Nach diesen, doch recht anstrengenden, 4 Wochen, ging es für mich dann mit der Fähre weiter nach Athen. Ich leistete mir dieses mal eine Koje, um am nächsten Morgen wenigstens etwas erholt und  ausgeschlafen meine neue Crew in Empfang zu nehmen, die mich über die Agentur www.toern.de in der Marina Alimos erwartete. Leider wurde ich auf dem Weg von der Fähre, das erste mal, seit ich nicht mehr arbeite, gelinkt und das wo ich jahrelang zig Währungen in den Händen hatte:

Für den Weg von der Fähre zur Marina hatte ich mir mal ein Taxi gegönnt. Vorher vereinbart waren 25,-€. Unterwegs hielt der Taxifahrer freundlicher Weise bei einem ATM, ich hatte erst an 40,-€ gedacht, zog dann aber doch 50,-€ LEIDER! Am Ankunftsort, nahm der Fahrer dann meine 50,-€ entgegen, er hatte 25,-€ Wechselgeld passend, reichte sie mir nach hinten und ich steckte sie ein. Plötzlich hielt er mir einen 10,-€ Schein hin und sagte das ich ihm 50,-€ geben müsse, nicht 10,-€ 🙄 Ich schaute sofort völlig perplex in mein Portomonaie, hatte aber nur noch einen 10,-€ schein + die 25,-€ von ihm. Das alles ging in Sekundenschnelle. Völlig verwirrt überlegte ich ernsthaft ob der Automat mir einenen falschen Schein ausgespuckt hatte, was natürlich Blödsinn ist. Da ich keinen Zeugen hatte und auch nicht beweisen konnte ihm tatsächlich 50,-€ gegeben zu haben, musste ich ihm die 25,-€ zurück geben und natürlich noch wenigstens die beiden Zehner, da ich nicht mehr hatte 😫 Aber das eigentliche Ärgernis ist nicht das Geld, sondern, dass MIR das passiert ist. Da reist man um die halbe Welt und erwartet es überall und wo passierts in Europa.

Fazit ist also – die Ägäis, speziell Dodeskanes, ist immer noch nicht mein Fall, aber vielleicht entschädigt mich der saronische Golf und die Kykladen etwas, ich bin gespannt.

Cuba die ll

Nach drei wunderbaren Monaten bin ich also schweren Herzens von Nassau nach Havanna geflogen. Ich wurde von allen, mir inzwischen lieb gewonnen, Freunden dort herzlich verabschiedet und zum wiederkommen eingeladen. Es fiel mir wiedereinmal sehr schwer zu gehen. Aber leider war ja mein 3 monatiges Touristenvisum abgelaufen und um ein erneutes Visum zu erhalten, musste ich eh ausreisen. Außerdem hätte die Beantragung einer Arbeitserlaubnis, um offiziell im Hostel arbeiten zu können, 3-6 Monate gedauert und meine Reisekasse lauerte auf Auffüllung. Ich hatte auf Nassau auch inzwischen fast alles gesehen und mich gut erholt, somit hießes vernünftig sein und neues zu erleben.

Nur eine Insel weiter und alles ist anders. Cuba ist laut und bunt und quirlig und Havanna das alles mal drei. Ich wurde also hineingeschleudert ins pralle Leben. Auf den Straßen fahren, bis auf diese wundervollen Oldtimer, kaum Autos und es gibt überall Bürgersteige und demzufolge findet das Leben draußen statt. Dafür ist alles viel preiswerter, einfacher, bodenständige, irgendwie scheint die Zeit auf Cuba stehen geblieben zu sein. Dennoch war ich enttäuscht. Denn eigentlich hatte ich mich gefreut, auf diesen unfreiwilligen Zwischenstop, aber Havanna eröffnete sich mir so ganz anders, als es Santiago damals tat. Übervölkert von Touristen, die dort wie auch in Nassau auf Kreuzfahrtschiffen angeschwemmt werden, wird das ursprüngliche Cuba nach und nach verdrängt. Selbst der Sightseeingbus hält an mehr Hotels und Centre Comercials als an Sehenswürdigkeiten.

Havanna ist ein riesiges Labyrinth. Ich meine behaupten zu können, mich gut orientieren zu können, aber schon nach kurzer Zeit, kapitulierte ich und musste Google maps zu hilfe nehmen. Irgendwie sah jede Ecke gleich aus  so dass ich einmal gesehene Geschäfte einfach nicht wieder fand. Selbst nach 5 Tagen verlief ich mich noch. Ein sehr eigenartiges Gefühl für mich.

Ein Vorteil ist, das in der Hauptstadt, fast alles erhältlich ist und es sogar westlich angehauchte Geschäfte und Restaurants gibt. Leider sind die Locals deshalb auch nur darauf aus, an Dollar, Euro oder CUC zu kommen. Es fehlt die unvoreingenomme Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mich in Santiago so begeistert hat. Die Menschen wirken weniger glücklich, obwohl oder gerade weil sie am offensichtlichen Reichtum der Touristen teilhaben dürfen. In jeder noch so kleinen Wohnung hängen Flachbildschirme, es laufen Soaps und moderne spanische Musik. Nachts ist kaum die typische Salsa Musik zu hören und eine Salsabar eher schwer zu finden.

Zum Glück war meine, sehr noble Unterkunft, für nur 12,-CUC pro Nacht, außerhalb der touristischen Altstadt, so dass ich wenigstens ein wenig vom eigentlichen Leben der Stadt mitbekam. Den ganzen Tag über liefen fliegende Händler laut pfeifend oder schreiend durch die Straßen, an jeder Ecke gab es Bokadillos und das typische Essen – Reis mit Bohnen und plattgeklopftem Pollo, für gerade mal 1,50CUC. Kinder spielten Fußball auf der Straße, das Leben findet quasi komplett auf der Straße statt.

Meine Vermieterin war ganz rührend um mich besorgt, bereitete mir täglich ein sehr schmackhaftes Frühstück, aus Obst Brot, Eiern und frischgepresstem Mangosaft und natürlich dem leckeren cubanischen Kaffee. Auch ließ sie nicht locker, mich zu sich nach Hause einzuladem, um mit ihrem Mann Salsa zu üben, um mich in einer Salsabar nicht zu blamieren. Allerdings war auch hier immer der Hintergedanke, das ich das Bier und den Rum bezahlte, leider sehr fordergründig.

Mein Fazit also, wenn man das ursprüngliche Cuba erleben will, sollte man Santiago und eher ländliche Gegenden besuchen.

Nach fünf Tagen Havanna, ging es dann auch schon weiter über Milano nach Griechenland. Dort werde ich einen Monat lang, bei lieben Menschen, auf der Dwarslöper bleiben und mir die Ägäis noch einmal ansehen. Ich bin gespannt wie sich das nach 7 Monaten Karibik anfühlt.

Nun ist guter Rat teuer

So da sitze ich also und überlege was ich nun weiter mache. Die USA ist passé und auch hier auf den Bahamas läuft meine Zeit Ende Mai ab. Zumal hier die Hurrikansaison beginnt und alle Segler wohlweislich das Weite suchen.

Welche Alternativen bleiben mir also?

1. Centralamerika über Land, mit Sack und Pack von Hostel zu Hostel, zu reisen bis all mein Erspartes aufgebraucht ist? Denn auf meine Anfragen als Volunteer bekam ich bisher nur Absagen, da auch dort die Regenzeit beginnt und Touristen eher ausbleiben. Und was mach ich danach? Denn selbst wenn ich weiter in der Karibik bleibe, brauche ich mehr Geld, als meine 500,-€ pro Monat.

2. Nach Europa zurück zu gehen? Denn in Griechenland/Ägäis hätte ich ein umwerfendes Angebot von der Eignerin der Dwarslöper, die mich liebend gern für den Juni als Unterstützung dahaben möchte. Es wäre ein tatsächliches HgK Angebot und sogar mein Flug wäre inclusive. Auch danach könnte ich auf dem Boot wohnen, sofern ich keine Skipperaufträge bekommen würde.

3. Auch wiederum in Europa als Skipperin zu arbeiten, um meine, inzwischen sehr geschrumpfte, Reisekasse wieder aufzubessern, Angebote hätte ich einige. Die Karibik war einfach sehr teuer und meine monatlichen Mieteinnahmen haben nur auf Nassau ausgereicht, weil ich für meine Arbeit Kost und Logis frei hatte.

4. Im Herbst wieder zurück in die Karibik zu fliegen und dann dort einen zweiten Anlauf auf dem Hector zu nehmen. Mit dem Eigner bleibe ich natürlich in Kontakt und würde sehr gern die kleinen Antillen südwärts besegeln.

Ich bin tatsächlich hin und hergerissen und tue mich sehr schwer damit, wieder zurück nach Europa zu gehen, wo ich doch nun schon so weit gekommen bin. Auch der irrsinnig lange Flug über Cuba, Madrid und Athen nach Kos schreckt mich echt ab. Aber die griechischen Inseln sind natürlich auch nicht zu verachten, auch das Essen wäre verlockend und ich könnte dann natürlich auch viel einfacher meinen Sohn wiedersehen, die Flüge in Europa sind ja um einiges unkomplizierter und kürzer.

Vielleicht ist es tatsächlich nur um Anlauf, für einen weiteren Sprung, zu nehmen?!

Endstation Bahamas

Nun bin ich schon fast 2 Monate auf den Bahamas, einem wirklich umwerfenden Fleckchen Erde. Schweren Herzens nahm ich Abschied von Cuba und wir segelten mit der Sea Change II hinüber nach RumCay Island, es war eine gemütliche Überfahrt und da waren sie wieder, die endlos weißen Sandstrände und das türkisfarbene Wasser in allen Schattierungen. Was für ein Augenschmaus, ich kann mich daran nicht sattsehen!

Vorbei an Long Island klarierten wir dann in der Emerald Marina ein und waren nun endgültig auf den Bahamas angekommen, denn die Preise waren unglaublich. Für 300,-$ für das 55ft Boot und 50,-$ für uns 5 Personen durften wir nun ganz offiziell Bahamienboden betreten Erstauntes Smiley Auch die Liegeplätze hatten es insich, für 120,-$ pro Nacht plus ca. 150,-$ Strom und Wasser, wurde unsere Bordkasse mit knapp 500,-$ für 2 Nächte nochmal schwer gebeutelt. Kleiner Tipp am Rande- lieber vor George Town ankern und mit dem Dingi in die kleine Stadt fahren, dort gibt es extra Anlegestellen und Einkaufsmöglichkeiten. Auch die Taxifahrt nach George Town war alles andere als preiswert, es ist wirklich empfehlenswert vorher die Preise auszuhandeln! Aber alles hat eben seinen Preis und so sollten wir uns auch in den Supermärkten und Streetfoodständen bald an die überteuerten Lebensmittel gewöhnen müssen. Dafür bekamen wir aber die Schokoladenseiten der Exumas zu sehen, luxuriöse Villen an puderweisen Stränden und Fifty Shades of blue. Vorsichtig sollte man an wilden Stränden sein, die zu keinem Resort gehören, denn dort wimmelt es von Sandflöhen, die man leider während des Aufenthalts nicht bemerkt, aber an deren Flohbissen man Wochenlang seine “Freude” hat.

Natürlich machten wir auch auf Staniel Cay halt um die swimming pigs, auch flaoting Bacon genannt, Zwinkerndes Smiley zu sehen. Allerdings steht kein Schwein so früh auf wie wir, so das wir morgens um 8:00Uhr unverrichteter Dinge wieder abziehen mussten, auch wenn die Idee vor den Tourimassen dort zu sein, vielleicht nicht schlecht war. Die Crew machte sich dann später nochmal auf den Weg, mit einem Zwischenstop an der sagenumwobenen Thunderball Grotto aus dem James Bond Movie “Casino Royal”, in die man sogar hineintauchen kann. Ich war schwer beeindruckt von den Ammenhaien, die sowohl ums Boot, als auch an den Stegen auf Futter lauerten. Sie sollen ungefährlich sein, aber ich habe unheimlichen Respekt vor diesen riesen Viechern und so ging ich fortan nur noch sehr ungern vom Boot aus ins Wasser, denn wer weiß welche Haiarten sich noch hinzugesellen wenn´s denn mal Futter gibt. Nachdem wir ausgiebig zwei Tage lang dieses paradiesische Island inspiziert hatten, ging es die Exumas weiter hinauf in Richtung Nassau. In den Buchten versammelten sich immer wieder die Haie, so das ich es vorzog weiterhin nicht baden zu gehen und auch der Umstand, dass fast alle Inseln in Privatbesitz sind verhinderte ein Verlassen des Bootes. Der Wind vertrieb uns dann noch in Richtung Great Exuma, wo wir aber nicht einmal in die Bucht hineinkamen, da die Strömung den Meeresgrund so versandet hatte, dass wir mit unserem Tiefgang sogar aufliefen. Es hat also wenig Sinn mit einem Einrümpfer auf die Bahamas zu fahren, ein Katamaran hat da entschieden mehr Vorteile. Also motorten wir in einer Nacht und Nebelaktion hinauf nach Nassau und legten uns mitten in der Nacht in irgendeine Box der Marina. Leider hatte das den Nachteil, das wir auch diese Nacht bezahlen mussten, vor der Marina zu ankern ist da die bessere Wahl.

Ich muss zugeben, dass ich sehr froh darüber war, schon am nächsten Morgen das Schiff verlassen zu können. Natürlich war es eine tolle Zeit und unvergleichliche Erfahrung, aber ich war auch etwas segelmüde geworden. Abgesehen davon, dass ich die Karibik quasi im Schnelldurchlauf erkundet hatte, war ich seit August letzten Jahres fast ausschließlich auf See, so das mir sowohl die Enge, die Schaukelei, die schlaflosen Nächte und auch die soziale Komponente ziemlich zu schaffen machte. Ich bin eigentlich ziemlich gern allein und habe meinen eigenen Rhythmus, der auf einem Boot dauerhaft zusammen mit 3-8 Menschen doch einer bestimmten Abstimmung bedarf und so freute ich mich sehr auf die drei Monate an Land. Endlich wieder aufstehen, essen und meinen Tag gestalten wie und wann ich wollte. Für mich nach dieser langen Zeit ein unermesslicher Luxus. Auch gingen mir die ständigen Reparaturen auf den Geist, immer geht etwas kaputt am Boot und die Beschaffung der Ersatzteile oder der Monteure ist schwierig und zeitaufwendig. Zumal die zusätzlichen Liegezeiten in den Marinas, meine Reisekasse ganz schön gebeutelt hatten. Die Karibik ist einfach irre teuer und den Skipper interessiert das relativ wenig, denn schließlich zahlt er nicht in die Bordkasse mit ein. Auch sind Karibikurlauber ein ganz anderer Schlag Menschen, da sitzt das Geld locker und im Urlaub wird eben lieber essen gegangen als selbst zu kochen. Ich brauchte wohl auch einfach mal Urlaub… vom segeln.

Und so packte ich also mein Hab und Gut zusammen und verließ die Sea Change II nur mit einer kleinen Träne im Auge und machte mich auf den Weg zum Hostel HumesHouse. Dort wurde ich sofort mit offenen Armen empfangen, denn der Manager des Hostels brauchte wirklich dringend Unterstützung. Es stellte sich nämlich heraus, dass er noch einen anderen Job in einer Bank hatte und somit tagsüber das Hostel quasi sich selbst überlassen war. Ich schlüpfte also in die Rolle der Dorm-Mom und kümmerte mich um die Gäste, beantwortete ihre Fragen und half beim täglichen Reinigen. Das HumesHouse ist ein wirklich angenehmer Ort, eine alte Villa, die sehr passend Retro eingerichtet ist und mit ihren luftigen Terrassen und großem Gemeinschaftsbereich zum verweilen einlädt. Viele Gäste verlängerten ihren eigentlich geplanten Kurzurlaub spontan oder quartierten ihre Freunde aus anderen Hostels hierher um. Aber auch hier stellte sich schon nach kurzer Zeit heraus, das man es niemals allen Gästen recht machen kann. Genauso wie auf einem Charterschiff, ist es dem einen Gast zu laut weil gerade Abends eine geschäftige Atmosphäre herrscht, jeder möchte natürlich von seinen Tageserlebnissen berichten, der nächste findet gerade diese Gemeinschaftlichkeit toll, dafür ist ihm aber das gratis Frühstück, mit Kaffee, Tee, Beagles, Marmelade und Früchten, nicht ausreichend genug. Sehr schade ist auch, dass oft nur die unzufriedenen Gäste ein Feedback hinterlassen, sollte ich jemals ein eigenes Hostel eröffnen, muss ich mir noch ein ganz schön dickes Fell wachsen lassen.

Mit dem Manager verstand ich mich ganz großartig, so das wir an den Wochenenden viel gemeinsam auch mit anderen Gästen unternahmen, ich hatte lange nicht so viel Spaß! Besonders die Abende in Localbars mit rhythmischer Soca-Music und das Local-Streetfood, unbedingt zu empfehlen ist das typische Bahamienfood CONCH fried, hatte es mir angetan. Tagsüber genoß ich die Ruhe im Hostel, da ja alle ausgeflogen waren, denn natürlich waren auch hier die Strände großartig, aber auch die Ausflüge auf das nahegelegene Paradise Island, einer grandiosen Park und Poollandschaft, genoß ich sehr. Aber ein ganz besonderes Highlight war natürlich meinen 50sten Geburtstag tatsächlich auf dieser wundervollen Karibischen Insel zu feiern, der als krönenden Abschluss noch ein außergewöhnliches Geburtstagspräsent von meinem Sohn beinhaltete – einen Schnuppertauchkurs. Wir starteten in einem Pool und erhielten dort die erste Einweisung, danach durften wir uns noch eine Stunde an die Atemgeräte gewöhnen und nach einer Pause ging es dann auch schon hinaus auf See zu einen Riff. Was für ein Erlebnis! Nicht nur die bunten Fische unter Wasser, sondern vor allem das Gefühl fast schwerelos die Schnorchler und Boote von unten zu betrachten. Ich hatte Blut geleckt und es würde nicht das letzte mal sein, dass ich tauchen gehen würde, das stand fest 😉

Und so flogen die Wochen dahin, aber eigentlich war ich ja dort um mein US-Visum zu beantragen, da ich länger als 3 Monate in den USA verbringen wollte, reichte das ESTA nicht aus, so das ich online das B1/B2 Visum für 6 Monate beantragen musste und dann bei der ortansässigen US-Botschaft ein Interviewtermin brauchte. Das ging leider beim ersten Versuch gehörig schief, der Beamte befand mich nicht würdig die USA zu bereisen, wahrscheinlich hatte er Angst, dass ich das Land nicht wieder verlassen würde, da ich ja keinen Rückflug vorweisen konnte. Denn der Plan war, mit dem Katamaran Hector nach Virginia zu fahren und dann dort die Hurrikansaison abzuwarten, um dann Anfang November wieder zurück in die Karibik zu segeln. Also beantragte ich dann doch das ESTA Visum und wollte in kauf nehmen nach 3 Monaten wieder auszureisen, aber auch das wurde ohne Begründung abgelehnt. Ich hatte mich schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, meinen Aufenthalt auf unbestimmte Zeit auf den Bahamas zu verlängern, denn auch der Hostelmanager machte mir ein unmoralisches Angebot, mich fest einzustellen, da er so sehr zufrieden mit mir war. Doch der Eigner des Katamarans gab nicht auf und griff mir finanziell unter die Arme, so dass ich noch einmal das B1/B2 Visum für 300,-$ beantragte und nun beim nächsten Interview beweisen musste, dass er finanziell für mich bügen würde und auch dafür garantiert, dass ich mit ihm das Land wieder verlasse. Und dann wurde mir doch auch tatsächlich dieses Visum wiederum abgelehnt.

So und nun weiß ich gerade nicht weiter. Ich kann weder irgendwo hin weiterfliegen, da alle Flüge immer über die USA gehen, noch auf den Bahamas bleiben, da meine Aufenthaltsgenehmigung nur noch bis 30.April gilt und auch wenn ich hier im Hostel länger arbeiten wollte, muss alles erst beantragt werden und das kann auch wieder dauern. Die einzige Möglichkeit ist also per Schiff auszureisen, wenn also jemand in Richtung Cuba, Mexiko oder andere Länder südlich von den Bahmas fährt und noch Unterstützung braucht, bitte sofort melden.